Selten waren Taktik-Scharmützel so knifflig wie hier, am Rande der libyschen Wüste: Hollywood-Realismus und ein motivierendes Kampagnensystem machen Spielen im Sand wieder salonfähig.
Im Jahr 1942 liefern sich zwei Militärgenies ein Duell: Bei El Alamein stehen sich der deutsche General Rommel und sein alliierter Gegenpart Montgomery gegenüber. Die Schlacht soll die endgültige Entscheidung im Afrikafeldzug bringen, der seit über einem Jahr im Norden des Schwarzen Kontinents tobt. Was man erst heute weiß: Unter den Kämpfern befinden sich auch der Wehrmachtsoffizier Erich von Hartmann und der britische Colonel Sinclair. Vor dem Krieg bei den Olympischen Spielen gegeneinander angetreten und Freunde geworden, treffen sie nun auf dem Schlachtfeld abermals aufeinander. Die beiden Kontrahenten sind die fiktiven Hauptfiguren der zwei umfangreichen Kampagnen vor historischem Hintergrund.
Auf Panzerkaperfahrt
Wie die offensichtlichen Vorbilder Sudden Strike und Blitzkrieg folgt Afrika Korps vs. Desert Rats der Maxime "Kämpfen statt Bauen". Will heißen: Sie müssen nicht wie bei den Kollegen der Echtzeit-Strategie erst ein Feldlager zimmern und einen Mini-Warenkreislauf zum Rotieren bringen, sondern Sie konzentrieren sich ganz aufs Kriegführen. Das heißt aber auch, dass Sie keine Verstärkungen heranführen dürfen. Und bis auf wenige Ausnahmen (etwa wenn von außerhalb Nachschub eintrifft) müssen Sie mit den Kräften auskommen, die Sie von Anfang an zur Verfügung haben. Für gewöhnlich unterstehen Ihrem Kommando zwischen ein und zwei Dutzend Vehikel und etwa doppelt so viele Fußsoldaten. Und zwar inklusive Besatzungen - das gabs im Genre bislang noch nicht. Ohne Fahrer, Kanonier & Co. ist nämlich auch der dollste Panzer nur ein Haufen regungsloses Metall. Zwar fahren die Wagen zur Not auch mit einem Mann Besatzung, je mehr aber darin Platz nehmen, desto effektiver kämpfen sie. Mit dem zweiten Kameraden steigt die Feuerrate, der dritte erhöht die Geschwindigkeit, Nummer vier die Sichtweite. Spezialisten haben noch größeren Einfluss. Schicken Sie etwa einen Kundschafter in einem Seitenwagengespann los, klärt das fast doppelt so weit auf. Ein Scharf- als Richtschütze im Panzer trifft besser als der Standard-Soldat. Sie können übrigens nicht nur die Mannschaften Ihres eigenen Fuhrparks auswechseln. Herrenlose Feindgefährte lassen sich kapern und gegen ihre ehemaligen Besitzer einsetzen.
