PCG on Tour: Zu Besuch bei Gaming Minds in Gütersloh - So entsteht Tropico 7
PCG on Tour in Gütersloh. Wir haben die Entwickler von Gaming Minds besucht und einen Blick hinter die Kulissen der Entwicklung von Tropico 7 geworfen.
In den vergangenen Jahren hat die deutsche Spieleindustrie hauptsächlich mit diversen namhaften Studioschließungen wie bei Piranha Bytes, Gentlymad und Mimimi Games Schlagzeilen gemacht. Aber es gibt nach wie vor eine Reihe alteingesessener Unternehmen, die den stürmischen Zeiten in der Industrie trotzen und seit Jahren in ihrer Nische erfolgreiche Arbeit machen.
Eines dieser Studios ist Gaming Minds Studios aus Gütersloh. Das Studio wurde 2009 vom deutschen Publisher Kalypso aus den Überresten des untergegangenen Ascaron gebildet. Seitdem werkeln im beschaulichen Ostwestfalen weniger als zwei Dutzend Entwickler vorwiegend an Wirtschaftssimulationen wie Port Royale und Railway Empire.
Nun hat das Studio mit Tropico 7 die Verantwortung für eine traditionsreiche Aufbaureihe übernommen. Wir haben das Team in Gütersloh besucht, um uns ein Bild von der Arbeit der Entwickler zu verschaffen, hinter die Kulissen zu schauen und den aktuellen Stand des Spiels zu begutachten.
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Deutsche Entwicklertradition aus Gütersloh
Gaming Minds sitzt in von außen recht unscheinbaren Räumlichkeiten über einem Fitnessstudio. Auch die heutigen Büros der Entwickler gehörten mal zu besagter Muckibude und beherbergten ursprünglich unter anderem Waschräume und die Sauna. Das Team rund um Studioleiter Daniel Dumont hat daraus ein gemütliches, kleines, kreisförmig angeordnetes Studio gemacht. Auf die einzelnen Räume verteilen sich Programmierer, Grafikdesigner, QA-Mitarbeiter und mehr. Geschmückt sind die Räume mit Postern und Vitrinen, die an die bisherigen Werke des Teams erinnern.
Quelle: PC Games
Studioleiter Daniel Dumont (rechts) führt uns durch das Studio. Hier zu sehen: das Reich der Grafik- und Animationsabteilung.
Im Gespräch erklärt uns Studioleiter Daniel Dumont, wie sich Gaming Minds als kleines Unternehmen in seiner Nische im großen Haifischbecken der Spieleindustrie eingerichtet hat:
Ein großer Diskussionspunkt in der deutschen Entwicklerlandschaft ist immer wieder das Thema der Förderung der Industrie durch den Staat. Der deutsche Branchenverband setzt sich seit Jahren für eine Ausweitung der Unterstützung des jeweils gerade zuständigen Ministeriums ein, zum Beispiel durch steuerliche Anreize. Bisher wird aber nur projektbezogen mit festen Beträgen gefördert. Auch Gaming Minds wird bei der Entwicklung von Tropico 7 mit rund zwei Millionen Euro durch den Staat unterstützt.
Aber auch Daniel Dumont wünscht sich eine Verbesserung des Systems:
Quelle: PC Games
An der Wand des Büros von Daniel Dumont hängen zahlreiche Awards, die das Studio mit seinen bisherigen Spielen gewinnen konnte.
Die großen Fußstapfen von Tropico
Nachdem sich das Team von Gaming Minds in den vergangenen Jahren mit Railway Empire hauptsächlich einer eigenen Marke gewidmet hatte, steht es mit Tropico 7 nun vor einer besonderen Herausforderung. Die Aufbaureihe rund um El Presidente und seine karibische Bananenrepublik hat eine lange Tradition und kommt daher mit entsprechenden Erwartungen der Fans. Die Gütersloher sind bereits das fünfte Studio in Verantwortung für ein Tropico.
Zwar werden die Entwickler viele eigene Ideen einbringen, aber Tropico 7 wird auch vieles beibehalten, was die Reihe bisher ausgezeichnet hat. Als wichtigen Grundpfeiler hebt Daniel Dumont da den Humor und die Satire hervor, auf die Tropico seit jeher aufbaut. Nun hat sich die Welt seit dem ersten Teil im Jahre 2001 aber stark verändert und die Satire des Spiels wird teilweise von der Realität überholt. Eine Realität, der sich auch die Entwickler von Gaming Minds stellen müssen.
Quelle: PC Games
Daniel Dumont führt uns an seinem Arbeitsplatz den neuesten Build von Tropico 7 vor und erklärt die verschiedenen Features.
Bauen und Simulation im neuen Tropico
Als Kenner der Reihe erkennt man schon beim ersten Blick auf Tropico 7 sofort, dass es sich um Tropico handeln muss. Den Entwicklern ist es sehr gut gelungen, den etablierten Look wieder einzufangen. Dabei hat das Team von Gaming Minds keine Assets oder Ähnliches von den Vorgängern übernommen und stattdessen alles von Grund auf neu entwickelt.
