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  • Keyseller-Report: Wie böse sind sie in Wirklichkeit?
    Quelle: ra2 studio

    Keyseller: Eine preiswerte Alternative oder unmoralische Spiele-Dealer? Der große PC Games-Report

    Auf Seiten wie G2A.com und Kinguin.net werden brandneue Spiele zu Schleuderpreisen verkauft. Sollte man als PC-Spieler auf die Dienste der sogenannten Keyseller zurückgreifen oder nicht? Wir sind der Frage nachgegangen, um herausfinden, wie der Markt mit den Keys tatsächlich funktioniert und welche Gefahren sich für den Verbraucher ergeben können.

    Es lässt sich kaum bestreiten: Im Schnitt sind die Preise für PC-Spiele in den letzten Jahren merklich gestiegen. Während wir noch vor fünf Jahren davon ausgehen konnten, dass brandneue Titel mit einem Preisschild von maximal 40 Euro versehen waren, verlangen viele Hersteller für ihre aktuellen und kommenden Publikationen heute 10 oder gar 20 Euro mehr - und das obwohl ein guter Teil der Spiele digital abgesetzt wird, sprich die Kosten für Verpackungen, Handbücher und Datenträger entfallen. Dazu kommt noch, dass Entwickler gerne ihre Titel nach dem Erscheinen mit DLCs erweitern und man so etwa als Online-Shooter-Fan gut und gerne mehr als 100 Euro für die "komplette Erfahrung" eines Call of Duty oder Battlefields zahlt. Doch die Aufregung über das womöglich zu teuer gewordene Hobby hält sich in der PC-Spielergemeinde am Ende in Grenzen. Woran das liegen könnte? Viele Sparfüchse greifen auf die Dienste von sogenannten Keystores zurück und zahlen so für das Freischalten eines taufrischen Titels auf Plattformen wie Steam, Origin oder uPlay oft nur 30 Euro, manchmal gar noch weniger.

    Da stellt sich die Frage, ob bei den Code-Händlern alles mit rechten Dingen zugeht. Wie können Drittanbieter Spiele günstiger an den Mann bringen als die tatsächlichen Hersteller der Titel? Liegt es schlicht und einfach daran, dass Publisher und die Portalbetreiber ihre Gewinnmargen deutlich höher ansetzen als die sogenannten Keyseller? Oder könnte es sein, dass die Letzteren ihre Ware aus dubiosen Quellen beziehen und so am Ende vielleicht sogar Hehlerware anbieten? Wir sind der Frage nachgegangen und haben uns sowohl mit den Publishern als auch Keysellern unterhalten und uns ebenso uns von einem Rechtsanwalt beraten lassen, um herausfinden, wie der Markt mit den Keys tatsächlich funktioniert und welche Gefahren sich für den Verbraucher - sprich uns Spieler - ergeben können.

    Die autorisierten Keystores: Ein sorgenfreies Einkaufserlebnis

          

    Woher die Codes stammen, lässt sich nur bei einer Gruppe von Keysellern leicht beantworten: bei den sogenannten autorisierten Verkäufern. Sie beziehen ihre Ware direkt beim Hersteller oder bei einem Zwischenhändler und profitieren davon, dass man die Codes in großen Massen bestellt und weiterverkauft. Die bekanntesten Beispiele für diese Gruppe dürften die großen Internet-Warenversandhäuser wie Amazon sein, auf deren Webseiten man beim Code-Kauf auch mal einen echtes Schnäppchen machen kann. Ebenso gibt es aber auch kleinere Händler, die mit digitalen Kopien von Spielen ihr Geld machen, etwa Gamesrocket.de, mit denen wir ein Interview geführt haben. Das in Aschaffenburg im Jahr 2010 gegründete Unternehmen bietet neben DRM-freien Downloads zu Spielen wie Deponia auch Keys an. Wegen Partnerschaften mit Publishern wie Bethesda, Rockstar Games und 2K Games kann man bei Gamesrocket sorgenfrei einkaufen und zudem dank einem Kundensupport sich darauf verlassen, dass einem bei Problemen mit bestimmten Spielen geholfen wird. Die Vorteile für Kunden von Gamesrocket und ähnlichen Anbietern liegen so auf der Hand. Jedoch mussten wir feststellen, dass solche Keystores in Deutschland am Ende relativ rar gesät sind.

