Kane & Lynch 2 - Dog Days: Ziel verfehlt... wieder einmal [Leser-Test]
Kane & Lynch: Dog Days (1)
Eigentlich ist bei Kane & Lynch 2 alles was man für ein Blockbuster-Game braucht vorhanden. Die Charaktere sind brilliant (in einer jugendgefährdenden Art und Weise), sie sind die perfekten Antihelden. Die Atmosphäre ist toll, die Technik stimmt - alles was es jetzt noch bräuchte, wäre eine anständige Story und schon würde man, selbst mit durchschnittlichem Gameplay, ein hervorragend unterhaltsames Spiel abliefern können! Aber gerade hier hakt es - wie bereits beim ersten Teil - ganz gewaltig! Aber gehen wir alles im Einzelnen durch.
Die Story
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Ich bin nun wirklich weder ein Flamer, noch ein übermäßig anspruchsvoller Spieler. Gerade deshalb wundere ich mich, dass z.B. von der PC Games Kane & Lynch 2, ebenso wie der ähnlich dünne Vorgänger, so großes Lob für die Story einstreicht? Es ist ein regelrechtes Deja-vu, dieses Gefühl entweder irgendwas verpasst, oder plötzlich ein völlig entgegengesetztes Gefühl von Unterhaltung und Spielspaß zu haben! Die Story in Kane & Lynch 2 ist nämlich wirklich sehr, sehr dünn. Basta. Ich sehe hier einfach keine "spannende Geschichte"! Man hat durchgehend keine Ahnung, worum es eigentlich genau geht, lediglich die jeweiligen Situationen werden in einigen Nebensätzen erklärt. Aber auch hier offenbart sich nicht gerade etwas, das die Bezeichnung Plot verdient..
Lynch und sein alter Kollege Kane wollen für einen englischen Kingpin einen Waffendeal abwickeln. Leider machen sie sich unterwegs ungewollt einen chinesischen Gangsterboss zum Feind und werden fortan nonstop unter Feuer genommen. Das ist alles, die Story ist hiermit erzählt! Ein, zwei kleine Geschehnisse nebenher (ein wirklich nicht überraschender und lahmer Twist und ein einziger inszenatorischer Lichtblick), und fertig. Als den "Lichtblick" bezeichne ich hier das einzige eindringliche und hammerharte "nackte" Kapitel, dass bereits im kurzen Intro als Flash-Foward kurz angedeutet wird. Mehr soll nicht verraten werden. Hier leuchtet ganz kurz die erzählerische und atmosphärische Klasse auf, die Kane & Lynch bereits im ersten Teil hätten erreichen können, und die sie in Teil 2 wieder, von oben genannter Szene abgesehen, weit verfehlen.
Spiele mit einer Story, die es wert sind, gelobt zu werden, sind beispielsweise Mafia, Bioshock, Mass Effect, Gabriel Knight oder Metro 2033. Vergleicht man diese Spiele mit der bis dato zweiteiligen Kane & Lynch-Serie, sieht man, dass hier auf ganz kleiner Flamme gekocht wird-! Es gibt außer den Hauptakteuren keinerlei interessante oder gar komplexe Charaktere, es gibt kein "großes Ganzes" der Story oder der Spielewelt durch die sich unsere beiden Irren ballern, nur kurze und auf das jeweilige Level beschränkte Einweg-Szenerien. Spannend wird's eigentlich nie, außer vielleicht durch die Action an sich - die dafür aber eben auch keine Story braucht.
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Hätte man sich - wieder einmal - ein bisschen mehr Mühe gegeben, eine gute und düstere kleine Geschichte zu schreiben, und sich nicht mit etwas Effekthascherei begnügt sowie sich auf die beiden Hauptcharaktere als Unique Selling Point verlassen, dann hätte Kane & Lynch 2 wirklichet was werden können. Es soll ja kein Epos sein! Kein Elder Scrolls in Schanghai mit vollautomatischen Waffen. Eine kleine aber feine (!) düstere Story hätte genügt! Was einem hier geboten wird, fesselt nicht, interessiert nicht, berührt nicht - mit der einen oben bereits genannten Ausnahme. Schade!
