Gebrochene Versprechen: Downgrade, Bullshots und fehlende Features
Wie uns Hersteller und Entwickler mit großspurigen Ankündigungen, schicken Screens und Hochglanz-Videos in die Irre führen. Besonders Downgrades sind spätestens seit Watch Dogs ein Dauerthema in der Gamer-Community, von dem zuletzt auch The Witcher 3 nicht verschont blieb.
Der Ausdruck "Downgrade" hat exzellente Chancen, das PC-Spiele-Unwort des Jahres zu werden: Denn die aktuelle Diskussion um die finale Grafikqualität von The Witcher 3 beweist, wie empfindlich und penibel die Kundschaft auf Täuschungsmanöver reagiert. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht immer dieselbe Frage: Warum machen die das überhaupt? Ob kalkulierte Absicht hinter irreführender Spiele-Werbung steckt, lässt sich im Nachhinein oft nur schwer herausfinden.
Fakt ist jedoch: Wir alle, Konsumenten wie Presse, tragen eine nicht zu vernachlässigende Mitschuld an dem Marketing-Maleur. Schließlich definiert sich moderne Software zu allererst über ihre grafische Güte, besonders im Zeitraum vor dem eigentlichen Release. Und nicht umsonst lautet die Devise "Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck": Wenn Hersteller ihre millionenschweren Produkte auf die kritische Öffentlichkeit loslassen, dann in möglichst perfektionierter Form. Nicht auszudenken, wenn beispielsweise erste Screenshots zum neuen Assassin's Creed bloß ordentlich wirken …
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Druck durch Druckverfahren
Die grafische Wahrheit wird aber nicht erst seit wenigen Jahren mit Füßen getreten: Bereits Ende der 90er-Jahre veröffentlichte Electronic Arts im Zuge seiner PR-Kampagne zum Echtzeit-Strategie-Titel Command & Conquer: Tiberian Sun Bilder, die plump per Photoshop aufgemotzt wurden – hineingepinselte Details wie Reifenspuren und Mündungsfeuer fehlten im finalen Spiel. Ein Täuschungsversuch, der leider auch mit dem Aufschwung der Spielemagazine zu tun hat: Denn klassische Druckverfahren verwenden eine Auflösung von 300 dpi (also "Pixel pro Inch"), Computermonitore erreichen indes zumeist eine deutlich geringere Punktdichte.
Quelle: PC Games
Grandiose Explosionen, faszinierende Details, ganz viel Schmu: Die ersten Bilder zu Command & Conquer: Tiberian Sun entstammten der Fantasie eines Grafikers.
Ergo wurden und werden Screenshots in utopisch hoher Auflösung gerendert, um auch abgedruckt noch knackscharf auszusehen. Geplante Irreführung kann man das eigentlich nicht nennen, denn viele Herstellershots werden in der tatsächlichen Spiel-Engine erstellt – nur eben kompositorisch aufgehübscht. Zudem ist ein einzelnes Standbild eben nur das: eine Momentaufnahme, die ohne Rücksicht auf (im finalen Spiel relevante) Physik- und KI-Berechnungen und ohne Angst vor überforderter Hardware bis zum Anschlag gedreht werden kann.
Bewegliche Ziele
Ein ähnlich gelagertes Problem plagt Videos, die aus frühen Gameplay-Szenen bestehen – etwa der aktuell so heiß diskutierte Trailer zu The Witcher 3 von 2013. Zum einen zeigen solche Clips stets nur einen limitierten (und deshalb auch weniger rechenaufwendigen) Ausschnitt des fertigen Spiels, zum anderen sind sie für die Entwickler ein technisches Vabanquespiel. Schließlich lässt sich kaum einschätzen, wie reibungslos der weitere Produktionsprozess verläuft, wie weit die PC-Hardware zum Release tatsächlich ist und welchen Treiberfortschritt Nvidia sowie Ati wohl machen. Noch schlimmer ist diese Stocherei im Nebel bei den Konsolen: Immer wenn Sony, Nintendo oder Microsoft eine neue Daddelkiste ankündigen, werden maßlos überzogene Videos zu kommenden Spielen gezeigt – dabei stehen die finalen Spezifikationen der jeweiligen Konsole meist noch gar nicht fest.
Und auch wenn die Entrüstung im Spielerlager zunimmt: Entwickler wie Hersteller werden auch in Zukunft auf möglichst durchgestyltes Marketing setzen – da bleibt die Wahrheit dann gerne mal auf der Strecke. Zumal die Crowdfunding-Welle derartige Taktiken gar noch begünstigt: Denn wer sein Spiel auf Kickstarter & Co. präsentiert, der verkauft ungelegte Eier, Träume aus der Zukunft. Ein Star Citizen hätte sicher deutlich weniger Millionen eingesammelt, wenn Chris Roberts zum Start nicht so einen herrlichen Teaser-Trailer veröffentlicht hätte.

Spaß beiseite: einfach nicht vorbestellen, sondern die Spiele kaufen, nachdem man das fertige Produkt gesehen hat.
Ich freu mich immer über die, die darüber meckern, dass andere meckern. Das ist Meckerception.