Testbericht

28.03.2003 13:21 Uhr

Weltraum-Epos von Microsoft

Epische Schlachten, ein riesiger Weltraum, volle Handlungsfreiheit - kaum ein Spiel hat höhere Erwartungen geweckt, als die SciFi-Oper Freelancer.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 04/2003)
86%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
75 %

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Weltall, 22. Jahrhundert. Die Menschheit führt wieder einmal Krieg. Im Streit um eigentlich unwichtige Schürfrechte entstehen zwei Machtblöcke, die sich über Jahre hinweg erbittert bekämpfen. Erst als einer der beiden Parteien schließlich die Vernichtung droht, gibt sie nach: In so genannten Schläfer-Schiffen wird die übrig gebliebene Zivilbevölkerung durch den Weltraum geschossen, in der Hoffnung, dass sie fruchtbare Galaxien für die Gründung neuer Zivilisationen finden mögen. Und tatsächlich werden die Pioniere fündig: Sie besiedeln bislang unbewohnte Sternensysteme und benennen voller Stolz ihre Raumsektoren nach ihrer alten Heimat. Die Deutschen gründen Rheinland, die Engländer Bretonia und die Amerikaner taufen ihre Galaxie auf den Namen Liberty.

Wie gewonnen, so zerronnen

Nach einigen friedlichen Jahren des Aufbaus und der Expansion ist wieder Schluss mit der Idylle. Die Armeen und Polizeiorganisationen, aber auch die Konzerne und die Verbrecherbanden befinden sich im ständigen Krieg um Handelsrouten, Geld und Macht. Terroranschläge sind immerhin bislang unbekannt, und so erschüttert die Nachricht von der Zerstörung der Raumstation Freeport 7 alle Nationen. Einer der wenigen Überlebenden des Anschlags ist der Abenteurer Edison Trent, der kurz zuvor das Geschäft seines Lebens abgeschlossen hat: Er konnte mehrere Tonnen Boron verkaufen, was für ihn ein Leben in Wohlstand und Müßiggang bedeutet hätte. Da der Käufer aber noch vor der Überweisung schwer verwundet wird und wohl bald sterben muss, ist Trent mächtig sauer. Er schwört sich, an den Terroristen fürchterliche Rache zu nehmen.

Doch bevor es so weit ist, hat Trent einen steinigen Weg vor sich: Ohne Geld, ohne Waren und ohne Raumschiff muss er ein völlig neues Leben beginnen. Glücklicherweise findet er in der erstbesten Kneipe einen großzügigen Auftraggeber, für den er einen Konvoi mit Medikamenten und Nahrungsmitteln eskortieren soll. Zusätzlich zu einem kleinen Taschengeld erhält er sogar ein eigenes Raumschiff, das in den nächsten Wochen sein Zuhause sein wird. Kaum hat er im Cockpit Platz genommen, wird er Zeuge eines weiteren Terroranschlags. Das Schlachtschiff eines ausländischen Generals wird angegriffen. Natürlich kämpft Trent gegen die unbekannten Angreifer und kann so seinen Ruf bei den beteiligten Verteidigern verbessern. Nach der Vernichtung der Terroristen eskortiert Trent auftragsgemäß die zwei Transportschiffe und muss sie gegen die plötzlich auftauchenden Piraten verteidigen.

Keine Zeit für Langeweile

Bereits bei diesem ersten Einsatz zeigt sich, aus welchem Holz Freelancer geschnitzt ist. Auch bei vermeintlich friedlichen Missionen vergeht kaum eine Minute, in der keine Piraten auftauchen oder das Leben des Spielers von irgendeiner anderen der rund 50 Parteien bedroht wird. Ob man nun der Storyline folgt, oder auf eigene Faust sein Glück versucht, stets trifft man auf feindlich gesinnte Raumschiff-Gangs.

Immerhin gewinnt Trent bald einige Freunde. Jun'ko Zane, eine Pilotin der Sicherheitskräfte und der Offizier King versorgen Trent mit immer neuen Aufträgen und kämpfen oftmals an seiner Seite. Die beiden sind auch die Hauptfiguren in der Hintergrundgeschichte, die rund 40 Stunden und über 60 Missionen lang eine spannende Geschichte von Verrat, Machtgelüsten und Alien-Artefakten erzählt. Mittels aufwendig gerenderter Videos, Funksprüchen und In-Game-Sequenzen setzt Freelancer ein Epos in Szene, das einem guten Kinofilm gerecht werden würde.