Gameplay
Hier krankt Kane & Lynch 2 noch mehr als bei der dünnen Story. Das Gameplay ist miserabel! Man spielt die meiste Zeit Lynch, also den langhaarigen Gentleman, der im ersten Teil noch den totalen Psycho gab. Das ist er in Teil 2 nicht mehr. Sicher, ein nettes Kerlchen ist nicht aus ihm geworden, aber er ist nicht schräger drauf als sein Kollege Kane.
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Aber zum zurück Gameplay: Das ganze Spiel ist ein einziger linearer Levelschlauch in dem UN-UN-TER-BROCH-EN geballert wird was das Zeug hält - und zwar wegen der aberwitzigen und strunzdummen Gegnermassen, die einem die Entwickler hier entgegenschleudern. Großes Actionkino ist das ganz gewiss nicht, es ist stumpfe Arcade-Ballerei.
Das Gameplay lässt sich wie folgt zusammenfassen: Kurze Cutscene, Level beginnt, binnen 3 Sekunden haben sich zehn Gegner im Raum verschanzt, man sucht sich Deckung und knallt nun jeden ab, der kurz seine Rübe aus dem Versteck schiebt. Sind alle zehn weg, kommen die nächsten zehn in den Raum gestürmt. Ist endlich alles ruhig, sprintet man in den nächsten Abschnitt und alles geht von vorne los.
Das Ganze wird nur von sehr kurzen Zwischensequenzen unterbrochen, die anscheinend nur dafür da sind, die Wechsel der Levelumgebungen zu rechtfertigen. Denn nach fünf unspektakulären Sätzen geht alles wieder weiter wie gehabt, nur halt nicht mehr auf einer Straße, sondern in einer Halle ... toll.
Die Steuerung ist ebenfalls nicht optimal. Das Cover-System funktioniert zwar, aber ist lange nicht so angenehm wie beispielsweise in Mafia 2, Mass Effect 2 oder Splinter Cell: Conviction, obwohl es sich eigentlich um die gleiche Mechanik handelt. Die Handhabing ist zu hakelig, man kann sich nur durch das Drücken ganz bestimmter Tasten wieder aus der Deckung lösen (einfach weg gehen klappt nicht) und das Hin- und Herhechten zwischen den verschiedenen Positionen stinkt gegen das offensichtliche Vorbild Splinter Cell: Conviction gnadenlos ab.
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Man ist zu 95% zu Fuß unterwegs, erst gegen Ende gibt's eine kurze Sequenz in einem Helikopter, was wir aber in Modern Warfare 2 auch schon besser gesehen haben. Das Zielen mit der Maus ist zu Beginn noch eine Qual. Die Fadenkreuze sind, Sturmgewehre ausgenommen, riesig, die Ziele meist klein. Dennoch trifft man erstaunlich oft, allerdings wohl auch nur dank einer etwas unausgereiften Aim-Assist-Mechanik. Hat man sich nach einiger Zeit dran gewöhnt, kann man Kane & Lynch 2 recht passabel zocken, Spaß macht es aber nie so richtig. Es ist eher Arbeit.
Die eigene Gesundheit regeneriert sich immer fix von selbst, der Teamkollege (meistens also Kane) ist, sofern ich das erkennen konnte, unsterblich. Hat man das Pech in die falsche Ecke gehechtet zu sein, wird man ab dem mittleren Schwierigkeitsgrad binnen Sekunden von zig Kugeln durchlöchert. Glücklicher- (oder blödsinniger-?)weise hält unsere Spielfigur aber einige Pfund Blei im Körper ganz gut aus - selbst wenn sie nackt ist!
Die NPCs sind, wie gesagt, kackendämlich. Die Gegner laufen einem geradewegs vor die Flinte (wenn sie sich denn mal bewegen), Kane fängt sich pro Level geschätzte dreihundert Kopfschüsse ein, und extrem frustrierend ist es, wenn die Person, die man eigentlich beschützen soll, sich in einem Anflug von unmenschlicher Blödheit einen Meter vor einem schwerbewaffneten Gegner auf den Boden "in Deckung kniet". Hier hat sich, verglichen mit dem Vorgänger, so gut wie nichts verbessert!
