Infinity Wards Call of Duty 2: Haben wir schon genug vom Zweiten Weltkrieg, oder können wir uns noch einmal für eine Offensive mit Call of Duty 2 aufraffen? Stalingrad, Moskau, Nordafrika, Normandie und Deutschland sind die Schauplätze unseres Tests.
Quelle: PC Games
Call of Duty 2 (1)
Im Kampf bekommen Sie ständig Feedback von Ihren Kameraden, das erscheint zunächst lobenswert. Schließlich macht der Sound einen Großteil der Atmosphäre in Call of Duty 2 aus. So propagieren die Deutschen in der Sowjet-Kampagne, dass sich die russischen Soldaten gefälligst ergeben sollen: "Seid ihr hungrig? Ist euch kalt? Die Wehrmacht wird euch gut behandeln!" Und als Sie einen russischen Scharfschützen in einem zerstörten Hochhaus unterstützen sollen, lässt er nach jedem Schuss verlauten: "Das ist für meine Mutter! Und das für meinen Vater! Und das für meinen Hund!"
Doch genau hier liegt das Problem. Ihre Kameraden sprechen deutsch, genau wie der Feind auch. So kommt es oftmals zu Irritationen. Wer schreit denn hier überhaupt, dass Feinde in Anmarsch sind? Die eigenen Leute, die Gegner am Horizont entdeckt haben, oder doch eher Wehrmachtstruppen, die sich im Gebäude vor unserer Nase verschanzen? Die deutsche Version in allen Ehren, aber Spieler mit guten Englischkenntnissen würden es sich sicherlich wünschen, zwischen komplett lokalisierter und Original-Fassung der Synchronisation entscheiden zu dürfen. Untertitel reichen doch fürs Verständnis, finden wir.
Unterschiedliche Sprachen hätten der ohnehin schon grandiosen Atmosphäre das i-Tüpfelchen verpasst. Außerdem müssen wir eine nervige Phrase hervorheben, die wir von unseren britischen Kameraden einfach zu oft zu hören bekamen. Als Angriffsschrei riefen sie: "Du siehst die Radieschen ganz eindeutig noch vor dem Kriegsende von unten!" Immer und immer wieder. Solche sinnfreien Sätze hätten sich die Synchronsprecher sparen können. Dafür werden Ihre Ohren nach siegreichen Schlachten mit feinen Orchesterstücken belohnt.
Schöne Aussichten
Quelle: PC Games
Call of Duty 2 (2)
Nicht nur die musikalische Untermalung ist ein Genuss: Die Geräuschkulisse verstärkt den Filmeindruck zusätzlich. Gerade Besitzer von Surround-Anlagen werden mit erderschütternden Artillerieeinschlägen und Fliegerangriffen konfrontiert. Es kracht an allen Ecken, Soldaten schreien um ihr Leben und Schüsse pfeifen Ihnen um die Ohren. Damit einher geht die generelle Grafikqualität: Selten zuvor haben wir derart detaillierte Landschaft und realistische Waffen- und Spielermodelle erlebt.
Schaut man sich die Gesichter der KI-Kollegen an, erkennt man sogar Bartwuchs, Hautunreinheiten und realistische Mimik mit lippensynchroner Sprachausgabe. Und auch die in anderen Weltkriegstiteln eher vernachlässigte Rauchgranate spielt bei Call of Duty 2 eine große spielerische Rolle. Als Schutz vor feindlichen Blicken und Angriffen vernebeln Sie damit ganze Straßenzüge und Gebäude - dies ist vor allem im späteren Verlauf relevant. Dabei schaut der graue Rauch so voluminös und echt aus wie noch nie.
Weltreisender
Quelle: PC Games
Call of Duty 2 (3)
Im Verlauf der Einzelspielerkampagne erleben Sie den simulierten Zweiten Weltkrieg aus Sicht der Russen in Stalingrad und Moskau, der Briten in Nordafrika und der Amerikaner in der Normandie und Deutschland. Dabei fallen die optischen und spielerischen Unterschiede zwischen den drei Parteien auf. Während Sie als Vasili I. Koslov den Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion in verschneiten Großstadtruinen miterleben, treibt es Sie mit Sergeant John Davis in die afrikanische Wüste und als David Welsh sogar in einen britischen Crusader-Panzer.
Doch die drei großen Missionen wirken ziemlich zusammengeschustert. Es hätte uns besser gefallen, wenn sich so etwas wie ein Thema oder ein roter Faden durch das Spiel gezogen hätte. Auch eine Hintergrundgeschichte fehlt. Eine echte emotionale Verbindung zu Ihren Kameraden entsteht deshalb nicht. Es hätte schon einen Reiz, zu wissen, dass der Kamerad, dem Sie gerade das Leben gerettet haben, auch in den folgenden Missionen noch an Ihrer Seite kämpft.
Und das, obwohl sich die Macher die Mühe gemacht haben, jedem einzelnen Soldaten und sogar jedem Panzer einen Namen zu geben (unser Favorit: Tank Greta Garbo, benannt nach der schwedischen Schauspiellegende). Da wäre mehr drin gewesen. Doch zurück zu Ihren Einsätzen in aller Welt. Zwar sollten Sie nicht allzu viel Abwechslung erwarten - das lineare Spielprinzip gleich dem des Vorgängers.
Jedoch überzeugen die Schauplätze durch die gute Levelarchitektur und die zahlreichen "Magic Moments". An manche spektakulären Ereignisse und Szenen erinnern Sie sich garantiert noch nach Monaten. Deshalb wollen wir nicht zu viel verraten und Ihnen empfehlen, sich selbst an Call of Duty 2 heranzuwagen.
