Evolve: Stage 2 mit Free2Play-Modell – die neue Chance für den innovativen Online-Shooter? Eine Kolumne von Matti Sandqvist
Trotz eines bahnbrechenden Konzepts konnte Turtle Rocks virtuelle Monsterhatz die Massen nicht auf Dauer begeistern. Nun wagen die Entwickler einen neuen Anlauf und wollen Evolve auf ein Free2Play-Modell umstellen. Warum das eine gute Idee ist, sagt unser Online-Shooter-Experte Matti in seiner Kolumne.
Ob Evolve eines der herausragenden Spiele der letzten zehn Jahre oder doch eher nur eine nette Idee auf dem Papier war, darüber konnte man sich nach dem Release des Online-Shooters kaum einig werden. Ich gehörte damals jedenfalls zu denen, die nach etlichen modernen Kriegs-Shootern von der frischen Brise begeistert waren und auch nach rund 30 Stunden Spielzeit, die ich damals für den Test investierte, gerne am Ball blieben. Warum? Ich war sehr davon angetan, dass die Entwickler nicht nur das ungewöhnliche Spielkonzept toll umgesetzt hatten, sondern ebenso davon, dass das Gameplay trotz seines asymmetrischen Ansatzes gut funktionierte. Sowohl als einer der vier Jäger oder eben als das riesige Monster erlebte ich immer wieder Partien, die von ihrer Spannung mit kaum einem anderen Titel zu vergleichen waren.
Doch bereits wenige Wochen später musste ich feststellen, dass die Wartezeiten auf die Matches immer länger wurden. Während am Anfang maximal eine Minute lästiges Warten vonnöten war, konnte ich mir vier Wochen nach dem Erscheinen locker einen Tee aufsetzen, den Müll runterbringen - oder auch wahlweise ausführliche Diskussionen über die Kant'sche Ethik führen -, bis eine Partie losging. Was war passiert? Obwohl die Absatzzahlen allem Anschein nach mit rund 500.000 registrierten Steam-Versionen nicht unbedingt als desaströs zu bezeichnen sind, fehlte es wohl vielen Käufern an der nötigen Motivation zum Weiterspielen - ähnlich wie zuvor bei EAs Titanfall. Das kann ich auch nachvollziehen, denn nachdem man in Hunderten Partien alle Jäger und Monster freigeschaltet hatte, kannte man auch so gut wie alle Modi und Karten in- und auswendig. Folglich war Evolve nach einer gewissen Spielzeit lediglich für die Leute interessant, die den kompetitiven Charakter von Online-Shootern mögen - ähnlich wie eben bei einem Call of Duty oder einem Battlefield. Dass Publisher 2K Games mit den meiner Meinung nach überteuerten DLCs für neue Inhalte sorgen wollte, kam in der Community schlecht an; ich gehe sogar davon aus, dass dies ein maßgeblicher Faktor für den großen Spielerschwund gewesen ist. Schlussendlich habe ich - wie gefühlt alle anderen - aufgehört, Evolve zu spielen und ging davon aus, dass die Mehrspieler-Server über kurz oder lang einfach ausgeschaltet werden würden.
Evolve: Neue Chance dank Free2Play-Modell?
Doch habe ich mich getäuscht - zum Glück! Nun haben die Entwickler am 7. Juli mit Evolve: Stage 2 nicht nur die Free2Play-Variante der Monsterhatz angekündigt, sondern sogleich eine für jedermann zugängliche Beta-Version veröffentlicht. Die kostenlose Testfassung beinhaltet alle Charaktere der nicht mehr erhältlichen (aber in Zukunft für Besitzer als Legacy Evolve spielbaren) Vollversion, enthält jedoch nur zwei unterschiedliche Mehrspielermodi, die man auf insgesamt vier Karten spielen kann. Für den Anfang reicht der Inhalt meines Erachtens aus, um sich ein Bild darüber zu machen, wie gut die asymmetrische Monsterjagd funktioniert. Genau das braucht Evolve meiner Meinung nach auch, denn viele der harschen Kritiker des ungewöhnlichen Konzepts hatten zu große Bedenken, um sich zum Vollpreis davon zu überzeugen.
