Verschwörung: Filmrezension zur Romanverfilmung
Stieg Larsson plante eine zehnteilige Reihe über Lisbeth Salander, konnte bis zu seinem Tod aber nur drei vollenden und veröffentlichen. Da er und seine Partnerin nicht verheiratet waren, ginge die Rechte an seinen Notizen an seinen Vater und seinen Bruder über. Man beschloss, einen neuen Autoren zu engagieren, der die Reihe fortsetzen sollte, weil man sich anders nicht so richtig einig wurde. Mit "Verschwörung" kommt jetzt der erste Film über Lisbeth Salander in die Kinos, der nicht auf einer Buchvorlage von Stieg Larsson - sondern von David Lagercrantz - basiert.
Die Millennium-Trilogie des schwedischen Schriftstellers Stieg Larsson war auch auf der Leinwand ein großer Erfolg. 2009 kamen die schwedischen Verfilmungen von Verblendung, Verdamnis und Vergebung ins Kino, 2011 folgte das US-Remake des ersten Teils unter der Regie von David Fincher. Jetzt drückt Sony Pictures den Reset-Knopf und erfindet die Geschichten um die Hackerin Lisbeth Salander und den Journalsten Mikael Blomkvist noch einmal neu.
Die Buchvorlage kommt diesmal von David Lagercrantz, der nach Larssons Tod mit Einwilligung der Erben den vierten Teil der Reihe geschrieben hat. Den Unterschied macht aber vor allem Regisseur Fede Alvarez. Der Uruguayer hat sich mit nur zwei Filmen einen Namen als Horrorspezialist gemacht: mit dem Remake von Tanz der Teufel, Evil Dead, und dem Thriller Don't Breathe. Von Letzterem hat er seinen Kameramann mitgebracht, der für den im wahrsten Wortsinn coolen Look von Verschwörung (jetzt kaufen 11,89 € ) sorgt. Blaugrau und frostig sieht Schweden hier aus, ein Großteil des Films wurde allerdings in den Babelsberger Filmstudios und in Berlin gedreht.
Lisbeth Salander legt sich diesmal mit der NSA an, sie hackt den US-Abhördienst und kommt so einer Verschwörung innerhalb des Auslandsgeheimdienstes auf die Spur. Als sich dann auch noch Frans Balder, ein weltweit anerkannter Experte für künstliche Intelligenz hilfesuchend an sie wendet, spitzt sich die Situation zu. Balder wird ermordet und Salander muss zusammen mit Blomkvist seinen autistischen Sohn schützen - vor einem Feind, den sie nur zu gut kennt: ihrer eigenen Schwester, die einst vermeintlich Selbstmord begangen hatte ...
Der Plot ist diesmal noch mehr auf Lisbeth Salander zugeschnitten und damit auf Golden-Globe-Gewinnerin Claire Foy. Sie überzeugt mit ihrer Interpretation der introvertierten und autarken Außenseiterin mindestens ebenso wie ihre Vorgängerinnen. Dass sie inzwischen ein paar Jahre älter und weniger punkig ist, macht sie zu einer ebenbürtigeren Partnerin für Blomkvist. Zudem kommt die Neuauflage actionreicher und gruseliger daher, hier merkt man die Handschrift von Regisseur Alvarez am stärksten. Salander darf aber auch ihre sensible Seite zeigen, als sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Und auch diese Gradwanderung zwischen Härte und Emotionalität beherrscht die Engländerin Foy perfekt. Das Beste ist jedoch, dass auch wer keinen der anderen Filme gesehen hat, nicht das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben. Dieser Psychothriller ist auch für Nicht-Kenner der Millennium-Reihe sehr spannend.
