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  • Anno 1701 im Test - gelungener Sprung in die dritte Dimension

    Mit Anno 1701 hat die erfolgreiche Aufbaustrategie-Reihe endlich den Weg zur 3D-Grafik gefunden. Was die Mainzer Entwickler Related Designs hier abliefern, ist allerfeinste Sahne, knackig präsentiert und mit reichlich Spielspaß an Bord.

    Die Königin der Aufbau-Strategie regiert wieder: Im heiß ersehnten dritten Teil der Serie werden Einsteigerfreundlichkeit und Spielwitz groß geschrieben.

    An Deck der Donna Maria herrscht große Aufregung. Das Entdeckerschiff ist tagelang durch verheerende Stürme gezogen, die Besatzung glaubte sich am Ende der Welt verloren. Aber auf einmal tönt es aus dem Krähennest: "Land in Sicht!" Schnell ankern die Matrosen und zimmern mit dem letzten Holz ein Kontor zusammen, das das Tor zur weiten Welt ist und bleibt. Dahinter ruht der Wald, aus den Bergen glitzert es silbern und das wunderbar saftige Grün der Wiesen verspricht fruchtbaren Boden.

    #Update: Mit Anno 2205 erschien am 03. November 2015 der inzwischen sechste Teil der beliebten Aufbaustrategie-Reihe. Ab sofort ist der fertige Test mit der finalen Wertung zu Anno 2205 auf unserer Webseite verfügbar.Auch Familie Wagner ist dabei. Vater Johann Sebastian, Mutter Anna Magdalena und Sohn Georg Friedrich siedeln als Pioniere in einer engen Holzhütte. Die Familie hat noch viel vor, genauso wie die neu gegründete Siedlung Goldfurt.

    Goldfurt ist Ihre Stadt. Sie, der Spieler im Aufbau-Strategietitel Anno 1701, kontrollieren erneut die Geschicke Ihrer Einwohner und bauen ein winziges Dorf zu einer prunkvollen Metropole aus. Bevor Sie sich wundern: die Wagners als Familie sind nicht die Kampagne von Sunflowers' sonnigem Meisterwerk - denn einen Feldzug ganz gleich welcher Art suchen Sie vergeblich.

    Für den konventionellen Annoholiker liegt ein weit konfigurierbares Endlosspiel bei; wem es nach im Wortsinne aufbauenden Geschichten dünkt, der spielt die mitgelieferten zehn Szenarien. Diese überzeugen allesamt durch solides Missionsdesign und lebendige Präsentation - und hätten mit etwas Mühe eine tolle Kampagne abgegeben! Grafisch baut und siedelt es sich in Anno 1701 ohnehin eine Klasse besser als in der Konkurrenz - die Bilder (unten) der fremden Völker und Piraten etwa sind komplett in Spielgrafik.

    Die Teile der Anno-Reihe: Eine der erfolgreichsten Aufbaustrategien im Test
    Mit Anno 2205 erschien am 03. November 2015 der inzwischen sechste Teil der beliebten Aufbaustrategie-Reihe. Ab sofort ist der fertige Test mit der finalen Wertung zu Anno 2205 auf unserer Webseite verfügbar. Wie sich das neue Multi-Session-Spiel bewährt und ob die vielen Neuerungen in Anno auch über lange Zeit Spaß machen, haben wir mit weit über 80 Spielstunden ausgiebig getestet. Im ausführlichen Review gehen wir auf die Stärken und Schwächen des neuen Aufbaustrategiespiels von Ubisoft ein.

    Anno 1701 ist vom Spielablauf her so klassisch und gut wie eh und je. Alles beginnt damit, auf einer neuen Insel mit verheißungsvollen Rohstoffvorkommen ein Kontor, einen Holzfäller, ein paar Fischer, ein Dorfzentrum und einige kleine Hütten zu errichten.

    Neue Gebäude in Anno 1701 entstehen wie von Geisterhand per Mausklick und sind dann sofort an Ort und Stelle - im Gegensatz etwa zur Siedler-Serie, wo sich erst ein knuffiger Konstrukteur auf den Weg macht.

