Titanfall-Vorurteile im Check: Kampagne, Langzeitmotivation und DLCs + Fazit
Jetpacks statt Killstreaks, Titans statt Kampfhunde: Der mit Vorschusslorbeeren überhäufte Multiplayer-Shooter Titanfall glänzt mit mehr Innovationen als die Call of Duty-Spiele der letzten sechs Jahre zusammen. Doch auch nach Release halten sich viele negative Vorurteile in den Reihen der Spieler. Ist Titanfall wirklich nur ein hässlicher Call of Duty-Klon mit dummen Bots? Redakteur Peter Bathge prüft die kursierenden Vorurteile auf ihren Wahrheitsgehalt.
Vorurteil #6: Die Kampagne ist reine Zeitverschwendung!
Jep.
Vorurteil bestätigt!
Vorurteil #7: Electronic Arts als Publisher? Das kann doch nichts werden!
Quelle: PC Games
Die Online-Kampagne mit Mager-Story hätte sich Respawn schenken können.
EA hat sich in den vergangenen Jahren nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert: Dragon Age 2, Dead Space 3, Sim City, Battlefield 4 - die Spieler fanden so manche Gelegenheit, sich lautstark über den Konzern zu beschweren. Trotzdem fährt das Unternehmen immer noch Millionengewinne ein und hat es dadurch so gar nicht nötig, von mir in Schutz genommen zu werden. Ich mach es trotzdem mal, denn was bei Titanfall gerne übersehen wird, ist das spezielle Verhältnis zwischen Entwickler Respawn und Publisher Electronic Arts, das ganz anders aussieht als etwa die Beziehung zwischen den Battlefield-Machern von Dice und EA.
Während Dice mittlerweile ein EA-Studio ist, also dem in Spielerkreisen so verhassten Spielekonzern gehört, beschränkt sich die Geschäftsbeziehung von EA und Respawn Entertainment derzeit ausschließlich auf den Vertrieb von Titanfall und möglicherweise dessen Nachfolger. Respawn ist weiterhin ein unabhängiges Studio und steht somit nicht unter EAs Knute, lässt sich also vermutlich von EA auch nicht so einfach in interne Prozesse reinreden. Wer an einem weiteren Indiz für den geringen Einfluss von EA auf Respawn interessiert ist, könnte die Meldung über die Notwendigkeit von Microsofts Eingreifen zur finanziellen Absicherung der Titanfall-Entwicklung als ein solches werten. Auch Respawns vergleichsweise kundenfreundliche DLC-Politik mit kostenlosen Spielmodi-Neuzugängen (siehe Punkt 10) deutet darauf hin, dass EA den Entwicklern nicht alles haarklein vorgibt und/oder vorgeben kann.
Davon abgesehen muss man schon ein ganz schöner Hater sein, um pauschal alle Spiele zu verteufeln, die von einem bestimmten Unternehmen vertrieben werden. Aber das hat ja im Internet-Zeitalter noch nie jemanden aufgehalten ...
Vorurteil entkräftet!
Vorurteil #8: Titanfall bietet null Langzeitmotivation!
Quelle: PC Games
Die Burn Cards verleihen den Gefechten eine Prise Taktik, verleihen sie doch der Spielfigur bis zum nächsten virtuellen Tod einen besonderen Bonus.
20-30 Stunden lang ist Titanfall ein großer Spaß, für mich persönlich sogar einer der unterhaltsamsten Multiplayer-Shooter seit den Tagen der Unreal Tournament- und Quake-Reihe. Dann erreicht man das Ende der Level-Fahnenstange und schaltet mit der Maximalstufe alle Fähigkeiten sowie Ausrüstungsgegenstände frei. Dass dieser Zeitpunkt vergleichsweise früh kommt, nehmen viele Spieler zum Anlass, Titanfall für seine mangelnde Langzeitmotivation zu kritisieren. Ich meine: Das ist ein absurdes Argument!
Das Level-up in Online-Shootern ist eine Mechanik, die wir dem Erfolg von Rollenspielen, den wissenschaftlichen Studien zur durch Belohnungen erzielten Dopamin-Ausschüttung im Spielerhirn und wie so vieles auch Call of Duty: Modern Warfare zu verdanken haben. Sie führt neben dem eigentlichen Gameplay eine zweite Spiel- und Leistungsebene ein: die des anwachsenden Erfahrungsbalkens. Das Problem dabei: Die Befriedigung durch neue freigeschaltete Goodies gibt dem Spieler zwar einen kurzweiligen Motivationsschub. Sie entwertet aber zugleich das, was eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte - den Online-Wettstreit mit anderen Spielern. Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Mann gegen Frau, Frau gegen 13 Jahre altes CoD-Kiddie, wie auch immer. Die eigenen Fähigkeiten sollten im Mittelpunkt stehen, nicht wer welche Waffe freigeschaltet hat und dadurch einen leichten Vorteil besitzt.
Quelle: PC Games
Eine der wenigen tollen Modi-Ideen: Als Verlierer mit dem Dropship aus der Kampfzone fliehen. Bitte mehr davon!
