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  • Rise of the Tomb Raider: Cheatcode "M-A-U-S" - Kolumne zu Laras PC-Auftritt

    Rise of the Tomb Raider ist mit der Maus am PC viel zu leicht - ein weit verbreitetes Problem bei Third-Person-Shootern. Quelle: PC Games

    Für Rise of the Tomb Raider gibt es am PC einen übermächtigen Cheat: die Maus! Denn damit verteilt ihr reihenweise Kopfschüsse und ruiniert den Schwierigkeitsgrad - findet zumindest PC Games-Redakteur Peter Bathge in seiner Kolumne zu Laras Action-Adventure.

    Lara Craft ist in Rise of the Tomb Raider eine eiskaltige Profikillerin. Zumindest entstand bei mir während des Spielens der PC-Version dieser Eindruck. Für den Sprung von der gewaltbereiten Abenteurerin mit Herz zur Kopfschuss verteilenden Kriegerin ohne jedes Erbarmen ist ein kleines, essentielles PC-Eingabegerät verantwortlich: die Maus. Sie ist einfach viel zu präzise für diese Art Spiel. Das Traurige daran: Das ist keine neue Entwicklung.

    Die Konsolen(-Entwickler) haben Schuld!

    In Rise of the Tomb Raider rüstet ihr eure Waffen kontinuierlich auf. Die Pistole wird so zur übermächtigen Superknarre. In Rise of the Tomb Raider rüstet ihr eure Waffen kontinuierlich auf. Die Pistole wird so zur übermächtigen Superknarre. Quelle: PC Games Rise of the Tomb Raider wurde primär für Konsolen entwickelt. Ich rede gar nicht von der lächerlichen Xbox-One-Exklusivität mit Verfallsdatum, sondern von einem weithin bekannten Umstand: Derartige AAA-Titel mit Budgets in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe orientieren sich am Konsolenmarkt und der Gamepad-Steuerung, um möglichst viele Einheiten abzusetzen. Gerade Third-Person-Spiele und Action-Adventures sind von Grund auf für Playstation 4 und Xbox One konzipiert. Dass jetzt eine technisch sehr ausgereifte PC-Version von den Umsetzungsspezialisten Nixxes nachgeschoben wurde, ist grundsätzlich sehr schön. Doch das Portierungs-Team kann noch so begabt sein, das Gameplay kann es auch nicht umkrempeln. Doch genau das wäre bei Spielen mit Schießeisen, Fadenkreuz und Über-die-Schulter-Perspektive eigentlich nötig.

    Alles fing an mit Gears of War. Epics indizierter Schaukasten für die Qualitäten der Unreal-Engine auf der Xbox 360 setzte 2006 nicht nur grafische Maßstäbe, es etablierte auch etliche Spielmechaniken, die Entwickler anschließend jahrelang kopierten und mit denen wir Spieler uns auch heute noch herumschlagen müssen. Der Fokus auf hüfthohe Deckungsmöglichkeiten etwa. Oder das bei genauerer Betrachtung furchtbar stupide, ryhthmisch wiederholte Rauslinsen aus und Ducken hinter eben dieser. Gears of War war streng genommen nicht mehr als ein hübsch verpacktes Moorhuhn-Spielchen, das man mit einem dafür denkbar ungeeignetem Eingabegerät steuerte: einem Joystick. Passen mal wieder nicht zusammen: Crystal Dynamics Bild von Lara Croft als emotionaler Heldin auf der einen und die etlichen Schusswechsel inklusive brutaler Finisher auf der anderen Seite. Passen mal wieder nicht zusammen: Crystal Dynamics Bild von Lara Croft als emotionaler Heldin auf der einen und die etlichen Schusswechsel inklusive brutaler Finisher auf der anderen Seite. Quelle: PC Games

    Maus vs. Gamepad: Ein fundamentaler Unterschied

    Die beiden Analogsticks auf handelsüblichen Gamepads sind von Natur aus unpräzise, wenn es darum geht, ein Fadenkreuz pixelgenau über Gegnerköpfen zu platzieren. Sie eignen sich dafür hervorragend, um Charaktere mit vergleichsweise natürlichen Bewegungen durch virtuelle Welten zu lenken. Wo auf der Tastatur ein Druck auf die WASD-Tasten nur zwei Zustände kennt - gedrückt oder nicht gedrückt - lässt sich der Gamepad-Input wunderbar dosieren, um beispielsweise die Laufgeschwindigkeit stufenlos vom vorsichtigen Schleichen zum Spurt ohne Atempause zu verändern.

