Dragon Age: Projekt Akabar - Deutsches Mod-Team entwickelt Erweiterung - Update
PC Games: Stell dich doch bitte kurz vor.
Projektleiter Markus „Wayne“ Schlegel.
Wayne: Ich bin Markus Schlegel, Community-Name Markus " Wayne" Schlegel. Ich bin 37 Jahre alt, habe Familie und Kinder und bin eigentlich von Haus aus Lehrer. Seit 1996 etwa bin ich außerdem im Modding-Bereich tätig. Ich habe angefangen mit Szenarios für Civilization 2 und dann alle möglichen Editoren mal durchprobiert: Vom uralten Unlimited Adventures über Dungeon Siege bis schließlich Neverwinter Nights. Der hat mir sehr gut gefallen und da habe ich dann auch im internationalen Bereich einige Projekte veröffentlicht. Zum Beispiel die sechs-teilige A Hunt through the Dark-Serie und eine Pool of Radiance-Umsetzung und Neuinterpretation für Neverwinter Nights 2. Meine A Hunt through the Dark-Serie habe ich dann auch auf die NWN2-Engine portiert und bin jetzt schließlich bei Dragon Age gelandet. Da habe ich bisher einige kleinere Teilnahmen an anderen Projekten gemacht, um jetzt mit Akabar richtig einzusteigen.
PC Games: Wie kommt man als Lehrer darauf in die Modding-Szene zu gehen?
Wayne: Als Lehrer gar nicht. *lacht* Ich fand‘s schon immer interessant, Geschichten zu erzählen, z.B. im D&D-Pen&Paper- Rollenspiel oder auch mal taktischer, wie in Civilization 2. Das ist ein sehr kreativer Prozess und für mich eine moderne Form des Geschichtenerzählens. So kam ich eigentlich drauf und fand das dann sehr spannend, meine Ideen mit anderen Leuten zu teilen und gemeinsam zu entwickeln.
PC Games: Aber du hattest keine Programmier-Vorkenntnisse, sprich du warst nicht vorher Informatik-Lehrer oder dergleichen?
Wayne: Nein. Das war der große Vorteil von Neverwinter Nights 1: Das Toolset war so eingängig und leicht, das ich mir die gröbsten Grundkenntnisse praktisch selbst beibringen konnte, um dann wirklich in einer vernünftigen Zeit etwas Vorzeigbares hinzukriegen. Außerdem hatte ich immer Hilfe, es war nie so, dass ich allein war. An Pool of Radiance beispielsweise haben über 40 Leute mitgearbeitet. Einige von ihnen Scripter, die sehr große Teile dazu beigetragen haben, sodass ich im Endeffekt nur noch das, was die mir gebracht haben, anwenden musste. Man muss halt sehen, das Modden heutzutage Teamarbeit ist und nie die Arbeit von einem allein, weil solche Projekte mittlerweile sehr, sehr aufwändig sind.
PC Games: Du warst als einer von nur vier Europäern bei Bioware - erzähl doch mal, wie war‘s denn für dich?
Wayne: Cool! *lacht* Also es war schon ein Abenteuer. Ich habe zwei E-Mails bekommen und bei der ersten noch gedacht "Was es nicht alles an Spam gibt". Aber bei der zweiten Mail stand dann eine EA-Nummer drunter und da habe ich dann einfach mal angerufen. Ich hatte zur damaligen Zeit eigentlich schon relativ populäre und erfolgreiche Mods im internationalen Bereich laufen, aber in Deutschland hat mich keine Sau gekannt. Von daher hab ich gedacht "Mensch, haben die mich jetzt in Deutschland entdeckt oder was?" - und tatsächlich bin ich dann losgeflogen, ohne so richtig zu wissen, was eigentlich auf mich zukommt. Aber es war supercool. Ich durfte die Leute von Bioware treffen, die waren total nett und haben sich riesig gefreut. Im Endeffekt war meine Aufgabe dort, das Toolset in seiner rohen Form zu testen und - was ich vorher nicht wusste - etwas zustande zu bringen (Anm. d. Red.: Daraus entstand die DA-Mod Little Red Riding Hood Redux). Die Bioware-Jungs waren alle sehr daran interessiert zu sehen, wie wir uns machen. Das ging sogar so weit, dass wenn ich eine PC Games hatte, zum Beispiel "Wie mach ich das mit dem Licht?", dann haben die alle möglichen Entwickler herholen lassen und auf einmal stand der Lichtentwickler da und meinte so "Ja, das musst du so und so machen, da geb ich dir gleich noch nen Tipp" ... also das war abartig, echt supergeil.
