Port Royale: Gold, Macht und Kanonen (PC)

Release:
14.06.2002
Genre:
Strategie
Publisher:
Bigben Interactive

Die Patrizier-Macher setzen über in die Karibik.

21.06.2002 23:55 Uhr
|
Neu
|

Eine Konzession und einen guten Ruf vorausgesetzt, werden Sie bald zum Kolonialwarenproduzenten. Eine Konzession und einen guten Ruf vorausgesetzt, werden Sie bald zum Kolonialwarenproduzenten. [Quelle: Siehe Bildergalerie] "Geld und Macht" hatten sich die Hansekapitäne in Patrizier 2 auf die Fahnen geschrieben. Die Packung des Nachfolgers ziert ein drittes Schlagwort: "Kanonen" verheißen Abenteuer, Seeschlachten und Schatzinseln. Port Royale begeistert nicht nur Fans von Wirtschaftssimulationen.
Von der rauen Heimat der Patrizier verfrachtet Sie Ascarons neuester Streich an die sonnenverwöhnten Gestade der Karibik. Im ausgehenden 16. Jahrhundert strömen Tausende von Glücksrittern in die neue Welt. Ausgestattet mit einem kleinen Kahn und etwas Startkapital streben auch Sie nach Ruhm und Reichtum. Viele Wege führen nach oben. Welchen Sie beschreiten, hängt ganz von Ihren Vorlieben ab. Zu Beginn Ihrer Laufbahn entscheiden Sie, ob Sie als gewiefter Feilscher günstigere Einkaufspreise aushandeln, als charismatische Persönlichkeit schneller an Ansehen gewinnen oder als Schrecken der Meere besonders zielsicher mit den Kanonen Ihrer Schiffe sind. Als sicherste Einkommensquelle bietet sich der Seehandel an. Rum von Havanna auf die Bahamas, Tabak aus Tortuga nach Charles Towne - "Billig einkaufen, teuer verscherbeln", heißt die Grundregel. Dass das leichter gesagt als getan ist, liegt am dynamischen Warensystem. Angebot und Nachfrage ändern sich ständig. Mal steigert ein Bauboom den Verbrauch von Ziegeln und Holz, mal treibt eine Hungersnot die Getreidepreise in die Höhe. Wirtschaft und Wohlstand einer Stadt liegen auch in Ihrer Hand. Wie schon in Patrizier 2 können Sie als Bauherr Betriebe errichten, von der Fischerhütte bis hin zur Baumwollplantage. Manufakturen schaffen Arbeitsplätze, Siedler lassen sich nieder, Luxusgüter sind plötzlich begehrt. Mit Rohstoffimporten bringen Sie einem Nachbarhafen den Aufschwung, ein Dritter verdient an Ihren Exportwaren. Alle Schiffe, alle 60 Städte sind Teil des riesigen Wirtschaftsgeflechts. Dauerhaft lukrative Routen sind im Wortsinn Gold wert.
Geld macht nicht nur glücklich, sondern auch beliebt: Kirchenalmosen, Feste und Spenden ans Militär sichern Ihnen einen Platz im Herzen Ihrer Mitbürger. Damit auch die Obrigkeit zufrieden ist, sollten Sie ab und an den Gouverneuren der Garnisonen eine Stippvisite abstatten. Die hohen Herren zeigen sich für kleine Dienste überaus erkenntlich. Mal kommt ein Admiral zur Flottenparade und Sie sollen die Farbe für den neuen Anstrich liefern. Mal bringen Sie Arbeiter in arme Siedlungen, mal kundschaften Sie gegnerische Stellungen aus, mal versorgen Sie hungernde Bürger mit Fleisch und Fisch. In den Hafenkneipen finden Sie weitere Aufträge. Da will ein Geograph drei Inseln kartographieren, ein Entdecker bittet um Tauschgüter für seine Expedition zu den Indianern und eine zwielichtige Gestalt bietet Ihnen an, ein paar Fässer Wein mit Wasser und Zucker zu strecken. Mit etwas Glück ergattern Sie sogar eine Schatzkarte oder bringen einen Teil eines Rätsel in Erfahrung, das Sie zu unermesslichem Reichtum führen soll. Und dann gibt es da noch diesen Spanier, der behauptet, den Verbleib Ihrer entführten Mutter zu kennen ... Solche Mini-Missionen sorgen nicht nur für Spannung und Abwechslung, sondern verleihen Port Royale auch das passende Mantel-und-Degen-Flair.
Das Ganze wäre natürlich nicht komplett, wenn rund um Kuba und Puerto Rico keine Schaluppen unter schwarzer Flagge kreuzen würden. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie den Burschen nun aus dem Weg gehen, sie jagen und versenken oder gar selbst auf die dunkle Seite der Macht wechseln. Letzteres können Sie übrigens legalisieren. In der Karibik von Port Royale zanken sich vier Fraktionen um die Macht: Spanier, Engländer, Holländer und Franzosen. Die gehen alle paar Monate neue Bündnisse ein, brechen sie wieder und führen gegeneinander Krieg. Wenn Sie dann beim Gouverneur vorsprechen und ein paar Münzen für einen Kaperbrief springen lassen, dürfen Sie gegnerische Handelsschiffe einfach erobern, ohne zu Hause an Ansehen zu verlieren. Im Gegenteil: Je mehr Pötte Sie kapern, desto besser. Sie müssen sich allerdings darüber im Klaren sein, dass Sie um die Häfen der verfeindeten Partei danach einen großen Bogen machen sollten. Die Seeschlachten tragen Sie entweder höchstpersönlich aus oder überlassen der Automatik das Ruder. Da Käpt'n Computer nicht gerade ein begnadeter Steuermann ist, werden Sie allerdings schnell der ersten Variante den Vorzug geben. Die Navigation könnte simpler kaum sein: Per Maus geben Sie den Kurs vor, manövrieren in Feuerreichweite und ballern Ihrem Opponenten eine Salve vor den Bug. Wenn Sie auf Hab und Gut Ihres Gegenüber scharf sind, müssen Sie zum Entern ansetzen. Gewinner wird schlicht der mit den meisten Soldaten an Bord. Kompliziert wird die Sache, wenn Konvois mit mehreren Schiffen aufeinander treffen. Spätestens ab drei gegen drei ist die Pausenfunktion Ihr bester Freund, sonst verlieren Sie die Kontrolle.
Mit einer großen Armada können Sie nicht nur auf gegnerische Boote Jagd machen, sondern auch Siedlungen heimsuchen. Auf dem Landweg wählen Sie dazu einfach Angriffsformation und Bewaffnung und vertrauen auf Ihre Matrosen. Von See her führen Sie Ihre Flotte zunächst gegen Patrouillenboote ins Gefecht, bevor Sie die Kanonentürme im Hafen zu Klump schießen. In jedem Fall winkt dem Sieger reiche Beute - führen Sie eine Gouverneursmission aus, dürfen Sie die Stadt sogar für Ihr Land annektieren.
Anders als noch bei Patrizier 2 verwendet Ascaron in den Meereskämpfen von Port Royale eine eigens entwickelte 3D-Engine, die das Kampfgebiet in der Iso-Ansicht präsentiert. Die schick schwappenden Wellen, die hoch detaillierten und animierten Pötte und Spezialeffekte wie Pulverdampf, Flammen und Spiegelungen würden manchem Echtzeit-Strategiespiel zur Ehre gereichen, im vernachlässigten WiSim-Genre sind sie sensationell. Die meiste Zeit verbringen Sie vor der Übersichtskarte, die klassisch platt, aber hübsch gezeichnet ist. Dort schicken Sie Ihre Boote auf die Reise und treiben Handel. Wenn Sie in eine Kneipe einkehren oder beim Statthalter vorbeischauen wollen, wechseln Sie in die Stadtperspektive. Diese Ansicht kombiniert 2D- und 3D-Grafik. Landschaft und Häuser sind vorgerendert, die Schiffe und die Wellen, die an den Strand rollen, aus Polygonen zusammengesetzt. Zwar haben Ascarons Designer die Gebäude mit viel Liebe zum Detail und historisch akkurat konstruiert, allerdings gibt es von den meisten Bauwerken nur eine Variante, weshalb große Siedlungen etwas künstlich wirken. An der akustischen Untermalung gibt es dagegen nichts auszusetzen. Klangeffekte werden spärlich eingesetzt, die Musik ist unaufdringlich und doch eingängig und passt sich den Schauplätzen an.
Einen funktionierenden Mehrspielermodus hatte unsere Testversion noch nicht zu bieten. Laut Ascaron wird wohl auch die Verkaufsfassung ohne auskommen müssen. Erst später wollen die Gütersloher bis zu acht menschliche Mitspieler in den Kampf um Ruhm und Macht und schließlich den Gouverneurstitel schicken. Vermisst haben wir die Multiplayer-Option kaum - die war wegen des zähen Spielablaufs schon bei Patrizier 2 weit weniger aufregend als die Solo-Kampagne.

