WoW: Booster-Krieg eskaliert - Spieler soll ins "virtuelle Zeugenschutzprogramm"
Nach Kritik an einem Booster gerät ein WoW-Spieler offenbar ins Visier gezielter Massenmeldungen - und Blizzard kann die Spirale nicht stoppen.
Wenn sich Spieler in einem großen MMORPG wie WoW nicht anständig benehmen, rumstänkern oder gar beleidigen, dann können wir sie innerhalb des Spiels melden und bei genug Meldungen wird derjenige von Blizzard bestraft. In der Regel ist das Erste, dass er automatisch kurze Zeit "stummgeschaltet" wird. Er kann also für diese Zeit nicht mehr mit anderen Spielern kommunizieren.
In der Theorie klingt das alles gut. Doch leider überprüft Blizzard eben jene Meldungen entweder gar nicht mehr oder nur noch sporadisch. Das führt regelmäßig dazu, dass Spieler unberechtigterweise bestraft werden. Besonders gefährlich wird es aber, wenn Spieler das Feature systematisch ausnutzen. Genau das passiert gerade. Mit ernsten Konsequenzen für einen Spieler.
Denn dieser WoW-Spieler hat den "Fehler" gemacht, sich mit einem mehr oder weniger professionellen Booster anzulegen. Der wiederum nutzt jetzt sein Netzwerk an Accounts und Twinks, und ist damit in den Krieg gegen den Spieler gezogen - und trägt dabei scheinbar den Sieg davon.
Mit Dutzenden Accounts meldet er den Spieler immer und immer wieder, was dank des automatisierten Systems eine Strafe nach der anderen nach sich zieht. Der betroffene Spieler wusste nicht mehr weiter und fragte die Community um Rat. Die empfahl ihm, ins virtuelle Zeugenschutzprogramm zu gehen. Doch was war genau passiert? Wir klären euch auf.
WoW: Mythisch-Plus-Spieler legt sich mit Booster an
Eigentlich begann die Geschichte ganz harmlos. Der Spieler Dleduc wollte in den letzten Wochen des aktuellen Patch 12.0.7 noch eine bestimmte Mythisch-Plus-Wertung erspielen. Da er als Heiler keine Meta-Klasse spielt, und auf hohem Niveau unterwegs ist, baute er sich selbst Gruppen via Ingame-Tool.
Dabei wurde er von einem Booster angeschrieben, der ihn durch den gesuchten Schlüsselstein boosten wollte - via Gold oder Echtgeld. Dleduc reagierte darauf etwas forsch (und sicherlich nicht zum 100 Prozent angemessen), dass sich der Booster einen "richtigen Job suchen solle". Damit begann der Ärger.
Anscheinend meldete der Booster den Spieler mehrfach und sorgte so dafür, dass der Spieler immer und immer wieder stummgeschaltet wurde. So wurde es ihm unmöglich, weiter Mitspieler für die Dungeons zu finden. Nachdem sich Blizzard die erste Strafe angeschaut hatte und sie manuell zurücknahm, folgte umgehend die nächste - und so weiter und so fort.
Besonders kurios: Eigentlich sollte das gar nicht funktionieren. Denn Blizzard hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass solche Strafen eigentlich nur von echten Mitarbeitern verhängt werden können. Nur sehr selten käme es maximal zu einer "kurzzeitigen Stummschaltung" auf automatisierter Basis.
Nun. Wir wissen natürlich nicht zu hundert Prozent, ob die Geschichte wahr ist oder an der einen oder anderen Stelle übertrieben wurde. Die Strafen sind zwar übermittelt, aber es ist durchaus möglich, dass es in der Zwischenzeit weitere, undokumentierte Vorfälle gab. Möglicherweise hat sich das Vorgehen bei Blizzard in der Zwischenzeit auch geändert. Wie auch immer, der betroffene Spieler fragte die Community um Rat.
Virtueller Zeugenschutz oder höhere Anforderungen
Neben vielen Diskussionen, wie es dazu kommen konnte, und ausufernder Kritik am Meldesystem, lieferte die Community immerhin zwei konkrete Hilfen - wobei wohl nur eine wirklich in Betracht kommt.
Denn die Idee, seinen Battletag zu ändern, den Charakternamen zu wechseln, auf einen anderen Server zu ziehen und alle Logs und Einstellungen im Battle.net auf privat zu stellen, gleicht eher einem virtuellen Zeugenschutzprogramm und dürfte wohl unrealistisch für jeden sein, der WoW (jetzt kaufen ) nicht vollkommen allein spielt.
Die zweite Idee ist da schon eher praxisrelevant. Das System der Gruppensuche erlaubt es euch nämlich, die Anforderungen, beispielsweise an den M+-Score, so hoch zu stellen, dass die Gruppensuche für fast niemanden mehr zu sehen ist - außer für andere Mythisch-Plus-Profis.
So entzieht sich der Spieler zumindest via Gruppensuche allen Boostern und hoffentlich auch seinem meldenden Gegenspieler. Allerdings hat die Sache einen Schwachpunkt. Wenn der Booster es weiterhin ernst meint, kann er den Spieler auch direkt melden - ohne dabei die entsprechende Gruppensuche sehen zu müssen.
Blizzard muss reagieren
Das Beispiel zeigt erneut deutlich, wie dringend Blizzard endlich das Meldesystem überarbeiten muss. Dabei geht es nicht mal darum, dass sich ein Game Master jede einzelne Meldung anschauen muss - das ist leider vollkommen unrealistisch. Aber es braucht mehr Sicherheitsnetze.
Warum agiert das System scheinbar autonom, nachdem Spieler A im Anschluss an einen Freispruch erneut von den gleichen anderen Accounts gemeldet wurde? Warum funktioniert das Massenmelden von zusammenhängenden Accounts überhaupt? Warum gibt es keine relevante Sperre oder Strafe für die Accounts, die grundlos gemeldet haben - und wenn es nur der Entzug der Möglichkeit ist, diesen anderen Spieler weiterhin zu melden?
Es gäbe Dutzende Möglichkeiten, das Meldesystem in WoW zu verbessern. Bisher ruht sich Blizzard aber auf einer uralten Technologie aus und zeigt keine Anzeichen, hier nachzubessern oder etwas grundlegend zu ändern. Schade eigentlich. Denn damit könnte man sich jede Menge Ärger ersparen, oder denkt ihr anders?