PC Games: Das hat dir dann sicherlich auch einiges gebracht für deine zukünftigen Projekte?
Wayne: Ja klar. Es war sehr interessant zu sehen, wie die Leute dort strukturieren, entwickeln und denken, wie sie die Arbeit aufteilen und wo zum Beispiel die Entwickler auch selbst Probleme haben. Das war alles sehr wertvoll.
PC Games: Fielen dir dabei auch Nachteile auf?
Wayne: Der Editor von Dragon Age ist halt wirklich professionell und mächtig. Und wie es meistens ist bei solchen Tools, sind die dann halt alles andere als einsteigerfreundlich. Also da hast du dann z.B. das Problem, das du zuerst planen musst und dann erst realisierst. Das bedeutet, du musst den ganzen Plot zuerst skripten und dann kannst du ihn überhaupt erst integrieren. Bis das Ganze überhaupt mal funktioniert, muss man schon unheimlich viele Planungsschritte vorneweg machen und das ist eben nicht das intuitive Vorgehen eines Normalsterblichen. Außerdem sieht Bioware das ganze so, dass man sich spezialisiert: So ein Projekt kann sehr aufwändig sein und dann hat man halt Spezialisten für Area-Building, für Scripting und alles. Es gibt aber auch viele Tutorials und Bioware bemüht sich, das ganze entsprechend zugänglich zu machen, sodass es grundsätzlich möglich ist, sehr gute Ergebnisse zu erzielen - viel besser als noch bei Neverwinter Nights.
PC Games: Ist so eine Mod alleine überhaupt noch machbar?
Wayne: Natürlich. Das geht auch bei Dragon Age. Wenn ich zum Beispiel die fest vorgegebenen Areale aus dem Spiel selbst oder aus anderen Mods nutze und einfach darin eine Geschichte einbaue. Das geht, sobald man's mal kapiert hat, recht problemlos und schnell.
PC Games: Was ist der größter Vorteil des DA-Toolset, was hat es vorher so noch nicht gegeben?
Wayne: Ganz eindeutig die Cutscenes, die Cinematics, die Qualität in der man solche Dinge machen kann.
PC Games: Ok, nun erklär doch mal bitte kurz: Worum geht's in eurer Mod Akabar überhaupt?
Wayne: Akabar ist ein klassisches Rollenspiel mit viel Entdeckung. Eine Festung, die versunkene Schätze bietet und eine Rahmenstory, die sich drum herum entwickelt, in der Tradition von Baldur's Gate oder Neverwinter Nights.
PC Games: Wie baut ihr die Mod ins Hauptspiel ein? Kann ich meine ursprüngliche DA-Party nutzen?
Wayne: Nein. Akabar spielt 10 Jahre vor der Handlung des Hauptspiels und man kann ja unmöglich seinen Charakter zehn Jahre zurückbeamen. Es wird also eine komplett andere Figur genommen, und der Spieler entwickelt einen neuen Charakter in einem neuen Spiel.
PC Games: Was ist denn so deine erste Einschätzung zum Team? Was erhoffst du dir von diesem Projekt?
Wayne: Die sind echt stark! Die haben mir gleich meine Storyline auf Kleinigkeiten durchpflückt und korrigiert. Ich bin total begeistert und habe ein super Gefühl bei der Sache.
PC Games: Wie sieht denn die Zusammenarbeit mit der Games Academy aus?
Wayne: Die Games Academy hat natürlich Interesse daran, dass die Studenten im Endeffekt Erfahrung sammeln. Dementsprechend wird sie die Studenten mit Rat und Tat unterstützen. Aber es ist nicht so, dass das jetzt ein Schulprojekt der GA ist. Akabar ist ein Freizeitprojekt und ich bin sozusagen der externe Teamleiter, der die Studenten und das Projekt im Endeffekt koordiniert. Und so ein bisschen die Pressearbeit macht ...
PC Games: Kommst du bei all diesen Engagements überhaupt noch selbst zum Spielen?
