Krautfunding: Korrumpiert Kartoffelsalat Kickstarter?

5
Special Peter Bathge Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Kartoffelsalat auf Kickstarter - eine gute Sache?
Quelle: cyclonebill - Flickr / CC BY-SA 2.0

Welche Auswirkungen auf Videospielprojekte hat die erfolgreiche Spendenkampagne des berüchtigten Kartoffelsalats? Droht Kickstarter im Sumpf der absurden Spaßprojekte an Bedeutung zu verlieren? Redakteur Peter Bathge hat die Antworten in seiner Kolumne.

Zack Brown hatte Lust auf Kartoffelsalat. Um ihn anzurichten, bat er auf Kickstarter.com um zehn Dollar – am Ende seiner einmonatigen Spendenkampagne Anfang August hatten ihm bereitwillige Spender satte 55.492 US-Dollar zugesichert. Für einen Kartoffelsalat. Zack Brown kann man keinen Vorwurf machen - unwahrscheinlich, dass er mit so einem Erfolg gerechnet hat. Tatsächlich war seine Kickstarter-Kampagne ein Musterbeispiel für Crowdfunding: Als der Spendenberg immer höher anwuchs, meldete sich Brown mit regelmäßigen Updates zu Wort, erfand neue Stretch Goals und Pledge-Levels und nutzt das Geld letztendlich dazu, um eine riesige Kartoffelsalat-Party am 27. September zu organisieren. Der dabei erzielte Gewinn soll dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit im US-Bundesstaat Ohio zugute kommen.

Was das mit Videospielen zu tun hat? Nicht viel. Und dennoch liefen die Meldungen zur Kartoffelsalat-Kampagne und den unvermeidlichen Nachahmern (zum Beispiel Bier, gebackene Bohnen und Guacamole) auch bei den einschlägigen Spiele-Webseiten wie PCGames.de rauf und runter. Der Grund: Wir Spieler haben uns an Kickstarter als Finanzierungshilfe für Videospiele gewöhnt und sind daher irritiert, wenn solch frivol-absurde Projekte wie Zack Browns Kartoffelsalat mehr Aufmerksamkeit erfahren als der jüngste 2D-Platformer oder das neueste Pixel-Adventure.

Dabei war Kickstarter noch nie Videospiel-exklusiv. Aber der Trend zu schrägen Späßen könnte eine Gefahr für andere Kickstarter-Kampagnen darstellen. Was passiert, wenn Rohdiamanten, die durch das Geld der Fans Feinschliff verpasst bekommen sollen, zwischen all dem Quatsch untergehen? Aktuell sucht auf Kickstarter etwa ein Starcraft 2-Spieler nach Sponsoren, die ihm seinen Weg in den Profi-E-Sport finanzieren sollen. Es gibt Let's Player, die mit bis zu 1.000 britischen Pfund ihren eigenen Youtube-Kanal aufbauen wollen. Kickstarter droht zum Sammelbecken für Quatsch und Faulenzer auf der Suche nach Almosen zu werden.

Schon jetzt fällt es dem gelegentlichen Kickstarter-Unterstützer ohne gut geschultes Auge schwer, zwischen all diesem Blödsinn interessante Videospielkonzepte auszumachen. Abhilfe schafft das sehr empfehlenswerte Tool Kicktraq. Glücklicherweise erreichen die meisten der Müllprojekte nicht ihr Ziel und verschwinden schnell wieder. Ausnahmen wie Zack Browns Kartoffelsalat bestätigen die Regel. Spannende Videospiel-Projekte wie aktuell Wolfe: The Red Hood Diaries, Mighty Tactical Shooter, Fritz oder Jotun müssen derweil hauptsächlich mit der geringeren Spendenbereitschaft während der Sommermonate kämpfen und nicht mit Kartoffelsalat & Co. Hoffentlich bleibt das so.

Ein Gutes hat die Sache ja: Das erste Kartoffelsalat-Spiel ist auch schon finanziert ...

5
    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von golani79 Mitglied
        Die Alpha von The Long Dark ist jetzt auch gestartet und macht schon einen ziemlich guten Eindruck - bin mir sicher, das wird auch in der fertigen Version ein tolles Survivalgame!
      • Von golani79 Mitglied
        Die Alpha von The Long Dark ist jetzt auch gestartet und macht schon einen ziemlich guten Eindruck - bin mir sicher, das wird auch in der fertigen Version ein tolles Survivalgame!
      • Von Spassbremse Spiele-Professor/in
        Zitat von Bonkic
        um ehrlich zu sein, bin ich bislang ziemlich positiv überrascht, was die qualität vieler kickstarter-titel angeht. in den meisten (populären) fällen scheint ja bislang was zumindest brauchbares herausgekommen zu sein. ich denke da an shadowrun, banner saga, baphomets fluch, among the sleep, risk of rain oder shovel. knight.
        Divine Divinity, Wasteland 2, Pillars of Eternity, die Liste lässt sich schon noch ein ganzes Stück fortsetzen. :-)
      • Von Bonkic Mitglied
        um ehrlich zu sein, bin ich bislang ziemlich positiv überrascht, was die qualität vieler kickstarter-titel angeht. in den meisten (populären) fällen scheint ja bislang was zumindest brauchbares herausgekommen zu sein. ich denke da an shadowrun, banner saga, baphomets fluch, among the sleep, risk of rain oder shovel. knight.

        ausgerechnet bei broken age, also dem eigentlichen startschuss, frag ich mich aber schon, was mit dem geld passiert ist. 4 mios oder so für ein halbes adventure? na ja...
      • Von Filben Gelegenheitsspieler/in
        Ich finde die Kartoffelsalat-Kampagne zeigt eigentlich deutlich, wie es beim Crowdfunding zugeht. Bei Spielen heißt das, dass viele Leute backen, nur weil ein paar große Namen auf der Seite stehen, die selten mehr als Versprechungen und ein paar Artworks vorzuzeigen haben. Die Leute funden wie blöd, es gibt immer neue Meilensteine und irgendwann fragt man sich: wird das Ding auch nochmal veröffentlicht? MUSS man unbedingt immer neue Meilensteine einführen? Gerne wird ja damit beworben, dass dann z.B. noch zusätzliche Story- oder Quest-Autoren angeheuert werden. Aber mehr Autoren heißt nicht unbedingt bessere Qualität. Mehr Umfang vielleicht, aber lieber etwas dichtes und qualitativ hochwertig als was etwas aufgeblähtes.

        Ich stehe der ganzen Sache noch sehr skeptisch gegenüber, auch wenn Shadownrun Returns erfolgreich war. Aber auch das erst seit dem Addon. Pillars of Eternity, Torment und Wasteland 2 werden es zeigen und mich vielleicht etwas zuversichtlicher auf die Sachen blicken lassen.
      • Von Kaisan Mitglied
        Ich mag Kartoffelsalat. Gespendet habe ich aber dennoch nicht. Vielleicht, weil diese Kampagne keinen wirklich innovativen Hintergedanken hatte, rein aus Spaß entstand und die Menschheit nicht verändern oder zumindest nicht den Alltag erleichtern wird. Kickstarter ist für mich eine Plattform für innovative Konzepte, Dinge, die es ohne finanzieller Unterstützung der User nicht geben könnte. Und da fällt ein Kartoffelsalat eben aus dem Muster. Spaß-Projekte darf es gerne geben, und ich habe auch kein Problem damit, wenn sie erfolgreich gefundet werden, solange wirklich innovative und wegweisende Projekte dadurch nicht vernachlässigt werden.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 08/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk