Deus Ex: Mankind Divided Kolumne - Pre-Order-Fiasko ist ein Sieg für die Spieler
Square Enix zieht sein umstrittenes Vorbesteller-Programm für Deus Ex: Mankind Divided aus dem Verkehr. Das findet Redakteur Peter Bathge gut: das Veto der Konsumenten hat allzu raffgierigen Geschäftspraktiken endlich einen Riegel vorgeschoben. Spieler müssen sich ihrer Macht bewusst werden. Dann tanzen schon bald mehr Publisher nach ihrer Pfeife.
Genau einen Monat hat sie Bestand gehabt. Die schöne neue Pre-Order-Welt, die sich Square Enix für sein Action-Rollenspiel Deus Ex: Mankind Divided ausgemalt hat.
Jetzt rudert das Unternehmen zurück, muss sich eingestehen: Dieser jüngste Versuch, Spieler zur Vorbestellung zu animieren, war ein Schlag in Wasser. Das in Nordamerika lancierte "Augment Your Pre-Order"-Programm wurde eingestellt, weder wird es ein Stufensystem der Vorbesteller-Boni inklusive Wahlmöglichkeit zwischen mehreren Inhalten geben noch erscheint Deus Ex: Mankind Divided wie geplant vier Tage früher, wenn genügend Spieler vorab die Knete für den Kauf abdrücken.
Verantwortlich für diesen überraschenden Rückzieher seid ihr: die Spieler/Kunden, die keine Lust auf derartige Geschäftspraktiken haben. Und wir: die Medien, die sich gegen solche und ähnliche Marketing-Spielchen mit geringem Nutzwert aussprechen. Gut gemacht!
Update vom 8. Oktober 2015: Neue Infos ein halbes Jahr vor dem Release von Deus Ex: Mankind Divided lest ihr in unserer Gameplay-Preview mit Anspiel-Eindrücken!
Der einflussreiche Kunde
Die Kurskorrektur von Square Enix passt zu einer schleichenden Entwicklung, die seit Jahren an Zugkraft gewinnt. Denn endlich begreifen viele Spieler, dass der Spruch "mit der Brieftasche entscheiden" keine leere Phrase ist. Nein, wer Spiele kauft - oder besser: NICHT kauft - kann Einfluss auf den Markt nehmen. Publisher sind Unternehmen, an erster Stelle steht da nunmal der Umsatz. Und genau der ist gefährdet, wenn die Produkte des Publishers in Verruch geraten. Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt es sich für Ubisoft, Electronic Arts oder Square Enix eben nicht ganz ungeniert.
Angewandt auf Deus Ex: Mankind Divided bedeutet das: Die Pre-Order-Kampagne drohte das eigentliche Spiel zu überstrahlen, statt der Vorfreude auf ein allem Anschein nach hervorragendes Action-Rollenspiel von Eidos Montreal landeten reihenweise kritische Kommentare von Fans und Medien in den Schlagzeilen. Ein Publicity-Desaster.
Mit der nun erfolgten Kehrtwende versucht Square Enix, die Wogen zu glätten. Die Spieler können aus dieser Aktion folgende Lehre ziehen: Ihre Meinung ist von Bedeutung. Soziale Plattformen wie Facebook, Nachrichtendienste à la Twitter und Foren der Marke Reddit geben potenziellen Kunden mächtige Werkzeuge in die Hand, um sich selbstständig zu organsieren und Werbeversprechen von Unternehmen kritisch zu kommentieren. Heutzutage erreichen solche Diskussionen ("Shitstorms") in Rekordzeit die Ohren der Publisher, die sodann dynamisch reagieren können. Ergo: Es bringt was, seinem Unmut Luft zu machen! Indem Spieler Kritik formulieren, können sie so einfach wie nie zuvor in der Geschichte der Videospiele Einfluss auf den Markt nehmen. Noch besser ist es natürlich, wenn das Kaufverhalten ebenfalls entsprechend angepasst wird.
Quelle: Square Enix
Deus Ex: Mankind Divided Vorbesteller-Kolumne (3)
Das liebe Geld entscheidet
Dämliche Vorbesteller-Boni, überteuerte, aus dem Spiel geschnitte DLCs oder drakonische DRM-Maßnahmen haben sich durchgesetzt, weil der Widerstand dagegen nie die Phase der Empörung überschritten hat. Es war oft eben doch nur ein Sturm im Wasserglas: Die Publisher strichen trotz aller Kritik weiter ihre Profite ein. Auf Dauer innovationslose Serien wie Assassin's Creed und Call of Duty verkaufen sich blendend. Das DLC-Geschäft brummt. Es scheint nur wenige No-Gos zu geben, die Konsumenten letztendlich völlig vom Kauf abhalten. Ausnahme: technisch fehlerhafte Spiele.
Immer öfter sehen wir zuletzt, dass besonders am PC technisch schlampig umgesetzte Spiele den Herstellern um die Ohren gehauen werden. Populärstes Beispiel: Batman: Arkham Knight. Die Rückgabemöglichkeit bei Steam dürfte vielen Herstellern in dieser Beziehung das Fürchten gelernt haben. Denn wer schluderige Arbeit abliefert, der läuft Gefahr, dass die Spieler ihr Geld zurück verlangen. Ergo: kein Umsatz. Ergo: eine starke Motivation für die (börsennotierten und ihren Anlegern verpfichteten) Unternehmen, etwas an der Situation zu ändern.
