For Honor-Kolumne: Ubisoft wiederholt nicht alte Sexismus-Fehler, wirbt mit Gleichberechtigung für Männer und Frauen
For Honor ist ein Musterbeispiel für Gleichberechtigung. Bei Assassin's Creed: Unity waren weibliche Figuren Ubisoft noch zu aufwändig - doch im Multiplayer-Schwertkampfspiel kämpfen Männer und Frauen Seite an Seite. Prima, findet Redakteur Peter Bathge - und erklärt in seinem Kommentar, warum der Verzicht auf "Boob-Armor" die richtige Entscheidung war.
For Honor setzt einen Ubisoft-Trend fort, der mit den Sexismus-Diskussionen um fehlende Frauen-Modelle im Koop-Modus von Assassin's Creed: Unity begannn: In den vergangenen Jahren hat das französische Unternehmen einen gezielten Versuch unternommen, die Rollenverteilung von Frauen und Männern in ihren Spielern ausgeglichener zu gestalten - und bei For Honor ist diese Gleichberechtigung der Geschlechter vollends gelungen.
Alles ausgeglichen
"Wir haben zwölf Helden, drei pro Fraktion. In jeder Gruppierung gibt es zwei Charaktere, die beiden Geschlechtern angehören können, männlich oder weiblich. Dazu gibt es einen Helden, der ausschließlich männlich ist, und einen, der immer weiblich ist. Auf alle zwölf gesehen ist es also total ausgeglichen." For Honor-Director Jason VandenBerghe und sein Team bei Ubisoft Montreal haben sich Gedanken gemacht. In einem Interview sagte er 2016: "In diesem Spiel geht es nicht darum, dass wir Charaktere erschaffen und sie dir aufs Auge drücken. Dieses Spiel dreht sich nur um dich. Was für eine Art von Krieger bist du? Du kannst sogar die Hautfarbe der Wikinger ändern. Du wills einen schwarzen Wikinger? Nur zu!"
Quelle: PC Games
Die meisten Klassen lassen sich in weiblicher oder männlicher Variante spielen.
Gut, einen nordischen Axtschwinger mit afrikanischen Wurzeln brauche ich persönlich jetzt nicht eben, aber dass es die Option in For Honor gibt, finde ich trotzdem klasse. Denn je weniger Vorgaben einem die Entwickler machen, umso mehr Spieler können sich in ihr virtuelles Alter Ego hineinversetzen. Gerade erst wieder habe ich in den Test-Kommentaren zu Horizon: Zero Dawn Aussagen gelesen wie "Schönes Spiel, aber ich werde es nie anrühren. Mit einer Frau als Protagonistin kann ich mich nicht identifizieren." Das ist in meinen Augen zwar ein klein bisschen engstirnig und grenzt die eigenen Spielmöglichkeiten unnötig ein (Hat der arme Kerl etwa nie Lara Crofts Tomb Raider-Serie gespielt?), aber die Geschlechterwahl in For Honor samt der restlichen Customizing-Optionen dürften genau solchen Spielertypen entgegenkommen.
Dabei wirkt For Honor auf den ersten Blick wie ein Macho-Spiel: fette Schwerter, geölte Kettenhemden, dicke Muskeln, das lässt auf tumbe Action wie in einem 90er-Jahre-Actionfilm schließen - Frauen sind in dieser Sparte für gewöhnlich nur als Dekoration vorgesehen, als Eyecandy. Und wenn eine Vertreterin des vermeintlich schwachen Geschlechts doch mal mitkämpfen darf, dann bitte nur in einem möglichst freizügigen Fimmel - oder gekleidet in eine "Rüstung", die weder Schutz vor scharfkantigen Objekten noch vor lüsternen Blicken bietet. Nicht so in For Honor!
Frau oder Mann? Egal!
Wenn sich in Ubisofts Schwertkampfspiel zwei Widersacher gegenüberstehen, ist im ersten Moment nicht offensichtlich, ob es sich dabei um Männer oder Frauen handelt. Woher das kommt? Nun, For Honor verzichtet auf altgediente Klischees wie Bauch-frei-Rüstungen und "boob window" - beim Design der Kampfklamotten war für Jason VandenBerghe und sein Team der praktische Nutzen stets wichtiger als etwaiger Sexappeal. Das ist nur konsequent: Wer sich als Frau in mittelalterlich angehauchte Duelle mit Schwert und Schild begibt oder auf dem Schlachtfeld mit einem feindlichen Pfeilhagel rechnen muss, der wird natürlich vor allem Wert auf die Schutzfähigkeit von übergestülpten Plattenrüstungen legen - und nicht nach einem schicken Kettenhemd-Bikini suchen, dessen Trägerin in der Realität beim ersten Hieb eines Gegners eine tödliche Bauchwunde davontragen würde.
Dass For Honor hier nicht in dieselbe Sexismus-Falle tappt wie so viele Spiele mit latent frauenfeindlichen Designs, ist ungemein wichtig. Denn Entwickler Ubisoft Montreal stellt damit sicher, dass weibliche Figuren genauso stark und kämpferisch daherkommen wie ihre männlichen Gegenüber. Frauen werden hier nicht auf ihre Sexualität reduziert, es sind genauso abgebrühte Streiter wie die harten Kerle auf der anderen Seite. Ihre Haare haben sie zurückgebunden oder unter ihre Helme gestopft, wo sie nicht im Weg sind. Ihre Körperformen werden nicht über Gebühr betont, ihren Brüsten keine besondere Bedeutung beim optischen Design der Skins zugeschrieben. Das Geschlecht spielt schlicht keine Rolle, ob Mann oder Frau: Es ist schnurzegal!
