Homefront 2: Darf Terror Spaß machen? Ein kritischer Kommentar zum Shooter

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Kolumne Peter Bathge Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Darf Terror in Homefront: Revolution Spaß machen? Peter Bathge hat so seine Bedenken.
Quelle: Deep Silver

Terroranschläge im Namen des Freiheitskampfes: Geht das neue Homefront mit solchen moralisch fragwürdigen Aktionen zu weit? Redakteur Peter Bathge wünscht sich in seiner Kolumne, dass Homefront: The Revolution mehr zu bieten hat als dummes Geballer und den Spieler in die moralische Zwickmühle bringt.

Wer wollte nicht schon immer mal einen Taliban­kämpfer spielen und Terroranschläge verüben?

Wie jetzt, niemand? Kein Wunder, hinterhältige Angriffe mit versteckten Sprengsätzen gelten zu Recht als abscheulich und menschenverachtend. Aber was, wenn man es für eine gute Sache tut? Was, wenn die Opfer keine US-Soldaten oder
afghanische Zivilisten sind, sondern böse Helfershelfer eines nordkoreanischen Regimes?

Was, wenn Sprengfallen spielekonform als rote Fässer daherkommen, die bei Beschuss explodieren? Wenn C4 mithilfe eines fernsteuerbaren Spielzeugautos in Richtung Gegner gelenkt wird? Was, wenn der Mann am Auslöser kein bärtiger Fanatiker aus dem Mittleren Osten ist, sondern ein US-Patriot, der sich gegen die undemokratische Besatzung seines Heimatlandes auflehnt?

Dann sind die vermeintlichen Terroristen plötzlich Freiheitskämpfer und das Wegbomben feindlicher Konvois wird zum Spielspaß-Feature. So gesehen auf der Gamescom in Homefront: The Revolution.

Moralisch fragwürdig

Sind die Nordkoreaner wieder nur Klischee-Bösewichter? Ich hoffe nicht! Quelle: Deep Silver Sind die Nordkoreaner wieder nur Klischee-Bösewichter? Ich hoffe nicht! Erinnert ihr euch noch an die Folterszene aus Grand Theft Auto 5? Dort folterte man einen Unschuldigen in einer Art kruden Rockstar-Kommentar zur Sinnlosigkeit derartiger Methoden der Informationsbeschaffung. Das war nicht perfekt, aber immerhin: Es regte zur Diskussion an. Genau wie ich nutzten damals viele Kommentatoren die Gunst der Stunde, um über eine derart wirklichkeitsgetreue Gewaltdarstellung in Videospielen fernab elendiger Killerspiel-Diskussionen nachzudenken. Das große Leser-Interesse und die Vielzahl von Meinungen zum Thema belegen, dass nicht jeder Spieler solche Szenen mit einem "Sind doch nur Pixel!"-Schulterzucken abtut. Umso mehr verwundert es mich, dass die Gamescom-Demo zu Homefront: The Revolution bislang keine solche Diskussion nach sich gezogen hat.

Das mag am beachtlichen Bedeutungsunterschied der beiden Spiele liegen. Das eine ist ein Millionen-Seller, der fünfte Teil der vielleicht wichtigsten Videospiel-Serie überhaupt. Das andere ist eine in jeder Beziehung als unfertig zu bezeichnende Neuauflage eines als zu kurz und zu linear verpöhnten Ego-Shooters. Vielleicht ist der Grund für das Ausbleiben eines Aufschreis der Empörung aber woanders zu suchen: beim Szenario.

Das Reich der Mitte ... Nordkorea?!

In Homefront: The Revolution haben nordkoreanische Streitkräfte zusammen mit ihren asiatischen Verbündeten die USA annektiert. Das ist Blödsinn.

Eine Stadt im Bürgerkrieg: Das Szenario bieter Raum für viele spannende moralische Entscheidungen. Quelle: Deep Silver Eine Stadt im Bürgerkrieg: Das Szenario bieter Raum für viele spannende moralische Entscheidungen. Nordkorea hat zwar eins der größten stehenden Heere der Welt, doch dessen Ausrüstung kann es nicht mal mit den koreanischen Nachbarn, geschweige denn der geballten Macht des US-Militärs aufnehmen. Zumal die erschreckenden humanitären Zustände in Nordkorea mit Mangelversorgung vieler Millionen Bürger dagegen sprechen, dass dieser "Schurkenstaat" jemals expansionistischen Gelüsten Nachdruck verleihen könnte. Durch seine vielfache Wirtschaftskraft würde China als Aggressor deutlich mehr Sinn ergeben. Und tatsächlich war die rote Nation auch ursprünglich als Feindbild für das erste Homefront geplant.

