Warum Owlcat gerade die besten Warhammer-40k-RPGs macht

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Kolumne Tanja Barth - Redakteurin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Warum Owlcat gerade die besten Warhammer-40k-RPGs macht
Quelle: Owlcat Games

Warhammer 40k ist längst mehr als ein Nerd-Thema mit Miniaturen und dicken Regelbüchern. Doch während viele Spiele vor allem Bolter, Banner und epische Schlachten zeigen, blickt Owlcat hinter die Fassade des Imperiums.

Warhammer 40k ist in der Videospielbranche längst angekommen. Mittlerweile gibt es unzählige Games, in denen ihr euch durch das 41. Jahrtausend ballert, metzelt, taktisch austobt oder als übermächtiger Space Marine ganze Horden von Xenos und Ketzern zerlegt. Gerade Spiele wie Space Marine zeigen, wie gewaltig, brachial und heroisch dieses Universum sein kann.

Warhammer ist längst in der Popkultur angekommen. Trotzdem gibt es eine Seite von 40k, die vor allem alte Hasen bis heute besonders fasziniert: Was passiert eigentlich unter all den großen Schlachten, heiligen Bannern und donnernden Boltern?

Die meisten 40k-Storys zeigen Kathedralen, Banner, barocke Rüstungen und Schlachtfelder voller Feuer und Stahl. Was dabei aber manchmal untergeht: Das Imperium ist kein strahlendes Heldenreich. Es ist dreckig, grausam, fanatisch und an vielen Stellen längst innerlich verrottet.

Genau hier setzt Owlcat Games an. Mit Warhammer 40.000: Rogue Trader (jetzt kaufen 59,99 € ) und dem kommenden Dark Heresy macht das Studio nicht einfach nur Warhammer-Rollenspiele. Es konfrontiert Spieler mit der bitteren und brutalen Realität des Imperiums.

Und genau das scheint vor allem bei Warhammer-Fans gut anzukommen, die mehr sehen wollen als die glänzende Posterboy-Fassade der Space Marines. Rogue Trader hat inzwischen mehr als zwei Millionen Exemplare auf PC und Konsolen verkauft. Für ein komplexes, textlastiges RPG in einem so finsteren Universum ist das ein starkes Stück. Es gibt also ein großes Publikum für Warhammer-Geschichten, die nicht nur ballern, sondern auch unter die Haut gehen.

Rogue Trader ist längst mehr als ein Geheimtipp: Die Verkaufszahlen zeigen, wie groß die Fangemeinde inzwischen geworden ist. Quelle: Owlcat Games Rogue Trader ist längst mehr als ein Geheimtipp: Die Verkaufszahlen zeigen, wie groß die Fangemeinde inzwischen geworden ist.

Owlcat schaut dahin, wo andere Warhammer-Spiele wegsehen

Viele Warhammer-40k-Spiele drehen sich um den großen Moment der Schlacht. Das ist verständlich, denn kaum ein Universum kann Krieg so übertrieben, finster und ikonisch inszenieren wie Warhammer. Space Marines krachen aus Landungskapseln, Orks brüllen ihr WAAAGH!, Tyraniden fluten den Bildschirm, Chaos Space Marines stapfen wie lebende Albträume durch gotische Ruinen.

Während SEGA, King Art Games und Co. alles daransetzen, Warhammer 40k so groß und brachial wie möglich auf dem Schlachtfeld zu inszenieren, geht Owlcat einen anderen Weg. Das Studio interessiert sich für die Fragen, die oft davor oder danach kommen: Was passiert eigentlich vor der Schlacht? Wer entscheidet, was mit einem Planeten nach dem Sieg geschieht? Wer schickt Millionen Soldaten in den Tod? Und wer fällt das Urteil, wenn sich Schuld und Unschuld plötzlich nicht mehr sauber voneinander trennen lassen?

Ich durfte mit Anatoly Shestov, dem Executive Producer von Owlcat, und seinem Team über genau diesen Ansatz sprechen. Und dabei hat Shestov ziemlich gut auf den Punkt gebracht, warum sich Rogue Trader und Dark Heresy so anders anfühlen als viele andere 40k-Spiele:

"Wir wollen über Dinge sprechen, die nicht auf dem Schlachtfeld passieren, sondern bevor die Schlacht überhaupt beginnt oder nachdem sie vorbei ist."

