Mehr Motorsport geht nicht: DTM Race Driver 3 schreibt auch ohne kitschigen Storymodus Geschichte - dem unglaublichen Spielumfang sei Dank.
Schnulzig, peinlich, lächerlich - die seifenoperähnliche Hintergrundgeschichte von DTM Race Driver 1 und 2 mit Nachwuchs-Rennfahrer Ryan McKane in der Hauptrolle kam bei den Fans überhaupt nicht an und bleibt beim dritten Teil folglich auf der Strecke. Abgesehen von diesem zu verschmerzenden Verlust haben die Rennspiel-Experten von Codemasters ordentlich an der Optionsschraube gedreht und die Vielfalt des Vorgängers noch einmal getoppt: Sechs Motorsport-Klassen mit 60 Rennserien, 100 Streckenvarianten auf 50 Kursen und 78 Fahrzeuge erwarten Sie.
Mit von der Partie ist alles, was in der Motorsportwelt Rang und Namen hat. Ob Gokarts, Monster Trucks, Formel-1-Flitzer, Muscle-Cars oder museumsreife Oldtimer - DTM Race Driver 3 lässt Rennspielerherzen definitiv höher schlagen.
Gigantische Auswahl
Die unglaubliche Zahl von 60 Rennserien wird im Spielverlauf freigeschaltet und verteilt sich auf sechs abwechslungsreiche wie herausfordernde PS-Karrieren. "Touring Cars" widmet sich dem Namensgeber des Spiels. Doch bevor Sie gegen Mika Häkkinen oder Heinz-Harald Frentzen die letztjährige DTM-Saison mit sämtlichen Originaldaten und dem fast kompletten Regelwerk - aus Realismusgründen gibt es nur einen statt zwei Pflicht-Boxenstopps - nachspielen, stellen Sie Ihr fahrerisches Können unter anderem in knautschig-kleinen Renault Clios oder Honda Civics unter Beweis.
Klappt das, starten Sie neben der kompletten DTM-Saison, die schon allein den Kaufpreis rechtfertigt, auch im ebenfalls komplett lizenzierten australischen Pendant V8 Supercars. Einige Reifenbreiten anspruchsvoller geht es bei der Formel-Laufbahn "Open Wheels" zu. Hier wandeln Sie auf Schumis Spuren und qualifizieren sich über Kart-Meisterschaften und Nachwuchsserien wie die Formel Ford oder Formel 3 für einen Platz im Williams-F1-Team. Mangels Formel-1-Lizenz treten Sie anschließend allerdings nur in einer fiktiven Formel-Meisterschaft an.
Heute ein Koenig
Pfannkuchenflache Japan-Renner von Nissan und Co. eröffnen den "GT"-Modus. Anschließend geben Sie unter anderem in der lizenzierten British-GT-Serie Gas - aus rechtlichen Gründen ohne Porsche und Ferrari. Doch der italienische Autobauer gibt sich kurze Zeit später mit einem von Koenig genial frisierten Modena 360 im GT Tuning Cup die PS-Ehre.
Die amerikanisch angehauchte "Oval"-Meisterschaft ist mit sechs Rennserien relativ überschaubar, aber dank Sprintcar- und Indycar-Rennen auf tempooptimierten Ovalkursen nicht minder unterhaltsam. Wer es lieber schmutzig mag, findet seine Herausforderung abseits gewöhnlicher Asphaltpisten in der "Offroad"-Serie. Bevor Sie mit Jutta Kleinschmidts VW Touareg über staubige Wüstenparcours wedeln, sammeln Sie mit Strandbuggys, Monster Trucks oder Rallycross-Fahrzeugen im Stil von Colin McRae Rally 05 Erfahrung.
Die sechste Karriere "Classics" erinnert an GT Legends und erfreut Gasfußnostalgiker mit Renault-Alpine-Rennen, wuchtigen US-Muscle-Cars oder dem legendären Vintage Grand Prix von 1934. Den perfekten Mix aus allen Wettbewerben bietet die "Welttournee", die den Karrieremodus des Vorgängers ersetzt.
Hier fahren Sie in 32 Stufen mit 87 herausfordernden Meisterschaften durch entsprechende Platzierungen auf den Motorsport-Olymp. Im Gegensatz zu den sechs Karrieren lassen sich die Rennen hinsichtlich Rundenzahl, Gegnerstärke, Fahrzeug oder Reglement nicht frei konfigurieren. Dafür gibt es knapp 45 Minuten mäßig gerenderte Zwischensequenzen aus der Ego-Perspektive, die Ihnen meist Vor- und Nachteile diverser Wagen erklären.
Noch mehr Realismus
Auch wenn die Mehrzahl der Rennserien fiktiver Natur sind, tut das der Atmosphäre aufgrund der schier grenzenlosen Vielfalt keinen Abbruch. Zudem überzeugt das Fahrmodell der 78 Rennwagen auf ganzer Linie. Ob altertümlicher Silberpfeil, rutschiges Gokart oder wieselflinker Lamborghini Diablo: Jedes Fahrzeug steuert sich nicht nur präzise, sondern anders und absolut glaubwürdig.
Verfolgungsjagden im Windschatten wirken sich neuerdings ebenso wie der Reifenabrieb auf das Fahrverhalten aus. Wer sämtliche Fahrhilfen deaktiviert, bekommt eine überaus realistisch und nur schwer zu meisternde Simulation geboten, die kleinste Fahrfehler eiskalt bestraft und ein Lenkrad als Eingabegerät unabdingbar macht. Profis, die noch mehr aus ihren Autos herausholen wollen, schrauben mithilfe von 19 Tuning-Optionen an ihrem Auto herum.
Anfänger setzen besser auf die voreingestellten Wagen-Set-ups. Herausragend ist das neue Schadensmodell: Schöner und effektvoller als bei DTM Race Driver 3 können Sie in keinem anderen Spiel Autos zerknautschen. Da sich Schäden direkt auf das Fahrverhalten auswirken, ist vorausschauendes Fahren das A und O. Davon halten die ansonsten exzellenten KI-Gegner nicht ganz so viel und rammen einen gelegentlich grundlos von der Piste.
Besonders frustrierend ist das in den Formelklassen, wo die freiliegenden Achsen der Fahrzeuge schon bei kleinsten Berührungen brechen. Unsichtbare Streckenposten schreiten bei zu rücksichtslosen Fahrern wie beim verbotenen Abkürzen ein und verhängen Zeitstrafen - ärgerlicherweise kommen die PC-Fahrer meist glimpflicher davon als man selbst.
Die Auswahl an authentischen Strecken ist wie deren exakte Nachbildung top. Verbesserungswürdig sind jedoch die platten 2D-Zuschauer nebst flacher Streckenrandobjekte. Augenschmeichelnd hingegen: der hohe Detailgrad der Fahrzeuge sowie die Regenrennen mit den hübschen Spiegeleffekten und einer herrlich schmierigen Gischt. Da verschmerzt man glatt das Fehlen eines dynamischen Wettersystems.