The Book of Unwritten Tales 2 im Test: Würdige Fortsetzung des Adventure-Hits
The Book of Unwritten Tales 2 überzeugt im Test und zeigt einmal mehr, dass King Art sein Handwerk beherrscht: Die Bremer Spaßlieferanten inszenieren mit ihrem Point-and-Click-Adventure eine würdige Fortsetzung. Liebenswerte Charaktere, gelungene Gags, schöne Atmosphäre, viel Umfang - das reicht für eine tolle Wertung. Dabei könnte das Spiel noch deutlich besser sein.
Da machte die Entwicklung schon beim Zusehen Spaß: Im Februar letzten Jahres startete das Bremer Studio King Art (Battle Worlds: Kronos) eine zweite Kickstarter-Kampagne, diesmal für die Fortsetzung seines Adventure-Hits The Book of Unwritten Tales (2009). Allerdings bat man nicht um riesige Beträge, um das Spiel überhaupt entwickeln zu können, immerhin war das Projekt schon weit fortgeschritten. Stattdessen hoffte King Art nur auf eine Finanzspritze, um das Spiel noch etwas besser zu machen – das genügte vielen Adventure-Fans bereits, um King Art mit satten 170.000 Spenden-Dollar ihr Vertrauen auszusprechen. Nach einer kurzen Early-Access-Phase, in der das Spiel bereits häppchenweise veröffentlicht wurde, hat King Art das Spiel nun offiziell fertiggestellt. Im Test von The Book of Unwritten Tales 2 zeigt sich: Nach sechs Jahren erhält TBOUT damit endlich seinen würdigen Erben.
Vier Freunde für ein Abenteuer
Quelle: PC Games
Die Charaktere sind ähnlich liebenswert wie im Vorgänger, sehen nun aber deutlich besser aus.
King Art wagt für The Book of Unwritten Tales 2 (kurz: BOUT 2) keine großen Experimente, sondern hält an der bewährten Formel des Erstlings fest. Anders als im kleineren Prequel Die Vieh-Chroniken (erschien 2011) sind nun also wieder alle vier der bekannten Helden an Bord: So feiert nicht nur der mutige Magier-Gnom Wilbur seine Rückkehr als beherzter Weltenretter, auch der sympathische Rumtreiber Nate und sein rosa bezottelter Sidekick Vieh sind wieder mit von der Partie. Die größte Wandlung hat allerdings die taffe Elfe Ivo durchgemacht: Sie findet sich gleich zu Beginn in "besonderen Umständen" wieder – ein cleverer Zug der Autoren, der Ivos Charakter kräftig umkrempelt und für frischen Wind im heiteren Fantasy-Trubel sorgt.
Gelungenes Sequel
Natürlich lassen sich auch andere alte Bekannte wieder blicken, etwa die herrlich uneinigen Oger-Zwillinge Zloff und Grump oder der mutige Freiheitskämpfer Rémi, dem diesmal eine deutlich größere Rolle zufällt. Für Fans bedeutet das zwar ein freudiges Wiedersehen, doch für Quereinsteiger ist dagegen Kopfkratzen angesagt – es empfiehlt sich, zunächst den ersten Teil zu spielen, um in BOUT 2 richtig durchzublicken. Zumal die Story munter an frühere Ereignisse anknüpft und mit ihrem halb offenen Ende – so viel sei verraten – wenig Zweifel daran lässt, dass King Art bereits einen dritten Teil in Planung hat. Das sorgt zwar für einige lose Handlungsfäden, doch als Mittelstück einer Trilogie funktioniert BOUT 2 tadellos.
The Book of Unwritten Tales 2 - Video-Review
Quelle: PC Games
Zwischen dem Gauner Nate und der Elfin Ivo herrscht Eiszeit. In der Mitte: das arme, ratlose Vieh.
