Spider-Man: The Movie hat eine gute und eine schlechte Seite: Da gibt es atemberaubende Außenlevels, in denen Sie sich durch Häuserschluchten schwingen, an verspiegelten Wolkenkratzerwänden krabbeln und Spinnenweben auf surrende Roboter schleudern. Unten wuseln Autos, so klein wie Ameisen. Das ist Action, die zum Popcornknabbern einlädt. Dann gibt es Spielszenen, die in geschlossenen Räumen stattfinden. In Räumen, die so klein sind, dass Sie wegen der eigenwilligen Kameraperspektiven nie wissen, in welche Richtung Ihr Superheld gerade tappt. Weil Spider-Man an Wänden und Decken wandert, als sei es das Normalste der Welt, springt die Perspektive nervös hin und her. Die Steuerung, die in Relation zum Blickwinkel steht, ändert sich gleichermaßen. Das heißt, manchmal laufen Sie nach unten, wenn Sie nach unten drücken manchmal aber auch nach oben. Der Kampf gegen Gauner ist deshalb meist ein Kampf gegen die Unübersichtlichkeit: Sie springen blind ins Getümmel, teilen mit Fäusten, Füßen und Spinnennetzen aus. Sie werden schon treffen. Mit etwas Fingerfertigkeit helfen Spezialmanöver, die Spider-Man vollführt, als hätte er den schwarzen Gürtel: Er springt Gegnern von oben auf die Schulter oder befreit sich mit Salti aus scheinbar ausweglosen Situationen. Und wenns mal nicht klappt, landen Sie in Ermangelung einer Speicherfunktion am Level-Anfang.
Spider-Man ist so schnell, dass die Kamera nicht hinterherkommt.
So habe ich mir das Leben eines Superhelden vorgestellt: Knapp Abenteuer überleben und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen haben. Was ich mir nicht vorgestellt habe: Dass ich nicht nur gegen Bösewichte, sondern auch gegen eine wildgewordene Kameraperspektive antreten muss. Das Geschehen dreht sich im Sekundentakt, mein Magen macht fast dasselbe und Spider-Man daraufhin das, was er will. Erst, wenn ich die Hände vom Gamepad nehme, steht meine Figur still. Kameraperspektive, Steuerung, und die fehlende Speicherfunktion sind Dinge, die dem Spiel den Sprung über die 70%-Hürde verwehren. Der Rest ist, was Action-Spieler lieben: Geskriptete Ereignisse an allen Ecken und Enden, ein umfangreiches Kombo-Repertoire, teilweise atemberaubende Grafiken. Hoffentlich schaffen es die Programmierer, die Mängel beim Nachfolger auszubügeln.
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