Pokémon GO: "Ist das die Zukunft des Spielens? Ich hoffe nicht!" Kolumne zum irren Hype um ein simples Handy-Spiel
Keinen Bock auf Pokémon GO: Redakteur Peter Bathge schreibt in seiner Kolumne über sein Desinteresse am Internet-Thema Nr. 1 und seine Befürchtungen für die Zukunft des Spielens an Smartphone, Konsole und PC. Geht's euch auch so? Oder seht ihr das alles ganz anders? Schreibt ihm eure Meinung in den Kommentaren!
Das Internet ist verrückt geworden. Von überall her grinsen einen Pikachus, Mewtwos, Blastoises an. Man kann, so scheint es, keine URL mehr gefahrlos ansteuern, denn überall könnten einen die zwei magischen Worte anspringen, egal ob in der Tagespresse oder auf Tech-Blogs. Etliche Webseiten berichten über Pokémon GO, selbst PC Games, weil sich aus wirtschaftlichen Gründen niemand erlauben kann, diese heiße Thema auszublenden.
Und draußen im Freien ist es sogar noch schlimmer, denn dort schleichen Leute mit Smartphones durchs Gebüsch und bilden große Menschentrauben an Plätzen, die als Pokéstops oder Gyms ausgezeichnet sind. Pokémon GO hat die Welt im Sturm erobert. Wie alle Stürme wird der sich jedoch irgendwann legen, wird der Hype ausgebrannt sein und sich die Neugier der Massen einem anderen Spiel, einem anderen Internet-Phänomen zuwenden.
Ich kann es kaum erwarten!
(Ganz anders geht es übrigens dem Kollegen Simon Fistrich, der in seiner Kolumne seine überraschende Begeisterung für Pokémon GO erklärt)
Quelle: Google Maps
Sie sind überall: Man kann den Pokémons derzeit einfach nicht entkommen.
Blödsinn für die blinde Masse
"Schreib doch mal eine Kolumne, Peter!", haben sie gesagt.
"Gerne doch! Über welches Thema denn?"
"Pokémon GO", haben sie gesagt.
"Muss das sein?"
Der Grund für meine wenig enthusiastische Reaktion: Der Wirbel um Pokémon GO steht mir bis hier *hält die flache Hand bis kurz unters (Doppel-)Kinn*. Ich kann es nicht mehr sehen, will nichts mehr darüber lesen und schon gar keine Menschen mehr mit ihren gezückten Telefon-Taschenrechnern durch Fußgängerzonen eilen sehen auf der Suche nach seltenen Pokémons. Ich habe die kleinen Biester schon vor 20 Jahren nicht gemocht, als sie das erste Mal auf der Weltbühne auftraten. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Quelle: Nintendo
Pokémon GO Plus: ein Armband, das vibriert. Damit man immer weiß, wenn ein Pokémon in der Nähe ist. Für alle Konsum-Zombies, die sich gerne NOCH abhängiger von Technologie machen wollen und überhaupt nicht mehr selbstständig agieren möchten.
Damit wir uns verstehen: Ich möchte niemanden Pokémon GO madig machen. Wer momentan fröhlich durch Städte und Wildnis in Deutschland spaziert, um seltene Fantasie-Tiere zu fangen: nur weiter so! Habt euren Spaß (ja, auch du Simon). Ich gönne ihn euch. Verstehen kann ich ihn freilich nicht. Denn als Videospiel, so wie ich den Begriff kenne, macht Pokémon GO eine sehr schlechte Figur. Nicht umsonst krebst der Wertungsdurchschnitt internationaler Tests (und User-Meinungen) auf Metacritic auf mittlerem 60-Punkte-Niveau herum. Es ist einfach nicht viel Fleisch dran an diesem für Millionen Menschen scheinbar so verlockenden (weil kostenlosen) Smartphone-Spielchen. Stattdessen scheint neben dem Nimbus des Neuen vor allem das fast schon suchtartige Komplettieren der eigenen Pokémon-Kollektion eine Schlüsselrolle in Sachen GO-Popularität zu spielen. Pokémon GO ist der Beleg dafür, dass die Menschheit trotz all der Fortschritte in den letzten paar tausend Jahren immer noch dem Instinkt des Jägers und Sammlers gehorcht, wenn entsprechend motiviert.
In Momenten wie diesen frage ich mich unwillkürlich, ob ich zu einer anderen Spezies Mensch gehöre. So kann ich mir kaum etwas Dümmlicheres vorstellen, als - den Blick aufs Smartphone-Display gerichtet als wäre die Augen mit unsichtbarem Kleber dran befestigt - nach kleinen, bunten Wesen zu suchen, die bei mir ungute Erinnerungen an Teletubbys hervorrufen. "Ah-oh!"