    Explosive Fässer (rechts) sind auch so etwas, das Gears of War mit salonfähig gemacht hat. Explosive Fässer (rechts) sind auch so etwas, das Gears of War mit salonfähig gemacht hat. Quelle: PC Games Aber wenn es ums Schießen geht, dann ist das Gamepad eben doch nur das Eingabegerät der zweiten Wahl. Nicht umsonst setzen viele Konsolenspiele auf ein mehr oder weniger subtiles Auto-Aiming, um den Spieler bei seinen Zielbemühungen zu unterstützen. Und nicht umsonst haben Videospiel-Widersacher seit dem Siegeszug der Xbox-Marke Halo 2001 eine merkliche Wandlung vollzogen. Im Vergleich zu PC-Shootern der 90er Jahre nahm die Anzahl der gleichzeitig angreifenden Gegner immer weiter ab, dafür saugten sie immer mehr Kugeln vor ihrem Ableben auf, der "Bulletsponge" war geboren.

    Hintergrund: Gamepad-Spieler taten sich naturgemäß schwer, gezielt Körperregionen der Feinde anzuvisieren, "Spray & Pray", also das nahezu blinde Abfeuern vollautomatischer Waffen, meist auch noch aus der Deckung heraus, wurde zur Taktik der Wahl. Präzision wurde gegen Kugelmasse eingetauscht. Im Zuge dieser Entwicklung führte Halo mit dem sich nach kurzer Zeit regenerierenden Energieschild den Vorläufer der Lebensregeneration ein und stimmte damit die erste Note des Abgesangs auf die bis dahin populären Health Packs ein. Der Rest ist Videospielgeschichte.

    Selbst mitten im Gefecht könnt ihr in Rise of the Tomb Raider noch Headshots verteilen. Selbst mitten im Gefecht könnt ihr in Rise of the Tomb Raider noch Headshots verteilen. Quelle: PC Games Headshots sind bei Halo bis heute eine Kunst für sich. Benachteiligt durch die Limitationen des Konsolen-Controllers, dürfen sich Shooter-Spieler zurecht ihres "Skills" rühmen, wenn sie einen Kopftreffer landen. Dieser ist - mit der entsprechenden Waffe - im Gegensatz zum Kugel-Einsprayen des restlichen Körpers sofort tödlich. Bei Gears of War geht das praktisch nur mit dem Scharfschützengewehr, zu tief ist das monotone Abtragen der Gegner-Hitpoints durch langgezogene Schießereien in der DNS des Titels verwurzelt. Etliche andere Third-Person- und First-Person-Shooter, die aus Aussicht auf höhere Verkaufszahlen den Konsolenmarkt in den Fokus nehmen, ähneln diesen beiden Pionieren des Gamepad-Ballerns. Rise of the Tomb Raider fällt als kampfbetontes Action-Adventure in die gleiche Kategorie. Und hat dadurch am PC ein riesengroßes Problem. Eine alltägliche Situation in Rise of the Tomb Raider: aus der Deckung oder von erhöhter Position aus die Köpfe der Gegner ins Visier nehmen, ohne dass es einer merkt. Eine alltägliche Situation in Rise of the Tomb Raider: aus der Deckung oder von erhöhter Position aus die Köpfe der Gegner ins Visier nehmen, ohne dass es einer merkt. Quelle: PC Games

    Maussteuerung am PC = Gott-Modus

    Wer regelmäßig am PC spielt, der weiß: Die Maus ist unglaublich vielseitig. Während ihr organischer Namensvetter die Geduld von Hausbesitzern mit unterhöhlten Gärten, geplünderten Speisekammern und achtlos abgelegten Mäusekot auf die Probe stellt, schätzen PC-Spieler ihren Nager für Präzision und Komfort. Auch Rise of the Tomb Raider profitiert sehr von der Maussteuerung. Zu sehr, finde ich. Denn Kopfschüsse sind mit der Maus ein Klacks, das Ausrichten des Kamerawinkels bereitet PC-Spielern keinerlei Umstände. Gerade wenn Lara in Deckung ist, kann ich mit der Maus ganz gezielt und in aller Seelenruhe Feinde ausknipsen. Weil die Maussteuerung so schnell und unmittelbar ist, sind selbst brenzlige Situationen kein Problem. Der Kollege eines gerade erledigten Feindes wird misstrauisch, weil sein Kumpan leblos zusammensackt? Kein Problem, die Maus einfach ein paar Milimeter nach rechts verschoben und schnell den zweiten Kopfschuss gesetzt - der misstrauische Widersacher hat nicht einmal Zeit, Alarm zu schlagen! Mit dem Gampad unvorstellbar.

    05:12
    Rise of the Tomb Raider: PC-Version im Testvideo

    Auch im offenen Kampf ist Mäuschen-Lara klar im Vorteil gegenüber Controller-Croft. Während des Spielens war es mir immer wieder möglich, Feinden eine Kugel zwischen die Augen zu setzen, auch wenn die gerade direkt vor mir standen und meine Lara unter Feuer nahmen. Das ging so weit, dass ich 90% der Kämpfe von Rise of the Tomb Raider nur mit der schallgedämpften Pistole gespielt habe. Die ist nämlich flüsterleise und sehr präzise. Mit den entsprechenden Upgrades mutiert Lara dann endgültig zur Killermaschine. Ein roter Punkt zeigt selbst aus großer Entfernung an, ob ich gerade den Kopf eines Gegners anvisiere, und letztendlich gibt es sogar noch einen XP-Bonus für aneinander gereihte Kombo-Angriffe. Dank der Maus ist es mir problemlos möglich, 10, 12, ja gar 15 Kopfschüsse hintereinander auszuführen. Die Folge: mehr Erfahrungspunkte, mehr Skillpunkte und noch mächtigere Talente, welche die ohnehin schon aus den Fugen geratene Balance weiter zu meinen Gunsten verschieben.