Im Laufe der Geschichte kommen auch neue Gegenspieler hinzu, die uns vor ungewohnte Herausforderungen stellen. Einerseits inszeniert BOUT 2 nämlich eine klassische Fantasy-Story, in der es unser Heldenquartett wieder mit üblen Hexenmeistern, finsteren Prophezeiungen und allerlei dunklen Mächten zu tun bekommt. Doch darum spannt King Art einen erzählerischen Rahmen mit ungewohnt sozialkritischen Untertönen: Von gierigen Kapitalisten, überfüllten Flüchtlingslagern, käuflicher Presse, feiger Ausbeutung und manipulierten Wahlen bis hin zum handfesten Steuerbetrug ist BOUT 2 vollgepackt mit Gegenwartsthemen, die ein ums andere Mal für Schlagzeilen sorgen. Im Kern ist BOUT 2 natürlich trotzdem ein ausgelassenes Comedy-Abenteuer, das vor Gags nur so strotzt. Einige ernste oder gar anrührende Szenen sorgen aber dafür, dass das Spiel nicht zur hohlen Kalauer-Parade verkommt.
Schon fast zu viel des Guten
Quelle: PC Games
Trotz der hohen Gagdichte nimmt sich das Spiel auch viel Zeit für ruhige, teils richtig rührende Momente.
Ähnlich wie die Vorgänger ist auch The Book of Unwritten Tales 2 vollgepackt mit gelungenen Anspielungen auf Filme, Rollenspiele, Adventures und Fantasy-Klischees. Dass die meisten Gags auch zünden, ist den erstklassigen Sprechern zu verdanken, die motiviert zu Werke gehen und ihre Texte passend zur Situation betonen. Allerdings leistet sich das Spiel auch eine deutliche Schwäche gegenüber dem ersten Teil: Viele Kommentare der Charaktere sind schlichtweg zu lang geraten, darunter leidet das Erzähltempo etwas. Wo Wilbur etwa im ersten Spiel noch ein bis zwei kurze Bemerkungen zu einem Hotspot abliefert, sind es nun oft drei oder vier Sätze, teils gefolgt von weiteren Ausführungen. Auch manche Dialoge wirken zu stark ausgewalzt, dadurch geraten einige Figuren – etwa die bösartige Sybill van Buren – eher anstrengend als witzig. Spielt man zum Vergleich nochmal die klasse ausbalancierten Einstiegskapitel von The Book of Unwritten Tales 1, wird deutlich, dass die Dialoge in Teil 2 manchmal über das Ziel hinausschießen. Dafür bleibt die Story von The Book of Unwritten Tales 2 allerdings auf einem durchweg guten Niveau, während sie im Vorgänger bereits in der Mitte abflaute. Und natürlich hat die Dialogfülle auch einen positiven Nebeneffekt: Jedes der fünf Kapitel bringt es locker auf mehrere Stunden Spielzeit; wer keine Kommentare wegklickt, kann bis zu 20 Stunden bis zum Abspann einplanen, was für ein Adventure außerordentlich lang ist.
In diesem Artikel
Der satte Umfang ist auch den Nebenquests geschuldet, die King Art dank der großzügigen Kickstarter-Spenden umsetzen konnte: So bietet das Spiel mehrere Bonusaufgaben, die zwar nicht spielentscheidend sind, aber neben schönen Rätseln und netten Gags auch Achievements und zusätzliche Verkleidungen für unsere Helden liefern. Wer mag, kann Nate so beispielsweise in ein delikat geschnittenes Frauenkostüm stecken. Sein wohltuend unverkrampfter Kommentar, während er sich im Spiegel bewundert: "Es fühlt sich... richtig an." Andere Hersteller hätten aus einer solchen Szene vielleicht einen ätzenden Randgruppenwitz gemacht – King Art belässt es dagegen beim leisen Augenzwinkern. Das wirkt nicht nur zeitgemäß, sondern auch einfach grundsympathisch.


Meine Spielspaß-Wertung 71% ... und dass auch nur weil ich eigentlich sonst ein großer Fan von solchen Grafik-Adventures bin!
Fangen wir mal mit dem Positiven an:
Grafik/Sound:
Da gibt's wirklich (fast) nichts zu meckern: schön gezeichnete Hintergründe mit sauberen Animationen und Lichteffekten... also wirklich ein king ART game! ;-) Das einzige was stört sind "glitches" wo z.B. N8 in einer Szene fehlt oder im Inventar nur ein Fragezeichen statt eines items angezeigt wird...