So erkennen wir bei einer Vorführung des Spiels auch schnell spannende Neuerungen, wie den Wegfall des gewohnten Raster-Systems beim Bauen. Straßen werden nicht mehr nur in 90- und 45-Grad-Winkeln angelegt, sondern können frei durch die Landschaft gezogen werden. Gebäude lassen sich entsprechend daran ausrichten, was ein insgesamt deutlich organischeres Bauen erlaubt. Auch scheint der Straßenbau bequemer von der Hand zu gehen. Hier haben die Entwickler von ihren Erfahrungen beim Gleisbau in Railway Empire profitiert.
Das angesprochene Terraforming ist ebenfalls ein neues Feature im Spiel. El Presidente kann nun buchstäblich Berge versetzen und das Aussehen seines Reiches nach Belieben verändern ... oder zumindest solange die Staatskasse ausreicht. Das Abtragen von Erhebungen oder Aufschütten von Land wird nämlich ein teures Unterfangen.
Quelle: Kalypso Media
Vorbei sind die Zeiten starrer Winkel. In Tropico 7 kann jetzt sehr viel organischer gebaut werden.
Um sich das also leisten zu können, müssen der Staat und damit die Wirtschaft funktionieren. In dem Bereich wird Tropico 7 wieder eine knallharte Simulation, in der wirklich alles individuell berechnet wird. Jeder Bewohner und jede Ware, die Wege, die diese zurücklegen müssen, und so weiter. Dazu verfolgen die Entwickler auch interessante neue Ansätze für die Befriedigung der Bedürfnisse der Untertanen.
Mehr denn je wird es wichtig, darauf zu achten, dass jeder Bewohner keine langen Wege zurücklegen muss. Bedarfsgebäude verfügen jetzt nämlich über ein Einzugsgebiet. Wer außerhalb davon wohnt, wird dieses Gebäude eher nicht aufsuchen. Vorbei also die Zeiten, als Leute unendlich viel Zeit damit verschwendet haben, über die halbe Insel zu latschen, um einen Arzt zu besuchen. Stattdessen müssen wir uns also um eine flächendeckende Versorgung kümmern.
Wie zufrieden die Einwohner mit bestimmten Dienstleistungen sind, hängt zusätzlich auch noch von der Angebotsvielfalt ab. So ist die Nahrungszufriedenheit der Tropicaner zum Beispiel höher, wenn sie sich aussuchen können, ob sie auf einem Markt, in einem kleinen Tante-Emma-Laden oder in einem Supermarkt zum Einkaufen gehen können. Nach diesem Prinzip wird es für viele Bereiche verschiedene Gebäude geben, die die Angebotsvielfalt erhöhen. Ein weiterer Faktor dabei ist die Servicequalität. Hat der Arzt im Krankenhaus schlechte Laune, weil er schlecht bezahlt wird, wirkt sich das auf die Zufriedenheit der Patienten im Bereich der Gesundheitsversorgung aus. Auf der zweiten Seite werfen wir einen Blick auf das neue Politikfeature, sprechen über Motion-Capture und die Arbeit mit der neuen Engine.

Nieder mit diesen ganzen Regimekritikern! Diese Terroristen wollen nur unseren Ferienbetrieb ruinieren, die Lohnkosten steigern, uns damit vom Weltmarkt abschneiden und an der Verschmutzung auf unserer herrlichen Insel sind diese Elemente auch noch schuld.
Viva el Presidente!
Sowas lese ich gerne, vielen Dank! Ich hätte nur eine Anmerkung: Lasst doch das "und wie es weiter geht, lest ihr auf Seite 2, 3 usw." weg. Es stört den Lesefluss und gerät so manchmal sogar ins Heft, nur dort völlig deplatziert, da mitten im Absatz z. B.
"Tropico 4" ist eines meiner Lieblings-RTS. Alle Jahre wieder, auch schon bald 500h.
Auch die "Dungeonsreihe" füllt da eine Lücke, welche das fehlen von Titeln wie "Dungeon Keeper" , "Majesty" oder ein "Evil Genius" gerißen hat. So ein Humor geht heutzutage nicht mehr viel (war auch in "Overlord" etc. drin). Man muß es halt mögen. Generell kann man hier nur gutes Geschäft wünschen.
Es sollte sowieso verpflichtend für Influencias in Deutschland oder Spielepresse etc. sein, daß man sich mehr um die heimische Spieleindustrie/Publisher (Arbeitsplätze, Steuereinnahmen etc.) massiv bemüht und seine Zeit nicht hauptsächlich auf irgendwelche Schinken verwendet, welche gerade aus den USA oder Japan angeschoben werden.
Kleine Korrektur, die Gamesförderung liegt seit dem Regierungswechsel letztes Jahr beim Forschungs-, nicht mehr beim Wirtschaftsministerium.