Mit Oldtimern auf Rekordjagd
Die Fahrzeuge werden im Verlauf einer Rallye immer schmutziger. Erfreulicherweise leidet die Sicht durch die Windschutzscheibe nicht darunter.
Eine Rallyesimulation mit Fahrzeugen längst vergangener Tage? Was zunächst nach einem rein optischen Feature klingt, stellt sich bald als einzigartiges fahrerisches Erlebnis heraus. Die Fahrzeugtechnik vergangener Zeiten ist nämlich derart unvollkommen, dass selbst ein Ausnahmefahrer wie Colin McRae Schwierigkeiten hätte, die Wagen auf der Piste zu halten.
Der Grund liegt im Zusammenspiel von Fahrwerk, Reifen, Gewicht und Motorleistung . Einige der bis zu zwei Tonnen schweren Oldtimer müssen mit mageren 100 PS auskommen, was zu (aus heutiger Sicht) lächerlichen Beschleunigungswerten führt. Das hohe Gewicht ist auch Schuld an den exorbitanten Bremswegen - und in Zusammenarbeit mit den unterentwickelten Reifen sind die Boliden beim Bremsen nicht mehr lenkbar, sondern schieben einfach unbeeindruckt über die Vorderräder.
An all diese Punkte könnte man sich schnell gewöhnen, wenn nicht auch noch die Fahrwerksschwächen wären. Von Spurtreue kann keine Rede sein, in Kurven schaukelt sich das Fahrzeug auf, die Lenkung fühlt sich schwammig an und lässt ein präzises Steuern kaum zu, Schlingerbewegungen sind selbst bei kleinen Lenkausschlägen nicht zu vermeiden und die meist mangelhafte Gewichtsverteilung führt oftmals zu nicht abfangbaren Drehern.
Die zur Verfügung stehenden Autos hängen direkt vom gewählten Schwierigkeitsgrad ab - je höher, desto größer ist die Auswahl an Fahrzeugen. Hinzu kommen immer PS-stärkere und immer leichtere Wagen, die noch weitaus schwieriger zu steuern sind, als die schweren Anfängerautos. Zudem wird durch einen hohen Schwierigkeitsgrad das Schadensmodell immer realistischer. Vertragen die Wagen im Anfänger-Modus noch so manchen Überschlag, so bedeutet ein einziger kapitaler Fahrfehler meist das Ende eines Profi-Rennens.
Abgesehen von der interessanten Fahrzeugauswahl ist Rally Trophy eine recht gewöhnliche Rallye-Simulation. Eine Meisterschaft besteht aus mehreren Einzelrallyes, und diese wiederum aus etlichen Einzeletappen. Daraus ergeben sich auch die wesentlichen Spielmodi: Meisterschaft, Rallye und Etappe. Zusätzlich gibt es noch das Zeitrennen, das dem Etappenrennen entspricht, aber ohne Gegner auskommt. Da man letztere in einer Rallye aber ohnehin niemals zu Gesicht bekommt, wird de facto nur auf die Anzeige der Zwischenzeiten der Konkurrenz verzichtet. Bei all diesen Modi kündigt eine gut zu verstehende und meist freundliche Stimme den Radius vorausliegender Kurven an. Nur wenn man grobe Fahrfehler begeht, muss man sich so manche unwirsche Äußerung des virtuellen Beifahrers anhören.
Der letzte Spielmodus ist die Arcade-Option. Hier besteht eine Meisterschaft aus mehreren Rundkursen, auf denen sechs Fahrzeuge wie in einem herkömmlichen Autorennen darum kämpfen, möglichst schnell eine vorgegebene Rundenzahl zu absolvieren. Die grafisch gut ausgearbeiteten Wagen sind allerdings arg auf eine leistungsfähige Grafikkarte angewiesen. Wer keinen High-End-Rechner sein Eigen nennt, wird an diesem - wegen seiner guten Fahrer-KI unterhaltsamen - Modus wenig Freude haben. Dies ist bereits das einzige technische Manko, das Rally Trophy aufzuweisen hat. Die Grafikqualität lässt sich an nahezu jede verbreitete Rechnerklasse anpassen und sieht selbst bei niedrigster Detailstufe noch sehr ansehnlich aus.
Eine erweiterte Fassung dieses Artikels mit umfangreichem Testcenter finden Sie in PC Games 12/01, erhältlich seit dem 7. November 2001.
Nur auf High-End-Rechner ist der Arcade-Modus so spaßig, wie er es verspricht. Die Gegner verhalten sich angemessen rüpelhaft.

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