Doch wie Danny Bilson, ein damaliger Mitarbeiter bei Homefront-Publisher THQ 2011 gegenüber Kotaku.com erklärte, waren die Chinesen zum einen nicht Furcht einflößend genug. Zum anderen fürchtete THQ mögliche Repressialien für das eigene, in China tätige Personal. Die chinesische Regierung samt Kultusministerium ist nicht gerade für ihre Toleranz bekannt.

Publikationen, welche die Regierung in einem schlechten Licht dastehen lassen, erregen den Zorn der Behörden. Laut Danny Bilson bestand das Risiko, dass die Volksrepublik ein Einreiseverbot für Mitglieder des Entwicklerteams verhängte. Also entschied man sich für einen Feind, der sich nicht wehren konnte: Nordkorea.

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  1. Seite 1 Homefront-Kommentar: Hintergrund
  2. Seite 2 Homefront-Kommentar: Darf Terror Spaß machen?
    • Kommentare (28)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von GremlinGizmo Anfänger/in
        Zitat von Hoodium
        Irrtum, durchgängig. Es ist ein Trugschluss zu denken Menschen seien "besser" geworden.
        Sie sind informierter, das war's auch schon. Aber schaffe die Gelegenheit, gebe Menschen Hass und "Macht" über Andere und du wirst sehen, da hat sich seit dem 2. WK, Mittelalter etc. rein gar nichts verändert an der menschlichen Natur.

        Und was böse ist bestimmt immer noch zu einem nicht vernachlässigbarem Teil der Sieger, auch das hat sich nicht geändert.
        Stell dir mal vor Japan oder Deutschland hätten 2 Atombomben auf die USA geschmissen, das wäre eins der größten, verachtenswertesten Gräueltaten und Kriegsverbrechen der Menscheitsgeschichte... so waren die Bomberpiloten noch vor ihrem Tod stolz drauf und es gibt bis heute keine Entschuldigung.

        Allgemein kann man sagen, "One man's villain is another man's hero" (siehe Taliban etc., wie hat man die gesehen als es gegen Russland ging? Und wie heute?)

        Aber um wieder auf das Spiel zu kommen
        Da sind die Seiten doch so hart gezeichnet, ich seh da kein Problem.
        Finde es da deutlich (deutlich) verwerflicher wenn Leute Infamous auf Böse spielen und Gebäude in die Luft jagen nachdem ein NPC ihnen erzählt hat da sind Frauen und Kinder...
        Ich glaube wir reden da aneinander vorbei, ich gebe dir vollkomen Recht. Meine Antwort diesbezüglich sollte auch nur 1 Beispiel von (wie du schon sagtest) vielen sein denn in sehr
        vielen Bereichen wird nicht drüber nachgedacht, weder über das eigentliche Handeln, noch die Konsequenzen, die draus folgen (können).

        Und wie "Orzhov" geschrieben hat mit der abgestumpften Sache....ich denke, es kommt immer drauf an wie das Ganze inszeniert ist (als Game).
      • Von GremlinGizmo Anfänger/in
        Zitat von Hoodium
        Irrtum, durchgängig. Es ist ein Trugschluss zu denken Menschen seien "besser" geworden.
        Sie sind informierter, das war's auch schon. Aber schaffe die Gelegenheit, gebe Menschen Hass und "Macht" über Andere und du wirst sehen, da hat sich seit dem 2. WK, Mittelalter etc. rein gar nichts verändert an der menschlichen Natur.

        Und was böse ist bestimmt immer noch zu einem nicht vernachlässigbarem Teil der Sieger, auch das hat sich nicht geändert.
        Stell dir mal vor Japan oder Deutschland hätten 2 Atombomben auf die USA geschmissen, das wäre eins der größten, verachtenswertesten Gräueltaten und Kriegsverbrechen der Menscheitsgeschichte... so waren die Bomberpiloten noch vor ihrem Tod stolz drauf und es gibt bis heute keine Entschuldigung.

