Testbericht

23.11.2003 15:00 Uhr

Temple of Elemental Evil

Im Tempel des elementaren Bösen rumort es ganz gewaltig ... Geduldige Rollenspieler sollten sich darin mal umsehen.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 12/2003)
79%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
88 %

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Vor langer, langer Zeit erschien ein Greyhawk-Modul namens Temple of Elemental Evil (ToEE), entwickelt von dem Dungeons & Dragons-Erfinder Gary Gygax. Jetzt, 17 Jahre später, hat die Pen&Paper-Episode den Sprung ins Computerspiel geschafft. Grundgerüst bildet die Version 3.5 der D&D-Regeln - Veteranen wissen, was das bedeutet; dem Rest wollen wir Einzelheiten, die auf dem Papier kaum spannender sind als ein schlecht übersetztes Videorekorder-Handbuch, ersparen. Alles, was man wissen muss: ToEE spielt sich ähnlich wie Baldur's Gate 2 und Pool of Radiance 2, ist rundenbasiert und im Detail saumäßig kompliziert. Schon das Menü der Charaktergenerierung deutet nicht gerade feinfühlig an: Sie haben es hier mit einem Rollenspiel zu tun - und zwar mit einem richtigen. Die Werte Ihrer Figuren werden wie in der P&P-Vorlage ausgewürfelt. Wenn Ihr Kämpfer einen mickrigen Stärkewert von 13 (Maximum: 18) bekommt, dann können Sie das entweder grummelnd akzeptieren oder erneut würfeln. Dabei entstehen keine Nachteile, außer dass ein Zähler die Anzahl Ihrer Versuche dokumentiert - was peinlich werden könnte, wenn ein Freund bemerkt, dass Ihre Charaktere erst nach 2.312 Anläufen entstanden sind. Mit fünf Figuren dürfen Sie anschließend loslegen.

Gut und böse

Interessanter Aspekt an ToEE: Anfang und Ende des Spiels sind von Ihrer Gesinnung abhängig. Bevor Sie anfangen, legen Sie die Grundzüge Ihrer Party fest: gut, neutral oder böse in jeweils drei Abstufungen. Als rechtschaffene Truppe werden Sie von Ihrem Befehlshaber zu Beginn ins Dorf Hommlet geschickt, um Gutes zu tun. Bösewichte starten vor einer Kirche, die gerade in Flammen aufgeht. Nach Hommlet reisen Sie als Fiesling nur, um dem dort ansässigen Geistlichen mit einem diabolischen Grinsen mitzuteilen, wem die Zerstörungstaten zu verdanken sind. Der Rest des Spiels verläuft in weitgehend festen Bahnen. In Hommlet lösen Sie typische Quests: Sie machen einen Saboteur ausfindig, verkuppeln eine Witwe, gewinnen das Vertrauen eines Kindes und mehr. Sämtliche Aufgaben sind optional: Man kann, muss aber nicht. Als Belohnung winken Erfahrungspunkte, die Ihren Charakteren den Weg bis zum Level-Maximum 10 ebnen. Es lohnt sich also, die Städte bis zum letzten Winkel zu erforschen; nicht zuletzt deshalb, weil sich dabei fähige Figuren Ihrer Party anschließen. Trunkenbold Elmo, der in der örtlichen Kneipe herumtorkelt, kämpft beispielsweise genauso gut, wie er lallt - und ist im Gefecht eine große Hilfe. Insgesamt darf Ihr Heldentrupp aus acht Personen bestehen. In den Städten gelangen Sie, sofern Sie dem roten Faden folgen, an wichtige Informationen über den Standort weiterer Reiseziele. Die werden anschließend auf Ihrer 2D-Karte eingezeichnet; ein Klick darauf bewirkt, dass Ihre Party dorthin marschiert. Nach einigen Stunden Spielzeit machen Sie den Tempel des elementaren Bösen ausfindig, einen gigantischen Dungeon mit etlichen Stockwerken. Bis zum Ende des Spiels werden Sie darin gegen allerhand Monster antreten und erstaunlich wenig Story erleben - so wie im Original-Greyhawk-Modul von 1985.

Die größte Freude: Kampf

Sie haben sich bestimmt auch schon mal am Kopf gekratzt, wenn es zu folgender Situation gekommen ist: Ihr Zauberer fuchtelt mit den Armen, sämtliche Gegner fallen in einen tiefen Schlummer - und trotzdem machen Ihre Schwertschwinger nur ein paar mickrige Schadenspunkte pro Schlag. Nicht so in ToEE; hier geht dank genauester Einhaltung der D&D-Regeln alles mit rechten Dingen zu. Feinde, die - aus welchem Grund auch immer - gelähmt am Boden liegen, lassen sich mittels Spezialattacke ("Coup de Grace") sofort endgültig ausschalten. Die Kämpfe laufen, wie erwähnt, rundenbasiert ab, sind glaubwürdig und teilweise gerade deshalb anspruchsvoll - gleichzeitig sind diese der größte Pluspunkt von ToEE. Aus kreisförmig gestalteten, komplexen Fenstern mit zig Untermenüs wählen Sie eine Vielzahl an Angriffsarten und Zaubersprüchen aus, die eine große Anzahl verschiedener Taktiken ermöglichen. Diebe schleichen sich von hinten an Gegner heran und landen kritische Treffer; Kämpfer sind aufgrund dicker Rüstung langsam und träge, dürfen aber mittels besonderer Kraftattacken mächtige Schläge landen; Zauberer beschwören Monster, die an Ihrer Seite kämpfen, oder spezialisieren sich auf Heil-, Angriffs- oder andere Magieformen. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass man damit ein ganzes Buch füllen könnte. Einsteiger freuen sich daher über die praktische Online-Hilfe.
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Thomas Weiß

Ein hübsches, kampforientiertes und höchst komplexes Rollenspiel krankt an Fehlern im Detail.