    Dadurch ist Anno 1701 etwas schneller im Aufbau - bis sich neue Gebäude allerdings bemerkbar gemacht haben, dauert es genretypisch eine Weile. Arbeitsplätze oder -kräfte gibt es nicht - Gebäude funktionieren einfach so, wenn der nötige Rohstoff vorhanden ist.

    Ein Lager, bitte!

    Kontore und Markthäuser sind zentraler Dreh- und Angelpunkt Ihres Warenbestandes. Sobald ein Karrenschieber beispielsweise Stoffe von der Webstube anschleppt, landen diese im jeweils inselweit verwalteten Inventar. Haben Sie die entsprechende Ware nicht gesperrt, bedienen sich Ihre Bürger ganz nach ihren Bedürfnissen.

    Apropros Bedürfnisse: die sind das Einzige, was Ihren Bewohnern scheinbar nie ausgeht. Während die einfachen Pioniere noch relativ genügsam und bescheiden vor sich hinleben, erfordert bereits der Aufstieg zu Siedlern, der nächsthöheren Zivilisationsstufe, die Befriedigung zusätzlicher Wünsche.

    Dies wird entweder über ein spezielles Gebäude - eine Schule für Bildung - oder über eine neue Produktionskette - Schaffarmen und eine Web-stube für Stoffe - bewerkstelligt.
    Kaum sind Ihre Leute aufgestiegen, fallen ihnen aber schon neue Sehnsüchte ein. Sie allerdings haben von den aufstrebenden Hedonisten große Vorteile ...

    Steuererhöhung anno 1701

    "... Argh! Wutentbrannt wirft Johann Sebastian einen Stein ins Meer, übrigens sehr wider die Gesundheit eines unglückseligen Fischers. Seit Tagen gibt es kaum noch Fleisch auf dem Markt, und die wenigen Reste werden nur teuer verkauft. Wenn das so weitergeht! Doch schon kommt Anna Magdalena heim: Es gibt wieder frisch erlegtes Wildbret. Zwar wurden im Gegenzug auch gleich die Steuern noch etwas angehoben, aber ein voller Bauch rebelliert halt nicht sehr gern. "Hast du Nachschlag?"

    Die Steuerschraube ist zurück! Je nachdem, wie viele der Ansprüche Ihrer nimmersatten Einwohner Sie erfüllen, desto weiter verschiebt sich der Balken der Steuersätze, mit denen die Entrichter gut und zufrieden leben können, in die Höhe. Wie in Anno 1602 ist der Versuch, Ihre Bewohner möglichst zufrieden und damit zahlungskräftig zu halten, der Kernpunkt des Spiels. Der Markt hingegen spielt nur grafisch eine Rolle - die Anno 1503-Zeiten, in denen Sie an den merkantilen Ständen durch Warenverkauf Ihren Unterhalt sicherten, sind vorbei.

    Bausparen anno 1701

    "Mit letzter Kraft stemmten die Wagners den Giebel. Es war geschafft - das neue Haus kürte ihr Leben in Goldfurt, wo einst lediglich eine schäbige Hüttensammlung stand."

    Sind die Bedürfnisse Ihrer Einwohner eine Weile voll erfüllt und konnten Sie es sich sehr zum Neid und Leid vieler Finanzminister leisten, die Steuerschraube zu lockern, steigen Ihre freundlich dreinblickenden Insulaner auf. Das kostet zwar auch einiges an Rohstoffen und bringt natürlich neue Forderungen Ihrer Untertanen mit sich, erlaubt Ihnen aber den Bau weiterer Gebäude und erhöht Ihr Steueraufkommen. Ein weiterer Effekt: Die verbesserten Baukünste jeder Stufe sorgen dafür, dass in den Häusern mehr Einwohner Platz finden. Das ist gut für Ihre Steuerkasse - überrascht aber den angehenden Städteplaner mitunter auch, weil Ihre Kleinstädter auf einmal die Vorräte ratzekahl leer futtern. Gebaut wird immer an einem bei Bedarf einblendbaren Raster. Durch das althergebrachte Einzugsbereich-Schema für bedürfnisstillende Gebäude wirken die Städte zunehmend blockig. Zudem sind direkt beim Häuserbau Einzugsgebiete etwa der Kirche nicht ersichtlich und Sie sind gezwungen, zwischen den Menüs zu jonglieren.

