Kolumne zur bruchstückhaften Hitman-Veröffentlichungspolitik: Komplette Spiele bitte, kein Stückwerk!
Die bruchstückhafte Veröffentlichungsweise des neuen Hitman-Spiels von IO Interactive und Square Enix ist nachvollziehbar, aber nicht eben begrüßenswert, findet Redakteur Peter Bathge. Ein Kommentar.
Das neue Hitman ist zum Release am 11. März 2016 nicht komplett. Als das kommende Meuchelmörder-Spiel von IO Interactive im September einen neuen Release-Termin bekommen hat, haben sich die dänischen Entwickler auch über den Umfang des Grundpakets zum Preis von knapp 35 Euro geäußert. So soll das Stealth-Actionspiel zu Beginn sechs Kampagnen-Missionen bieten. Des Weiteren soll der sogenannte Launch-Content von Hitman über drei Sandbox-Schauplätze verfügen: Paris (Frankfreich), Sapienza (Italien) und Marrakesh (Marokko).
Außerdem können die Spieler 40 Signature-Kill-Aufträge erledigen und sich zudem um mehr als 800 mögliche Ziele im Contracts-Modus kümmern. Wer in den Monaten nach dem Release weitere Missionen und Schauplätze haben möchte, muss zum Upgrade Pack für 30 Euro greifen oder gleich zum Release die sogenannte "Full Experience" für 60 Euro kaufen, welches das Grundpaket und die Erweiterungen sowie - wenn ihr vorbestellt - einen garantierten Zugang zur Beta enthält. Im ersten Add-on-Paket, das im April 2016 erscheint, sind zum Beispiel Missionen in Thailand enthalten. In den nächsten Monaten sollen mit den Vereinigten Staaten und Japan zwei weitere Schauplätze samt neuen Kampagnen- und Signature-Kill-Aufträgen folgen.
Eine verständliche Masche. Gefallen muss sie einem freilich nicht.
Quelle: Square Enix
Da fehlt doch was!
Live-Inhalte sind mir so was von egal. Der Versuch der Spielehersteller, Kunden über Monate hinweg an ein Spiel zu binden und sie mit konstanten Updates, DLC-Veröffentlichungen oder neuen Episoden zu versorgen, geht komplett an meinen Spielgewohnheiten vorbei, zumindest im Einzelspielermodus. Klar, ein schönes Add-on mit neuer Story gebe ich mir auch schon mal.
Aber diese ständigen Mini-Neuerungen, wie sie etwa für das neue Hitman angekündigt sind, interessieren mich nicht. Ich mag das Gefühl, mit einem Spiel durch zu sein, es abgeschlossen zu haben. Und wenn ich 30, 40, 50 oder – wie bei Hitman – 60 Euro ausgebe, dann erwarte ich auch, das komplette Spiel zu bekommen. Bei Release, nicht in Etappen!
Quelle: Square Enix
Die zuletzt immer schwächer werdenden Telltale-Adventures zeigen, welch negative Folgen eine über die Monate verteilte Veröffentlichung haben kann, besonders in Verbindung mit einer ständig unterbrochenen Geschichte. Hitman-Publisher Square Enix begegnet dem Problem mit einer Neuausrichtung der Serie. Nach dem storylastigen Hitman: Absolution steht jetzt wieder mehr freier Sandbox-Spaß à la Blood Money im Fokus. So lässt sich das Spiel besser in einzelne Häppchen unterteilen und neue Inhalte können später einfach drangeklebt werden, ohne dass die Handlung darunter leidet.
Für mich als Story-Liebhaber sind das keine guten Aussichten. Auch die Abwechslung scheint in Hitman unter dem Verkaufsmodell zu leiden: Die am 11. März 2016 zum Preis von 35 Euro veröffentlichte Version bietet nur drei Umgebungen (siehe Infografik oben) – und sechs darin verortete Levels. Zwischen April und Juni sollen mit Thailand, USA und Japan drei zusätzliche Orte erscheinen, die kosten separat weitere 30 Euro. Wer vorher 60 Kröten gelöhnt hat, erhält sie als "kostenloses" Update.
Quelle: Square Enix
In jedem Fall hört sich das nach furchtbar wenig an. Absolution hatte 20 Levels. Vom Start weg. Zwar soll jede von Hitmans Sandbox-Umgebungen um ein Vielfaches weitläufiger sein als der größte Absolution-Level (Streets of Hope) und der Contracts-Modus bietet theoretisch unendliche Beschäftigung für heimtückische Attentäter, denn hier lassen sich aus Hunderten NPCs beliebige Zielpersonen auswählen und die so entstehenden Killer-Herausforderungen mit anderen Spielern teilen.
Aber letztlich bin ich eben doch immer in den gleichen Gebäuden unterwegs. Da können sich die Zielvorgaben noch so oft ändern, echte Abwechslung sieht anders aus.