Die Evolve-Beta kann sich nicht nur spielerisch sehen lassen, auch die Server sind wieder so gut gefüllt wie in den ersten Tagen nach dem Release. Ich habe nun rund 15 Stunden mit Stage 2 verbracht und habe noch weiterhin Lust, weiterzuspielen. Doch wie sieht es mit der Dauermotivation aus? Damit wir Spieler auch nachhaltig bei der Stange bleiben, werden wir für alle Erfolge in den gespielten Partien mit einer Ingame-Währung namens Keys belohnt. So können wir zum Beispiel neue Jäger und Monster freischalten, aber ebenso unseren Charakteren kleinere Upgrades wie etwa eine schnellere Laufgeschwindigkeit und eine verbesserte Nachladezeit der Waffen verpassen. Zudem gilt es täglich Aufgaben wie etwa einen Sieg mit einer bestimmten Monster-Klasse zu bewältigen - ähnlich wie bei anderen, erfolgreichen Free2Play-Spielen. Allem Anschein nach wird es bereits jetzt Monate dauern, bis man wirklich alles im Spiel freigeschaltet hat, sprich ein Grund zum Weiterspielen ist vorerst gegeben.
Quelle: PC Games
Neben neuen Jägern und Monstern könnt ihr auch mit der Ingame-Währung kleine Vorteile permanent freischalten.
Demnach dürfte das F2P-Modell bei Evolve: Stage 2 gut aufgehen, denn im Vergleich zu Titeln wie World of Tanks oder War Thunder bietet die virtuelle Monsterhatz ebenso viel Abwechslung und ist von der spielerischen sowie grafischen Qualität gleichauf mit den anderen kostenlosen Spielen - wenn nicht sogar besser. Aber wie die Online-Weltkriegssimulatoren muss Turtle Rock unbedingt auf ein faires Free2Play-Modell setzen und zahlenden Kunden keine zu großen spielerischen Vorteile geben. Wenn in Evolve: Stage 2 etwa zu starke Monster oder Jäger gegen Echtgeld erhältlich sein werden, könnte das am Ende für leere Server sorgen. Hier lässt sich aber anhand der Beta leider noch wenig Handfestes sagen, denn bislang sind in der Testversion noch keine Premium-Monster oder -Jäger enthalten. Ebenso weiß ich nicht, wie es um das angepeilte Verhältnis zwischen Spielstunden und der verdienten Ingame-Währung steht. Der Fortschritt in Probefassungen ist für gewöhnlich im Vergleich zu einer fertigen Version eines F2P-Titels deutlich schneller. Die allerwichtigste Frage für mich ist aber, ob Evolve in den nächsten Monaten und Jahren in puncto Inhalt kräftig wachsen wird. Einer der wichtigsten Gründe dafür, dass ich seit mehr als vier Jahren mit großer Begeisterung World of Tanks spiele, sind schließlich die neuen Karten sowie Fahrzeuge und ebenso die vielen Engine-Updates.
So oder so freue ich mich aber, dass die Entwickler sich für das kostenlose Modell entschieden haben und nun deutlich mehr Spieler die meiner Meinung nach sehr spannende Monsterjagd ausprobieren. Mich stört es übrigens auch nicht immens, dass die Belohnungen für uns Käufer der Vollpreis-Edition ziemlich mager ausfallen. Viel lieber ist mir der Umstand, dass ich einen weiteren kurzweiligen Free2Play-Titel habe, den ich zur Abwechslung spielen kann. Denn seien wir mal ehrlich: Ohne die F2P-Umstellung hätte ich wohl nie wieder die spaßigen Jagden erlebt. Zudem hoffe ich, dass Turtle Rock, ähnlich wie Wargaming mit World of Tanks beziehungsweise -Ships, mich mit neuen Inhalten bei der Stange halten wird. Evolve hat ganz klar das Potenzial, richtig groß zu werden, wenn die Entwickler die von mir angesprochene F2p-Fairness beziehungsweise das Balancing beachten. Da bin ich aktuell vorsichtig optimistisch und stürze mich nun in das nächste Gefecht!

Das Game reit sich in die Liga der Abzocke ein. In 2-4 Wochen sind die Spieler zahlen da wo sie vor f2p waren und das Studio hat von den Dummen die Ingame eventuell was bezahlt haben noch mal abgezockt, ganz ganz böses Kino.
Täuscht der Eindruck oder hast du nebenbei bemerkt die Beta-Version (F2P) gar nicht gespielt ?
Denn, wenn dem so wäre , wüsstest du dass man im Moment gar nix gegen Echtgeld kaufen kann - man kann sich nur durch erspielte Coins was freischalten
Das Game reit sich in die Liga der Abzocke ein. In 2-4 Wochen sind die Spieler zahlen da wo sie vor f2p waren und das Studio hat von den Dummen die Ingame eventuell was bezahlt haben noch mal abgezockt, ganz ganz böses Kino.
Bei TF2 z.B. hat man ein größeres Inventar!
Bei TF2 z.B. hat man ein größeres Inventar!