Subnautica 2: Warum der Konflikt um Unknown Worlds noch nicht vorbei ist
Die Subnautica-2-Affäre begann mit Entlassungen, Release-Streit und einem möglichen 250-Millionen-Bonus. Inzwischen geht es um Vertragsbruch, Kontrolle über Unknown Worlds - und eine bizarre ChatGPT-Spur.
Im Juli 2025 wirkte es so, als sei die Subnautica-2-Affäre bereits an ihrem Tiefpunkt angekommen. Die drei prägenden Köpfe von Unknown Worlds waren entlassen, der Early-Access-Start wurde verschoben, ein Bonus von bis zu 250 Millionen Dollar drohte außer Reichweite zu geraten - und Krafton stellte die alte Studioführung öffentlich als Problem für die Entwicklung dar.
Doch was damals wie die große Eskalation aussah, war erst der Anfang.
In den Monaten danach wurde aus dem Streit um einen Release-Termin ein juristischer Machtkampf. Es ging nicht mehr nur um die Frage, wann Subnautica 2 erscheinen sollte. Es ging um kreative Kontrolle, Vertragsbruch, interne Daten - und um eine erstaunlich kuriose Rolle von ChatGPT.
In diesem Artikel
Falls ihr unseren ersten Artikel zur Subnautica-Affäre nicht gelesen habt, könnt ihr das gerne nachholen. Damals stand vor allem eine Frage im Raum: Hat Publisher Krafton die Subnautica-Erfinder bewusst um ihren Millionenbonus gebracht? Inzwischen wissen wir: Der Konflikt ist noch deutlich größer geworden. Und ein Gericht hat Kraftons Vorgehen in zentralen Punkten klar kassiert. Und wenn ihr gar keine Lust auf diesen ganzen Irrsinn habt und einfach nur wissen wollt, ob der Early Access geglückt ist und das Spiel auch gut geworden ist, dann lest doch unseren großen Artikel dazu.
Subnautica 2 und der 250-Millionen-Dollar-Bonus: Darum zogen die Gründer vor Gericht
Nach ihrer Entlassung wollten die früheren Köpfe von Unknown Worlds Kraftons Version der Geschichte nicht auf sich sitzen lassen. Sie zogen vor Gericht und warfen dem Publisher vor, die Veröffentlichung von Subnautica 2 gezielt torpediert zu haben, um die fällige Erfolgsprämie von bis zu 250 Millionen Dollar zu umgehen.
Krafton konterte scharf. Nicht der Publisher habe das Studio verraten, sondern die alte Führung. Charlie Cleveland, Max McGuire und Ted Gill hätten ihre Pflichten vernachlässigt, das Spiel zu früh veröffentlichen wollen und nach ihrer Entlassung vertrauliche Daten mitgenommen. Darunter Geschäftsunterlagen, interne Kommunikation und Material zu Subnautica 2. Krafton sprach später sinngemäß sogar von einer Art Bauplan für das Spiel.
Kraftons Gegenerzählung: Die Studioführung als Problem
Im November 2025 versuchte Krafton dann, die öffentliche Deutung des Falls noch einmal massiv zu verschieben. In einer offensiven PR-Mail an Medienvertreter, die auch uns erreichte, zeichnete der Publisher ein anderes Bild: Nicht Krafton habe Unknown Worlds die Kontrolle entrissen. Die alten Studioleiter hätten ihre Verantwortung längst aufgegeben.
Charlie Cleveland wurde als halb zurückgezogener Gründer dargestellt, der keine Spiele mehr entwickeln wolle, sich lieber um Filmpläne kümmere und gleichzeitig auf eine möglichst hohe Auszahlung spekuliere. Dazu kamen schwere Vorwürfe gegen interne Prozessnotizen. Krafton verwies auf abfällige Aussagen über Korea, auf Überlegungen zu einer Milliardenforderung und auf Passagen, in denen Cleveland offenbar prüfen wollte, ob sein Firmen-ChatGPT-Account belastendes Material enthalten könnte.
Für Krafton war das die perfekte Gegenerzählung: Die Subnautica-Erfinder seien nicht über Bord geworfen worden. Sie hätten das Schiff längst verlassen - und wollten nun trotzdem zurück ans Steuer.
Warum Kraftons Vorwürfe vor Gericht nicht hielten
Öffentlich klang das verheerend. Nur: Vor Gericht reichte diese Darstellung am Ende nicht.
Das Delaware Court of Chancery hielt später fest, dass Kraftons neue Begründungen für die Entlassungen vorgeschoben waren. Cleveland und McGuire hätten tatsächlich nur noch begrenzte Rollen im Studio gehabt. Aber genau das sei Krafton schon lange bekannt gewesen - und sogar von Krafton akzeptiert worden.
Auch die heruntergeladenen Daten wertete das Gericht anders als der Publisher. Nach Auffassung des Gerichts handelte es sich nicht um einen geplanten Raubzug, sondern um den Versuch, Arbeitsmaterial des Studios während Kraftons Machtübernahme zu sichern. Die Dateien seien vertraulich behandelt und zurückgegeben worden.
Wer hat Unknown Worlds wirklich verraten?
Für die Community war damit kaum noch zu erkennen, wer hier wen verraten haben sollte. Auf der einen Seite standen die Schöpfer einer der beliebtesten Survival-Marken der letzten Jahre. Auf der anderen Seite ein Publisher, der behauptete, genau diese Marke vor einem verfrühten und schädlichen Release schützen zu wollen. Vor Gericht wurde der Streit schließlich konkreter: Aus gegenseitigen Vorwürfen wurden Vertragsklauseln, interne Mails und überprüfbare Abläufe. Und genau dort bekam Krafton ein Problem. (Weiter auf Seite 2).