Eine Folge der Marktentwicklung
Quelle: Square Enix
Die Veröffentlichungsweise von PC-Spielen hat sich zuletzt ebenso drastisch verändert (Early Access, Free2Play, DLCs), wie die Kosten für große Produktionen gestiegen sind (GTA 5: ca. 265 Millionen US-Dollar). Überraschend stabil sind nur die Preise für uns Kunden geblieben, dank Steam Sales und billiger Key-Händler sind sie im Durchschnitt sogar gesunken.
Die großen Publisher suchen nach neuen Einnahmequellen, viele haben Mikrotransaktionen in Vollpreis-Spielen als eine Möglichkeit ausgemacht. Damit sich die Spiele-Entwicklung rechnet, müssen hohe Absatzzahlen erreicht werden. Die Verkäufe von Hitman: Absolution waren laut Aussage von Publisher Square Enix weit von diesem Ideal entfernt. Kein Wunder also, dass das Unternehmen mit IO Interactives neuestem Mörder-Simulator Experimente wagt.
Quelle: Square Enix
Von der Reaktion der Kundschaft wird abhängen, ob sich solch ein Geschäftsmodell durchsetzt. Dann verkaufen bald nicht mehr nur unabhängige Indie-Entwickler ihre unfertigen Spiele auf Steam Early Access, nein auch die eigentlich weitaus finanzstärkeren Hersteller werden dazu ermuntert, die früher in Blei gegossene Datumsgrenze des Erscheinungstermins nicht mehr ganz so ernst zu nehmen. Was soll's, wenn das eigene Spiel nur halb fertig ist? Man kann den Kunden ja problemlos nach Release den Rest verkaufen! Bei Hitman wird es 2016 zumindest noch eine nachträgliche Komplettveröffentlichung auf Disc geben. In Zukunft würde dieser Schritt wohl wegfallen.
Vielleicht wäre ich weniger skeptisch, wenn es zu Hitman mehr Infos geben würde, aber in Sachen Pressearbeit konzentriert sich Square Enix momentan auf Just Cause 3 und Deus Ex: Mankind Divided statt auf Hitman. Selbst das 15-minütige Gameplay-Video lässt bei mir mehr Fragen offen, als es beantwortet. So schüchtert mich die fragmentierte Verkaufsstrategie des Spiels derzeit eher ein, denn für was genau man zahlt, ist trotz schicker Infografiken nicht so ganz klar. Wie schaut's etwa mit der Story im Spiel aus? Hört die nach den sechs Levels einfach auf und ein "To be continued" wird eingeblendet?
Ich bin skeptisch. Wie sieht's bei euch aus? Schreibt mir eure Meinung in den Kommentaren!

Herausgeschnittene DLCs, Exklusive Inhalte, die auf verschiedenste Editionen und bestimmte Läden als Vorbestellerboni verteilt sind, Mikrotransaktionen in Vollpreistiteln und viele weitere Schweinereien sind wir auch schon gewohnt - und sollen wir das deshalb jetzt alle bejubeln?
...
Laß mich mal überlegen: PC Spieler, die sich an Gesetze halten, zum Beispiel?
Ich meine natürlich den Vollpreis! Und wenn man sich die DLC-Politik anschaut wird einem als Erstkäufer erst recht schwindelig.
Ganz nebenbei ist die Preisgestaltung hier bei Hitman dagegen erstmal noch ok.
Schaut man sich z.B. bei Bethesda die DLC-Politik an, kann man nur mit dem Kopf schütteln.
Da zahlt man mehr für die DLCs als für die GOTY-Edition die alles beinhaltet.
Mal sehen. Mit Mad Max bin ich ja (fast) durch. Mal sehen was danach ansteht. Obwohl ich ja noch ein Hühnchen mit Unity und Roque zu rupfen habe....
Mir hat jedenfalls das monatelange(!) Warten auf die nächste Episode von TWD2 die Episodensuppe auf immer versalzen. Seitdem kaufe ich kein einziges Spiel mehr, bevor nicht alle Episoden erschienen und in einem Gesamtpaket verfügbar sind.
Nein. Wenn ich ein Spiel kaufe, will ICH bestimmen können, in welchem Tempo und Abschnitten ich das spielen will. Bestes Gegenbeispiel ist die Stimme beim Abspann von the Wolf among us, die ich nach einem halben Jahr zwischen dem Release von EP 1 bis zur letzten garantiert nicht mehr zuordnen kann.
1000% (sic) bedeuten, daß dir die Firma das 10-fache des Verkaufspreises überweisen würde - also bei 30 Euro Bonusinhalten 300 Euro - damit du dich gnädigerweise erbarmst, ihnen diese Inhalte abzunehmen.
http://i.imgur.com/YTHSDhj.gif