Gebrochene Versprechen: Feature-Fake, Downgrade
Wie uns Hersteller und Entwickler mit großspurigen Ankündigungen, schicken Screens und Hochglanz-Videos in die Irre führen. Besonders Downgrades sind spätestens seit Watch Dogs ein Dauerthema in der Gamer-Community, von dem zuletzt auch The Witcher 3 nicht verschont blieb.
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Feature-Fake: Wenn Spielelemente plötzlich fehlen
Aufpolierte Bildchen, kalkuliert gestreute Videos – alles zwar Marketing-Masche, aber eben auch verschmerzbar und verständlich. Weitaus schlimmer sind großspurige Ankündigungen hinsichtlich Spielinhalten, die dann einfach nicht eingehalten werden. Das Paradebeispiel für eine solche Unverschämtheit war Anno 1503: Die zweite Episode der Erfolgsserie sollte ursprünglich einen Mehrspieler-Modus enthalten. Als dieser zum Release gekippt wurde, versprach Sunflowers einen entsprechenden Patch. Über ein Jahr später konnte man immer noch nicht gesellig siedeln – und die Entwickler mussten kleinlaut zugeben, dass der Multiplayer aufgrund von technischen Problemen für immer eine Luftblase bleiben wird.
Quelle: PC Games
Peter Molyneux' Göttersimulation Black & White war zwar ein unterhaltsames Spiel, die Ankündigungen des Dampfplauderers ließen aber auf eine Revolution schließen.
Apropos Luftblasen: Die sind quasi das Markenzeichen von Peter Molyneux. Der Münchhausen unter den Spielemachern ist geradezu berüchtigt dafür, seine Werke mit absurden Versprechungen anzukündigen – diese dann aber nie einzuhalten. Egal ob Fable, Black & White oder das Klick-Experiment Curiosity: Stets waren Peterchens fertige Produkte nur ein Bruchteil dessen, was der Kundschaft vorexerziert wurde. Der Gipfel war jedoch die künstliche Intelligenz Milo, die Molyneux im Zuge von Microsofts Kinect-Kamera als Meilenstein der Unterhaltung bewarb. Denn der Computerjunge ging als einer der unverschämtesten Fakes in die Spielegeschichte ein und kam nie auf den Markt. Oder wie sein eitler Erschaffer es ausdrückte: "Die Industrie war einfach noch nicht bereit für ein solches Projekt".
Da loben wir uns doch Will Wright. Denn der gab im Nachhinein wenigstens zu, dass er seinen Gen-Baukasten Spore vielleicht ein bisschen zu blumig verkaufte – viele Features waren letztlich nur ein Schatten dessen, was der Sims-Miterfinder im Sinn hatte. So was ist selbst Rockstar schon einmal passiert: Die Online-Sektion von GTA 5 sollte vom Start weg Mehrspieler-Heists anbieten, das entsprechende Update stand jedoch erst 18 Monate später zum Download bereit. Und dann wäre da ja noch unser aller Freund John Romero: Dem Doom-Designer war der Erfolg so zu Kopf gestiegen, dass er sich als neuen Messias der Branche und sein Ego-Abenteuer Daikatana als Jahrhundertwerk inszenieren ließ – unvergessen die Werbeanzeigen mit der Aufschrift "John Romero's about to make you his bitch!" Zu blöd, dass der Titel am Ende kaum eines seiner Versprechen einlöste …
Downgrades: Rückschritt statt Evolution
Quelle: PC Games
Auch PC Games war von der ersten Watch Dogs-Präsentation im Jahr 2012 begeistert. Wer hätte denn ahnen können, dass Ubisoft die Grafik des Spiels später an den Konsolenversionen ausrichtet?
Upgrades mag jeder, Downgrades eigentlich nur diejenigen, deren Handy-Firmware nicht reibungslos läuft. Für PC-Spieler ist das digitale Rückrüsten jedenfalls ein echter Fluch: Da werden einem schicke Gameplay-Szenen präsentiert, man freut sich wie Bolle auf das fertige Spiel – und dann sieht das Dingen urplötzlich nur noch halb so schick aus. Prominent geschehen bei Watch Dogs: Das Hacker-Abenteuer von Ubisoft wurde 2012 im Rahmen der E3-Messe mit einer schier unglaublich detaillierten Demoversion enthüllt, 2014 dann optisch abgespeckt veröffentlicht. Oder handelte es sich nur um ein Missverständnis? Die Entwickler beteuern jedenfalls bis heute, nichts an der Grafik heruntergerechnet zu haben. Objektiv muss man jedoch festhalten: So berauschend wie das Reveal-Material sieht die finale Fassung nicht aus, auch wenn Vergleiche angesichts der unterschiedlichen Lichtstimmung und inhaltlicher Veränderungen schwierig sind.
Quelle: PC Games
Die Entwicklung von Aliens: Colonial Marines stand unter keinem guten Stern: Während Gearbox erst noch extrem schicke Demos zeigte, wurde das Spiel später von Timegate fertiggestellt - und sah mau aus.
Während auch The Witcher 3 ein Downgrade-Grenzfall ist, sieht die Sache bei Aliens: Colonial Marines definitiver aus: Der letztlich veröffentlichte Shooter-Unfall hatte so rein gar nichts mit dem vorab von Gearbox präsentierten Material zu tun – Publisher Sega wurde gar von Kunden verklagt, die sich zu Recht geprellt fühlten. Ganz so drastisch waren die Reaktionen bei Far Cry 3 und 4 nicht, aber auch Ubisofts Open-World-Schießereien kamen in ihrer finalen Form nur selten an das heran, was den Fans zur Enthüllung als Spielszenen präsentiert wurde. Freilich handelt es sich dabei nicht um absichtliche Verhässlichung! Vielmehr entwerfen Entwickler bereits in der frühen Produktionsphase einen sogenannten "Vertical Slice", also einen Querschnitt, der sämtliche Gameplay-Elemente und Features in einer begrenzten Demo aufzeigen soll. Und genau den bekommt man als Spieler zumeist präsentiert.
Wenn dann aber alle anderen Elemente (etwa die künstliche Intelligenz) hinzukommen, wird die benötigte Rechenleistung natürlich um ein Vielfaches größer – vor allem bei Open-World-Spielen. Noch komplizierter ist die Sache bei Multiformat-Entwicklungen, denn dann jonglieren die Macher gleich mit mehreren Version herum. Und wenn der PC nicht die entscheidende Lead-Plattform ist, sondern nur eine fix aufgemöbelte Fassung der Konsolenableger, dann zehrt das an der grafischen Qualität. Da loben wir uns dann auch die Ehrlichkeit der Dark Souls 2-Macher: Die gaben unumwunden zu, ihr Spiel grafisch gezähmt zu haben, weil die ursprüngliche Alpha-Version auf PS3 und Xbox 360 mit weniger als 10 Frames pro Sekunde lief.

Spaß beiseite: einfach nicht vorbestellen, sondern die Spiele kaufen, nachdem man das fertige Produkt gesehen hat.
Ich freu mich immer über die, die darüber meckern, dass andere meckern. Das ist Meckerception.