PES 2015: Test: Kann Konami mit PES 2015 gegen FIFA 15 auftrumpfen?
Nach dem enttäuschenden Vorgänger nahmen sich die Entwickler von Konami besonders viel Zeit, um ihren einstigen Genre-König wieder auf Vordermann zu bringen und den Abstand auf den hinweg eilenden Konkurrenten FIFA zu verkürzen. Wir haben Pro Evolution Soccer 2015 ausgiebig getestet und verraten euch, ob der Altmeister wieder zurück zur alten Form gefunden hat.
Für den Test von Pro Evolution Soccer 2015 standen uns bislang nur die PS4- und Xbox One-Version zur Verfügung. Die Online-Modi, wie den My Club-Modus, konnten wir auch noch nicht selber anspielen. Diese Informationen reichen wir in Kürze zusammen mit der PC-Wertung nach. Alles Weitere zu Pro Evolution Soccer 15 erfahrt ihr auf unserer Themenseite. Normalerweise treffen jeden September die beiden großen Fußballspiele-Reihen FIFA und Pro Evolution Soccer aufeinander und jedes Jahr entbrennt in beiden Fanlagern der Streit, welches Spiel nun die beste Fußballsimulation ist. Diesmal sieht es aber etwas anders aus, denn bei Konami nahm man sich nach dem sehr durchwachsenen Vorgänger genug Zeit, um wieder in die richtige Spur zu finden, und ließ sogar den großen Konkurrenten vorlegen. Waren wir zunächst skeptisch, ob PES wirklich wieder ins Titelrennen einsteigen kann, wurden wir nach etlichen Stunden mit der Test-Version eines Besseren belehrt und freuen uns, euch mitteilen zu dürfen, dass PES 2015 den letztjährigen Vorgänger fast wieder vergessen macht. So ganz zufrieden sind wir aber trotzdem nicht, denn ein paar Altlasten schleppt der Titel immer noch mit sich herum.
Leidiges Lizenz-Thema
Quelle: Computec Media GmbH
Merseyside is red: Beim Premier-League-Kracher Chelsea gegen Liverpool kommt normalerweise Stimmung auf. Die verfälschten Namen und die hässlichen Trikots wirken aber absolut altbacken.
Um das ewige Thema mit den Lizenzen schnell abzuhandeln: Auch dieses Jahr müsst ihr in PES mit vielen verfälschten Vereins- und Spielernamen sowie Trikots vorliebnehmen, denn der Konami-Kick hat immer noch nur die FIFPro-Lizenz im Angebot. Die englische Premier League ist bis auf Manchester United komplett verändert und die Bundesliga ist beispielsweise gar nicht existent. Nur Bayern, Schalke und Leverkusen halten die deutsche Fahne hoch.
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Für PES-Veteranen stellt dies sicherlich nicht das größte Problem dar, die Fantasie-Trikots der nicht lizenzierten Mannschaften sehen allerdings oftmals wie hässliche Schlafanzüge aus und wirken einfach nicht mehr zeitgemäß. Dies fällt besonders im Vergleich mit den originalgetreuen Teams auf, deren Trikots wunderbar dargestellt werden.
Zudem haben wir uns sehr über die gebotene Präsentation geärgert. Wirken die Spiele bei Konkurrent FIFA oftmals wie eine TV-Übertragung, bietet PES 2015 die altbekannte, seit Jahren wiederverwertete Präsentation, die auf der Xbox One einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Vor allem die Kommentatoren nerven mit ihren alten, nicht zum Geschehen passenden, abgehackten und schlecht abgemischten Phrasen.
Rückkehr des PES-Gefühls
Quelle: Computec Media GmbH
Flinker Flanker: Das Flügelspiel ist hervorragend gelungen. Flanken lassen sich gefühlvoll in den Strafraum heben. Da kann FIFA nur vor Neid erblassen.
Doch (vorerst) genug gemeckert, denn Pro Evolution Soccer 2015 macht auch verdammt viel richtig. Der Sprung auf die neue Konsolengeneration hat dem Spielgefühl merklich gut getan, denn die Fox-Engine läuft nun absolut rund und beschert einen flüssigen Spielablauf, der dafür sorgt, dass sich der mäßige Vorgänger verschämt in einer dunklen Ecke verkriecht.
