Sam & Max, Bone und Co.: Telltale Games - Die Erfinder des Episodenformats

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PC Games über Philisophien, wirtschaftliche Entscheidungen und lustige Figuren beim Sam & Max-Entwickler Telltale Games. Wo kommt das Studio her? Wo geht es hin? Und warum?

Sam, Max und Telltale haben eine gemeinsame Vergangenheit. Irgendwie. Der Ursprungs-Comic stammt von Steve Purcell, der 1987 die amerikanische Pop-Kultur durch den Kakao zog. Aus seiner Feder stammen die Verpackungsmotive zu Maniac Mansion und den ersten beiden Monkey Island-Spielen. Ein halbes Jahrzehnt später sicherte sich LucasArts die Lizenz am Detektiv-Duo, in den Vereinigten Staaten hatten die beiden längst Kultstatus erreicht. 1993 evolvierten Hund und kaninchenähnliches Etwas zum Point&Click-Adventure.
Screenshots aus Sam & Max: Hit the Road (1993) Screenshots aus Sam & Max: Hit the Road (1993) Nach der Produktionsaufgabe des Nachfolgers Sam & Max: Freelance Police fielen die Computerspiel-Rechte von LucasArts an Steve Purcell zurück. Der beschloss, seine Figuren in Zusammenarbeit mit Telltale Games erneut auf den PC-Bildschirm zu schubsen, in Form einzelner Episoden, selbstverständlich. Es war ein Zusammenschluss ehemaliger Kollegen: Dan Connors, Kevin Bruner, die Gründer von Telltale Games, Steve Purcell, Geschichtenlieferant für LucasArts. "Mit Sam & Max waren wir die ersten, die episodische Inhalte in einem monatlichen Rhythmus auf den Markt brachten", erzählt Connors.

Das zu bewerkstelligen, erfordert einen durchdachten Plan: "Wenn die erste Episode erscheint, ist die zweite Episode bereits fertiggestellt. Die dritte befindet sich in einem fast finalen Stadium", sagt er. "Alles andere haben wir zu diesem Zeitpunkt bereits gestaltet, entwickelt und aufgenommen [...]. Synchronisation, wiederkehrende Schauplätze, Charakteranimationen - das sind die Quellen, auf die wir ständig zurückgreifen."

Bis dato ein ergiebiges, sicheres Geschäftsmodell: "Der konstante Fluss von neuen Inhalten ist das Blut in Telltales Adern. Wer ständig etwas auf dem Markt hat, der verdient auch ständig. Mit anderen Worten: Wir verdienen Geld, bevor unsere Investition 100 Prozent erreicht", erklärt Connors den wirtschaftlichen Hintergrund des Episodenformats.

Im Mai 2007 erschien die letzte Episode von Sam & Max: Season One, Bright Side of the Moon, im November die erste Episode von Staffel 2. Über die Monate hinweg, von Episode zu Episode, vollzog sich ein Lernprozess bei Telltale Games. "Unsere ursprüngliche Philosophie bestand darin, jede Episode eigenständig zu halten, ohne übergreifende Geschichte. Mittlerweile sind wir uns der Tatsache bewusst, dass die Menschen, wenn ihnen das Spiel gefällt, die komplette Staffel kaufen", berichtet Connors.

Die Zahlen sprechen für seine These. Laut eigenen Angaben stammten 65 bis 70 Prozent des Umsatzes von "full season subscribers", Leuten, die ein Abonnement auf die gesamte Staffel haben. Es funktioniert wie ein Zeitschriften-Abo, statt Zeitschriften gibt's Spielehäppchen, als Prämie einen Preisnachlass. Knapp 10 US-Dollar (ca. 8 Euro) kann sparen, wer eine komplette Staffel im Voraus bestellt. Oder nach der ersten Episode entscheidet, alle haben zu wollen.

"Mehr Fokus auf's gute Geschichtenerzählen", so sieht Connors die Zukunft von Telltale. "Jedes bisschen Investition geht in effiziente Produktionswege, in Technologien für Zwischensequenzen und Erzähl-Elemente", sagt Connors. "Wir werden uns weiterhin in diese Richtung entwickeln, weil sie uns wichtig ist." Derzeit arbeitet Telltale an Wallace & Gromit (siehe Bildergalerie). Sam & Max Season 3 ist bereits für 2009 angekündigt.

In Zeiten einer anhaltenden Finanzkrise und [url=http://www.reuters.com/article/technologyNews/idUSTRE53F7JH20090416 ]schlechten Spiele-Verkaufszahlen auf dem US-Markt[/url], erscheint Telltales Richtung als die richtige. Das hätten laut Connors mittlerweile auch andere gemerkt. Tagtäglich erhalte er Anfragen großer Publisher, die um Hilfe und Zusammenarbeit bitten. "Wir sind kein Studio zum Ausleihen", sagt er aller voller Erhabenheit. "Die meisten [Publisher] wollen das nur nicht verstehen."

