Testbericht

06.12.2003 14:50 Uhr

Need for Speed: Underground

Schön und schnell: Durch den gekonnten Einsatz von Grafikeffekten erzeugt der neueste Ableger der Need-for-Speed-Serie ein umwerfendes Geschwindigkeitsgefühl. Und ganz nebenbei gibt es wieder eine Karriere.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 01/2004)
86%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
85 %

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Pro Sekunde legt unser Wagen 70 Meter zurück (250 km/h). Wer mit solchen Geschwindigkeiten durch die engen Gassen und stark befahrenen Hauptstraßen einer Stadt donnert, darf weder niesen noch blinzeln noch denken - ein Moment der Unaufmerksamkeit ist gleichbedeutend mit dem Crash. Der jüngste Need for Speed-Sprössling stellt einen Bruch in der Serie dar: Statt Ferraris, Lamborghinis oder Porsches werden in Underground 20 der in der Tuner- und Straßenrennszene so beliebten Mitsubishis, Subarus und Hondas gefahren. Außerdem herrscht striktes Tagfahrverbot - schließlich gehören Street-Racer zu der nachtaktiven Spezies. Kernstück des neuen Need for Speed ist der so genannte Underground-Modus, in dem Sie sich vom Szene-Neuling zum König der Straßenrenngemeinde hocharbeiten und Ihr stinknormales Start-Auto (unter anderem Golf GTI, Peugeot 206, Dodge Neon) zum coolsten Schlitten der Stadt aufmotzen.

Allrounder gesucht

Dazu gilt es, sich in sechs verschiedenen Renntypen zu etablieren: Standard- und Knock-out-Wettbewerbe auf fest abgesteckten Rundkursen gehen über mehrere Runden und verlangen dem Spieler Ausdauer und Konzentration ab, vor allem in längeren Rennen gegen Ende des Spiels fällt es nicht immer leicht, jede Runde ohne größeren Fehler zu absolvieren. Ganz anders laufen die Drag-Turniere ab: Im Beschleunigungsrennen auf einer langen Geraden kommt es ausschließlich auf das richtige Timing beim Hochschalten an, daher muss hier auch dann manuell geschaltet werden, wenn Sie in den anderen Modi die Automatik aktiviert haben. Dank einer dreifarbigen Anzeige in der linken oberen Bildschirmecke (vergleiche Extrakasten "Die Armaturen") fällt das aber gar nicht so schwer: Sobald der Punkt von Blau zu Grün umspringt, ist der ideale Moment zum Hochschalten. Außerdem hält sich der Wagen automatisch in der Spur, lediglich Fahrbahnwechsel sind möglich, indem Sie wie bei einer Carrerabahn kurz nach links oder rechts tippen. Aufgrund des starken Gegenverkehrs und der hohen Geschwindigkeiten gehören die Drag-Rennen zu den spannendsten und kurzweiligsten Momenten des ganzen Spiels. Ein Beispiel: Mithilfe des Nitroboosts haben Sie alle Konkurrenten hinter sich gelassen und rasen mit 240 km/h auf die Ziellinie zu, als plötzlich ein Sattelschlepper die Fahrbahn kreuzt. Binnen weniger Sekundenbruchteile müssen Sie nun nach rechts ziehen und eine gekippte Straßensperre als Schanze benutzen, um über den LKW zu springen - ein Puls von 130 ist garantiert. Ähnlich spannend geht es bei den Spielarten Sprint und Zeitrennen zu: Entweder schneller als die Kontrahenten oder innerhalb des knappen Zeitrahmens soll ein Etappenkurs von A nach B bewältigt werden. Da hier anders als bei Rundkursen keine Zeit bleibt, sich den Streckenverlauf einzuprägen, sind schnellere Reaktionen nötig, um überraschenden Hindernissen auszuweichen.

Weniger Hektik - mehr Technik

Dahingegen sind die Driftkurse weniger hektisch, aber technisch umso anspruchsvoller. Dabei gilt: Je höher die Geschwindigkeit und je extremer der Winkel des Powerslides, desto mehr Punkte werden gutgeschrieben. Als Belohnung für saubere Fahrten ohne Kontakt mit der Streckenbegrenzung gibt es Multiplikatoren. Dank dieser im Vergleich zu Midnight Club 2 oder Hot Pursuit 2 größeren Modusvielfalt macht sich auch über einen längeren Spielzeitraum keine Eintönigkeit breit. Ebenfalls sehr schön: Der Schwierigkeitsgrad darf vor jedem Rennen neu gewählt werden und beeinflusst die Höhe des möglichen Gewinns - ein Turnier bringt über drei Rennen auf "Leicht" gerade mal 3.750,
auf "Mittel" 5.000 und auf "Schwer" stattliche 6.250 Dollar.

