The Social Network (Kinokritik / Review)
Wie entstand Facebook - und was machte es aus seinen Machern? David Finchers Biopic über Jung-Milliardär Mark Zuckerberg.
Es ist nicht leicht, ein Nerd zu sein. Egozentriker Mark (Jesse Eisenberg, Zombieland) studiert an der renommierten Harvard University. Doch der rotgelockte Vordiplomskandidat hat zwei Probleme: Zum einen ist er ein Computerfreak und für so etwas interessiert sich keine der ach so wichtigen Studentenverbindungen, zum anderen hat das kleine Programmiergenie zwar einen IQ weit über dem Durchschnitt, scheint aber bei der Zuteilung von Sozialkompetenz vergessen worden zu sein. Als ihm deswegen seine Freundin den Laufpass gibt, kommt Mark in biertrüber Stimmung auf die Idee, sich in die verschiedenen Fakultätsnetzwerke einzuhacken und aus Rache am weiblichen Geschlecht mit den Fotos aller Studentinnen lustige Auswahlspielchen zu spielen. Öffentlich, versteht sich.
Bist du schon drin?
Das Ergebnis: Die Aufmerksamkeit der gesamten Uni, ein Rüffel der Hochschulleitung und der Hass aller Kommilitoninnen. Letzteres macht sein Leben nicht gerade leichter, Ersteres führt ihn aber mit drei Jünglingen aus reichem Hause zusammen, die ihn als Programmierer eines sozialen Online-Netzwerkes engagieren. Mark erkennt die Idee – ist seinen Auftraggebern aber nach kurzer Zeit gleich zwei Schritte voraus. Zusammen mit seinem Freund Eduardo (der neue Spider-Man: Andrew Garfield), der das nötige Startkapital zuschießt, programmiert Mark ein eigenes soziales Netzwerk, das für alle Schulen und Universitäten nutzbar sein soll und bei dem jeder sich mit anderen austauschen – und anbandeln – kann. Facebook ist geboren!
Was folgt, sind ein Megaerfolg - und zwei juristische Auseinandersetzungen: zum einen mit den drei Harvard-Jünglingen, die Mark des Plagiats beschuldigen, zum anderen mit Eduardo, der nach einiger Zeit auf Betreiben des sich ins Team drängenden Napster-Gründers Sean Parker (Justin Timberlake) ausgebotet wurde.
Genie Fincher
Ein Biopic über einen Computer-Programmierer? Klingt nach: Gähn! Schnarch! Time-out! Doch wer bei diesem Film voreilig auf zu hohe Hardware-Anforderung und schleppende Download-Geschwindigkeit schließt, könnte sich verrechnet haben. Denn David Finchers The Social Network entpuppt sich als Leinwandunterhaltung auf Top-Level. Der Name Fincher steht für so packende Psychospielchen wie Sieben und Fight Club. Letzteres ist ein kultiges Uhrwerk Orange fürs Millennium. Mit seinem neuen Film nun legt er eine Milieustudie der modernen Internet-Generation nach – aber definitiv nicht nur für Facebook-Nutzer. Angesagt sein ist hier offensichtlich alles, Geheimbünde und Partymäuse sind das Ziel des studentischen Verlangens. Wenn Fincher eines versteht, dann eine Geschichte hochkommerziell und zugleich überaus kurzweilig zu gestalten. Und so wird sein Biopicture über den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zu einem amüsanten Parcours der Eigenwilligkeiten und des Narzismus, der kleinen Intrigen und des großen Geldes. Ein Film, der alle Arten von Kinogängern vor der Leinwand vereinen könnte: perfekte Unterhaltung!