Vor allem die Offensive funktioniert geradezu fantastisch. Die neuen Laufwege sind clever und ermöglichen euch immer wieder neue Wege, die Verteidigung auseinanderzuhebeln. Besonders das hervorragende Flügelspiel begeisterte uns immer wieder aufs Neue. Die Flanken lassen sich wunderbar dosieren und timen, zudem sehen sie einfach gut und realistisch aus. Wer im neuen PES einmal eine Bananenflanke in den Strafraum gedroschen hat, die der mitgelaufene Stürmer eiskalt verwandelt, erkennt sofort, wo auch die FIFA-Serie noch Nachholbedarf hat.
Pro Evolution Soccer 2015 im Video-Review
Weniger gefiel uns allerdings, dass Konter manchmal zu übermächtig sind, denn obwohl das Stellungsspiel der Abwehrrecken verbessert wurde, sind sie immer noch zu leicht mit hohen, langen Bällen zu überlisten. Überhaupt lässt die Defensive oftmals etwas zu wünschen übrig. Die Akteure können sich in einigen Momenten nicht ganz entscheiden, ob sie nun den Gegenspieler angreifen oder weiterhin den Raum zustellen sollen, sodass sich immer wieder Lücken in der Abwehrkette auftun. Gegen die KI ist dies meist noch verschmerzbar, aber gerade in Mehrspielergefechten kann das Defensivverhalten ordentlich für Frust sorgen.
Quelle: Computec Media GmbH
Mittelfeldmotor: Wie beim echten Fußball ist der Spielmacher Dreh- und Angelpunkt der Offensive. Das fühlt sich sehr authentisch an.
Zudem ziehen die Zweikämpfe im Vergleich zu FIFA 15 klar den Kürzeren. Während man bei dem Titel von EA volle Kontrolle im Zweikampf hat, Grätschen geschickt timen und das Gewicht spürbar verlagern kann, fühlen sich die Situationen bei PES 2015 leider etwas zu statisch an. Man hat eher selten ein Gespür dafür, ob man den Ball nun noch weggespitzelt bekommt oder eben nicht. Selbst mit gutem manuellen Stellungsspiel sind die Angreifer des Gegners so nur schwer zu stoppen.
Außerdem gibt es viel zu wenig dieser Zweikämpfe im Mittelfeld sowie auch viel zu wenig Fouls. Wird doch einmal ein Foul gepfiffen, sind die Schiedsrichterentscheidungen oftmals nicht wirklich nachvollziehbar. Selbst kleinste Rempler führen meistens zu einer gelben Karte. Zudem sehen die Fouls in der Regel nicht wirklich realistisch aus. Hier merkt man, wie sehr die tollen Kollisionen von FIFA 15 zur Authentizität beitragen, die PES 2015 in diesem Fall leider vermissen lässt.
Trotz dieser Schönheitsfehler dürfen Fans der Fußball-Reihe aber beruhigt aufatmen, denn der neueste Streich ist wieder näher dran am Genre-Konkurrenten und überzeugt mit dem gewohnt großen Umfang, der diesmal auch wieder mit einem sehr guten Spielablauf untermauert wird. Große Neuerungen abseits des Geschehens auf dem Platz darf man aber nicht erwarten. Der Meisterliga-Modus ist quasi derselbe wie im letzten Jahr und der Werde-zur-Legende-Modus krankt noch immer an einer recht altbackenen Darstellung des Profi-Lebens. Dank der vielen kleinen Fehler von PES 2015 bietet FIFA zwar immer noch das bessere Komplettpaket, doch Fans des Konami-Kicks brauchen trotzdem kein Desaster wie im Vorjahr zu befürchten. Mit ein wenig mehr Feinschliff gibt es im nächsten Jahr wieder einen Kampf zweier gleichwertiger Konkurrenten.

Unfair!
;-)
Unfair!
;-)
Und auch so die Argumente warum FIFA schlecht ist, wunderbar ausgeführt, nebst dem punkt was überhaupt das Problem mit PES sein soll.