Blätter rauschen im Wind, Schmetterlinge schwirren durch die Luft, Libellen flattern um einen Sumpf herum und der Mantel meines Kämpfers schwingt bei Bewegungen physikalisch korrekt mit – die 2D-Welt und die Figuren wurden mit einem beachtlichen Sinn für Details animiert. An der Präsentation gibt’s deshalb nichts auszusetzen, am Spiel selber dafür umso mehr. Dass der Maus-Cursor vor allem in den Kämpfen über den Bildschirm hüpft, als hätte er Schluckauf, erschwert die Navigation in den zu kleinen Menüs. Dadurch werden die Gefechte unnötig mühsam – was schade ist, da gerade diese den Reiz von ToEE ausmachen. Vielleicht nehmen sich die Entwickler unsere aufgeführten Kritikpunkte ja zu Herzen und kümmern sich um einen Patch. Ein Baldur’s Gate 2-Killer wird das Spiel dadurch zwar immer noch nicht, aber zumindest Icewind Dale 2 kann dann schon mal einpacken.
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3 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
Lareth - 29.12.2005 01:26
Drogen?
Kollegen, was geht denn bei euch ab???
Durch das Spiel hab ich nun Krämpfe in den Lachmuskeln bekommen und jetzt auch noch euer Testbericht. Was für ne geile Samstagabendunterhaltung, man was hab ich gelacht!!!!!!
Dieses Spiel ist die reinste Comedyshow der Superlative. Jeden zu empfehlen der mal wieder ordentlich Lachen will. Wir können ImortalHH nur zustimmen, aber lustig war es trotzdem.
Wieviel Dope müssen denn die Programmierer geschmissen haben um auf so abgefahrenen Ideen wie das dumme rumlaufen mit den Roben zu kommen´???
Mit am besten fanden wir das Kampfhuhn. Wir wußten vorher nicht das Hühner Oger piecken können.
Unser Ende war auch interessant, nachdem wir im Tempel übelst viele seiner Kollegen umgenockt haben, nimmt er uns erstmal in seine Leibwache auf und wir können die Welt beherrschen. Alles klar!!!!
Wenn das nicht mal ein Ende ist.

:  
ImmortalHH - 28.12.2003 05:25
Mal ehrlich ... dieses Spiel ist ja wohl von VORNE BIS HINTEN verbuggt! So eine Sauerei hab ich ja selten mal erlebt! *fluch*

Ich habe einen astreinen Rechner der mir nie Zicken macht und 1024 MB Arbeitsspeicher ... und dennoch stürzt die Kiste ab, wenn ich nur mal durch das bescheuerte Popeldorf scrolle! Wegfinddung? Rechnet rum als würde ich komplexe Renderprogramme laufen lassen ... ts ... und dann bleibt auch immer mindestens die Hälfte der Gruppe blöd stehen. Ich kanns echt nicht glauben!

Gegner? Kaum zu besiegen ... oder gar nicht... selbst in den ersten Quests. Sehr spassig.

Also dieses Spiel kann ich wahrlich NIEMANDEM empfehlen ... sorry! Die Wertung ist ein echter Witz!
SYSTEM - 24.11.2003 16:52
Jetzt ist Ihre Meinung gefragt: Hier können Sie Ihren Kommentar zum Artikel veröffentlichen und mit anderen Lesern darüber diskutieren.
( Artikel: http://www.pcgames.de/ind... )
Bannex - 24.11.2003 16:52
ein traum für alle pen-and-paper-spieler, rollenspielanhänger und fantasy-fans!!! d&d-fans können (müssen sogar) zuschlagen und es sich zulegen. an alles aus der d&d-welt wurde gedacht und was nicht ging, wurde für den pc vorteilhaft geändert. rollenspielanfänger allerdings werden ihre mühe mit dem punktesystem, dem sinnvollen erschaffen der charaktere, usw haben. hier verlangt es nach sehr langer einarbeitung (indes könnte man gewisse aktuelle spiele bereits durchspielen); hat man das aber hinter sich gebracht, wird man der mühe wegen entlohnt: mit einem der aktuellen besten rollenspiele!!!!
für anfänger sei gesagt: ein sehr komplizierter mix aus diablo, morrowind und neverwinter nights. reingucken lohnt!

nachtrag: hab in meiner euphorie vergessen die bugs und den ordentlichen hardware-hunger zu erwähnen ... sorry!!!
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Allgemeine Infos

Name Der Tempel des Elementaren Bösen
Genre Rollenspiel
Webseite http://www.greyhawkgame.c...
Hersteller Troika Games
Anbieter Atari Germany (DE)
VÖ-Termin Oktober 2003 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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