        Allgemein kann man sagen, "One man's villain is another man's hero" (siehe Taliban etc., wie hat man die gesehen als es gegen Russland ging? Und wie heute?)

        Aber um wieder auf das Spiel zu kommen
        Da sind die Seiten doch so hart gezeichnet, ich seh da kein Problem.
        Finde es da deutlich (deutlich) verwerflicher wenn Leute Infamous auf Böse spielen und Gebäude in die Luft jagen nachdem ein NPC ihnen erzählt hat da sind Frauen und Kinder...
        Ich glaube wir reden da aneinander vorbei, ich gebe dir vollkomen Recht. Meine Antwort diesbezüglich sollte auch nur 1 Beispiel von (wie du schon sagtest) vielen sein denn in sehr
        vielen Bereichen wird nicht drüber nachgedacht, weder über das eigentliche Handeln, noch die Konsequenzen, die draus folgen (können).

        Und wie "Orzhov" geschrieben hat mit der abgestumpften Sache....ich denke, es kommt immer drauf an wie das Ganze inszeniert ist (als Game).
      • Von MichaelG Mitglied
        Homefront: The Revolution - Terroranschlag als Spaßgarant? Ein Kommentar aus ...

        Zitat von Atuan
        Die zwei wichtigsten Punkte/Vergleiche wurden schon genannt:

        1. Waren die Widerstandskämpfer im WW2 auch bloß "verabscheuungswürdige Terroristen"?.
        Aus heutiger Sicht ist die Antwort klar. 1933-45 war es eine Frage der Sichtweise. Aus Sicht der besetzten Länder und Alliierten waren es wie heute Helden. Aber stelle die Frage zur damaligen Zeit einer Familie, die Sohn, Freund, Ehemann oder Vater der ein normaler Soldat war durch diese Guerilliataktiken verloren hat. Jedes Land hat feindliche Soldaten hingerichtet die hinter feindlichen Linien Anschläge verübt haben. Weil deren Handlungen nicht durch die Genfer Kovention gedeckt waren/sind. Auch die Briten wenn sie deutsche Kommandotrupps erwischt haben. Es ist alles eine Frage der individuellen Sichtweise gewesen.

        Die Maßnahmen waren sicher teils aus der Verzweiflung geboren, entsprechen aber nicht einer fairen und ehrenhaften Kriegsführung (sofern man das im Zusammenhang eines Krieges überhaupt in den Mund nehmen kann).
      • Von Atuan Mitglied
        Die zwei wichtigsten Punkte/Vergleiche wurden schon genannt:

        1. Waren die Widerstandskämpfer im WW2 auch bloß "verabscheuungswürdige Terroristen"?

        2. Geht es bei Homefront 2 überhaupt um Terrorismus, oder am Ende doch nur um Guerilla-Taktiken (und A-Team-ähnliche Improvisation) im Kampf gegen einen technisch und/oder zahlenmäßig unfassbar überlegenen Feind? Letzteres würde das Ausbleiben der Moraldiskussion erklären, gab es dieses Szenario doch schon häufig in anderen Spielen zu sehen. Oder was tat man sonst in Half Life 2? Oder Far Cry 3? Oder in quasi jedem GTA, wo man im Gegensatz zu den anderen Titeln auch noch ganz klar auf der Verbrecherseite steht, während man irgendwelche FIB-Gebäude oder Werkstätten/Firmen zahlungsunwilliger Erpressungsopfer in die Luft jagt?

        Grundsätzlich würde ich Spiele mit solchen Denkansätzen schon gerne sehen. Es gibt da das bereits angesprochene Spec Ops: The Line, welches sich allerdings furchtbar spielt und aufgrund des grauenhaften Gameplays kaum Spaß macht (dass das "Absicht" war, ist Käse), so dass ich persönlich wirklich Mühe hatte, dieses doch recht kurze Spiel überhaupt durchzuspielen (spielt man es nicht durch, geht aber der komplette Sinn des Spiels flöten). Ich hätte wirklich nichts gegen einen guten, taktischen Militärshooter (mag das Genre eigentlich nicht), in dem man anhand schlechter Luftaufnahmen und schwer zu interpretierenden Infrarotbildern entscheiden muss, ob die Drohne eine Bombe abwerfen soll (Ist das nicht auch Terrorismus, wenn ferngesteuerte Autos mit Bomben hier schon als Terrorismus gewertet werden?), oder in dem man eben wirklich die Anzahl der zivilen Opfer gegen die Wichtigkeit des Ziels abwägen muss.