Das klingt erst einmal weniger spektakulär als ein Space Marine, der sich mit dem Kettenschwert durch eine Tyranidenmeute metzelt. In Wahrheit steckt aber genau darin das Grimdark-Gefühl von Warhammer 40.000. Das Imperium ist nicht nur brutal, weil es Krieg führt. Es ist brutal, weil Grausamkeit dort längst zum Alltag gehört und tief in den Köpfen seiner Bürger verankert ist. Und genau in diesen moralischen Höllenkessel wirft Owlcat die Spieler hinein.

Als Freihändler bekommt ihr unheimlich viel Macht und eine Freiheit, von der die übrigen Bürger des Imperiums nur träumen können. Quelle: Owlcat Games Als Freihändler bekommt ihr unheimlich viel Macht und eine Freiheit, von der die übrigen Bürger des Imperiums nur träumen können.

Rogue Trader gibt euch Freiheit und macht sie gefährlich

Auf den ersten Blick wirkt Rogue Trader natürlich wie eine Machtfantasie. Ihr habt einen fast heiligen Status, ein eigenes Schiff, eine eigene Crew, Einfluss, Reichtum und das Recht, weit jenseits der normalen imperialen Grenzen zu handeln. Ihr seid kein Soldat im Schützengraben und kein winziges Rädchen in der imperialen Maschine. Ihr seid jemand, der über das Schicksal ganzer Welten entscheiden kann.

Durch einen Wink des Schicksals fällt dem Spieler also enorme Macht in die Hände. Doch genau darum geht es Owlcat nicht nur. Shestov sagt:

"Für mich persönlich ist Rogue Trader kein Spiel über Macht. Es ist ein Spiel über Freiheit."

Das ist ein wichtiger Unterschied. Macht ist in Rogue Trader nur das Werkzeug. Die eigentliche Fantasie liegt darin, dass ihr euch in einem Universum voller Dogmen, Vorschriften und kaputter Moral plötzlich erstaunlich frei bewegen könnt.

Das Imperium wirkt monumental und ehrfurchtgebietend, ist unter all dem Gold und Stein aber brutal, düster und schmutzig. Quelle: Games Workshop Das Imperium wirkt monumental und ehrfurchtgebietend, ist unter all dem Gold und Stein aber brutal, düster und schmutzig. Ihr könnt verhandeln, vernichten, ausbeuten, rebellieren oder euch voll und ganz dem Imperium hingeben. Aus unserer heutigen Sicht klingt das vielleicht nicht nach der großen Freiheit. In der düsteren Zukunft des 41. Jahrtausends ist es aber fast das Größte, was ein einzelner Mensch überhaupt bekommen kann.

Genau hier wird Rogue Trader besonders spannend. Denn wir betreten dieses Universum natürlich mit unseren heutigen Moralvorstellungen. Wir wollen helfen, fair sein, Leid verhindern und vielleicht sogar ein bisschen Menschlichkeit in diese grausame Welt bringen. Nur funktioniert Warhammer 40.000 eben nicht nach unseren Regeln.

Viele Spieler, die vom Grimdark dieses Universums fasziniert sind, werden in Rogue Trader schnell mit dem wahren Gesicht des Imperiums konfrontiert. Und das oft auf unangenehme Weise. Das Netz ist voller Kommentare von geschockten Spielern, die feststellen mussten, dass Güte und Freundlichkeit im Spiel nicht automatisch belohnt werden. Im Gegenteil: Wer zu barmherzig handelt, erntet oft Argwohn, Hass oder Misstrauen.

Gerade dadurch zeigt Rogue Trader das Imperium aber so gut. Freiheit bedeutet in Warhammer 40.000 nicht automatisch, dass man gute Dinge tut. Sie bedeutet nur, dass man mehr Spielraum bekommt. Mehr Spielraum für Entscheidungen, mehr Spielraum für Schuld und mehr Spielraum für Konsequenzen, die ganze Welten ins Verderben reißen können.

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  3. Seite 3 Dark Heresy wird noch düsterer
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