Die WM-Euphorie ist noch nicht abgeebbt, da steht schon das nächste Großereignis ins Haus: FIFA 07 fordert die japanische PES-Konkurrenz zum Titelkampf heraus.
Die neue Bundesligasaison war gerade mal drei Spieltage und eine Pokalrunde alt und schon um einige Überraschungen reicher: Der Club aus Nürnberg ohne Gegentreffer an der Tabellenspitze, Peter Neururer von Hannover 96 vor die Tür gesetzt und der als Titelaspirant hochgehandelte HSV eine satte Enttäuschung - samt Cup-Exitus beim Süd-Regionalligisten Stuttgarter Kickers.
Doch nicht nur in den heimischen Stadien, auch auf dem PC rollt das Leder wieder. Klar, dass EA Sports mit der 07er-Fassung seiner FIFA-Serie nur allzu gern für eine ähnliche Sensation sorgen würde, indem man dem Erzrivalen Pro Evolution Soccer 5 die Meisterschale entreißt. Sicherlich ein gewagtes, aber kein unmögliches Unterfangen. Immerhin greift FIFA 07 mit der geballten Kraft von 27 originalen Ligen, über 510 lizenzierten Mannschaften, einem umfangreicheren Managerpart (mehr Jugendarbeit und realistischere Ablösesummen) und erweiterten Online-Möglichkeiten an. Ob das zum Sieg reicht?
Auf dem Rasen gibt sich FIFA 07 der japanischen Konkurrenz zumindest in der ersten Halbzeit erstaunlich ebenbürtig. Die flummiartige Ballphysik des Vorgängers wurde auf die Ersatzbank verbannt, sodass das Leder endlich glaubwürdiger übers Grün rollt. Nur ab und an wirkt das Beschleunigungsverhalten merkwürdig, etwa wenn der Ball nach einem Lupfer wie ein Felsbrocken aufs Tornetz klatscht.
Bei Angriffen sticht sofort die überarbeitete KI der Offensivkräfte hervor, die sich weltmeisterlich freilaufen und perfekte Anspielstationen für lange Pässe in die Spitze sind. Apropos Pässe: Bediente sich EA Sports bereits in der Vergangenheit des Öfteren bei der PES-Serie, kopierte man dieses Jahr das Pass-System der Japaner: Je länger Sie die Taste gedrückt halten, desto weiter schlagen Sie den Ball. Ebenfalls von PES abgekupfert: Bei Freistößen schneiden Sie den Ball mit dem linken Analogstick an. Erstaunlich, dass EA Sports dieses Feature erst jetzt eingebaut hat.
Eklatante Abwehrschwäche
Ansonsten suchen Sie spielerische Neuerungen beinahe so vergebens wie Schulden auf dem Bankkonto des FC Bayern. Stattdessen decken Sie einige richtig nervige Designschnitzer auf - vor allem bei der Torwartleistung. Egal ob Jens Lehmann oder Gianluigi Buffon im Kasten steht - die Keeper in FIFA 07 besitzen allenfalls Regionalliganiveau. Zu den harmloseren Vergehen gehört noch, dass die Torhüter auffällig oft Schüsse direkt vor die Füße des Gegners fausten.
Wenn aber Ihr Schlussmann bei Ecken plötzlich orientierungslos durch den Strafraum stolpert, würde man ihm am liebsten einen Kopfstoß nach Zidane-Muster verpassen. Die Verteidiger machen es nicht besser: Kaum rollt ein Angriff, löst sich die Hintermannschaft auf, wie die alljährlichen Aufstiegshoffnungen der SpVgg Greuther Fürth. Anfänger mag das weniger stören, Profis hingegen fühlen sich unterfordert.
Liegt man in Führung, reicht es zum Beispiel aus, bis zur 90. Minute mit dem Ball durch den eigenen Strafraum zu spazieren. Statt anzugreifen, lässt einen der PC-Gegner einfach in Frieden und bleibt stehen. Ab und an startet mal ein einzelner Stürmer eine Verzweiflungsattacke, das wars schon. Welches Team lässt sich in Wirklichkeit so vorführen? Unfreiwillig komische Figuren geben übrigens die italienischen Stars Zambrotta und Nesta ab: EA Sports stattete ausgerechnet die beiden amtierenden Weltmeister ohne Oberarme (!) aus.
In technischer Hinsicht kickt FIFA 07 wie gewohnt in der Champions League. Die Spieler wetzen geschmeidig animiert über den Rasen und lassen beim Torjubel den Emotionen mehr freien Lauf denn je. Unschön sieht lediglich der übertriebene Bloom-Effekt aus, der die Zwischensequenzen völlig unnatürlich erscheinen lässt. Noch besser als die Grafik ist EA Sports die Soundkulisse gelungen, die die Stadion-Atmosphäre perfekt ins Wohnzimmer bringt: Die Zuschauer grölen erstmals die echten Vereinsnamen.
Neben den bekannten Modi wartet FIFA 07 beim Multiplayer mit einer interaktiven Liga auf, bei der Sie Ihren Verein im Internet durch eine Saison führen. Diese Liga war bei Redaktionsschluss allerdings noch nicht testfähig.