Werk ohne Autor: Filmrezension zum aufwendigen Drama
Das Rennen um die deutsche Einreichung bei den Oscars konnte "Werk ohne Autor" für sich entscheiden. Dabei setzte er sich gegen vielversprechende Konkurrenten durch. Darunter nicht nur Michael Bully Herbigs DDR-Flucht-Drama "Ballon", sondern auch der grandiose Dreigroschenfilm Brechts "Mackie Messer". Ob die von German Films auserkorene Jury die richtige Entscheidung getroffen hat, erfahren wir erst im Februar.
Sein Kinoerstling Das Leben der Anderen bescherte Florian Henckel von Donnersmarck viel Kritikerlob und einen Oscar, wohingegen der Hollywood-Thriller The Tourist einhellig als vermurkst kritisiert wurde. Sein dritter, erneut Oscar-nominierter Film Werk ohne Autor (jetzt kaufen 9,99 € ) spaltet die Kritikerzunft nun sehr. Kein schlechtes Zeichen, denn was polarisiert, trifft wohl einen Nerv.
Zunächst sollte man Donnersmarck für den ambitionierten Ansatz des Dreistünders Respekt zollen: Das lose an die Biografie von Gerhard Richter angelehnte Künstlerdrama spielt zwischen 1937 und 1966 im Dritten Reich, der DDR und der BRD. Im Zentrum steht der junge Maler Kurt Barnert (Tom Schilling). Dieser knabbert lebenslang am Verlust seiner Tante Elisabeth (Saskia Rosendahl), die als Psychiatriepatientin von den Nazis ermordet wurde. Anfang der 50er-Jahre kommt Kurt in der DDR mit der Modestudentin Ellie (Paula Beer) zusammen, deren Über-Vater der reiche Gynäkologe Seebald (Sebastian Koch) ist. Was Kurt nicht ahnt: Als Befürworter der Nazi-Euthanasie schickte Seebald Elisabeth höchstpersönlich ins Gas ...
Zwischenzeitig avanciert Werk ohne Autor zum psychologischen Thriller, doch in erster Linie geht es darum, wie Kurt im Kontext dreier Politsysteme und privater Verstrickungen eine Künstlerstimme findet. Donnersmarck inszeniert zurückhaltend, teils bieder, schafft durch die Übersichtlichkeit jedoch die Basis für kleine Beobachtungen, die Bände sprechen. Einige Szenen, darunter ein Gang in die Gaskammer, und der von Max Richters Score beförderte Hang zum Kitsch fallen streitbar aus. Auch die Tatsache, dass Paula Beer etliche Nacktauftritte absolviert, die in Richtung Altherrenphantasie tendieren, liefert Diskussionsstoff. Unterm Strich erzählt Donnersmarck aber eine spannende, stark besetzte und trotz Überlänge bündig erzählte Lebensgeschichte, die an klassische 50er-Melodramen erinnert.
FAZIT:
Das groß angelegte und aufwendig produzierte Drama führt durch drei Jahrzehnte deutscher Geschichte und haftet lang im Gedächtnis.
