Noch nie haben so viele Entwickler an WoW gearbeitet! Interview mit Holly Longdale

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Special Karsten Scholz - Redakteur Philipp Sattler - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Noch nie haben so viele Entwickler an WoW gearbeitet! Interview mit Holly Longdale
Quelle: Blizzard

Kollege Philipp hatte auf der BlizzCon 2023 die Möglichkeit, mit Holly Longdale (Vice President und Executive Producer für WoW) über die Warcraft-Franchise allgemein und World of Warcraft im Speziellen zu sprechen. In diesem Artikel fassen wir euch die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Kollege Philipp hatte auf der BlizzCon 2023 die Möglichkeit, mit Holly Longdale (Vice President und Executive Producer für WoW) über die Warcraft-Franchise allgemein und World of Warcraft im Speziellen zu sprechen. Auf den Tisch kamen dabei Fragen zur Ausweitung der Marke auf andere Genres, zu Warcraft 4, die drei neuen Erweiterungen, die Rückkehr von Chris Metzen und mehr. Im Folgenden fassen wir euch die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Holly Longdale über die Zukunft von Warcraft

Zuerst wollte Philipp wissen, ob es Pläne gibt, die Warcraft-Franchise noch auf andere Genres auszuweiten. Schließlich gibt's mit Chris Metzen jetzt jemanden, der sich in Zukunft kreativ um die Ausrichtung von Warcraft kümmern soll.

  • Holly: Bei Warcraft handelt es sich um eine Franchise und das Ziel von Blizzard ist es, dass es für jeden auf der Welt irgendeine Art von Anknüpfungspunkt für das Warcraft-Universum gibt. Daher wird natürlich auch viel darüber gesprochen, was möglich ist. Noch mehr, seit der jüngsten Verpflichtung (Metzen). Es gibt viele Ideen, keine NoGos. Über konkrete Dinge können die Entwickler jetzt aber noch nicht sprechen.

Philipp sprach mit Holly Longdale (Vice President und Executive Producer für WoW) über die Zukunft von Warcraft. Quelle: Blizzard Philipp sprach mit Holly Longdale (Vice President und Executive Producer für WoW) über die Zukunft von Warcraft. Mit seiner zweiten Frage will Phil wissen, ob die Entwickler sich keine Sorgen machen würden, dass man mit all den verschiedenen WoW-Versionen die Warcraft-Community in zu viele kleine Teile aufsplitten könnte, sodass am Ende keine WoW-Version mehr von ausreichend vielen Spielern gespielt wird.

  • Holly: Was das angeht, waren Classic, Classic Hardcore und die Saison der Meisterschaft eine Art erste Experimente und bisher können die Entwickler das Fazit ziehen, dass so eine Aufsplittung der Community nicht erfolgt ist, was gleichzeitig wundervoll, aber auch bizarr ist. Sprich: Als zum Beispiel die Hardcore-Server live gegangen sind, hatte das keine spürbaren Auswirkungen auf die anderen WoW-Versionen. Mit der Saison der Entdeckungen geht's jetzt darum, mal etwas ganz Neues mit Classic zu machen. Klar, alle sprechen immer von Classic+. Das Problem daran ist jedoch, dass die Vorstellung von Classic+ da draußen extrem unterschiedlich sind, abhängig davon, wen man fragt. Also halten die Entwickler mit der zweiten Saison jetzt erneut den Zeh ins Wasser, um zu schauen, ob diese Variante von Classic den Spielern gefällt. Die Saison der Entdeckungen ist etwas, das eine bestimmte Zielgruppe ansprechen wird. Genau wie Classic Hardcore genau die Leute anspricht, die Lust auf genau so eine Spielerfahrung haben. Solange diese Versionen gespielt werden und solange es keine Anzeichen dafür gibt, dass der Community geschadet wird, wollen die Entwickler diesem Pfad weiter folgen.

Also könnten die saisonalen Server den Weg für eine umfassende Classic-Plus-Variante von WoW bereiten, möchte Phil wissen.

  • Holly: Wir probieren derzeit einfach Dinge aus. Experimentieren mit dem, was im modernen WoW und in Classic möglich ist, was den Spielern Spaß machen könnte. Dabei geht's nicht darum, auf ein entferntes Ziel zuzusteuern, sondern es geht darum, dass die Spieler das Team mit ihrem Feedback leiten. Gerade Classic dreht sich nur darum. Wenn sich auf diesem Weg herausstellen sollte, dass ein großer Teil der Community genau diese eine Variante von Classic+ will, dann werden auch die Entwickler bereit sein, sich voll darauf zu konzentrieren und ihren Einsatz verdoppeln.