Genau so geht Gleichberechtigung!
Quelle: PC Games
Bösewicht Apollyon (rechts) ist eine Frau. Auf die Solo-Geschichte von For Honor hat das keine Auswirkungen. Warum auch?
Kein SWJ-Quatsch
Wie For Honor mit diesem heiklen Thema umgeht, das ist auch für Ubisoft selbst ein großer Schritt. Vor knapp drei Jahren war das Unternehmen noch der Buhmann für viele Feministen, die Affäre um fehlende Frauen-Charaktere in Assassin's Creed: Unity sorgte für Stress. Erst recht, als ein Entwickler das Fehlen von weiblichen Figuren im Koop-Modus mit der verunglückten Aussage entschuldigte, dass die Erstellung der Animationen zu viel Arbeit machen würde. Das war natürlich Quatsch, wie jetzt For Honor zeigt. Im Kampf braucht es schließlich keine dedizierte Brustphysik à la Dead or Alive und die gestählten Kriegerinnen aufseiten von Rittern, Wikingern und Samurai bewegen sich in ihren dicken Rüstungen ohnehin nicht viel eleganter als die männlichen Gegenstücke.
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In For Honor gibt's Frauen an jeder Ecke: Der Antagonist der Singleplayer-Kampagne ist eine Frau und nebenbei ein richtiger Badass. Dass die Kriegstreiberin Apollyon ein zweites X- statt einem Y-Chromosom hat, spielt keine Rolle. Als Bösewicht(in) ist sie genauso knallhart wieder jeder männliche Fiesling. Ihr Widersacher ist der vom Spieler gesteuerte Held - respektive die Heldin. Auch hier gilt: Man spielt, mit wem man sich am besten identifizieren kann.
Quelle: PC Games
In den Multiplayer-Gefechten ist oftmals nicht auf Anhieb erkennbar, ob man gegen Mann oder Frau spielt.
Nun legt das For Honor-Universum natürlich keinen Wert auf historische Genauigkeit. Mit Verweis auf unsere eigene Geschichte wird bei Geschlechterfragen immer irgendein Schlauberger darauf hinweisen, dass die Rollen von Männer und Frauen eine jahrtausendealte Tradition haben und es deshalb unnatürlich sei, wenn die unterschiedlichen Geschlechter gleich kompetent dargestellt werden. Na und? Nur weil der männliche Teil der Menschheit es sich gefühlte Ewigkeiten zur Aufgabe gemacht hat, Frauen zu unterdrücken, ihre Rechte zu beschneiden und sie in bestimmte Rollen zu pressen, sollen wir in komplett erfundenen Videospiel-Welten so weiter machen?
In diesem Zusammenhang wird dann gerne behauptet, dass man ja eigentlich nichts gegen Feminismus, Gleichberechtigung, Transsexuelle oder gleichgeschlechtliche Beziehungen habe - "aber diese Spiele machen so einen Wirbel darum. Ich will das gar nicht wissen, wieso müssen mir die Entwickler das alles auf die Nase binden?" In For Honor ist es keine große Sache, dass Frauen mitkämpfen statt zu Hause am Herd zu stehen. Sie sind genauso begabt wie die Männer. Ist eben so. #DealWithIt
Mit der Kritik an sogenannten "Social Justice Warriors", an "Political Correctness" und "Gender-Wahn" kann man mich persönlich nicht schocken, solche Argumente der Ewiggestrigen sind bereits dabei, an Gewicht zu verlieren, dem stetigen Wandel unserer modernen Gesellschaft sei Dank. In der ist kein Platz mehr für männliche Dinosaurier mit Rollenbildern von vor 100 Jahren - es sei denn, sie werden durch einen volksweiten Anfall von Politikblindheit an die Spitze der US-Regierung gewählt. Aber das ist ein anderes Thema und hat mit Videospielen nicht mehr allzu viel zu tun.

Ubi hat Frauen diskriminiert? Pah, jetzt verarschen sie einen ganzen Stamm! :ugly: :D
Wenn man sich an Fasching nicht als Samurai, Neger, Chinese oder Indianer verkleiden darf dann darf ein PoC natürlich auch keinen Wikinger spielen ohne eine illegale kulturelle Aneignung zu begehen... ;-)
https://www.heise.de/tp/f...
Und letztlich sollte nach Qualifikation eingestellt werden, nichts ist schlimmer als Quotenfrauen. Die werden dann nämlich weder von Kollegen noch den Kunden ernst genommen.
Die Publisher orientieren sich oft nicht zu 100% am Markt, weil der Schaden durch die Sexismus-Kritik sehr viel PR-Schaden verursacht. Das ist genauso, wie meine Gamer-Kollegin, die gegen übertrieben männliche Charaktäre in Spielen wettert, dabei die Spiele weder kauft noch spielt. Kritik ist auch vollkommen ok, aber wenn dann Meinungsfreiheit, dann bitte voll. Stell dir mal vor ein Publisher würde sagen … wir machen das Spiel so „frauenfreindlich“, weil unsere Kundschaft eben gerne dickbrüstige, sexualisierte Charaktäre mag … die wären nach nur einem Tag auf jeder medialen Zielscheibe.
Ich mag diesen Animestil ja auch nicht. Aber das dem Feminismus anzulasten ist echt kompletter Humbug.