Viewfinder im Test: Ist es ein neues Portal?
Flache Bilder werden zur Realität! Mit dieser Grundidee begeistert Viewfinder, doch kann das Spiel auch auf Dauer begeistern? Wir klären es im Test!
Sammelkram darf natürlich nicht fehlen. In vielen Levels könnt ihr Kühlschrankmagnete, Mahjongsteine, Quietscheenten und Miniaturplaneten finden. Komplettiert ihr ein Set, winkt ein weiterer Fotofilter. Die Objekte stellen die Lieblingsgegenstände der Erbauer dar, um die sich die Geschichte von Viewfinder dreht, denn ja, das Spiel hat auch eine Story!
Geschichte in Bildern
Wenn ihr euch die ganze Zeit nämlich gefragt habt, in was für einer abgedrehten Welt ihr euch befindet, wo diese absurden physikalischen Spielereien funktionieren, gibt es dafür eine einfache Antwort: Es ist nur eine Simulation. In einer nicht allzu fernen, vielleicht sogar allzu nahen Zukunft hat die Erderwärmung unseren Planeten beinahe unbewohnbar gemacht. Der Himmel ist nicht mehr blau, sondern tiefrot. Menschen müssen mit dem Sauerstoff haushalten und können sich nur noch im Inneren von Gebäuden aufhalten. Bäume gibt es nicht mehr. In dieser düsteren Zukunftsvision sucht ihr nach einer Möglichkeit, die Welt wieder lebenswert zu machen und stoßt auf ein Relikt aus der Vergangenheit. In einer von ihnen simulierten Umgebung suchten Künstler, Ingenieure und Wissenschaftler zu einer Zeit, als die Welt noch nicht untergegangen war, nach einer Lösung für die aufziehende Klimakatastrophe. Ihr wollt natürlich wissen, ob sie eine Antwort gefunden haben und begebt euch in der Simulation auf Spurensuche.
Quelle: PC Games
Auf der Reise durch die künstliche Welt steht euch eine Freundin bei, die über Telefonzellen mit euch Kontakt hält. Außerdem trefft ihr auf eine KI in Katzenform, die euch durch die Welt begleitet und ja, ihr könnt sie auch streicheln. Zusätzlich stolpert ihr an jeder Ecke über Audiologs, die die Erbauer der Welt hinterlassen haben. Alle drei Erzählebenen, egal ob von außen, von innen, oder aus der Vergangenheit, haben trotz des wichtigen Themas erstaunlich wenig zu sagen. Das ist eine verpasste Chance und wirkt aufgesetzt. Die Entwickler wollten Referenzen quer durch die Popkultur einstreuen, ein aktuell essenzielles Thema verarbeiten und zwischenmenschliche Beziehungen ansprechen. Geklappt hat letzten Endes nichts davon so richtig. Hätten sich die Macher nur auf einen Aspekt konzentriert, wären sie in der Lage gewesen, die Erzählung deutlich kohärenter auszuarbeiten. Das Spiel ist komplett Englisch vertont und hat deutsche Untertitel. Notizen in der Spielwelt sind ebenfalls auf Deutsch übersetzt.
Möchtet ihr euch wirklich jeden Audioschnipsel anhören und jede optionale Mission spielen, seid ihr fünf bis sechs Stunden beschäftigt. Ignoriert ihr das Gequassel, seid ihr deutlich schneller durch. Die Missionen sind auf vier Hub-Welten aufgeteilt, die ihr zwischen den Levels erkunden dürft. Thematisch sind sie passend zum jeweiligen Erbauer der Welt gestaltet. In der Welt des Künstlers durchstreift ihr ein ausgefallen designtes Haus und findet Künstlerkram wie Pinsel und Staffeleien. Im Abschnitt der Gärtnerin dreht sich alles um das Thema Natur, während das Hub-Level des Ingenieurs natürlich allerlei Maschinen beherbergt. Jeder Erbauer verleiht der Gestaltung der Levels einen eigenen Touch, doch die Hub-Welten sind an vielen Stellen einfach nur mit Assets zugekleistert. Mit beinahe nichts davon könnt ihr interagieren. Lediglich Sammelgegenstände und sehr wenige Dinge, die ihr immer zum Lösen eines Rätsels braucht, könnt ihr aufheben.
An einer Stelle hatten wir einen kleinen Bug, sodass wir durch eine Ebene der Spielwelt gefallen sind. Sonst war das Spiel aber durchweg sauber programmiert. Die Grafik ist zwar nicht weltbewegend, aber zweckmäßig und an vielen Stellen hübsch.
Viewfinder ist ein tolles Indiespiel, das bei der Erzählung aber nicht genau weiß, wo es hinwill. Die grundlegende Rätselprämisse ist genial und nutzt sich über die kurze Spielzeit auch nicht ab. An manchen Stellen werden Lösungsansätze allerdings wiederholt, was den Knobelspaß ein wenig schmälert. Das Spiel wurde im Vorfeld oft mit Portal verglichen und das Spielgefühl kommt dem Puzzle-Hit von Valve sehr nahe. Wir hoffen, dass Viewfinder auch denselben Schritt wie Portal geht und nach einem sehr kurzen, aber spaßigen ersten Teil, eine richtig tolle Fortsetzung folgen lässt, die die Welt der Rätselspiele revolutionieren könnte.
Viewfinder erscheint am 18. Juli auf dem PC exklusiv über Steam und für die Playstation 5. Möchtet ihr das Spiel auf der PS5 erst einmal ausprobieren, könnt ihr euch die Demo über das PSN herunterladen. Die Demo auf Steam ist derzeit nicht mehr verfügbar. Der Preis für das Spiel von Entwickler Sad Owl Studios und Herausgeber Thunderful Publishing beträgt 24,99 € auf allen Plattformen.