    Um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren, wären PC-spezifische Änderungen notwendig. Etwa eine Lara, die deutlich weniger Kugeln einsteckt, bevor sie den Löffel abgibt. Mehr Gegner, die treffsicherer und besser gepanzert sind, sich vielleicht gar ansatzweise schlau verhalten. Keine übermächtigen Schalldämpfer. Oder einfach anders designte Gefechtssituationen, in denen die von Tomb Raider-Entwickler Crystal Dynamics doch eigentlich so verletztlich dargestellte Lara nicht wie eine schwer bewaffnete Amazonenkriegerin durch die Levels stapft, sondern sich intelligent verhalten, mit limitierten Ressourcen haushalten muss. Aber das wäre dann wohl kein Blockbuster-Material, würde von der AAA-Formel Marke Uncharted abweichen - und vielleicht die Zielgruppe der Konsolenspieler verfehlen.

    Mein Tipp für Rise of the Tomb Raider

    Falls ihr noch nicht mit Rise of the Tomb Raider am PC angefangen habt und mit der Maus spielen wollt: Lernt aus meinem Fehler! Stellt den Schwierigkeitsgrad gleich auf die nächsthöhere Stufe. Und lasst die Finger von der schallgedämpften Pistole! Es sei denn, ihr mögt es, übermächtig in Spielen zu sein.

  • Rise of the Tomb Raider
    Rise of the Tomb Raider
    Publisher
    Square Enix
    Developer
    Crystal Dynamics
    Release
    11.10.2016
    Es gibt 96 Kommentare zum Artikel
    Von Birdy84
    Hauptsache ist, der Aufwand lohnt sich für euch finanziell. Hätte ich allerdings das Heft gekauft, wäre ich enttäuscht…
    Von Scholdarr
    Welche Vorzüge? Dass man mit einem Stick die Bewegungsgeschwindigkeit feiner dosieren kann? Das ist nun mal ein Fakt.…
    Von Shadow_Man
    So machen es manche Sport-/Fußballzeitungen. Zeigen nur einen kleinen Ausschnitt auf der Webseite und unten steht dann…

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    • Es gibt 96 Kommentare zum Artikel

      • Von Birdy84 Erfahrener Benutzer
        Zitat von MatthiasDammes
        Es wäre eher merkwürdig, wenn dieser enorme Zeitaufwand, am Ende nur der Bedieung eines Bruchteils der Zielgruppe dient.
        Hauptsache ist, der Aufwand lohnt sich für euch finanziell. Hätte ich allerdings das Heft gekauft, wäre ich enttäuscht gewesen.
      • Von Scholdarr Erfahrener Benutzer
        Welche Vorzüge? Dass man mit einem Stick die Bewegungsgeschwindigkeit feiner dosieren kann? Das ist nun mal ein Fakt. Man muss eben differenzieren können, zumal es hier gar nicht um den direkten Vergleich zwischen Gamepad und Maus/Tastatur geht (ala. was ist besser). Es geht darum, dass praktisch alle…
      • Von Shadow_Man Erfahrener Benutzer
        Zitat von Worrel
        Das heißt, du fändest es besser/sinnvoller, wenn man heftexklusive Inhalte hätte und hier dann darauf hinweist, daß man Online einige Infos dafür zurückhält und man sich doch bitte das Heft kaufen möge?
        So machen es manche Sport-/Fußballzeitungen. Zeigen nur einen kleinen Ausschnitt auf der Webseite und unten steht dann: "Den kompletten Artikel / das komplette Interview lesen Sie in Heft XY"
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1184720
Rise of the Tomb Raider
Rise of the Tomb Raider: Cheatcode "M-A-U-S" - Kolumne zu Laras PC-Auftritt
Für Rise of the Tomb Raider gibt es am PC einen übermächtigen Cheat: die Maus! Denn damit verteilt ihr reihenweise Kopfschüsse und ruiniert den Schwierigkeitsgrad - findet zumindest PC Games-Redakteur Peter Bathge in seiner Kolumne zu Laras Action-Adventure.
http://www.pcgames.de/Rise-of-the-Tomb-Raider-Spiel-54451/Specials/Cheatcode-Maus-Kolumne-zur-PC-Version-1184720/
31.01.2016
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2016/01/Rise_of_the_Tomb_Raider_Kolumne_Cheatcode_Maus_PC-Version-pc-games_b2teaser_169.jpg
tomb raider,crystal dynamics,action-adventure
specials