Die Möglichkeit, dem Teamkameraden rudimentäre Befehle zu geben, wurde übrigens komplett gestrichen, andererseits befinden sich Kane und Lynch die meiste Zeit eh nur in trauter Zweisamkeit. Dennoch, hier und da mal dem Kollegen ein paar Anweisungen geben zu können, wäre schon nett gewesen.
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Der größte Patzer ist aber wohl die Spielzeit! Hält man sich einigermaßen ran, ist man gut unter vier Stunden durch. Das ist arm! Das Ende ist darüber hinaus wirklich sehr abrupt und es gibt nichtmal ein Outro. Das Spiel hört nach einem Level einfach auf. Die "Story" wurde zwar grundlegend zuende erzählt, aber dennoch war ich etwas verwundert. Anscheinend will man hier (gemäß der aktuellen Mode) weitere Inhalte per DLC nachreichen, was bös' nach hinten losgehen könnte! Bin ich bei Mass Effect 2 liebend gern bereit ein paar Euro für weitere spannende Geschichten und Extras auszugeben, weil ich hier hervorragend unterhalten werde, werde ich für Kane & Lynch 2 keinen müden Cent locker machen. Das Hauptspiel war sein Geld schon absolut nicht wert, ich halte es für absolut unwahrscheinlich, dass sich irgendein DLC-Kauf hier lohnt. Gratis-DLC? Vielleicht. Aber selbst hier hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Wenn das Spiel an sich bei Gameplay und Story schon so versagt, dann werden DLCs es nicht retten können.
Grafik
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Die Optik von Kane & Lynch 2 ist Geschmackssache, mir gefiel sie sehr gut. Die Engine ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit, aber die Level und Charaktere sind sehr plastisch und detailiert, die Atmosphäre zumeist wirklich eindrucksvoll. Der eigentlich Gag ist aber, dass das ganze Game wirken soll wie ein, tja, sagen wir "Handyvideo". Wir haben kleine Bildstörungen, Flackern, Schlieren, Objektivreflexionen, überschärfte Konturen, überbelichtete weiße Flächen, Videoartefakte wie bei einem zu stark komprimierten Youtube-Video, und so weiter. Der Look (nicht die Grafik!) ist also rein technisch gesprochen qualitativ eher minderwertig - und er passt sehr gut. Es ist definitiv etwas Neues und ist der schmuddeligen Grundstimmung sehr zuträglich. Das Bild wirkt sogar hier und da erstaunlich realistisch, und dabei sind gerade die Unvollkommenheiten, die unsere Realität ausmachen, normalerweise am schwersten zu imittieren.
Was etwas nervt ist die manchmal wirklich extrem wackelige Kamera. Wenn man sprintet zum Beispiel, und in einigen Cutscenes hat man es wirklich übertrieben. Es strengt das Auge schon sehr an. Auf der einen Seite ist es deshalb wohl ganz gut, dass es in Kane & Lynch 2 kein Motion Blur gibt - andererseits hätte das den Look vermutlich noch einmal deutlich realistischer gemacht.
Ein interessantes Stilmittel ist das Verpixeln von pikanten Details, z.B. Genitalien und Kopfschüsse. Gerade Letzteres wirkt aber übertrieben, da das Spiel deutlich härtere Inhalte hat, die nicht zensiert werden, und es irritiert beim Spielen auch manchmal ein wenig. Aber ab und zu wurde diese kleine Idee wirklich ganz effektvoll umgesetzt.
Viel Abwechlsung gibt es leveltechnisch übrigens nicht, Kane & Lynch 2 spielt komplett inbzw. in der Nähe von Schanghai. Zwar ist man mal auf einem Flughafen, dann in einem Wolkenkratzer und dann in einem Appartmenthaus, aber das schmuddelige kalte Großstadt-Grau im Billigvideolook ist omnipräsent.
Die Charaktere sind grafisch eine Mischung aus teilweise schönen Texturen und effektvollen, wenn auch manchmal nicht ganz perfekten Shader-Effekten und - leider - sehr hölzernen und altbackenen Gesichtsanimationen. Leider eben genau DAS, was Spielcharaktere ausmachen sollte. Keine Chance, in diesem Bereich einen Vergleich zum inzwischen wirklich in die Jahre gekommenen Half-Life 2zu bestehen. Ähnlich wie Metro 2033 sehen die Charaktere oft (aber auch wahrlich nicht immer!) sehr gut aus, aber es fehlt ihnen an "Menschlichkeit" in ihren Zügen und Bewegungen.
