Online-Sucht: Interview mit Despina Papadimitratou

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Interview mit Despina Papadimitratou, Dipl.-Psychologin und Psychotherapeutin
im Vivantes Humboldt Klinikum. Ab 1999 tätig in der Abteilung Suchterkrankungen/ Entwöhnung und Entgiftungsstation, seit 2006 in der Psychiatrischen Institutsambulanz des Vivantes Humboldt Klinikum, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (PIA 2 - Haus 20 -).

PC Games: Wie viele Patienten behandeln Sie im Moment wegen Online- / Onlinespielesucht?

Papadimitratou: Zur Zeit sind 15 Patienten in meiner Behandlung, in unserer Einrichtung werden jährlich ca. 80 Patienten unterschiedlichen Alters behandelt.

PC Games: Würden Sie sagen, dass seit der Veröffentlichung der populären Online-Rollenspiele wie World of Warcraft oder Der Herr der Ringe Online die Zahl der Onlinesüchtigen zugenommen hat?

Papadimitratou: Ja, bei ca. 70 % der Patienten ist die Online-Sucht unter anderem auf diese Spiele zurückzuführen.

PC Games: Was macht die genannten Spiele aus psychologischer Sicht aus, dass Sie Spieler derart in ihren Bann ziehen können?

Papadimitratou: Es handelt sich dabei um Rollenspiele , diese verstärken das Selbstwertgefühl der Nutzer, es entstehen Erfolgserlebnisse, es entstehen virtuelle soziale Kontakte, der Nutzer bekommt das Gefühl, dass in dieser virtuellen Welt für ihn alles stimmt, er ist zufrieden, er versteckt sich hier vor den alltäglichen Problemen, hierdurch gerät für ihn die reale Welt in den Hintergrund.

PC Games: Wie kann ein Spieler erkennen ob er süchtig ist oder nicht? Wo sind die Grenzen zwischen exzessivem Spielen und Sucht? Wie äußert sich die Sucht?

Papadimitratou: Der Spieler vernachlässigt in starkem Maße seine sozialen, beruflichen , schulischen und familiären Kontakte, er kapselt sich von seiner Umwelt ab, er entwickelt Aggressionen gegen die Umwelt, er entwickelt eine vegetative Symptomatik, z.B. innere Unruhe, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, starkes Schwitzen. Sein abhängiges Verhalten äußert sich in Kontrollverlust, zwanghaften Reaktionen, soziale Isolation, Vernachlässigung der Körperpflege, der privaten und beruflichen Pflichten, er verbringt mehr als sechs Stunden täglich Online.

Normales Spielverhalten bis zu 3 h täglich, bis zu 6 h täglich exzessives Verhalten und mehr als 6 h täglich wird als Suchtverhalten bezeichnet.
Das Verhalten ändert sich, s.o.

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