Wayne: Mit Familie und Beruf ist die Freizeit natürlich nicht ganz so dicke. Da muss man sich dann entscheiden: " Modde ich oder spiele ich?" Ich habe in letzter Zeit mehr gespielt. Dragon Age habe ich natürlich durchgespielt, damit ich weiß, wovon ich überhaupt rede. *lacht*
PC Games: Was machst du denn am liebsten beim Modden?
Wayne: Ich finde das Area-builden geil. Sowas ist sehr kreativ, wie wenn ich einen Klumpen Ton nehme und eine Figur daraus mache. Wenn man das im DA-Toolset mal richtig kapiert hat und das Ding erst mal läuft, dann wird das auch richtig gut, mit toller Beleuchtung und allem. Und das gefällt mir wirklich sehr gut.
PC Games: Gibt es denn einen Abschnitt in deiner Modder-Karriere, auf den du besonders stolz bist?
Wayne: Für meinen letzten Teil von Lolthtanchwi: The Trials oft he Spiderqueen habe ich die zusammengebrochene Dunkelelfenstadt Ched Nasad gebaut, nachdem die Web-Straßen zusammengebrochen sind und die Stadtruinen in einem Schacht unten schmoren. Das habe ich aus einem Exterior-Level so gebaut, dass es aussieht wie ein Innen-Level. Und während NWN 2 eigentlich nur eine Höhe kennt, habe ich das so hingekriegt, dass du in diesem Schacht stehst und nach oben und unten schaust. Das ist echt geil. Bei Dragon Age ist sowas jetzt natürlich ohne weiteres möglich, aber mit Neverwinter Nights 2 war das wahnsinnig schwierig.
PC Games: Was gefiel dir an Dragon Age: Origins, was würdest du ändern?
Wayne: [Vorsicht Spoiler!] Ich fand bei DA die Charaktere fantastisch. Ich denke da nur an die eine Szene, wo mein blöder Alistair sich tierisch aufregt, weil ich Loghain begnadige und dann im Endeffekt wegrennt, owohl er doch eigentlich heiraten sollte [Spoiler Ende] ... diese Story-Wendungen finde ich total irre und klasse und in der Tiefe noch nicht gesehen. Aber auch die Beziehungen, die man spielen kann, habe ich so noch nie erlebt. Was mir nicht so gefällt, ist hingegen dieser Blut-Selbstzweck. Wenn schon Blut, dann finde ich, sollte es einen spielerischen Nutzen haben. Wenn du beispielsweise völlig blutbespritzt in eine Stadt kommst und dann jeder sagt "Igitt, dieser Stinkbock - mach dich erst mal sauber!", inklusive Charisma-Malus. Und wenn du scjließlich sauber bist, dann geht's wieder.
Hm ... das mit dem Blut und dem Charisma-Malus könnte man sogar direkt mal probieren. Aber insgesamt ist Dragon Age: Origins ein tolles Spiel und ich würde nichts gravierend anders machen. Es ist ein tolles Spiel und das ist gut so.
PC Games: Gibt es Änderungen, die ihr in eurer Mod unbedingt umsetzen möchtet?
Wayne: Ein Teil der Rüstungen gefällt uns nicht. Wir finden, das man noch ein paar gescheite Schurken-Rüstungen in schwarzem Leder oder so bräuchte. Die vorhandenen Sachen sind teilweise etwas einseitig und können deshalb nicht so überzeugen. Und das signalisieren ja auch unsere Artists, die möchten an dieser Stelle unbedingt Abhilfe schaffen, d.h. sie möchten neue Sachen dazu bauen. Und ich denke, da gibt es auch einen großen Bedarf in der Community, das ist genau die richtige Kerbe.
PC Games: Gibt es noch ein Setting, das du nach Akabar gerne noch in einer DA-Mod umsetzen würdest?
Wayne: Ja und dazu gibt es auch schon konkrete Ideen. Es wird eng verzahnt sein mit einem der Dragon Age-Bücher und die Gruppe hat mir schon signalisiert, dass sie auch großes Interesse daran hätte. Aber mehr verrate ich dazu noch nicht. *lacht*
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Wo ist eigentlich das großkotzige Projekt The Rift geblieben was ja glaub 30 stunden spielzeit versprach hätte ja eigentlich schon erscheinen müssn xD
Grüße,
Sebastian