Handlung/Charaktere:
Wer so wie ich BOUT 1 vor 5 Jahren das letzte Mal gezockt hat und keinen Tau mehr von der Handlung hat (weil sie auch nicht sooo herausragend war), wird wahrscheinlich genauso enttäuscht sein: Es gibt praktisch nur eine gefühlte 20 sek. Einführung was rudimentär in Teil 1 passiert ist und dann muss man irgend so nen Typ vorm Falltod retten.Hat man das geschafft kommt ein schlagartiger (wörtlich! ;-)) Szenenwechsel und man ist steuert ne Elfe... Danach hatte ich dann endgültig genug und schaute mir ein letsplay der letzten 20 min von bout 1 an. Das desaströse Story-Telling verbessert sich dadurch leider nicht, denn wen man nach 15h mal checkt, was des "Puddels Kern" ist, merkt man wie schrecklich dünn die Handlungssuppe ist. :-S Auch die Charaktere (allen voran Wilbur) haben den Charme eines seelenlosen Ziegelsteins und würde es irgendwo die Möglichkeit geben den nervigen Gnom in Tod zu schicken, wäre für mich das ein absolutes Highlight! :ugly:
Puzzels/Gameplay:
Imho ein Totalversagen! 90% der Rätsel haben den Schwierigkeitsgrad eines einreihigen Sudokus... das kann man fast wörtlich nehmen, weil man oft nur stupide eine Reihe von Klicks machen muss um die "Rätsel" zu lösen. Die Steuerung unterstützt einen dabei sogar: 1.) Kann man nur Dinge mit einander kombinieren welche auch kombinierbar sind 2.) kann man sich bei jeder Szene die "Hotspots" anzeigen lassen... wo man also früher minutenlang ein Bild nach Hinweisen abgesucht hat, braucht man jetzt einfach nur die Leertaste drücken... als würde man sich bei nem Shooter ein AutoAim + Shoot wünschen :-P
Hier zwei Bsp. für zwei imho besonders bescheuerte Rätsel (beide aus Kap. 3):
1.) Das Rätsel der Götterstatuen. Die Lösung besteht einfach darin,
dass man sich durch unglaublich nervige Dialogsequenz klickt! Man braucht keine "Opfer" bringen oder sonstiges besorgen... nur beim Clown-Gott muss man die ganze Stadt nach Witzen abklappern (die ihm ohnehin nicht gefallen) und dann ihm einer seiner Eigenen wiederholen! Wenn das ein Schnitzel wär, würde ich als "zäh" bezeichnen... :-$
1.) Das Dampfmaschinenrätsel. Ich kann eigentlich hier nur empfehlen einfach die [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]zu verwenden. Denn groteskerweise gibt es keine logische Erklärung wie man das Ding in Betrieb nehmen soll und somit ist man afaik dazu verdammt alle Kombinationen durchzuspielen...
In Summe verstehe ich also nicht wie man hier von ner "würdigen" Fortsetzung reden kann... Teil 1 war ganz ok (Schulnote "gut"), aber bei BOUT2 hätte sich KingsArt doch viel mehr ins Zeug legen müssen (Schulnote "Befriedigend-")
@Felix
Es gibt ja wohl auch im zweiten Teil das ein oder andere Minispiel. Muss man die zwingend machen und wenn ja: Sind sie besser als das dämliche Tanzspiel aus dem ersten Teil?
Beispiel 1: Das Würfelpoker ist freiwillig. Wenn du es hinbekommst, erhälst du dafür ein Kostüm. Das ist aber nur Kosmetik.
Beispiel 2: An anderer Stelle muss man so ein kleines, kniffliges Brettspiel meistern, was aber ganz cool gelöst ist: Entweder du spielt das Minispiel nach den richtigen Regeln - oder du bescheißt den Gegner, indem du noch 1-2 Rätsel löst und dir so einen Vorteil verschaffst. Dann wird es deutlich einfacher.
vorallem muss man auch mal Positiv den Preis der Allmanach Edition hervorheben, ich meine, für 45€ bekommt man ja teilweise noch nicht einmal die normale Fassung von so manchem Spiel und für so eine Version zahlt man dort eher 80€
@Felix
Es gibt ja wohl auch im zweiten Teil das ein oder andere Minispiel. Muss man die zwingend machen und wenn ja: Sind sie besser als das dämliche Tanzspiel aus dem ersten Teil?