Entsprechend erschlagen fühle ich mich von der über Deutschland und den Rest der Welt rollenden Hype-Welle um Pokémon GO. Was mir Mut macht: Ich bin wohl nicht der einzige, dem es so geht. Wie sonst ist die Entwicklung eines dezidierten Browser-Add-ons zum Blockieren aller Pokémon-Meldungen zu erklären? Schön, dass auch andere Menschen angesichts von Jagdszenen in Innenstädten beim Auftritt kleiner, virtueller Fellknäuel nur ungläubig mit dem Kopf schütteln.
Quelle: pcgames.de
Pokémon ist gratis, aber der Ingame-Shop wird den Leuten schon das Geld aus den Taschen ziehen, keine Sorge. Ekelhaft, diese hinterhältigen Abzock-Methoden!
Erstklassiges Marketing
Quelle: PC Games
Wie spannend: Das Spielprinzip von Pokémon GO passt auf einen Bierdeckel. Komplexität, Story, Atmosphäre? All diese typischen Videospiel-Qualitäten spielen keine Rolle.
Bei allem Unverständnis komme ich aber nicht umhin, Nintendo und Pokémon GO-Entwickler Ninantic Labs zu bewundern. Für ihren cleveren Schachzug, Pokémon GO mitten im Sommerloch zu veröffentlichen. Dafür, wie die Unternehmen trotz vieler Start-Probleme und fehlender Features nahezu universell Lob der Kundschaft einheimsen, während große Online-Spiele à la The Division für ähnliche Mängel in der Luft zerrisen werden. Und natürlich für den sagenhaften Erfolg, der sich etwa in einem gigantischen Kurs-Plus für die Nintendo-Aktie niederschlägt - obwohl das Unternehmen mit dem Mobile-Spiel dank klugem Outsourcing so gut wie nichts zu tun hat. Hinter Pokémon GO steckt ganz offensichtlich ein Team, das sich sehr genau Gedanken um das Spiel, seinen Releasetermin und die Mechanik rund um das Fangen der kleinen, kämpfenden Tierchen gemacht hat. Respekt!
Vor allem bereitet mir Sorgen, dass der Erfolg des Smartphone-Spiels ein Signal für andere Entwickler sein könnte und wir schon bald - wie damals nach der Farmville-Explosion auf Facebook - von Klonen mit ähnlichen Schmalspur-Spielprinzipien überschwemmt werden könnten, ja dass sogar meine geliebte PC-Spiele-Szene unter dem Ansturm der Nachahmer in die Knie gehen könnte. Es ist keine ganz unberechtigte Sorge. Dank Minecrafts müssen wir uns etwa bis heute mit etlichen lauen Early-Access-Crafting-Spielen rumschlagen. Kommt jetzt also die große Welle der Tamagotchis 2.0? Bitte nicht!
Wenn ihr diese Befürchtung nicht teilt, findet ihr alles zu Pokémon GO auf unserer Themenseite. Da kann es von mir aus auch bleiben.

Ich hatte mich eigentlich nirgends auf deinen Post bezogen.
Warum dann härtere Strafen eingeführt werden sollen, erschließt sich mir nicht. Deiner Meinung nach liegt die Schuld ja bei Pokemon Go und nicht beim Nutzer?
Dein Post ist übrigens schwer zu verstehen, du hast da irgendwas mit der Formatierung falsch gemacht.
Nur sollten dann diejenigen die wegen so einem geistlosen Schwachsinn wie Pokemon Go Schaden verursacht haben extra hart bestraft werden.
Nein, sehe ich nicht so. Dann wird es nämlich unmöglich noch objektiv Urteile in solchen Fällen zu sprechen. Für den einen sind Bücher Quatsch, für den nächsten Inliner, Kopfhörer, Smartphones, etc.
Bücher fordern dich nicht auf auf den Strassen rum zuspielen, sie zwingen dich auch nicht die im laufen auf das Buch zu sehen. Ja an Smartphones sieht man ja bestens wie die Unfälle gestiegen sind seit es sowas wie Iphone und den Schwachsinn gibt. Mit diesem wird das Kind süchtig gemacht mit Belohnungen wie beim Hund dass Stöcken. Uhh es zeigt an ein ganz seltenes Pokemon wo ist es, ich muss schnell dahin und boom, schon ist es passiert. Es ist ja schön das es die Fitness fördert, aber jetzt wird es ausgenutzt für die Werbeindustrie! MC Donalds und co