Können allein reicht nicht

Die in die Story eingeflochtenen Einsätze werden im Lauf der Zeit immer schwieriger, da die Gegner zahlenmäßig und technologisch aufrüsten. Anfangs steht man nur einer Handvoll leicht bewaffneter Schiffe gegenüber, aber schon nach kurzer Zeit wird man von Dutzenden schwerer Schlachtkreuzer bedroht. Um dennoch eine Überlebenschance zu haben, muss man nicht nur gut schießen können, sondern auch über eine topmoderne und damit teure Ausrüstung verfügen.

Ohne ausreichend Moos ist daher auch im All nicht viel los. In jeder Kneipe der unzähligen Planeten und Raumstationen findet sich glücklicherweise eine Liste mit lukrativen Aufträgen. Da sollen Verbrecher verhaftet, missliebige Angestellte aus dem Weg geräumt und herumirrende Geschützplattformen zerstört werden, gelegentlich bieten Kopfgoldjäger sogar einen Wettkampf um Geld, Leben und Tod an.

Wer sein Geld lieber auf friedliche Art verdienen möchte, darf Händler werden und Nahrungsmittel, Elektronik und Rohstoffe transportieren. Da sämtliche Planeten jede legale Ware einkaufen und die lokalen Produkte zu einem relativ günstigen Preis verkaufen, besteht stets die Chance auf einen wirtschaftlichen Gewinn. Darüber hinaus verwaltet das Spiel eine Liste, die die Marktpreise jedes besuchten Händlers enthält. Mit einem ausreichend großen Datenbestand kann man durch Handel mehr Geld verdienen, als mit reinen Kampfaufträgen - um Weltraumgefechte kommt man dennoch nicht herum. Denn unangenehmerweise scheinen die Piraten stets von der lukrativer Ladung zu wissen: Je wertvoller die Fracht, desto gefährlicher ist die Tour. Immerhin können die Piraten selbst als Quell des Wohlstands dienen: Sobald ein Gegner abgeschossen wurde, können die Schiffstrümmer mit einem Traktorstrahl in den Frachtraum geladen und beim Händler für gutes Geld verkauft werden. Da dies nicht nur bei gefährlichen Kämpfschiffen funktioniert, sondern auch bei ungesicherten Transportern, bietet sich auch für den Spieler eine Karriere als Pirat an.

Des einen Freund, des anderen Feind

Damit macht man sich bei den eigentlichen Besitzern der Waren natürlich nicht beliebt. Der Spieler hat bei jeder einzelnen Organisation einen Ruf: Gilt er als Freund, so wird ihm bei Kämpfen geholfen, gilt er hingegen als Feind, wird er sofort angegriffen. Da man als Freund zudem lukrativere Aufträge erhält, sollte man stets versuchen, seinen Ruf zu verbessern - was das Ansehen bei den Feinden der jeweiligen Gruppe aber prompt senkt.

Glücklicherweise ist das Freelancer-Universum groß genug, um selbst dem unbeliebtesten Piloten einen sicheren Ort zu bieten. Die neun Galaxien bestehen aus durchschnittlich sechs in sich abgeschlossenen Sonnensystemen mit jeweils rund fünf Planeten oder Raumstationen. Dazwischen liegen Nebel, Asteroidenfelder und radioaktive Schrottansammlungen, in denen man sich bestens verstecken und vergessene Basen entdecken kann. Dort findet man auch am ehesten verbesserte Waffentypen, die auf den zentral gelegenen Planeten nur mit viel Glück erhältlich sind. Die Partikelkanonen, Lasergeschütze, Raketen, Minen und Düppel sind in Klassen eingeteilt, die ihren Energieverbrauch angeben. Hat das Schiff eine geringere Klasse, so ist dessen Batterie schon nach wenigen Schüssen leer. Auf den Erwerb einer Superwaffe muss man dennoch nicht verzichten: Ein Schiff hat bis zu zehn Waffen-Slots. Lässt man einige davon frei, so steht genügend Energie für eine Monsterwaffe zur Verfügung.

Steuerknüppel? Veraltet!

Da letztendlich jeder Flug auf einen Kampfeinsatz hinausläuft, muss man perfekt mit Schiff und Waffen umgehen. Ungewöhnlicherweise steuert man Freelancer aber nicht per Joystick, sondern mit der Maus, weshalb man in den ersten Minuten erstaunlich schlechte Ergebnisse hinter dem Cockpit abliefert. Sehr schnell geht die Bedienung aber in Fleisch und Blut über: Bei gedrückter linker Maustaste folgt das Schiff den Bewegungen des Mauszeigers, die rechte Maustaste feuert die Laserbänke ab. Da die Geschütze beweglich an der Außenhaut des Schiffs aufgehängt sind, muss man die Gegner nicht einmal frontal angreifen. Lässt man die linke Maustaste wieder los, so steht ein herkömmlicher Mauszeiger zur Verfügung, mit dem Informationsbildschirme bedient, Reparaturmaßnahmen eingeleitet und Objekte im Raum markiert werden können.