    Anno-Siedler, die nächste Stufe nach den anfänglichen Pionieren, geben sich zunächst glücklicherweise verhältnismäßig bescheiden. Die hageren Kerle wünschen aber bald auch schwieriger zu produzierende Waren. Während sich Nahrung nahezu überall beschaffen lässt, stellt sich das Bereitstellen von Alkohol und Tabakwaren bereits als deutlich schwierigeres Unterfangen heraus.

    Auf zu neuen Ufern!

    "Eigentlich wollte Johann Sebastian kein Schiff der Welt mehr sehen - aber in letzter Zeit war das unausweichlich. Ständig schipperte irgendein Seelenverkäufer am Kontor vorbei und die Karrenschrieber trugen eifrig Plunder ins Lager. Na gut, so lange er das schwere Zeug in den Kisten nicht schleppte, sondern nur rauchte und trank ..."

    In der Werft werden die verschiedenen Schiffstypen zusammengezimmert. Selbst die kleineren Boote bedürfen bereits einer stattlichen Menge an Holz, Werkzeug und Stoffen und fordern außerdem noch im laufenden Betrieb Unterhalt. Neben der Besiedlung eines Fleckchens Heimaterde steht die Erkundung und Kolonisierung anderer Inseln im Mittelpunkt des Spiels. Keine Insel ist für alle nötigen Waren fruchtbar. Mit Glück können Sie Ihre Bürger - der Mittelstand im Anno-Universum - direkt lokal versorgen, aber spätestens Kaufleute und ihren Wunsch nach Schoki befriedigen Sie nicht ohne hin- und herfahrende Schiffchen.

    Wohlstand für alle

    Um die finanziell wie körperlich kräftig gebauten Merkatoren zu beglücken, bedarf es Pralinen - und Honig und Kakao gedeihen per se nicht auf einer einzigen Insel, denn es gibt in Anno 1701 zwei Klimazonen, von denen die Agrarmöglichkeiten abhängen. Folglich bauen Sie im Süden des Inselreiches Kakaobohnen an und lassen diese per Handelsroute in den Norden kutschieren, wo Ihre Imkerei die fleißigen Bienen behütet und die Konfiserie die unnachahmlichen Törtchen mit Sherry-Kirsche kredenzt.

    Wie das Beispiel zeigt, sind die Produktionsketten im Verlauf des Spiels immer komplexer. Manche Endprodukte benötigen mehrere Zulieferer, in einigen Fällen sind auch diverse Verarbeitungsschritte erforderlich. Manche Rohstoffe, darunter Eisen, können zu mehreren Endprodukten verarbeitet werden, vereinzelte Plantagen wiederum haben das gleiche Endprodukt. Mit jeder Entwicklungsstufe stehen Ihnen neue und effizientere Möglichkeiten bereit, Nahrung zu erzeugen. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Sie das eine oder andere Gut nicht selbst erwirtschaften können.

    Kaufmannsladen

    "Ein kräftiger Händedruck, und der Freie Händler mit dem markanten Bart und dem stets klingelnden Geldbeutel schwang sich auf sein Schiff. "Bis bald, ich komme gern wieder", segelte er in den Abend. Er hatte einiges an Steuereinnahmen mit an Bord genommen - aber dafür gute Mengen an Lampenöl und Marmor zurückgelassen."

    Der Freie Händler fährt Ihre Kontore regelmäßig an und kauft oder verkauft Waren gemäß Ihren Einstellungen. Oder Sie selbst machen sich per Schiff auf den Weg und gehen bei dem geschäftstüchtigen Gesellen zum Shoppen. Großes Manko: Eine Handelsroute zum Freien Händler ist nicht vorgesehen! Die Preise des Freien Händlers sind nicht die besten, dafür bietet er im Endlosspiel lukrative Aufträge an. Diese sind aber schnell eintönig, meist gilt es, Schiffbrüchige zu retten oder Waren zum Händler zu karren. Abwechslungsreichere oder komplexere Aufträge hätten das Spiel bereichert. Der Freie Händler ist übrigens nicht Ihr einziger Geschäftspartner: Auch gut gesinnte Computer-Mitspieler steuern Ihr Kontor an.

