Test: Geheimakte 2 - So gut wie der Vorgänger?
Im Inneren eines Vulkans entdeckt Max diesen kleinen Sprengsatz. Seine verständliche Reaktion: „Ach du Scheiße!“
Geheimtipp Geheimakte! In Deutschland entwickelt, vor zwei Jahren auf den Markt gebracht - und seitdem auf Platz 1 in unserem Adventure-Einkaufsführer: Geheimakte Tunguska, eines der besten klassischen Abenteuer der letzten Jahre. Geheimakte 2 ist sein Nachfolger.
Viel hat sich nicht geändert: Die Entwickler legen das Spiel als typische Fortsetzung an, die auf Innovation verzichtet und dafür das Wiedersehen mit alten Bekannten feiert: Nina und Max, die Helden des ersten Teils - es ist eine Freude, sie wieder im Einsatz zu sehen. Beide starten in verschiedenen Winkeln der Welt: sie am Hamburger Hafen zu einer erholsamen Kreuzfahrt, er im tiefsten indonesischen Dschungel.
Quelle: PCGames
Warum tragen die Mitglieder böser Sekten eigentlich immer schwarze Kutten?
Die beiden Handlungsstränge laufen erst gegen Ende des Spiels zusammen, vorher bekommen die Helden einander nicht zu Gesicht - irgendwie schade. Ähnliches lässt sich über die Geschichte sagen: Ihr Rahmen - eine böse Sekte plagt die Menschheit mit Umweltkatastrophen - verspricht mehr Abenteuer, als Geheimakte 2 letztendlich bietet. Den Großteil des Spiels bringt man auf einem Luxuskreuzer und in den Straßen von Paris zu - dramatische Höhepunkte wie im ersten Teil, etwa Ninas waghalsige Klettertour auf dem Dach der transsibirischen Eisenbahn, enthält Geheimakte 2 kaum. Immerhin: Diesmal kommen mehr gerenderte Zwischensequenzen zum Einsatz, sie versprühen den Charme von Abenteuerfilmen.
Im Vergleich zum ersten Teil ist die Handlung weniger zielgerichtet: Hatte man im Vorgänger mit der Suche nach Ninas Vater noch ein klares Motiv, ist die Geschichte nun etwas konfuser - und das wirkt sich auf das Rätseldesign aus. In Tunguska wusste man stets, warum man etwas tut: Schlösser knacken, aus Gefängnissen fliehen - das sind gute Gründe, sich den Kopf zu zerbrechen. In Geheimakte 2 sind zwar praktisch alle Rätsel logisch und fair, doch manchmal wirken sie unnötig verschachtelt und aufgesetzt. Auf dem Luxusdampfer soll Nina etwa der Schnitzeljagd eines Kindes folgen, um an ihr verschollenes Gepäckstück zu gelangen - eine pfiffige Rätselkette zwar, doch was hat das mit der Spannung, dem Krimi, dem Mysteriösen zu tun, die ein Geheimakte-Spiel verspricht? Auch in Paris warten Aufgaben, die ohne stures Rumprobieren kaum lösbar sind.
Geheimakte 2 setzt wieder auf gerenderte Hintergründe und 3D-Charaktere. Das Ergebnis sieht spitze aus.
Ein Beispiel: Nina betritt ein verfallenes Gebäude. Sie entdeckt eine riesige Uhr in der Wand, drapiert eine Kerze auf dem Minutenzeiger. Die fällt wenig später auf die Motorhaube eines davor geparkten Autos - das löst Alarm aus, was den Fahrzeugbesitzer he ranhechten lässt. So abgelenkt, kann er nicht das kurz darauf vorbeifahrende Auto herbeiwinken, wie er es geplant hatte. Es schlägt stattdessen die falsche Richtung ein, fährt über eine verregnete Brücke, wo es Spritzwasser aufwirbelt und so einen Straßenfeger veranlasst, an einer anderen Stelle zu kehren - und das alles nur, damit Nina unter dem entfernten Schmutz ein blaues Steinchen findet! Solche Rätsel löst man mechanisch, ohne wirklich zu kapieren, was man da tut.
Bedienkomfort dagegen zeichnet auch Geheimakte 2 aus: Anstatt die Spielfigur Sätze wie "Das geht so nicht" aussprechen zu lassen, zeigt der Mauscursor bequem an, ob eine Aktion - etwa das Kombinieren von Items - möglich ist oder nicht. Ein Klick oder Tastendruck versieht Hotspots mit nützlichen Lupensymbolen, obendrein unterstützt ein Tagebuch bei einigen besonders schwierigen Rätseln. Diese Hilfe hätte jedoch praktischer ausfallen können: Die Entwickler setzen dem Spieler diesmal viel mehr manipulierbare Hotspots vor und schaufeln Unmengen an Items in sein Inventar - der Frustfaktor ist daher größer als im ersten Teil, wenn auch noch immer kein echtes Problem: Wir spielten Geheimakte 2 ohne Komplettlösung durch.
Nichts Neues bei der Grafik: Umgebungen sind detailreich gerendert und durch kleine, feine Animationen verziert - so wie im Vorgänger. Ebenso die Sprachausgabe: Sie ist exzellent, fast perfekt auf Situation und Figur zugeschnitten. Neu sind viele Gags und Insider-Witze, die vor allem Adventure-Fans ein Grinsen entlocken. Das passt gut, denn für die ist Geheimakte 2 ohnehin ein gefundenes Fressen.
Ein Rätselbeispiel (Achtung Spoiler) sowie die Motivationskurve finden Sie auf der nächsten Seite >>>

Auch wenn die beiden Spiele nicht direkt zusammenhängen, würd ich dir trotzdem empfehlen, dich erst mit Teil 1 auseinander zu setzen.