Sound
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Nach dem wirklich furchtbaren "Soundtrack" vom ersten Teil (die eingängige Titelmelodie mal außen vor gelassen) gibt's in Kane & Lynch 2 eigentlich ... also ich glaube ... gar keine Musik! Ich müsste nochmal reinschauen, aber ganz dem "Handyvideo-Realismus" geschuldet, gibt es soweit ich mich entsinnen kann, überhaupt keine Musik. Die Soundeffekte sind okay, ich würde sagen Genrestandard. Nichts, was wirklich irgendwie auffällt. Hier und da ist die Geräuschkulisse vielleicht mal etwas dünn, aber das kann man verschmerzen. Laute Explosionen werden übrigens, ähnlich wie die Optik, künstlich etwas "verschlechtert", sie übersteuern und zerren also. Ein netter Effekt, auch wenn gewaltiges Wummen ja ebenfalls Spaß machen würde. :-)
Die Sprecher (englische Version) machen wieder einen wirklich guten Job! Der erste Teil gefiel mir hier zwar ein wenig besser, aber das mag daran liegen, dass die beiden Figuren Kane und Lynch noch unterschiedlichere Charaktere waren und somit bereits an sich etwas glaubhafter und interessanter wirkten. Hier wurden sie nun etwas glattgebügelt und daher wirken vielleicht auch ihre gesprochenen Worte nicht mehr ganz so toll. Aber grundsätzlich wurde hier sehr solide gearbeitet. Die anderen wenigen Charaktere sind ebenfalls gut besetzt und klingen sehr filmisch.
Fazit
Erneut eine verschenkte Chance! Wie beim Vorgänger wurde viel zu wenig Potenzial ausgeschöpft. Ein paar wenige Highlights können über das miserable Gameplay, die wirklich dünne und unspannende Story und das unbefriedigende Ende nach wenigen Stunden nicht hinwegtäuschen. Die Kane & Lynch-Reihe scheint zum Enttäuschen verdammt zu sein, zumindest für mich. Ich habe zwar noch Hoffnungen für die Serie, aber es ist schon deprimierend zu sehen, wie wenig die Macher nach dem ersten Teil dazugelernt und verbessert haben. Außer der Grafik nämlich so gut wie nichts. Sehr, sehr schade! Ich liebe düstere und erwachsene Spiele, erschütternde Dramen und effektiv inszenierte Härten. Aber Kane & Lynch 2 bietet das alles entweder gar nicht oder deutlich zu wenig. Es ist poliert, aalglatt und schnell wieder vergessen. Ohne Tiefgang, ohne tolle Ideen. Ein Spiel mit guten ersten Ideen, die nicht ausgebrütet oder gar weiterentwickelt wurden.
Einzelnoten:
Story: 4-
Gameplay: 4-
Grafik: 2
Sound: 2
Gesamt: 4 (ausreichend - aber wirklich nicht mehr!)
Das Ganze ist natürlich auch ein wenig Jammern auf hohem Niveau, es gibt schließlich so viele Spiele, die sehr viel schlechter sind als Kane & Lynch 2. Da mag eine Note 4 hart erscheinen. Ich spiele und bewerte allerdings ausschließlich so genannte Blockbuster, also prominente und oft auch lang erwartete Spiele, die qualitativ in ihrer eigenen Liga spielen. Und in dieser Liga verlieren Kane und Lynch leider - wieder einmal. Zu schade!
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was ist mit dem koop mode etc?
Ich selber habe mir auch nur die Demo geholt und war sehr froh darüber.
Ich glaube ich hätte mich am Ende wirklich sehr geärgert, wenn ich nach ca.4 Stunden diese Beta Version von Kane und Lynch durchgespielt hätte und das für einen Vollpreis.
und wenn man wirklich in 4 stunden duchkommt ist das ja eine frechheit, egal wie gut oder schlecht das spiel ist.