   
Bildergalerie: Port Royale: Gold, Macht und Kanonen
Bild 1-3
Klicken Sie auf ein Bild, um die Bilderstrecke zu starten! (5 Bilder)
Port Royale: Gold, Macht und Kanonen (PC)
Spielspaß-Wertung

88 %
Leserwertung
(0 Votes):
-
   
Rüdiger Steidle
Eine Seefahrt, die ist lustig – und mit Port Royale gleich noch mal so schön.
So viele Jahre hat es gedauert: In Port Royale habe ich endlich einen würdigen Nachfolger zu Sid Meiers Klassiker Pirates gefunden. Es ist nicht das unerreichte Wirtschaftssystem, das Ascarons WiSim so faszinierend macht. Es sind auch nicht die vielen Aufträge, die mich ständig auf Trab halten. Es ist auch nicht der offene Spielablauf, in dem ich als Korsar genauso viel Spaß haben kann wie als braver Kaufmann. Es ist das Zusammenspiel aller Elemente, die wundervolle Atmosphäre, die Liebe zum Detail. Persönlich hätte ich mir zwar noch mehr und vor allem längere Missionen gewünscht, am besten in eine gut erzählte Story eingebettet. Doch auch so werde ich in den nächsten Monaten meine knapp bemessene Freizeit gerne ich der Karibik verbringen und die spanische Schatzflotte jagen. Mein einziger großer Kritikpunkt ist die Steuerung in den Seeschlachten. Zehn Galeonen unter Kontrolle zu halten, ist kein Spaß – nicht mal mit der Automatikfunktion.
   
Online-Redakteur
Moderation
21.06.2002 23:55 Uhr
Jetzt ist eure Meinung gefragt: Hier könnt ihr euren Kommentar zum Artikel veröffentlichen und mit anderen Lesern darüber diskutieren.
Dein Kommentar