Überleben ist überlebenswichtig
Dass Einheiten an Erfahrung gewinnen, gehört mittlerweile fast schon zum guten Ton bei Strategiespielen. In Afrika Korps vs. Desert Rats gilt das aber nicht nur für einen Einsatz. Überlebende können auch noch in den Folgemissionen eingesetzt werden. Zwar gilt der Veteranenstatus nicht für Fußsoldaten, sondern lediglich für Fahrzeuge und Geschütze, die dann genauer treffen, und es gibt auch nur zwei Stufen, Rekruten schlagen Sie im Duell damit aber allemal. Klar, dass man auf die Elitekrieger möglichst gut Acht geben sollte. Fast wichtiger ist allerdings die Tatsache, dass beiden Kriegsparteien nur begrenzt viel Ausrüstung zur Verfügung steht: Von den stärksten Panzern und Geschützen finden sich selten mehr als ein, zwei Stück im Arsenal. Aus diesem wird vor Beginn der Schlacht die Lieblingstruppe zusammengestellt. Acht Kanonen, sechs Selbstfahrgeschütze, ebenso viele Soldatenklassen, 14 Tanks und ein Dutzend sonstige Fahrzeuge stehen zur Auswahl, allesamt historischen Vorbildern nachempfunden. Doch wie gesagt: Die großen Modelle sind Mangelware und schwer zu ersetzen. Von den Sonderausführungen, die man sich für besonders gut erfüllte Aufgaben verdient, gibt es gar nur jeweils ein einziges Exemplar. Zugunsten der Spielbalance und des Spielspaßes haben es die Entwickler nicht ganz so genau mit dem Realismus genommen: Die Performance der Kriegsmaschinen der beiden Fraktionen erinnert nur entfernt an die ihrer realen Vorbilder. Trotzdem verhalten sich die Kisten glaubwürdig: Ein deutscher Tiger hält mehr aus als ein britischer Cromwell, ist aber von der Seite oder von hinten durchaus zu knacken. Eine ganz eigene Stellung nehmen Helden wie von Hartmann und Sinclair ein: Sie verleihen den Einheiten unter ihrem Kommando besondere Schlagkraft, dürfen aber auf keinen Fall umkommen. Wie groß die Streitmacht sein darf, bestimmen die Prestigepunkte, die ebenfalls davon abhängen, wie erfolgreich man in den vorangegangenen Einsätzen war. Kommen allzu viele Vehikel zu Schaden, ist ein Neustart fast unausweichlich.
Hier kommt die Kavallerie
Die Oberkommandos der Alliierten und Achsenmächte schicken Sie insgesamt 16-mal an die Front. Die Szenarios folgen streng linear aufeinander, erlauben aber in sich recht große taktische Freiheiten. Nicht alle Aufgaben müssen unbedingt erledigt werden, um weiterzukommen, aber Sekundärziele oder die versteckten Bonusziele bringen mehr Prestigepunkte und manchmal die angesprochenen Sondereinheiten. Die Einsätze gestalten sich vielfältig. Mal eilen Sie wie die Kavallerie zur Rettung bedrohter Verbündeter, mal gibt es Panzerschlachten in der offenen Wüste, mal erbitterte Straßenkämpfe wie in den Vororten der Festung Tobruk. Ein besonders kniffliger Auftrag schickt Sie zur Reparatur liegen gebliebener Wracks, während rundherum bereits ein feindlicher Großangriff rollt und die Stoppuhr zur Evakuierung tickt. Mit etwas Denkarbeit finden sich in den meisten Levels kleine Tricks und Kniffe, die das Leben leichter machen. Wenn Sie beispielsweise aufseiten der Deutschen zusammen mit Ihren italienischen Verbündeten einen Pass verteidigen sollen, empfiehlt es sich, die unbemannte Artillerie auf den Hügeln schleunigst zu besetzen. Für noch mehr Spannung sorgen vorbestimmte, filmähnliche Sequenzen, die an bestimmten Stellen automatisch ausgelöst werden, beispielsweise eine feindliche Gegenattacke nach Einnahme eines Stützpunktes. Leider setzen die Designer die Skripts nicht immer ganz fair ein: Wenn aus heiterem Himmel ein Artillerieschlag in die eigenen Reihen kracht, heißt es fluchen, Spielstand laden und die Stelle beim nächsten Mal weiträumig umfahren.
Vorsicht ist besser als Nachschub
Getreu der alten Militärweisheit, nach der man schlecht bekämpfen kann, was man nicht sieht, gehört die Aufklärung zu den wichtigsten Aufgaben bei Afrika Korps vs. Desert Rats, wenn sie die Gefechte auch nicht gar so dominiert wie etwa im Konkurrenten Blitzkrieg. Eine typische Attacke verläuft in etwa so: Ein Teil der Tanks gräbt sich auf Knopfdruck ein und bildet für den Fall der Fälle eine Rückzugslinie, der Rest brettert Richtung Front, angeführt von einem Spähwagen, möglichst noch mit einem Kundschafter besetzt. Der macht hinter Stacheldraht und Panzersperren auch tatsächlich ein, zwei MG-Nester und Pak-Stellungen aus. Die werden nun von den begleitenden Sturmgeschützen automatisch unter Feuer genommen, ohne dass sie sich wehren können: Ihre Reichweite ist einfach zu gering. Das lässt sich der Computergegner nicht einfach so bieten und schickt eine Panzerabteilung zur Verstärkung. Dank Aufklärung rechtzeitig gewarnt, fällt der Angriffsverband zur vorbereiteten Abwehrstellung zurück - die verfolgenden Feindpanzer gehen in die Falle. Immer funktioniert diese Taktik natürlich nicht, etwa wenn die Zeit drängt oder weil Minenfelder den Weg versperren. Oder weil statt den erwarteten Vehikeln ein Luftangriff kommt und die Flak im Depot geblieben ist. Damit nicht die falschen Verbände den Sieg verhindern, sollte vor jeder Schlacht die empfohlene Aufstellung studiert werden. Falls doch mal eine wichtige Einheit fehlt, hilft nämlich nur noch Neustart. Luftangriffe dürfen Sie übrigens auch anfordern, allerdings ähnlich wie bei Sudden Strike nicht selber steuern, sondern nur das Zielgebiet vorgeben.