    Keyseller: Im Vorteil dank regionaler Preisunterschiede

          

    Der Hauptgrund dafür ist offensichtlich: Die Preisnachlässe sind bei den offiziellen Keystores längst nicht so hoch wie bei der anderen Gruppe, den nicht-autorisierten Resellern. Bei diesen lässt sich oft nur schwer nachvollziehen, woher die Codes stammen. Oft handelt es sich bei den Keys dieser Händler um Versionen, die eigentlich für einen anderen Markt gedacht waren und so von den regionalen Preisunterschieden profitieren. Ein bekanntes Beispiel dürften hierbei die berühmt-berüchtigten Battlefield-3-Keys aus Russland sein, denen Publisher EA bereits vor fünf Jahren den Kampf angesagt hat. So ließ der amerikanische Hersteller Versionen des Shooters kurzerhand auf Origin sperren, die mit nachweißlich importierten Keys freigeschaltet wurden.
    Die Spielekeys von nicht autorisierten Händlern stammen oft aus Regionen, in denen die Titel günstiger als in Deutschland erhältlich sind. Der Star Wars: Battlefront-Key im Bild war wahrscheinlich für den Südamerikanischen Markt gedacht. Die Spielekeys von nicht autorisierten Händlern stammen oft aus Regionen, in denen die Titel günstiger als in Deutschland erhältlich sind. Der Star Wars: Battlefront-Key im Bild war wahrscheinlich für den Südamerikanischen Markt gedacht. Quelle: PC Games Dass Electronic Arts so handeln durfte, liegt daran, dass man beim Kauf eines Spiels lediglich die Lizenz zum Nutzen der Software erwirbt und nicht das Spiel selbst. Der Rechteinhaber darf entsprechend auch festlegen, für welches Land die Lizenz gilt und kann so vertragsbrüchige Keys sperren. Trotzdem herrscht noch heute oft Unverständnis über solche und ähnliche Maßnahmen, da nur die wenigsten Spieler die AGB der Publisher genau durchlesen. Zudem gibt es noch weiterhin Keyseller, die auf ihren Seiten nicht klar deklarieren, für welches Land ein angebotener Key tatsächlich gedacht ist.

    Keyseller: Dubiose Quellen

          

    Neben den Keys aus fremden Ländern werden aber auch Codes aus anderen Quellen angeboten. Ein Teil stammt angeblich aus unterschiedlichen Paket-Aktionen (etwa aus einem Humble Bundle oder Codes, die Grafikkarten beiliegen), die vom Käufer nicht eingelöst, sondern an Keyseller veräußert wurden. Vor allem auf dem "Ebay für Spiele-Keys", G2A.com, haben Verkäufer angegeben, ihre Ware aus solchen Quellen zu beziehen. Ob die Behauptungen aber stimmen, ist eine andere Frage. In letzter Zeit sind wieder Fälle publik geworden, in denen Kreditkartenbetrüger auf Plattformen wie Origin und uPlay Spiele-Keys in großen Massen eingekauft und sie anschließend zu Spottpreisen auf G2A.com oder Kinguin.net verscherbelt haben. Das Nachsehen hatten hierbei auch die Käufer, denn Publisher haben jene Keys zu Recht sperren lassen. Als Kunde muss man sich über eine Klage wegen Hehlerei laut dem Anwalt Stephan Mathé aber nicht allzu große Sorgen machen. Strafrechtlich werden eher die Verkäufer als die Kunden solcher Keyseller-Plattformen verfolgt, wie er uns in einem Interview verriet.
    Auf G2A.com kann man Spiele-Codes zu verdächtig günstigen Preisen bekommen. Dabei sollte man sich aber fragen, woher die Keys stammen. Auf G2A.com kann man Spiele-Codes zu verdächtig günstigen Preisen bekommen. Dabei sollte man sich aber fragen, woher die Keys stammen. Quelle: PC Games In dieselbe Kerbe schlägt der Bericht des Indie-Entwicklers und Publishers Tinybuild (No Time to Explain) ein. Die Firma legte in einem Blog-Eintrag nahe, dass ihnen wegen illegaler Verkäufe von Titeln wie Punch Club auf G2A.com mehr als 450.000 US-Dollar durch die Lappen gegangen waren. Die Begründung: Die Verkäufer hätten sich über das Darkweb gestohlene Kreditkarten beschafft, anschließend in Massen Keys bei offiziellen Anbietern gekauft und sie anschließend auf G2A.com für die Hälfte veräußert. Die Verantwortlichen hinter G2A.com machten kurz darauf zwar den Vorschlag, dass Publisher und Entwickler in Zukunft durch einen "Developer Support System" zehn Prozent an Tantiemen für ihre verkauften Titel bekommen könnten. Dass aber diese Maßnahme die Problematik um die oft dubiosen Quellen der Keys aus der Welt schafft, ist nicht gerade realistisch.

