Far Cry Classic im Test: Technisch bescheidenes Shooter-Relikt für PS3 und Xbox 360
Ein gelungenes HD-Remake oder doch nur ein Ausdruck seelenloser Geldmacherei? Unser Test zu Far Cry Classic verrät euch, ob die Konsolenadaption des zehn Jahre alten PC-Shooters seinen Preis (ca. zehn Euro) wert ist. Dazu gibt es ein ausführliches Video-Review, in der wir die Technik-Probleme der Neuauflage schonungslos sezieren!
Wenn jüngere Generationen etwas über die Vergangenheit des eigenen Landes, der Menschheit oder der Erde erfahren möchten, gehen sie typischerweise ins Museum. Zumindest dann, wenn gerade Wikipedia offline ist. Im Museum erfährt man Historie am eigenen Leib, lernt etwas über berühmte Persönlichkeiten und legendäre Schlachten, spektakuläre Erfindungen und geniale Künstler. Wenn es um die glorreiche Vergangenheit der Videospiele geht, empfiehlt sich aber ein praktischerer Ansatz: Die Klassiker der Spielegeschichte werden von ihren Rechteinhabern gerne mal - besonders auf Konsolen - als HD-Umsetzung für die neueste Technik-Büchse erneut veröffentlicht, damit sie auch Nachzügler spielen können. So auch im Fall von Far Cry: Der 2004 von Crytek veröffentlichte Ego-Shooter erwies sich auf dem PC vor allem grafisch als absolut wegweisend! Die Far Cry Classic getaufte Neuauflage bietet Ubisoft pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der Serie für Playstation 3 und Xbox 360 an - und fällt damit im Test gehörig auf die Nase.
Alte Mängel, neue Mängel
Die Story um Hawaiihemd-Träger Jack Carver und den grotesk fiesen Dr. Krieger war schon damals totaler Schrott und die in der zweiten Spielhälfte (Far Cry dauert rund 15 Stunden) allgegenwärtigen Mutanten gehörten zu den bis dahin lächerlisten Gegnern in einem Ego-Shooter. Juckte aber keinen, denn Far Cry sah spitze aus und machte durch sein offenes Leveldesign mit traumhaften Stränden, dichten Tropenwäldern und jeder Menge Bewegungsfreiheit einen Riesenspaß. Zehn Jahre später lockt die Optik zumindest auf der Konsole jedoch niemanden mehr hinter dem Ofen vor - denn da hinter dem Ofen sind die Texturen nicht mal annähernd so verwaschen wie im Far Cry Classic-Dschungel! Von den roboterhaft animierten menschlichen Söldnern und den unspektakulären Effekten ganz zu schweigen - alles übrigens eine Klasse schlechter als auf dem PC! Die Krone setzt dem Ganzen aber die miese Performance des Spiels auf: Der Shooter läuft besonders in den Außengebieten nicht einmal annähernd mit 60 fps, vereinzelt kommt es zu deftigen Framerate-Einbrüchen in 30er- und sogar 20er-Regionen. Das ist für die gebotene Optik schlicht unakzeptabel!
Grafik-Vergleich PS3 vs. PC
Seiner Zeit voraus
Dass wir Far Cry Classic angesichts dieser vermeidbaren Technikböcke nicht mit einer Wertung in den mittleren 40ern nach Hause schicken, liegt an zweierlei Umständen. Erstens sind große Teile des Spiels gut mit 30 fps spielbar und die Slowdowns halten sich in Grenzen. Zweitens ist es auch nach zehn Jahren noch immer noch erstaunlich, wie viele zukunftsweisende Elemente im Original steckten. Von der freien Verfügbarkeit von Jeeps, Schnellbooten und Gleitern über die variable Spielweise (Schleichen, mit dem Fernglas Gegner markieren und sich taktisch geschickt vorarbeiten oder den Frontalangriff wagen?) bis hin zur argusäugigen KI - Far Cry war ein Bombenspiel.
Far Cry Classic bietet leider kaum einen Anreiz, dieses Erlebnis auf der PS3 oder Xbox 360 nachzuholen. Neuerungen im Vergleich zum Original wie die Über-Kimme-und-Korn-Zielfunktion bei den Schießeisen und das aus Far Cry 3 importierte Waffenrad halten sich in Grenzen. Manche Änderungen sind zudem von fragwürdigem Nutzen, etwa der überproportionierte Rotschleier bei Verletzungen des Hauptcharakters, der zusammen mit der roten Richtungsangabe bei Beschuss den halben Bildschirm verdeckt. Zudem fehlt der (zugegebenermaßen beliebige) Mehrspielermodus aus dem PC-Original. Und letztlich sieht Far Cry am Rechner dank 1080p-Auflösung noch heute deutlich besser aus als die "neue" Classic-Umsetzung - und läuft auf aktuellen Maschinen mit flüssigen 60 fps. Vielleicht liegt es daran, dass Ubisoft bei der Konsolenumsetzung ohne Hilfe der Originalentwickler nicht mit dem Programmiercode der von Crytek ersonnenen Technik hinter dem einstmals imposanten Spiel zurecht gekommen ist?
Obwohl der Download von Far Cry Classic im PSN Store und auf dem Xbox Live Marktplatz lediglich mit zehn Euro zu Buche schlägt, raten wir dringend dazu, einen Bogen um diese miese Adaption zu machen. Lediglich als Dreingabe zur 40 Euro teuren Sonderedition Far Cry: Wild Expedition mit Far Cry 2, Far Cry 3 plus dem Blood Dragon-Ableger (aber ohne sonstige DLCs) geht Far Cry Classic halbwegs in Ordnung. Die Wild Expedition gibt es übrigens auch für den PC, dort jedoch mit dem ursprünglichen Far Cry in unveränderter Form (PC-Games-Test des Originals). Das ist wohl auch besser so.

Naja, wenn Du mit "besser" hübscher meinst, geb ich Dir Recht... die KI ist es auf jeden Fall NICHT. Hatte in Far Cry zwar auch ihre Aussetzer, aber teilweise haben die Gegner einen echt gut in die Mangel genommen -> Meiner Meinung nach sogar (traurigerweise IMMERNOCH) die zweitbeste KI nach F.E.A.R., was Ego-Shooter angeht. Und die Außerirdischen finde ich persönlich eine noch lächerlichere Design- bzw. "Story"-Entscheidung als die Mutanten.
Nur hätte ich mir evtl. die "Wilde Expedition" für die PS3 geholt. Um Teil 3 im Koop zu spielen und die anderen der Vollständigkeit halber für die Sammlung zu haben.
Sieht man am Back-Cover, während bei PS3 und 360 dort Far Cry Classic steht, ist bei der PC Hülle nur das Far Cry Logo, ohne Classic-Zusatz
Steht auch so im Test, ganz unten: