Viewfinder im Test: Ist es ein neues Portal?
Flache Bilder werden zur Realität! Mit dieser Grundidee begeistert Viewfinder, doch kann das Spiel auch auf Dauer begeistern? Wir klären es im Test!
Eine üppige und magische Welt, voller Geheimnisse und witziger Ideen. Ein Spiel, das in seinem Einfallsreichtum Portal Konkurrenz macht und sein Spielprinzip in allen Rätseln bis aufs Letzte ausreizt. So präsentierte sich das Puzzlespiel Viewfinder in seinen Trailern und der Pre-Release-Demo. Die Vollversion stellt eure Wahrnehmung allerdings auf den Kopf. Viewfinder spricht nämlich abseits vom Gameplay ein wichtiges gesellschaftliches Thema an, das euch vielleicht die Perspektive wechseln lässt.
Alles Ansichtssache? Das ist das Spielprinzip in Viewfinder (jetzt kaufen 22,49 € ). Mit eurer Sofortbildkamera manipuliert ihr die Welt um euch herum und verdreht dabei Raum und Zeit. Die Grundlage ist immer ein Bild, das per Tastendruck zur Realität wird. Der exakte Moment, der auf dem Bild eingefangen ist, manifestiert sich in eurer Gegenwart. Das schließt auch auf Fotos abgebildete Geschehnisse ein, zum Beispiel das Ablaufen eines Timers. Ihr werdet immer wieder aufgefordert, in 4D zu denken. Dabei müsst ihr beachten, dass sich ein zweidimensionales Bild dennoch in die Tiefe erstreckt und somit euren einzigen Ausgang zerstören kann. Aber auch, dass Objekte, die in einem Bild auf dem Kopf stehen, herunterfallen. Denn natürlich könnt ihr die Bilder drehen und zum Beispiel eine Hausfassade in eine Brücke verwandeln.
Die obskure Kamera
Euer wichtigstes Werkzeug ist die magische Polaroid-Kamera, die ihr früh im Spiel findet. In den Levels sind immer wieder Fotos, Gemälde und auch Screenshots aus Videospielen versteckt. In den meisten Fällen müsst ihr die Bilder für die Lösung eines Rätsels benutzen. Manchmal dienen sie aber auch einfach nur als Gags, die euch zum Schmunzeln bringen sollen.
An einer Stelle findet ihr etwa ein Bild eines Tamagotchis, um das ihr euch kümmern könnt, damit es wächst. Seid ihr immer neidisch, wenn euch Freunde Ansichtskarten aus dem Urlaub schicken, weil ihr dort auch gerne wärt? Hier könnt ihr einfach in den Urlaub hineinlaufen! In den ersten Abschnitten des Spiels findet ihr häufig kleine Späßchen. Später nimmt die Frequenz ab, was schade ist, denn hier hätte man sich richtig kreativ austoben und eventuell sogar Minispiele einbauen können.
Gelegentlich streut Viewfinder zerschnittene Bildtafeln ein, vor die ihr euch im richtigen Winkel hinstellen müsst, um die Szene zusammenzufügen. Oder ihr müsst drei Schalter betätigen, um aus farbigen Teilen den nächsten Abschnitt freizuschalten. Später im Spiel trefft ihr auf ein paar wenige Levels, in denen ihr durch Filterportale laufen müsst, um Barrieren zu entfernen und Brücken erscheinen zu lassen.
Das dient aber nur zur Auflockerung, denn die meiste Zeit knipst ihr Fotos und dreht die Bilder in die richtige Position, um zum Ausgang zu kommen. Größtenteils müsst ihr dafür Schalter umlegen oder Batterien für die Level-Portale herumschleppen und vervielfältigen. Das erledigt ihr mobil mit der Handkamera und mit statischen Fotostationen, die euch die Perspektive vorgeben. Generell setzt Viewfinder im Spielverlauf zur Steigerung des Schwierigkeitsgrads eher darauf, euch Dinge wegzunehmen, als neue Features vorzustellen. So könnt ihr etwa blaue Strukturen und Objekte nicht mehr in Fotos einfangen, wodurch eure Wege ans Ziel stark eingeschränkt werden und es am Ende oft nur eine Lösung gibt.
Filter der Realität
Viewfinder ist trotz seiner fantastischen Grundidee und den daraus entstehenden kreativen Möglichkeiten ein eher einfaches Rätselspiel. Die Mechaniken für die Manipulation von Zeit und Raum versteht ihr in Nullkommanichts. Solltet ihr doch mal vor einer kniffligeren Situation stehen, dürft ihr herumprobieren, soviel ihr möchtet. Denn auch, wenn viele Levels darauf aufgebaut sind, dass eure Möglichkeiten beschränkt sind - zum Beispiel, wenn ihr nur eine begrenzte Anzahl an Fotos schießen dürft - könnt ihr doch permanent in der Zeit zurückreisen und es erneut versuchen. Ihr dürft direkt zu wichtigen Punkten springen und müsst nicht ewig die Stelle suchen, an der ihr einen Fehler gemacht habt.
Quelle: PC Games
Auf schwierigere Situationen werdet ihr im Verlauf der Handlung aber selten treffen. Dafür gibt es optionale Aufgaben, in denen ihr öfter um die Ecke denken müsst. Meistert ihr diese Levels, gibt es zusätzliche Filter für eure Sofortbildkamera als Belohnung, die eure Fotos und somit auch die dadurch generierten Welten in den verschiedensten Farben einpinseln.