    Nicht-autorisierte Keyseller: Finger Weg!

          

    So oder so kann man bei einer großen Anzahl der nicht-autorisierten Keyseller kaum sagen, woher die Keys tatsächlich stammen. Zudem sollte man als Kunde auch bedenken, dass das Verkaufen von Spiele-Keys ohne Genehmigung des Urhebers in Deutschland durch ein Urteil des Landesgerichts Berlin seit März 2014 verboten ist. Deshalb und auch aus steuerrechtlichen Gründen sind die meisten Keyseller trotz deutscher Webseitennamen wie etwa Gameladen.com oder Online-gold.de in Hongkong angemeldet. Daraus folgt, dass falls man als Kunde mit einem nicht funktionierenden Key zu kämpfen hat, es relativ schwer sein wird, juristisch sein Recht auf Rückgabe durchzusetzen - ein rechtsfreier Raum hat in diesem Falle eben Vor-, aber auch große Nachteile.

    Der Indie-Entwickler RageSquid hat sich einen Namen mit Action Henk gemacht. Der Indie-Entwickler RageSquid hat sich einen Namen mit Action Henk gemacht. Quelle: PC Games Außerdem kann man an dieser Stelle auch die Moralkeule herausholen und betonen, dass wegen der nicht-autorisierten Keyseller die Existenz vieler Entwicklerstudios - die Tausende Arbeitsstunden in ihre Werke stecken - mehr als bedroht ist. Der Gründer des Indie-Studios RageSquid (Action Henk) geht gar soweit und sagt, dass Spieler lieber zu Raubkopien als zu den Diensten der oft zwielichtigen Keysellern greifen sollten. Wir sehen die Sache ähnlich, auch wenn die Preisentwicklung der aufwendig produzierten PC-Spiele unserer Meinung nah an der Schmerzgrenze ist. Wenn wir schon von der Spiele-Industrie erwarten, dass man in Zukunft viel Geld und Mühe in die Entwicklung herausragender Titel steckt, muss man für das Vergnügen auch bezahlen. Wir hoffen aber, dass Publisher so langsam erkennen, dass die immer höheren Preise für unser liebstes Hobby womöglich nicht gerade wenige Spieler in die halblegale und zugleich unmoralische Zone der Keyseller geführt haben.

    • Es gibt 125 Kommentare zum Artikel

      • Von Worrel Erfahrener Benutzer
        Zitat von DerTriton
        Und was soll diese Kommentar bedeuten?
        ... daß diese Keys dann eben doch geklaut wurden ...?
      • Von DerTriton Erfahrener Benutzer
        Zitat von Worrel
        ... man kann doch auch zB eine Palette Retail Packungen klauen. oder Jugendliche dazu anstiften, in Computerspiel Läden Packungen aufzureißen und dort die Keys zu fotografieren...
        Und was soll diese Kommentar bedeuten? Das Beispiel ändert doch nichts an meinen Aussagen. Es ist…
      • Von Worrel Erfahrener Benutzer
        Zitat von DerTriton
        Stimmt schon, aber auch diese Keys wurden doch von dem Entwickler verkauft und nicht geklaut.
        ... man kann doch auch zB eine Palette Retail Packungen klauen. oder Jugendliche dazu anstiften, in Computerspiel Läden Packungen aufzureißen und dort die Keys zu fotografieren...
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Keyseller: Eine preiswerte Alternative oder unmoralische Spiele-Dealer? Der große PC Games-Report
Auf Seiten wie G2A.com und Kinguin.net werden brandneue Spiele zu Schleuderpreisen verkauft. Sollte man als PC-Spieler auf die Dienste der sogenannten Keyseller zurückgreifen oder nicht? Wir sind der Frage nachgegangen, um herausfinden, wie der Markt mit den Keys tatsächlich funktioniert und welche Gefahren sich für den Verbraucher ergeben können.
http://www.pcgames.de/Spielemarkt-Thema-117280/Specials/Keyseller-pc-alternative-unmoralisch-Report-1200841/
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