Es wird derzeit also in keiner Ecke des Studios heimlich an einer Classic-Plus-Variante gearbeitet, sondern das sind nur Gedankenspiele, hakt der Kollege nach.

  • Holly: Nein, wir arbeiten nicht daran. Die Herausforderung ist es, dass niemand genau weiß, wie Classic+ überhaupt im Detail aussieht, weil jeder andere Vorstellungen davon hat. Blizzard hat die Community gefragt, und die Antworten fielen so unterschiedlich aus. Im Kern geht's einfach darum, Classic zu nehmen und damit etwas Neues zu machen. Die Saison der Entdeckungen ist ein erster Schritt in diese Richtung. Abhängig davon, wie diese Variante ankommen wird, wird der weitere Weg ausfallen.

Mit der nächsten Frage kehrt Phil zur Aussage von Holly zurück, dass sich die unterschiedlichen WoW-Versionen nicht kannibalisieren würden. Aus welchen Daten wird diese Erkenntnis im Detail gewonnen? Wie Daten-getrieben sind die Entscheidungen der Blizzard-Entwickler, wenn es um WoW geht?

  • Holly: Die Entwickler folgen den Daten nicht blind, aber sie nutzen sie natürlich, um daraus dann die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wichtig ist das zum Beispiel, wenn in Classic oder im modernen WoW etwas Neues ausprobiert wird, für ganz unterschiedliche Spielertypen. Dann kann man sich danach die Daten anschauen und sehen, wie die Implementierungen bei welchen Spielern wie gut ankommen. Teils widersprechen die Daten dabei den wenigen, aber lautstarken Kritikern in den Foren oder auf Social Media. Die Daten geben den leisen Spielern eine Stimme, die ebenfalls gehört werden will. Wenn die Entwickler also sagen: Wir hören euch und euer Feedback, dann meinen sie nicht nur: "Wir lesen eure Kommentare." Sondern auch: "Wir verfolgen mit unseren Daten, wie ihr unsere Spiele spielt, und dann ziehen wir auch daraus unsere Schlüsse." Jede Stimme ist wichtig. Nur auf einzelne Stimmen zu hören, kann jedoch auch schaden. Daher ist es wichtig, die Stimmen mit den Daten zu vereinen.

Philipp fragt sich, warum es keine Spur von einem Warcraft 4 gibt. Lohnen sich Echtzeitstrategiespiele heute nicht mehr? Ist der Respekt zu groß, einen Nachfolger für Warcraft 3 zu entwickeln? Passt so ein Spiel einfach nicht in die Gesamtstrategie des Unternehmens?

  • Holly: Was die Warcraft-Franchise angeht, fokussieren wir uns derzeit auf World of Warcraft (jetzt kaufen ) und Warcraft Rumble. Von diesen beiden Spielen möchten wir die Aufmerksamkeit nicht wegziehen. Dazu kann John Hight aber sicherlich mehr sagen. Und wir unterstützen Warcraft 3: Reforged weiter. Für das kommende Jahr planen wir mehrere Updates. Grundsätzlich gilt aber: Wir sind für alles offen.

Kommen wir zu dem, was angekündigt wurde: Gleich drei WoW-Erweiterungen auf einen Schlag. Ein Novum. Warum diese Art der Ankündigung?

  • Holly: Wir wollen ein Ausrufezeichen setzen und allen Fans von WoW zeigen, dass sie sich auf die kommenden Jahre freuen können. Was die Story angeht, aber auch mit Blick auf die geplanten Features. Und auch, was das Tempo angeht, in dem die neuen Inhalte auf den Liveservern landen werden. In den vergangenen 20 Jahren wurden so viele Abenteuer bestanden und Geschichten erzählt, doch gibt es auch eine ganze Reihe von Story-Fäden, die bisher nicht auserzählt wurden. Mit dem anstehenden Jubiläum möchte das Team viele dieser Fäden aufnehmen und zu einem Ende bringen. Wir kehren also zu alten, beliebten Charakteren zurück, zu den Wurzeln von WoW. Und wissen dabei schon jetzt genau, was im Laufe dieser drei Erweiterungen im Detail passieren wird. Das gab's über so einen langen Zeitraum bisher nicht. Es ist also alles thematisch miteinander verwoben.