Die universelle Ablehnung der Deus Ex-Pläne und die vermutlich unter den Erwartungen liegenden Vorbestellerzahlen treffen Publisher Square Enix ebenfalls dort, wo es wehtut: in der Brieftasche.
Quelle: Square Enix
Deus Ex: Mankind Divided Vorbesteller-Kolumne (4)
Gleichzeitig ist das Marketing-Team von Square Enix zu beglückwünschen: Auch wenn die ursprüngliche Idee von "Augment Your Pre-Order" wenig kundenfreundlich war, so ist das Einlenken des Publishers dennoch zu begrüßen und wird von mir als eine versöhnliche Geste verstanden. Man hat eingesehen, dass die ursprüngliche Idee nicht funktioniert und möchte die Fans der Reihe nicht weiter vor den Kopf stoßen.
"Euer Feedback und euer Input ist für uns von höchster Bedeutung", schreiben Entwickler Eidos Montreal und Square Enix dann auch auf der offiziellen Webseite des Spiels. "Genauso wie eure Loyalität und Leidenschaft für diese Marke, die es uns erlaubt, euch weiterhin eine großartige Spielerfahrung abzuliefern."
Es bleibt zu hoffen, dass die Stimme der Spieler in Zukunft öfter auf diese Weise erhört wird. Und dass die Spieler durch Erfolge wie diesen oder den Rückruf der schlechten PC-Umsetzung von Arkham Knight mehr Selbstvertrauen gewinnen. Eure Stimme zählt.

Niemand zwingt uns, ein Embargo zu unterzeichnen. Wir tun das, weil wir natürlich die Berichterstellung haben wollen. Und weil Spielehersteller eben keine gesetzliche, moralische oder gar völkerrechtliche (^^) Verpflichtung haben, uns ihre Spiele vorab zu zeigen. Sie machen das auf ihr eigenes Betreiben hin und die Presse ist der Nutznießer.
Anders sieht die Sache aus, wenn ein Spiel erschienen und frei im Handel verfügbar ist - dann darf der Hersteller in Zusammenhang damit keine Forderungen mehr stellen. Er darf diese aber sehr wohl stellen, wenn es sich um eine von ihm vorab freiwillig zur Verfügung gestellte Testversion handelt, die sich von der Verkaufsversion unterscheidet. Dann müssen wir uns auf Basis dieser Testversion tatsächlich an die Details des NDAs (Non disclosure agreement) halten.
Das ist überhaupt nicht anrüchig, NDAs gibt es überall, bei weitem nicht nur im Spielebereich. Ansonsten könnte unter anderem jeder Apple-Mitarbeiter Monate vorher Firmengeheimnisse ausplaudern, ohne Strafe befürchten zu müssen. Bei Spieleherstellern ist es nicht viel anders, denn die geben ja auch Einblick in ihre noch nicht fertiggestellten Produkte.
NDAs dienen dazu, eine rechtliche Grundlage bei Vertragsbruch zu schaffen. Embargos dienen wie schon zuvor im Thread erwähnt dazu, dass kein Event-Teilnehmer mit der Berichterstattung vorprescht. Embargos zu brechen ist so ziemlich das dämlichste, was man tun kann. Das hat nichts damit zu tun, dass wir auch beim nächsten Mal wieder eingeladen werden wollen. Nein, wir wollen nunmal einfach keine gültigen Verträge brechen.
P.S: Keine Ahnung, was das noch mit der eigentlichen Kolumne zu tun hat.
Dass die Spieleentwickler freiwillig das Spiel vor Release herzeigen und verbieten, Wertungen zuzulassen, leutet mir schon ein :)
Informationen aus erster Hand helfen da doch sehr weiter.
Niemand zwingt uns, ein Embargo zu unterzeichnen. Wir tun das, weil wir natürlich die Berichterstellung haben wollen. Und weil Spielehersteller eben keine gesetzliche, moralische oder gar völkerrechtliche (^^) Verpflichtung haben, uns ihre Spiele vorab zu zeigen. Sie machen das auf ihr eigenes Betreiben hin und die Presse ist der Nutznießer.
Anders sieht die Sache aus, wenn ein Spiel erschienen und frei im Handel verfügbar ist - dann darf der Hersteller in Zusammenhang damit keine Forderungen mehr stellen. Er darf diese aber sehr wohl stellen, wenn es sich um eine von ihm vorab freiwillig zur Verfügung gestellte Testversion handelt, die sich von der Verkaufsversion unterscheidet. Dann müssen wir uns auf Basis dieser Testversion tatsächlich an die Details des NDAs (Non disclosure agreement) halten.
Das ist überhaupt nicht anrüchig, NDAs gibt es überall, bei weitem nicht nur im Spielebereich. Ansonsten könnte unter anderem jeder Apple-Mitarbeiter Monate vorher Firmengeheimnisse ausplaudern, ohne Strafe befürchten zu müssen. Bei Spieleherstellern ist es nicht viel anders, denn die geben ja auch Einblick in ihre noch nicht fertiggestellten Produkte.
NDAs dienen dazu, eine rechtliche Grundlage bei Vertragsbruch zu schaffen. Embargos dienen wie schon zuvor im Thread erwähnt dazu, dass kein Event-Teilnehmer mit der Berichterstattung vorprescht. Embargos zu brechen ist so ziemlich das dämlichste, was man tun kann. Das hat nichts damit zu tun, dass wir auch beim nächsten Mal wieder eingeladen werden wollen. Nein, wir wollen nunmal einfach keine gültigen Verträge brechen.
P.S: Keine Ahnung, was das noch mit der eigentlichen Kolumne zu tun hat.