Ansonsten bietet Freelancer nur wenig Neues. Der ehemals versprochene Autopilot, der dem Spieler während eines Kampfes das Fliegen abnehmen sollte, ist ebenso wenig zu finden, wie die in Aussicht gestellte optionale Joystick-Steuerung. Die zu Beginn der Programmierarbeiten spektakulären Grafiken sind mittlerweile bestenfalls noch zeitgemäß - erst recht im Vergleich zum spektakulären Aquanox 2. Neben hübschen Texturen und abwechslungsreich gestalteten Galaxien zeigt das Spiel zwar auch schöne Licht- und Partikeleffekte, dennoch lässt die Grafik von Freelancer wohl niemandem mehr die Kinnlade herunterklappen.
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6 Kommentarezum Artikel

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Alith_Anar - 16.09.2005 10:47
Zitat: (Original von EM_Lord_Vader am 02.04.2003 19:32)

Weil dich der nächstbeste Pirat ins Nirvana bläst, sofern du nicht bescheisst.



Ist schon alt ich weis  
Sorry aber das Leben ist hart aber ungerecht. Wie in einem RPG möchte ich auch in einem Spiel das mit Handlungsfreiheit ohne ende wirbt mal einen Fehler machen können. Wenn ich mich mit dem Falschen anlege, habe ich halt Pech. Im Leben hast du auch nicht ein Schild das dir sagt hier gehts lang.

Dafür habe ich im Spiel ein Savegame, und die Erfahrung.

Alith
EM_Lord_Vader - 02.04.2003 19:32
am 30.03.03 um 09:42 schrieb Alith_Anar:

btw:
Was mich bei Freelancer noch stört :
Wieso kann ich am Anfang nicht alle Sprungtore benutzen ?



Weil dich der nächstbeste Pirat ins Nirvana bläst, sofern du nicht bescheisst.

Ich für meinen Teil finde Freelancer einen würdigen Privateer Nachfolger.
Obwohl viele Features fehlen, macht mir Fl mächtig Spass.

Und Comments wie "warte auf das Game, das wird der Hammer" bringt garnichts. Es wird immer ein besseres Spiel geben, nur will ich jetzt Spass und nicht Zeit meines Lebens warten.

Klare Kaufempfehlung!
Multiplayer und Mods bringen das Spiel noch weiter.
Alith_Anar - 30.03.2003 09:42
Ich weis
Steht ja uch schon auf meiner Einkaufsliste  
Wenn sich Egosoft nur mal ausmehren würde wann es denn endlich erscheinen soll  

<wart>

btw:
Was mich bei Freelancer noch stört :
Wieso kann ich am Anfang nicht alle Sprungtore benutzen ?

themaster_tds - 29.03.2003 17:50
am 29.03.03 um 09:33 schrieb Alith_Anar:
Das positive an dem Spiel ist, das seit langer Zeit mal wieder ein Weltraumspiel rauskommt.


in nächster zeit wird noch eines erscheinen

X2

ich hab mal grafikvergleiche gemacht und ich muss sagen x2 ist bei weitem besser
Alith_Anar - 29.03.2003 09:33
Das positive an dem Spiel ist, das seit langer Zeit mal wieder ein Weltraumspiel rauskommt.
Ehmm mehr positives fällt mir gerade nicht ein.

Schlecht finde ich die Lösung mit dem Schiffskauf. Wie überall geschrieben wird unendlich handlungsfreiheit und Handel etc ist .... . Wieso muss ich die Hausptstory durchspielen um mir ein besseres Schiff kaufen zu können.
Und wieso will der Waffenhändler mir die Kanone nicht verkaufen. Nur weil man ansehen nicht reicht ??? Geld hab ich ja genug. Unlogischer zusammenhang.
Der Grafik sieht man die lange entwicklungszeit auch an.
Die Steuerung finde ich eher nicht gelungen und wieso fehlt ein Radarsystem. Im Grossen und ganzen bin ich eher enttäuscht von dem Game.

Alith
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Allgemeine Infos

Name Freelancer
Genre Weltraum-Action
Webseite http://www.microsoft.com/...
Hersteller Digital Anvil
Anbieter Microsoft
VÖ-Termin 27.05.2003 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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