Was bedeutet genau, dass Inhalte schneller auf die Server kommen sollen, will Philipp wissen. Erwarten uns schneller Addon-Zyklen mit weniger Inhalten? Schnellere Addon-Zyklen mit so vielen Inhalten wie zuletzt?

  • Holly: Unterm Strich wird es wohl so viel sein, wie ein Spieler von WoW es wohl von einer Erweiterung erwarten würde. Die Entwickler werden jedoch einige neue Sachen in der Zukunft ausprobieren. Neuerungen, die die Kern-Inhalte eher umgeben und unterstützen, und hier könnte der Umfang anders ausfallen als gewohnt.

Ob sich die frühzeitige Konzeptionierung der drei Erweiterungen nur auf die Story oder auch auf andere Bereiche der Entwicklung auswirkt, möchte Phil wissen.

  • Holly: Sicherlich. Im vergangenen Jahr hat Blizzard bekanntlich das Studio Proletariat übernommen. Damit arbeiten derzeit zwei große Teams an der modernen Version von World of Warcraft. Zeitweise an unterschiedlichen Erweiterungen. Seit einiger Zeit aber fokussiert an The War Within. Später werden sich die Teams wieder aufteilen, sodass es möglich ist, bei der Entwicklung kommender Inhalte größere Fortschritte in kürzerer Zeit zu erzielen, als es früher der Fall war. Die enorme Investition in das Team wirkt sich also aus. Und diese Zusammenarbeit ist natürlich ein stetiger Prozess, der immer weiter verbessert werden kann. Dazu kommt dann noch das dritte Team, dass sich um die neuen Inhalte für die aktuelle Erweiterung kümmert. Auch das wurde ausgebaut.

Phil möchte gerne die genaue Zahl der Entwickler wissen, die an World of Warcraft aktuell arbeiten.

  • Holly: Die genaue Zahl steht unter "Darf ich nicht sagen". Aber es ist sicherlich das größte Team, das bisher an World of Warcraft gearbeitet hat.

Chris Metzen ist zurück, stellt Phil schlau fest. Wie wirkt sich die Rückkehr des Urgesteins konkret auf die Entwicklung an der Warcraft-Franchise aus?

  • Holly: Es ist so cool, wieder den Mann im Team zu haben, der Warcraft gecraftet hat. All das Wissen. So viele Dinge laufen nun besser zusammen. Wenn jetzt jemand wissen will, was hinter diesem oder jenem steckt, kann er einfach zur Quelle gehen und ihn fragen und muss keine Vermutungen anstellen oder irgendetwas hineininterpretieren. Das Team an und für sich ist so talentiert. Aber Chris bringt, gerade auf dem Franchise-Level, noch einmal ein ganz besonders einzigartiges Talent mit, das es ihm ermöglicht, alles zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Dass Chris zurückgekommen ist, zeigt dem Team, dass man auf dem richtigen Weg ist, dass man an etwas arbeitet, an das auch Chris glaubt. Jeder möchte jetzt umso mehr sein Bestes geben, allein, um Chris nicht zu enttäuschen. Er liebt diese Franchise so sehr. Allein dabei zuzusehen, wie er und das Team sich für die drei Erweiterungen gemeinsam Ideen für die Storys zugeworfen haben, war so eine spaßige Erfahrung.

Blizzard will in Zukunft wieder verstärkt auf Features setzen, die über die einzelnen Erweiterungen hinaus eine Rolle spielen, und damit das Feedback vieler Spieler umsetzen. Doch gibt's die Kritik an reinen Erweiterungs-Features und "Geliehene Macht"-Systemen ja schon lange. Warum jetzt? Warum mit The War Within?

  • Holly: Dem Team standen in der Vergangenheit nicht immer die notwendigen Ressourcen zur Verfügung, um sämtliches sinnvolles Feedback aus der Community zeitnah umzusetzen. Oft muss man Prioritäten setzen. Die Liste an Spielerwünschen ist lang. Teils sind die Features, für die man sich entscheidet, sehr aufwendig in der Umsetzung, etwa das Drachenreiten von Dragonflight. Was die kommenden Erweiterungen angeht, steht aber bereits fest, welche Kern-Features mit The War Within, Midnight and The Last Titan kommen sollen.
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