    Man gönnt sich ja sonst nichts

    "Meine Güte, was für ein Anblick! Johann Sebastian konnte es kaum fassen. Nicht nur, dass der umliegende Senat ein wunderbarer Ort war, um mit den anderen Aristokraten die Macht des stärksten Standes zu fühlen! Nicht nur, dass Anna Magdalenas Dekolleté mit dem Schmuck noch reizvoller aussah als sonst! Nein, jetzt gab es auch noch dieses feine, glitzerne Jade-Zeug!"
    Während Handel bei allen "normalen" Gütern meist optional bleibt, ist er für die höchsten Weihen des Anno-Spielens zwingend erforderlich. Aristokraten, nimmersatte Hedonisten mit immensen Ansprüchen, aber - Sie ahnen es -, immensen Steuerleistungen, benötigen sogenannte Kolonialwaren. Diese können Sie nicht abbauen oder erwerben, sondern nur über eines der Fremden Völker Irokesen, Asiaten, Inder und Azteken beziehen. Sind Sie mit den Ethnien verbündet, verfügen Sie auch über deren Spezialaktionen, wie der Flaute, die gegnerische Schiffe nur noch im Ententempo schippern lässt.

    Die Stimmungslage der einzelnen Mitspieler und Völker können Sie jederzeit im Diplomatie-Menü abfragen. Ihre Mitspieler geben Ihnen auch im laufenden Spiel Auskunft, ob ihnen eine jüngst in zu aufdringlicher Nachbarschaft errichtete Siedlung vielleicht nicht passt, oder ob sie sehr angetan sind von Ihrem Engagement für den Freien Händler. Reger Warenaustausch mit den Mitspielern sichert eine freundliche Neigung am besten, viele Tributforderungen oder freches Siedeln vor der Haustür verstimmen Ihre Mitspieler.

    Somit läuft die Diplomatie nicht nur über Ihr Menü, sondern ist eine direkte, logisch nachvollziehbare Systematik innerhalb der Spielwelt. Das ist zwar an sich nichts fundamental Neues, wurde aber bisher selten so gut umgesetzt. Noch dazu regen die menschelnden Computer-Mitspieler dazu an, sich in der lebendigen Anno-Welt selbst Freunde und Feinde auszusuchen.

    "Die Glut der Erzschmelze schien ganz Goldfurt zu erwärmen - oder war es doch eher das Fieber ob des drohenden Krieges? Werkzeug wurde aus geschmolzenem Erz schon lange keins mehr gehämmert, stattdessen schufteten Waffenschmied und Kanonengießer pausenlos. Freiwillige rückten in die Garnisonen und zur Festung und kamen in schweren Rüstungen mit Piken oder Haubitzen, manche gar auf Pferden heraus. Riesige Kriegsschiffe liefen vom Dock."

    Ein bisschen weniger Frieden

    Anno 1701 ist bei Weitem weniger kriegslüstern als der Vorgänger. Je nach Ihren Einstellungen und Spielzügen sind auch komplett friedliche Partien möglich. Kommt es aber zum Kampf, bilden Sie Truppen wie gehabt in Ihren Militärgebäuden aus und schicken Sie per Rechtsklick zum Angriff. Im Gegensatz zu Caesar 4 kämpfen keine rekrutierten Bürger, das Militärwesen läuft abseits der eigentlichen Bevölkerung.

    Ihre Soldaten verladen Sie per Schiff zum Feind und setzen Sie dort ab. Außer, es kommt zum spektakulären Seekampf, bei dem die Kanonenkugeln übers Wasser fliegen und die Soldaten des untergegangenen Schiffes wie Treibgut aufzusammeln sind. In solchen Momenten dreht die Musik dramatisch auf und das Orchester lässt Sie um die Gesundheit Ihrer Männer zittern. Generell braucht sich die mitreißende Musik nicht vor Spellforce 2 oder Gothic 3 verstecken! Auch die atmosphärische Sprachausgabe - rund 80.000 Wörter - erweckt die Mitspieler und Ihre Einwohner zum Leben.
    Haben Sie Ihre Truppen schließlich an Land gebracht, bekämpfen sich die Heere je nach Einstellung automatisch oder auf Befehl. Wie im Vorgänger übernehmen Sie Kontore und Markthäuser, nachdem Sie sie sturmreif geschossen haben.