Was rumpelt da durch Nacht und Wind?
Einen dicken Nachteil hat das Afrika-Szenario leider: Nahezu alle Karten sehen gleich aus. Die Einheiten sind braun, die Landschaft ist braun, selbst die meisten Gebäude halten sich an diese Farbgebung. Dabei hat die von den ungarischen Entwicklern bereits im Commandos-Verschnitt Platoon eingesetzte Walker-Engine durchaus einiges auf dem Kasten. Die Truppen wirken beinahe so detailgetreu wie im kommenden Grafikwunder Panzers. Dazu gibt es schicke Effekte wie Staubwolken, echtzeitberechnete Schatten, eindrucksvolle Explosionen mit klasse Partikeleffekten, die Trümmer nur so herumwirbeln lassen und - Tusch! - Zeitlupeneinstellungen à la Matrix. Richtig cool wirkt die Grafik aber erst in Bewegung, was sie vor allem den schicken Animationen und der Physik-Engine zu verdanken hat. Da quietscht ein britischer Crusader-Tank eine Staubfahne hinter sich herziehend über die Dünen. Der Fahrer bremst ab, das Vehikel kommt wippend zum Stehen. Jetzt schwenkt der Turm bedrohlich langsam auf einen nahen Schützengraben zu - rums! Der Panzer wird vom Rückstoß regelrecht durchgeschüttelt. Das ist einfach Welten entfernt von Blitzkrieg & Co. Doof: Man kann die Perspektive nur sehr begrenzt ändern; zwar relativ weit herauszoomen, aber fast gar nicht kippen. Zumindest nicht weit genug, um die Reichweite der richtig dicken Kanonen erkennen zu können. Einen eher zwiespältigen Eindruck hinterlässt die Klangabteilung: Während der Soundtrack definitiv Kinoqualitäten besitzt - manche der klassischen Orchesterstücke sind fast schon zu pompös und dramatisch -, fallen besonders die Sprecher der Alliierten durch eher peinlichen als komischen Slang und schwache Betonung unangenehm auf. Dafür können sich die Effekte wiederum hören lassen.
Dank Bonuseinheiten und Panzer-Tuning kann ich die Schwächen im Leveldesign fast ganz verschmerzen.
Seit dem Hexfeld-Klassiker Panzer General frage ich mich, warum nicht mehr Firmen erlauben, bei Strategiespielen die besten Einheiten ins nächste Szenario zu übernehmen. Nichts motiviert so sehr, wie eine schlagkräftige Kerntruppe aus Veteranen aufzustellen. Afrika Korps führt das Kampagnensystem mit Bonuseinheiten noch einen Schritt weiter. Sehr cool auch das Panzer-Tuning: Mit einem Scharfschützen und meinem Offizier an Bord kann ich den Tiger-Tank zur fast unbesiegbaren Kampfmaschine aufrüsten.
Weniger amüsant finde ich es, wenn ich jenen kostbaren Stahlkoloss in einem der unvorhersehbaren Hinterhalte verliere, die mir die Leveldesigner regelmäßig in den Weg stellen. Ich kann es mir nicht leisten, auf meine besten Kämpfer zu verzichten, und so hilft in solchen Fällen nur, einen Spielstand zu laden. Ansonsten: Daumen hoch! Ich hoffe auf ein Add-on.