Das sechste Spiel mit Action-Archäologin Lara Croft
Links ist rechts und hinten ist vorne
Das erste Date: Zwischen einem Sicherheitswärter und Lara funkt es ganz gewaltig.
In Angel of Darkness kämpfen Sie gegen die Polizei, gegen Skelettkrieger und gegen mutierte Kreaturen des Oberbösewichts Eckhardt. Ihr größter Feind aber ist die Steuerung. Sie werden es nach zehn Stunden aufgeben, die Bedienung meistern zu wollen. Sie werden rational handeln, die Steuerung als verhunzt akzeptieren und Situationen meiden, in denen sie Ihnen zum Verhängnis wird. Beispiel gefällig? Es kann schon mal über zehn Sekunden dauern, eine zwei Meter entfernte Tür zu durchqueren; Lara bleibt nämlich prinzipiell an jedem Hindernis hängen - und darf dann noch nicht mal seitlich ausweichen (sprich: diese Bewegungsvariante gibt es zwar, nur funktioniert sie in drei von fünf Versuchen nicht).
Auch das Treppensteigen ist eine einzige Geduldsprobe: Anstatt Stufe für Stufe zu erklimmen, joggt die anscheinend überforderte Miss Croft oft im Kreis, als hätte sie einen Drehwurm. Versuchen Sie übrigens erst gar nicht, das Spiel mit einer Kombination aus Maus und Tastatur zu steuern - Sie laufen dann Gefahr, Ihre Wohnungseinrichtung zu zertrümmern. Was Ihre Nerven am ehesten schonen wird: eine Bedienung rein über Tastatur.
Level-Lifting
Die schöne Wohnung: Ein Auftragskiller (Spitzname: Problemlöser) hat sich auf Laras Fersen geheftet. Doch die ist vorbereitet.
Die komplexen Höhlen des Vorgängers sind in Angel of Darkness kurzen, auf den Punkt gebrachten Levels gewichen. Darunter meist moderne Areale, etwa ein Nacht-Club: Unter hämmernder Techno-Musik und blitzenden Neonlichtern erklimmen Sie von der Tanzfläche aus ein Gittergerüst, das meterhoch nach oben führt. Jeder falsche Schritt ist ein Schritt in den Tod. Gottlob gibt es Quicksave! Fies: Manchmal speichert das Programm nicht ab, obwohl in der unteren Ecke das Diskettensymbol leuchtet. Groß die Freude, wenn man nach haarsträubenden Sprungsequenzen merkt, dass kein Spielstand angelegt wurde. Denken Sie an Ihre Wohnungseinrichtung...
Auch diesmal darf Lara Gegenstände verschieben, Hebel umlegen und kleinere Rätsel lösen. Doch solche Sequenzen wurden auf ein Minimum reduziert; Turn- und Klettereinlagen stehen im Vordergrund. In einer Kunst-Galerie beispielsweise schiebt die geübte Kistenzieherin ein paar Ausstellungsstücke hin- und her, um Laserfallen mit gut getimten Sprüngen zu überwinden. Oder sie deaktiviert Sicherheitseinrichtungen, indem sie Schalter umlegt.
Leere Versprechen
Zirkusqualitäten: Heulende Sirenen, Hubschrauber und Maschinengewehrsalven können Lara nicht vom Turnen abhalten.
"Ich bin nicht stark genug", sagt Lara mit der deutschen Stimme von Pamela Anderson, als sie eine Tür öffnen möchte. Also lenken Sie die Spielfigur nach links, laufen zwei Meter zu einer Brücke, treten selbige mit einem Fußkick ein und erfahren, dass Lara sich nun fühlt, als könne sie Bäume ausreißen. Und siehe da, die vorher verschlossene Tür lässt sich nun gewaltsam aufbrechen. Das war ein Beispiel für die im Vorfeld angepriesenen, aber nur schlampig umgesetzten Rollenspiel-Elemente des sechsten Teils.
Nicht besonders spannend sind auch die Dialoge ausgefallen, die einem Adventure ähneln sollten. Gelegentlich dürfen Sie aus ein paar vorgefertigten Antworten eine auswählen - allerdings beeinflusst die Entscheidung den Spielablauf nur minimal, wenn überhaupt.
Selbst der neue Spielcharakter, Kurtis Trent, schafft es nicht, die nötige Innovation in eine festgefahrene Serie zu bringen. Im letzten Drittel des Spiels lenken Sie Kurtis für kurze Zeit durch ein Sanatorium, um das zu machen, was Lara auch die ganze Zeit macht. Der Unterschied: Ein bisschen weniger Akrobatik, dafür mehr Action.
Viel Make-Up, wenig Herz
Nicht alles ist schlecht am neuen Tomb Raider. Die Grafik zum Beispiel begeistert, obwohl es sich um eine Playstation 2-Umsetzung handelt. Vor allem neuere Grafikkarten verleihen dem Spiel eine hübsche Optik: Feuerdunst lässt die Umgebung verschwimmen, an blitzblank polierten Böden spiegelt sich verzerrt das Umfeld, volumetrischer Nebel wabert durch die Luft und Bump Mapping kümmert sich um realistische Oberflächentexturen. Lara schaut, dank feiner Animationen, schön aus wie noch nie. Hervorragend ist zudem die Akustik: Der Soundtrack, teilweise vom London Symphony Orchestra eingespielt, klingt nach großem Hollywood-Film, die professionellen Sprecher auch.
Schade nur, dass all der Präsentationsbombast seine Wirkung nicht entfalten kann: Angel of Darkness ist als Spiel zu durchschnittlich. Ein paar Monate mehr Feinschliff hätten Wunder gewirkt. Ab in die Enter the Matrix-Ecke, Lara!


vorwerfen kann man der pc games wirklich, dass sie, obwohl selbst noch nicht getestet, die wertung ihrer schwesterzeitung publizieren, was ja schon ein wenig nach gewollter beeinflussung riecht
fakt ist aber sicher, dass man anhand der vorgelegten version (wenn sie evtl auch…
bei der Steuerung denken, das man das ziemlich schnell fixen könnte
-bei den Grafikbugs würde ich mir wiederum denken: die sind sooo
offensichtlich die werden sicher noch gefixt
...naja ich hätte wohl ziemlich tief ins klo…