    Manöverkritik

    Ähnlich wie in Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde kontrollieren Sie nicht einzelne Militäreinheiten, sondern kleinere Truppenverbände. Dadurch gewinnen Sie zwar zunächst an Übersicht, sobald es aber zu einem dichten Kampf in den Gassen einer gut ausgebauten Stadt kommt, lassen sich die einzelnen Gruppen nicht mehr auseinanderklamüsern.

    Auch die Wegfindung der türkis konturierten Einheiten ist suboptimal - freundlich gesinnte Schiffe fahren einfach durcheinander, Militäreinheiten bleiben durchaus vor einem Felsen stehen, statt den ein paar Schritte weiter rechts liegenden Aufgang zum anvisierten Schloss zu nutzen. Somit hinterlässt der Militärpart von Anno 1701 einen schwachenEindruck.

    "Sieg! Davon erzählen noch Generationen! Das Schicksal schien sich schon gewendet zu haben, da bot Goldfurts Armee dem Gegner noch mal die Stirn. In der Universität hatten die Tüftler Haubitzen erforscht. Außerdem - im letzten Moment überredete ein geschickter Verräter die feindlichen Truppen zur Fahnenflucht."

    Schule und Universität dienen nicht nur der Befriedigung des Bildungsbedürfnisses Ihrer Einwohner, sie bringen auch die Erforschung zahlreicher Technologien auf den Weg. Diese verbessern spezifische Wirtschaftszweige, ermöglichen die Konstruktion größerer Schiffe, entwickeln neue Waffe für Ihr Heer, verschaffen diplomatische Vorteile oder geben Ihnen die Möglichkeit zu neuen Aktivitäten mit der Geheimloge.

    Ganz im Verborgenen

    Die grafisch lose an die Freimaurer angelehnte Loge ist ein nettes Gimmick in Anno 1701. Kurz nach der Erbauung steht Ihnen nur ein Spion zur Verfügung, der Informationen über die Gegenspieler sammelt. Später haben Sie die Chance, mit dem Demagogen die Arbeiter zum Streik zu bewegen oder gar per Revoluzzer die Bevölkerung zum Aufstand aufzuwiegeln. Bei all diesen witzigen Gemeinheiten aber stellt sich recht schnell ein Abnutzungseffekt ein.

    Übrigens: Auch Ihre Einwohner können ohne Loge rebellieren. Dann nämlich, wenn Sie den Kaufleuten den Pralinenhahn zudrehen oder Ihre Aristokraten ohne Tabak auskommen müssen. Die Stimmung schlägt bei den hohen Bevölkerungsschichten schnell um, schon zieren rote Blitze die Häuser der entwöhnten Einwohner.

    Zieht Ihre Bevölkerung tatsächlich mit Fackeln durch Ihre Stadt oder bricht gar ein Vulkan in der Nähe Ihrer Insel aus, lodern Flammen auf. Dann zahlen sich Straßenanbindung und Feuerwehr aus, die in einer putzigen Animation zum Brandherd eilt.
    Nicht so einfach umgehen lassen sich die Grog schlürfenden Gesellen: auch in Anno 1701 sind wieder die Piraten mit von der Partie, meist als erbittert kämpfende Freibeuter, die es auf Ihre Schiffe und eventuell verstreute Schätze abgesehen haben. Neu eingetroffen im Anno-Reich ist Ihre Majestät, die Königin.

    Für die Königin!

    Die kritische Monarchin hat Ihnen einst Startkapital zur Verfügung gestellt und verfolgt die meisten Ihrer Schritte mit sich langsam abbauendem Misstrauen. Geht Ihnen das Geld aus oder macht Ihr letztes Schiff Bekanntschaft mit dem Meeresgrund, schickt sie mürrisch Ersatz.

    Gelingt es Ihnen, genügend Aristokraten glücklich zu machen, erreichen Ihre Bauoptionen ungeahnte Höhen. Prachtvolle Sonnenuhren und herrliche Hecken verzieren die Stadt, ein fürstliches Schloss ist Ihr Amtssitz. Haben Sie es in mehreren Etappen fertig gebaut, kommt Ihre Majestät als Ehrengast vorbei und ...