Haben Sie Stil?

Um an extravagantes Tuning-Zubehör zu kommen, braucht es außer einem prall gefüllten Bankkonto so genannte Stilpunkte, die Sie für jede ausgefallene oder riskante Aktion während eines Rennens (egal welcher Modus) erhalten. Für knappe Ausweichmanöver im Gegenverkehr gibt es 100 Zähler, genau wie beim sauberen Durchfahren einer Abkürzung; außerdem werden Sprünge und Slides je nach Länge bewertet. Besonders lukrativ sind Kombos: Falls Sie es zum Beispiel schaffen, drei entgegenkommende Autos nacheinander dicht zu passieren, ergattern Sie für das erste 100, für das zweite 200 und für das dritte 300 Punkte. Das dadurch freigeschaltete Material ist in zwei Klassen geteilt: Mit optischen Erweiterungen wie Sportfelgen, Seitenschwellern, Auspuffrohren oder Spoilern erhöhen Sie das Ansehen Ihres Vehikels um bis zu fünf Stufen. Je höher dieser Wert, desto ergiebiger die Stil-Ausbeute: Nach den Events werden Stilpunkte mit Ihrer Reputation multipliziert. Performance-Upgrades wirken sich dagegen direkt auf die Fahrbarkeit des Boliden aus. Reifen, Motor, Getriebe und so weiter lassen sich in vier Stufen ausbauen und verbessern Handling, Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit. Schade: Es gibt nur einen Satz Erweiterungen für sämtliche Autos. Beispielsweise können Sie die Frontschürze "Snyper" sowohl beim Golf GTI als auch beim Nissan 240SX anmontieren. Außerdem steht zwar Zubehör verschiedener Hersteller zur Auswahl, das sich aber weder im Preis noch in der Leistung voneinander unterscheidet.

Arcade über alles?

Im Vergleich mit dem direkten Konkurrenten Midnight Club 2 ist Need for Speed: Underground etwas realistischer: Hier können Sie weder in der Luft lenken noch den Wagen durch reine Gewichtsverlagerung auf zwei Reifen kippen. Dennoch ist klar: Underground ist eindeutig actionorientiert und genau wie seine Vorgänger kein Spiel für Fans akribischer Simulationen. Selbst mit deaktivierter Stabilitätskontrolle lassen sich die Gefährte problemlos beherrschen. Außerdem unterscheiden sich die verschiedenen Modelle kaum merklich voneinander - daher ist es im Grunde egal, für welches Mobil Sie sich entscheiden. In dieser Hinsicht ist Midnight Club mit seiner Vielzahl spürbar unterschiedlicher Karossen überlegen. Need for Speed punktet hingegen beim eigentlichen Renngefühl: Obwohl auf den Straßen besonders in den anfänglichen Rennen viel weniger los ist, ist ein Höchstmaß an Konzentration gefragt. Neben dem gegen Ende merklich anziehenden Schwierigkeitsgrad ist der Hauptgrund das buchstäblich in den Sitz pressende Geschwindigkeitsgefühl. Wenn man mit weit über 200 km/h durch die ungemein detaillierte Umgebung rauscht, wird das Auge geradezu mit Reizen überflutet - links ein architektonisch eindrucksvoller Bürokomplex, rechts aufwendige Neonwerbung und über die einspurige Straße sind Lichterketten gespannt. Eine starke Bewegungsunschärfe (optional deaktivierbar) und die bei hoher Geschwindigkeit leicht zitternde Kamera verstärken diesen Eindruck. Dazu kommen auch die völlig übertriebenen, aber optisch imponierenden Spiegeleffekte: Selbst auf dem verschmutzten Betonboden eines trockengelegten Kanals reflektieren Brücken, Autos und beleuchtete Gebäude, als wäre es ein frisch gewienerter Marmorbelag. Das erschwert zwar anfangs die Orientierung, ist aber ein aus Entwicklersicht notwendiger Schritt: Ohne Reflexionen sähen die Straßentexturen ziemlich unspektakulär aus.
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24 Kommentarezum Artikel

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Dauerstudent - 08.12.2003 00:32
am 08.12.03 um 00:08 schrieb rafkamfx:
ich werd ea in 30 jahren verklagen.. zocke das gam nun ein wochenende lang und hab das gefühl das mein handgelenk hinüber ist, nach zig stunden dauerbelastung. das spiel ist wie eine droge, man kommt nicht davon los!
hoffe das morgen in der vorlesung mitschreiben kann..