        Moralisches Dilemma? Her damit! Aber so pervers das auch klingen mag: Das Gameplay muss schon "Spaß" machen, bzw. muss so gut sein, dass es einem nicht die Lust am Weiterspielen verdirbt. Ist ja bei Büchern und Filmen auch nicht anders. Wenn ich einen Kriegsfilm mit moralischem Denkansatz mache und dem Film alles nehme was dem Zuschauer einen gewissen "Komfort" gibt, habe ich am Ende ein Doku-ähnliches Konstrukt, welches sich strohtrocken guckt und das Zielpublikum nicht erreicht. Auch wird kaum jemand ein 500+ Seiten Buch lesen, bei dem er sich Seite für Seite zum Weiterlesen quälen muss. Ein Spiel muss also, egal was auch das Thema ist, Spaß machen. Ansonsten erreicht es nur die Doku-Seher und Sachbuch-Leser. Daran ist grundsätzlich zwar nichts verkehrt, aber es lässt sich eben doch nur sehr schwer mit dem finanziellen Aufwand im Vergleich zur Zielgruppe (Gamer) vereinen.
      • Von Angry-Angel Mitglied
        Zitat von ms-heimnetz
        Ich sehe das so:
        - Freiheitskämpfer kämpfen gegen die Herscher (Besatzer) und versuchen die Zivilisten so gut es geht aus der Schusslinie zu halten. Die französische Widerstand im 2. WK ist da ein gutes Beispiel.
        - Terroristen wollen anderen ihre Weltanschauung aufdrücken und schrecken auch nicht vor Gewalt gegen Zivilisten zurück. Da kann man die IS als Beispiel nehmen.

        So würde ich das definieren. In Homefront können die es ja so machen dass man je nach Stimmung von den Zivilisten hilfe bekommt. Die Stimmung könnte von der Art abhängen wie sie einen sehen: Als Terroristen oder als Freiheitskämpfer.
        Es geht aber nicht um Begrifflichkeiten wie "Freiheitskämpfer" oder "Terrorristen", (Diese Begriffe variieren, je nach dem, auf welcher Seite Du stehst), sondern um die Wahl der Mittel.

        Wie ich schon in meinem ersten Beitrag schrieb: Wer nach den Regeln spielt, die Anderen jedoch nicht, wird verlieren!

        Zur Erkärung:
        Eine Besatzungsmacht, die über unbegrenzte Mittel und Möglichkeiten an Material sowie Menschen verfügt, ist IMMER im Vorteil denjenigen gegenüber die im Widerstand sind, die eben nur über geringe Mittel und geringes Personal verfügen. Da muß, um etwas bewirken zu können, der Widerstand zusehen, dass er mit den geringen Mitteln die maximale Wirkung erzielt.
        Sei es mit Sabotage,....den Rest schreibe ich nicht, sonst werde ich in eine Ecke gestellt, in die ich nicht rein will.

        Der Widerstand kann es sich gar nicht leisten, nach den konventionellen Regeln der Besatzer zu agieren.
        Dadurch zeichnet sich eben diese Guerilla-Taktik aus.
      • Von makoto68 Mitglied
        Zitat von Hoodium
        Irrtum, durchgängig. Es ist ein Trugschluss zu denken Menschen seien "besser" geworden.
        Sie sind informierter, das war's auch schon. Aber schaffe die Gelegenheit, gebe Menschen Hass und "Macht" über Andere und du wirst sehen, da hat sich seit dem 2. WK, Mittelalter etc. rein gar nichts verändert an der menschlichen Natur.
        Informierter kann ja auch aufgeklärter bedeuten. Und Aufklärung heißt nicht gleich "besserer Mensch", aber es bedeutet in der Regel die Möglichkeit, auf ein Stück mehr Bewusstheit, vielleicht auch Vernunft. Aber ich kann dich gut verstehen, ich bin auch der Meinung, dass es viel verdecktes, negatives Potential gibt. Eröffnet man diesem Potential dann noch Räume und eine Umwelt wo es sich entfalten kann, kann sich viel Grässliches wiederholen, was wir dachten, es wäre vergangen und vorbei.
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