    "Was für eine Feier! Johann Sebastian tanzte auf dem Marktplatz bis in die Abendstunden. Auch die Königin schien sich gut zu amüsieren. Dann erbat sie Ruhe und eine Fackel. Mit großen Worten würdigte sie den Ruhm Goldfurts und seiner Einwohner. Sie zündete ein farbenprächtiges Feuerwerk und verkündete die Unabhängigkeit Goldfurts!"

    Bis hierher und wie weiter?

    Die Unabhängigkeit Ihrer Stadt ist ein großes Langzeitziel in Anno 1701. Ob jeder Spieler wirklich den glorreichen Tag erreicht, bleibt fraglich. Nicht, weil es so fürchterlich schwer wäre, sondern weil der Spielspaß langfristig abebbt. Das Erstellen der Handelsrouten ist zwar einfach, aber eine praktische Gesamtübersicht fehlt. Sie verbringen einen zunehmenden Teil des Spiels nur noch mit dem Abklappern Ihrer Inseln und Schiffe. Selbst die meisten E-Mail-Programme gestalten es im Vergleich einfacher, die Spamfilter auf einen Blick zu organisieren. Apropros Nachrichten: Wichtige Mitteilungen werden selbstverständlich eingeblendet.

    Während wir einmal mehr das Maßstäbe-setzende Intro anschauen, ist Zeit für ein Resümee. Anno 1701 ist nicht das Jahrhundertwerk, als das es lange gehandelt wurde. Trotz euphorischer Anfangsmomente und einer fulminanten Präsentation: Das Spiel hat seine Längen.
    Bei aller Kritik - Anno 1701 ist zweifelsfrei der bislang beste Teil der Serie und ein Muss für Anno-Fans und solche, die es werden wollen.

    #Update: Mit Anno 2205 erschien am 03. November 2015 der inzwischen sechste Teil der beliebten Aufbaustrategie-Reihe. Ab sofort ist der fertige Test mit der finalen Wertung zu Anno 2205 auf unserer Webseite verfügbar. Wie sich das neue Multi-Session-Spiel bewährt und ob die vielen Neuerungen in Anno auch über lange Zeit Spaß machen, haben wir mit weit über 80 Spielstunden ausgiebig getestet. Im ausführlichen Review gehen wir auf die Stärken und Schwächen des neuen Aufbaustrategiespiels von Ubisoft ein.

    Anno 1701 (PC)

    Spielspaß
    86 %
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
    Pro & Contra
    Das bislang schönste Aufbauspiel
    Menschliche Computer-Mitspieler
    Tolle Welt lädt zum Eintauchen ein
    Keine richtige Kampagne, nur Szenarien
    Langfristig etwas abwechslungsarm
  • Anno 1701
    Anno 1701
    Publisher
    Sunflowers Interactive Entertainment GmbH (DE)
    Developer
    Related Designs
    Release
    26.10.2006
    Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
    Von TobiasHome
    Hinweis zu dem Satz auf Seite 3 "Zudem sind direkt beim Häuserbau Einzugsgebiete etwa der Kirche nicht ersichtlich"…

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    • Es gibt 1 Kommentare zum Artikel

      • Von TobiasHome Erfahrener Benutzer
        Hinweis zu dem Satz auf Seite 3 "Zudem sind direkt beim Häuserbau Einzugsgebiete etwa der Kirche nicht ersichtlich":

        Es IST ersichtlich. Wenn man ein Haus baut, sind alle öffentliche Gebäude, in deren Einzugsbereichen das Haus liegt, grün markiert. Dazu zählen Kirche, Theater, Dorfplatz etc.
    • Aktuelle Anno 1701 Forum-Diskussionen

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515861
Anno 1701
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http://www.pcgames.de/Anno-1701-Spiel-18003/Tests/Anno-1701-im-Test-Related-Designs-verpasst-der-Aufbaustrategie-Reihe-eine-schicke-3D-Grafik-515861/
23.10.2006
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2006/10/PCGames_12_06_Anno_1701_RV_2f2sl5_01_b2teaser_169.jpg
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