Vorlesungen ?- die Besuch ich schon seit Warcraft 3 nicht mehr...
rafkamfx - 08.12.2003 00:08
ich werd ea in 30 jahren verklagen.. zocke das gam nun ein wochenende lang und hab das gefühl das mein handgelenk hinüber ist, nach zig stunden dauerbelastung. das spiel ist wie eine droge, man kommt nicht davon los!
hoffe das morgen in der vorlesung mitschreiben kann..
_Slayer_ - 07.12.2003 23:22
ich hab zwar nicht alle NfS teile gezockt, Porsche fand ich aber trotzdem am besten *g*

Dauerstudent - 07.12.2003 23:15
am 07.12.03 um 13:28 schrieb Dr-Zoidberg:
am 07.12.03 um 10:40 schrieb spassiger:
am 06.12.03 um 18:52 schrieb LordMephisto:
am 06.12.03 um 18:50 schrieb spassiger:
Ja, angeblich soll auch Cheatern Tür und Tor offen stehen und der Zeitabgleich soll angeblich nicht funktionieren, sodass man bei Drag Races auch mal Zeiten unter 20 Sek. fahren kann, obwohl man dazu schon ein kleines Raketenauto benötigen würde.


20sek würde ja noch gehen, mein Rekord liegt bei knapp 7 Sekunden   und wohlgemerkt nicht durch cheatten sondern durch lags

Oh, toll, danke für den Hinweis. Damit streiche es endgültig von meiner Liste. Es gibt doch nichts besseres, als gegen Kumpels eine Runde zu zocken, aber bitte nicht so... Was auch noch nervt, ist, dass man die Karren bei 200 km/h rammen kann und die nicht mal ins Schlittern kommen. Aber Physik war noch nie eine Stärke von NfS.  



Wie bitte?
Also bei NFS 2 kann man dir Recht geben. Da fuhren die Gegner wie auf Schienen.
Aber sie hatten sich dann weiterentwickelt.
Bei NFS Porsche haben sie für meinen Geschmack eine beinahe perfekte Physik gehabt.
Da muß erstmal wieder ein NFS-Teil hinkommen.
Aber seit NFS Porsche hat mir kein Teil mehr richtig Spaß gemacht.
Die Grafik wird zwar immer hübscher, aber für die Fahrdynamik wird immer weniger getan.
Ist euch mal aufgefallen, daß z.B. das Force Feedback seit NFS Porsche abgenommen hat?
Da kauft man sich teure Hardware, um ein relativ realistisches Feeling zu bekommen und
dann schaut man in die Röhre.
Fazit:
Mir hat das Demo von NFS Underground gereicht und werde es mir nicht zulegen.


Diese Meinung kann ich nur voll bestätigen - NfS 5 war eigentlich das Rennspiel für mich schlechthin.Auf irgendeine mir nicht erklärbare Art konnte dieses Spiel dauerhafte Motivation auslösen,was bei mir bei sonstigen Rennspielen eigentlich nie der Fall war.
Zum Thema FF : NfS 5 ist eigentlich auch eines der weingen Spiele,welches (sogar ohne grosse Einstellungen) ordentliche FF - Unterstützung hatte.
Octane - 07.12.2003 19:12
am 07.12.03 um 19:02 schrieb spassiger:
In so einer Situation wartet man entweder auf eine Budget-Version oder auf den Patch und kauft es sich dann.  


Ja, das hab ich auch schon überlegt!
Allerdings brauche ich endlich mal wieder einen g'scheiten Arcade-Racer, ansonsten gibt's ja nicht viel Auswahl. Vielleicht noch MC2, aber da hat mir die Demo nicht so besonders gefallen...
Im Singleplayer macht NFS:U sicher auch Spass, vom Geschwindigkeitsgefühl und der Atmosphäre passt's ja echt! Kann man nur hoffen dass EA mal einen Patch rausbringt der die Probleme im MP-Modus löst. Aber wenn ich mir den Support bei der NFS-Reihe ansehe hab ich da wenig Hoffnung  
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Allgemeine Infos

Name Need for Speed: Underground
Genre Rennspiel
Webseite http://www.needforspeed.c...
Hersteller Electronic Arts Corp. (US)
Anbieter Electronic Arts
VÖ-Termin 28.11.2003 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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small button Special - 11.49 Uhr - 17.04.2008

Vom Genrekönig zum Mainstream-Einerlei - Die Geschichte von Need for Speed

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Die eher arcadelastige Steuerung der Vorgänger machte in Pro Street Platz für mehr Simulation. [br][br]Eine Anekdote am Rande: Für die Wii- und Playstation 2-Umsetzung versprach EA auf der Verpackung ein vollumfängliches Schadensmodell. Eine glatte Lüge, denn in beiden Versionen waren Lackkratzer das Maximum. Während Wii- und PS2-Spieler also auf ein Schadensmodell verzichten mussten, konnten Next-Gen-Konsolen-Besitzer und PC-Fans jeden Wagen gekonnt in seine Einzelteile zerlegen.

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