Titanfall geht hier einen altmodischen Weg, gibt dem Spieler sehr schnell Zugang zu allen Handwerkszeugen und erwartet dann, dass er sich den Spielspaß schon selbst gestaltet, anstatt nur stur auf den nächsten Levelaufstieg hinzuarbeiten. Es kann sein, dass Entwickler Respawn in diesem Punkt die Zielgruppe überschätzt hat. Ich glaube: Nach Jahren des Auflevel-Wahns sind wir Spieler es gar nicht mehr gewohnt, ein Spiel nur des Spaßs wegen zu spielen. Wir brauchen immer irgendein Ziel, müssen den Erfahrungspunktebalken wachsen sehen und mit neuen Unlocks bei Laune gehalten werden. All das bietet Titanfall nur in beschränktem Maße und macht daher unter Umständen den Eindruck, wenig Umfang zu bieten. Dabei enthält das Spiel satte 15 Maps! Counter-Strike hat sich mit weniger Karten länger auf Platz 1 der Online-Shooter gehalten - ganz ohne Stufenaufstiege wohlgemerkt!
Vorurteil entkräftet!
Vorurteil #9: Die Spielmodi von Titanfall sind stinklangweilig, weil altbekannt!
Während ich einerseits der Meinung bin, dass Titanfall die künstliche Spielzeitverlängerung durch die Hatz nach Erfahrungspunkten überhaupt nicht nötig hat (siehe Punkt 8) und trotzdem langfristig unterhalten kann, verstehe ich andererseits aber auch einen weiteren Kritikpunkt an Respawns Jetpack-Sause: Die Anzahl der Spielmodi ist in der Tat klein gehalten. Wo Spiele wie Call of Duty eine Menge unterschiedlicher Spielvarianten bieten und einem so auch noch nach Dutzenden Spielstunden erlauben, noch Neues auszurobieren, verlässt sich Titanfall zu sehr auf die Basics Team Deathmatch, Capture the Flag und Domination. Gleichzeitig gibt es keinen aufregenden, stellvertretend für das Spiel stehenden Spielmodus wie das Battlefield-Conquest oder das Counter-Strike-Bomben-Entschärfen.
Quelle: Respawn Entertainment
Mit den DLC-Karten will Respawn die Spieler dazu ermuntern, die Parkour-Elemente des Spiels stärker zu nutzen.
Daher kann ich jene Spieler verstehen, bei denen sich nach einer Weile Ermüdungserscheinungen beim Titanfall-Spielen bemerkbar machen. Ich hab aber auch noch fast zwei Monate nach Release noch Lust auf eine gelegentliche Runde im Titan, weshalb ich diesen Punkt folgendermaßen bewerte:
Unentschieden!
Vorurteil #10: Respawn zieht die gleiche DLC-Abzocke durch wie Activision mit Call of Duty!
Es wird zwar Karten-DLCs für Titanfall geben, der erste etwa hört auf den Namen Expedition und erscheint im Mai 2014. Aber zum einen ist es nicht so, dass Titanfall von Haus aus an Map-Mangel leiden würde - im Gegenteil, die satten 15 Karten sind ein Spitzenwert im Shooter-Genre. Zum anderen hat Entwickler Respawn versprochen, neue Spielmodi ausschließlich per kostenlosem Update zu veröffentlichen - nur die Karten kosten Bares. Ob dieses Versprechen sich auch tatsächlich in unterhaltsamen Modi-Neuzugängen niederschlägt, muss sich natürlich erst noch zeigen. Bis zum Beweis des Gegenteils sage ich aber:
Vorurteil entkräftet!

Es stimmt der Hype ist echt schnell verflogen, obwohl ich wieder angefixt wurde durch diesen Artikel und "The Final Hours of Titanfall".
Da ich gelesen habe das es kein Hardcore-Modi in Titanfall gibt, würde mich interessieren, wie schnell die gegnerische Piloten umkippen.
(Als Beispiel, wenn ich CoD spiele, dann nur im Hardcore Modus, da man im normalen Modus (für meinen Geschmack) zu viel Leben hatt.)
Und läuft inzwischen der im Artikel angesprochene Matchmaking-Dienst rund? (Ich kann mich noch an Modern Warfare 2 erinnern, da hat man teilweise wer weiß wie lange gewartet bis man zocken konnte.)
12 Spieler sollen zuwenig sein? Für wen bitte? Für leute die nichts auf die reihe bekommen? Bei einem BF/Planetside kann man sich gut in der masse verstecken und brainafk in der Base stehen. In CoD/Titanfall/CS/Quake/UT eben nicht.
für mich beispielsweise.
dass man in CoD nicht blöd rumstehen und schießen kann widerlegen dir sicher viele camper, was in CS/Quake/UT nicht anders aussieht. ich muss gestehen dass ich nicht weiß wie gut es sich in titanfall campen lässt weil ich das interesse an dem spiel verloren hab, aber sicherlich werden sich auch da camper auftuen, über kurz oder lang.
was man durch die masse hat ist eine bessere teamplaymöglichkeit (!!möglichkeit!! obs umgesetzt wird ist ja ne ganz andere geschichte.) und mehr verwertbare ziele. bots abknallen ist für mich nicht die selbe befriedigung.
ich will mich jetzt aber hier nicht wirklich auf ne pro-/kontradiskussion über mehr spieler einlassen. ich wollte nur ausdrücken dass der artikel zu subjektiv ist um daraus einen wertigen schluss zu ziehen.
und eines muss man als fazit leider festhalten: die shooter-revolution ist auch titanfall nicht, trotz großer anpreisung im voraus.
klar kann man jetzt wieder darüber diskutieren, ob sowas wie eine revolution innerhalb dieses genre überhaupt möglich ist und bla, bla, blub. - eine unendliche geschichte -
Kann es ein, dass da jemand ein klein bisschen übertreibt?
Sagen wir mal, es ist möglich, Titanen zu jagen. Findet ihr, dass die Titanen einen unfairen Vorteil haben? Ich find's eigentlich ziemlich ausgeglichen.