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    • Kommentare (4)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Goddess Spiele-Kenner/in
        Der Artikel ist sehr schön geschrieben. Telltale im Titel als Erfinder des Episodenformats zu bezeichnen, finde ich allerdings schon sehr gewagt. Es gab schon Jahrzehnte davor Entwickler, die auf das Episoden-Format setzten. Ich würde behaupten, das Steve Meretzky der erste war, der dieses Format verwendet hat. Mit Spellcasting 101, 102 und 301, hat er 3 Episoden veröffentlicht. Weitere waren geplant wurden aber nicht mehr entwickelt oder veröffentlicht. Auch in der jüngeren Vergangenheit gab es Episoden-Spiele. So wurde zum Beispiel im Jahr 2000 Blair Witch Project 1 veröffentlicht, und noch im selben Jahr, mit Episode 3, abgeschlossen. Telltale sind also mit Sicherheit nicht die Erfinder, wie sie hier bezeichnet werden, sondern sie haben nur sehr viel Erfolg mit ihren Episoden-Titeln. ;-)
      • Von Goddess Spiele-Kenner/in
        Der Artikel ist sehr schön geschrieben. Telltale im Titel als Erfinder des Episodenformats zu bezeichnen, finde ich allerdings schon sehr gewagt. Es gab schon Jahrzehnte davor Entwickler, die auf das Episoden-Format setzten. Ich würde behaupten, das Steve Meretzky der erste war, der dieses Format verwendet hat. Mit Spellcasting 101, 102 und 301, hat er 3 Episoden veröffentlicht. Weitere waren geplant wurden aber nicht mehr entwickelt oder veröffentlicht. Auch in der jüngeren Vergangenheit gab es Episoden-Spiele. So wurde zum Beispiel im Jahr 2000 Blair Witch Project 1 veröffentlicht, und noch im selben Jahr, mit Episode 3, abgeschlossen. Telltale sind also mit Sicherheit nicht die Erfinder, wie sie hier bezeichnet werden, sondern sie haben nur sehr viel Erfolg mit ihren Episoden-Titeln. ;-)
      • Von Dark_Warrior Mitglied
        @Avalon Ash:
        Da haste Recht. Ich hab Episode 3 mittlerweile völlig vergessen gehabt. Aber stimmt, das gibt's ja auch noch. Das mein ich übrigens völlig ernst!

        Und 2-3 Jahre ist viel zu viel für ein Episodenspiel (v.a. wenn es nicht der 1.Teil ist).
        Ich hoffe aber dass dann zumindest die Qualität stimmt, da bin ich bei Valve/Half-Life noch ned enttäuscht worden.
      • Von AvalonAsh Gelegenheitsspieler/in
        Das beeindruckende an Sam & Max Season 1 war in meinen Augen, dass es wirklich diesen stimmigen Charakter einer Sitcom-Serienstaffel hatte. Und dazu gehört auch der zuverlässige Veröffentlichungsrhytmus. Das hat bisher kein anderes Episodenspiel geschafft. Vor allem nicht Half Life, bei dem ich mich vom Episodenkonzept inzwischen ziemlich verschaukelt fühle.

        Anfangs hieß es von Valve so wolle man einen engeren Rhytmus in der Veröffentlichung haben und für einen neuen Teil nicht 5-6 Jahre brauchen. Nur läuft es in Summe jetzt irgendwie langsam auf den gleichen Zeitraum hinaus nur, dass man am Ende eben kein großes Spiel mit neuer Engine kriegt, sondern Episoden, die von ein paar neuen Effekten abgesehen immer noch zu großen Teilen auf Engine und Texturen von Half Life 2 basieren und inzwischen eher altbacken rüberkommen.

        Vor allem stört aber, dass man den Kunden gegenüber keine Treue zu diesem Episodenversprechen zeigt. Da wird wieder munter verschoben weil man noch hier schnell 2 Contentupdates zu Team Fortress und da noch den Release von Left 4 Dead forcieren will. Episode 1 ist inzwischen fast 3 Jahre her und von Episode 3 gibt es noch nichtmal konkrete Informationen. Da erscheinen ja regelmäßiger Call of Duty Teile als Half Life Episoden.

        Wer Episodenspiele rausbringt verpflichtet sich nicht mehr nur der Sorgfalt und Designgüte sondern auch eines raschen Veröffentlichungsrhytmus. Telltale hat sich da als verlässlich erwiesen und da kaufe ich weiter gerne. Valve schafft das nicht und ich hoffe schwer, dass sie nach Episode 3 wieder auf "normale" Wege zurückkehren.
      • Von klumsi Anfänger/in
        Schöner Artikel.
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