The Talos Principle: Deluxe Edition - Gott will, dass ich Puzzles löse!
Bislang waren die Kroaten von Croteam ja hauptsächlich für ihre Fachkenntnisse beim Vernichten von Gehirnzellen bekannt: Ihre Ego-Shooter-Reihe Serious Sam war ebenso witzig wie strohdumm. Ihr jüngstes Projekt bringt eure grauen Zellen dagegen so richtig auf Trab.
Bislang waren die Kroaten von Croteam ja hauptsächlich für ihre Fachkenntnisse beim Vernichten von Gehirnzellen bekannt: Ihre Ego-Shooter-Reihe Serious Sam war ebenso witzig wie strohdumm. Ihr jüngstes Projekt bringt eure grauen Zellen dagegen so richtig auf Trab: Mit logisch designten Puzzles und der Debatte über existenzielle Fragen des Lebens gehörte The Talos Principle am PC zu den cleversten Spielen des Jahres 2014, ohne dabei prätentiös zu wirken. Dank der Deluxe Edition schafft der Titel jetzt endlich den Sprung auf die PS4 – inklusive dem sehr guten Add-on Road to Gehenna.
Was bedeutet Leben?
Quelle: PC Games
Explosive Murmeln: Minen jagen den Protagonisten in die Luft, wenn er zu nahe kommt. Dann heißt es: Zurück an den Levelanfang!
Aus der Ego-Perspektive erforscht ihr in der Rolle eines Androiden die Ruinen der Menschheitsgeschichte. Auf eurer Reise begleiten euch – kein Witz! – die Stimme Gottes sowie eine KI-Persönlichkeit, mit der ihr an Computer-Terminals in Multiple-Choice-Manier über den Sinn des Lebens diskutiert und Thesen austauscht. Das geschieht jedoch ausschließlich in Textform. Wer sich dafür begeistert, die Hintergründe der geheimnisumwitterten Geschichte von The Talos Principle aufzudecken, der darf in unzähligen Textbotschaften herumschnüffeln sowie Audio-Tagebüchern lauschen, um nach und nach die Details einer vergangenen Katastrophe zusammenzusetzen. Der Plot besitzt eine spannende Ausgangssituation und wartet mit einigen überraschenden Enthüllungen auf. Letztlich gibt es sogar drei unterschiedliche Endsequenzen. Solltet ihr keine Lust auf die faszinierende, aber zugegebenermaßen reichlich trockene Detektivarbeit haben, konzentriert ihr euch einfach auf den Puzzle-Kern des Spiels. Die philosophisch angehauchte Story lässt sich nämlich auch komplett ausblenden, indem ihr schnurstracks an allen Terminals vorbeimarschiert. Die fordernden Kopfnüsse der zehn bis zwanzig Stunden langen Einzelspieler-Kampagne unterhalten auch so. Anschließend warten auf Intelligenzbestien noch die Puzzles aus Road to Gehenna: Der DLC ist weitere zehn Stunden lang und zeigt die Geschichte aus einer anderen (oftmals witzigen) Perspektive. Allerdings nutzt Croteam dabei lediglich die aus dem Hauptspiel bekannten Mechaniken, es gibt keine brandneuen Puzzle-Elemente.
Koop spielen – mit sich selbst
Quelle: PC Games
Es werde Licht: Die Laserstrahlen lassen sich ganz einfach mit dem Aufstellen von Prismen verbinden, die Steuerung ist präzise.
Spielerisch orientiert sich The Talos Principle wenig überraschend am Klassenbesten Portal 2, geht aber im Detail andere Wege. So gibt euch das Spiel nur grob vor, in welcher Reihenfolge die Rätsel zu lösen sind. Hängt ihr mal fest, was aufgrund des zuweilen sprunghaft ansteigenden Schwierigkeitsgrads öfters vorkommt, könnt ihr mittels Teleporter einfach in eine andere Hub-Welt wechseln. Die einzelnen Puzzle-Räume sind generell voneinander getrennt, jedoch nach oben offen. Das erlaubt es einem etwa, Laserstrahlen umzuleiten, um versteckte, besonders schwer zu erlangende Sterne zu ergattern. The Talos Principle ist voll von solchen optionalen Secrets; wer alle aufstöbert, ist gut doppelt so lang wie normal mit dem Spiel beschäftigt. Für jede absolvierte Denksportaufgabe erhaltet ihr einen farbigen Tetris-Stein. Die sogenannten Tetrominos benötigt ihr, um weitere Level-Bereiche und neue Gegenstände freizuschalten, deren Handhabung das Spiel vorbildlich in mehreren Schritten erklärt. Neben den erwähnten Lasern, die ihr über Prismen wie gewünscht dirigiert, öffnet ihr Energiebarrieren mit Störsendern, katapultiert Kisten per Ventilatoren in die Luft oder zeichnet eine Kopie eures Alter Egos auf. Anschließend könnt ihr in einer Art Solo-Koop-Modus mit eurem virtuellen Klon gleichzeitig Aktionen ausführen. Das ist durchgehend herausfordernd, unterhaltsam und immer nachvollziehbar.
Fies, aber genial: Stellenweise legt Croteam sogar wissentlich falsche Fährten mittels vermeintlich komplizierter Aufbauten aus, wodurch man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Die Kreativität der Leveldesigner erstreckt sich aber leider nicht auf das Drumherum, denn die Schauplätze wirken austauschbar. Zudem nervt das Speichersystem, das nur einen Spielstand erlaubt und innerhalb eines Rätsels keine Checkpoints zulässt. Wenn automatische Geschütztürme und zielsuchende Minen der Spielfigur den Garaus machen, müsst ihr die Aufgabe stets von vorne anfangen. Das stört besonders gegen Ende, wenn die immer komplexeren Puzzles minutenlange Laufarbeit erfordern. Davon unabhängig: Die Suche nach der richtigen Lösung und das begeistert-erschöpfte Jauchzen nach minutenlangem Experimentieren sind für Puzzle-Fans eine herausragende Motivation zum Weiterspielen. Die Aufgaben sind mannigfaltig und die Entwickler mischen die wenigen Handwerkszeuge auf immer neue Art und Weise, um einzigartige Herausforderungen zu erschaffen. Im Vergleich mit der Portal-Serie fehlt zwar die vielbesungene Persönlichkeit, die Valves furiose Trips durch GlaDOS' Wissenschaftskomplex so unvergesslich gemacht hat. Doch als nächstbeste Alternative sticht The Talos Principle Konkurrenten wie Qube oder Quantum Conundrum locker aus. Wer ein Faible für etwas schwerere Kost hat (sowohl in Sachen Schwierigkeitsgrad als auch Plot), der wird mit Croteams unverhofftem Rätselausflug viel Spaß haben.
