Stilstand: Sucht, Alleinsein und Selbstzweifel zum Nachspielen?

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Special Maci Naeem Cheema - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Stilstand: Sucht, Alleinsein und Selbstzweifel zum Nachspielen?
Quelle: Niila Games

Mit Stilstand erscheint eine tieftraurige und doch packend realistische interaktive Graphic Novel über das Alleinsein, Depressionen, Alkohol- und Nikotinsucht sowie Selbstzweifel im Leben einer jungen Erwachsenen. Die in Kopenhagen lebende Protagonistin ist auf der Suche nach Liebe, der Kraft für eine soziale und alltägliche Normalität und dem eigenen Ich, welches im modernen Leben schnell verloren geht. Philosophisch, tiefgründig und einzigartig inszeniert. Maci verrät, warum Stilstand etwas ganz besonderes ist.

Ein aussichtsloses Unterfangen einer Widerstandsbewegung gegen die nationalsozialistische Regierung Deutschlands unter Adolf Hitler (Through the Darkest of Times). Die junge Liebe und deren Zerbrechlichkeit, meisterlich und wundervoll als Videospiel inszeniert und porträtiert (Florence). Oder die persönlichen Erfahrungen einer 17-Jährigen, die den schwierigen Alltag mit psychischen Krankheiten in ein Eigen entworfenes interaktives Werk packt (Fractured Minds). Spiele, die dem klassischen Rahmen der Unterhaltung entwachsen und die Interaktivität des Mediums als Werkzeug nutzen, um zu lehren oder ein Verständnis für schwierige Themen politischer oder psychologischer Natur zu schaffen. Jene Vertreter zählen zu den faszinierendsten im Bereich des Mediums Videospiele.

Stilstand ist eines jener Spiele, die mit Leichtigkeit aus einem vollbepackten Release-Kalender hervorstechen. Das liegt nicht nur an den schwierigen und philosophischen Themen wie Depressionen, Suchtverhalten und Selbstzweifeln, sondern auch an der auffälligen Gestaltung. Natürlich entstand das kleine Indie-Spiel nicht nur durch die alleinige Arbeit der Schöpferin Ida Hartmann. Als Regisseurin, Schreiberin und Zeichnerin ist sie aber klar das pochende Herzstück der interaktiven Graphic Novel, die zum Teil auf ihren eigenen Erfahrungen beruht. Das im Februar 2017 gegründete Studio Niila Games, in Kopenhagen ansässig, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den künstlerischen Aspekt in den Vordergrund zu stellen und zusätzlich mit schwierigen Themen die Grenzen des Mediums zu hinterfragen, im besten Fall sogar auszuloten. Doch um was genau geht es in dem Indie-Titel des neunköpfigen Teams?

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Verloren im Sommer

Stilstand: Sucht, Alleinsein und Selbstzweifel zum Nachspielen? (4) Quelle: Niila Games Stilstand: Sucht, Alleinsein und Selbstzweifel zum Nachspielen? (4) Die namenlose Protagonistin in Stilstand leidet. Sie leidet, wie so viele unter der eigenen Entfremdung durch die Vorzüge unseres modernen Lebens. Sie leidet unter der Abkapselung unserer Fähigkeit zu verstehen, was wir eigentlich vom Leben erwarten und brauchen. Sie leidet unter sozialem Druck, dem sie nicht standhalten kann und an den Erwartungen, die Freunde und Bekannte, sowie sie selbst, an sie haben. Daraus resultieren noch viele weitere Probleme, wie etwa ein enorm ungesundes Verhalten zu Nikotin und Alkohol Nicht viel Leben.
Ich bin einfach nur hier.
Und es ist der heißeste Sommer aller Zeiten.
Ist das das Ende der Welt?
Oder bin nur ich es, die zu Ende geht?
Ehrlich gesagt, denke ich zu viel darüber nach.
Ich versuche einfach, es zu vergessen.
So wie ich versuche, das Ding in meiner Wohnung zu vergessen.
und der stetige Wunsch nach Kontrollverlust und Taubheit. Des Weiteren leidet die junge Kopenhagenerin an Depressionen, an Einsamkeit und dem nach ihrem Empfinden heißesten Sommer aller Zeiten. Ganz auf sich allein gestellt ist sie aber nicht, zweiter wichtiger Protagonist ist nämlich das Monster in ihrer Wohnung.

Ein Ausschnitt des Intros von Stilstand (links) zeigt gut auf, in welcher Tonalität sich die Graphic Novel bewegt. Das "Ding", von dem die Protagonistin spricht, ist ein dunkler menschlicher Schatten, der partout nicht von ihrer Seite weicht. Zum ersten Mal aufgetaucht ist der Schatten zeitgleich mit dem heißen Wetter, glaubt man den Worten der Protagonistin. Was genau es mit dem Monster auf sich hat? Eine Frage der eigenen Interpretation. Handelt es sich dabei um die Manifestation ihrer eigenen Depression? Oder ist das Monster mehr eine Metapher für die Wünsche und Ziele der jungen Frau, ohne selbst zu wissen wie die eigentlich aussehen? Vielleicht ist das Monster auch nur eine bewusst erfundene Figur, um sich weniger mies zu fühlen. Man weiß es schlicht nicht und wie in so vielen Momenten von Stilstand sind wir auf uns alleine gestellt, Antworten auf die vielen philosophischen Thematiken zu finden.

Tiefgründig, komisch, philosophisch

Stilstand: Depressionen und Selbstzweifel zum Nachspielen? (2) Quelle: Niila Games Stilstand: Depressionen und Selbstzweifel zum Nachspielen? (2)

Wir müssen aber auch damit rechnen, oftmals keine finden zu können, da es schlicht keinen goldenen Schlüssel für die Probleme der jungen Erwachsenen gibt. Wie so viele hadert sie mit dem Identitäts- und Sinnverlust, dem "Ich"-Verlust, unter dem viele der jüngeren Generationen aufgrund der Schnelllebigkeit der modernen Zeit leiden. Im weiteren Verlauf versucht sich unsere Hauptfigur, immer wieder aufs Neue in Situationen zu stürzen, aus denen sie sich bedeutende Ergebnisse erhofft. Von Freunden lässt sie sich zum Beispiel überreden, endlich mal wieder auf eine Party zu gehen, zu tanzen und Spaß zu haben. Allein die Vorbereitungen sind dabei urkomisch inszeniert. Gleichzeitig jedoch drückt die gesamte Szenerie exakt die richtigen Hebel, um uns tiefgründig mit den Kernthemen des Spiels auseinanderzusetzen. Das Team hinter Stilstand beweist ein eindrucksvolles Fingerspitzengefühl für das Einsetzen von abstrusen Humor, ohne dabei lächerlich zu wirken oder das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Stilstand erzählt eine realistische Geschichte und in vielen Momenten der ca. einstündigen Spielerfahrung findet man sich wohl oder übel wieder. Wer gerne interpretiert und philosophiert wird mit Stilstand große Freude haben. Der Zeichenstil ist einzigartig und die besonders mit visuellen Werkzeugen funktionierende Komik schafft es, immer wieder für laute Lacher zu sorgen. Wer jedoch ein abgeschlossenes Kurzabenteuer erwartet, welches in einem glasklaren Ende mündet und einer offensichtlichen roten Linie folgt, der ist mit Stilstand eher schlecht bedient. Aus Sicht des Gameplays bleibt Stilstand übrigens enorm minimalistisch. Meist bezieht sich unser Handeln nur darauf, das nächste Panel aufzudecken oder simple Entscheidungen zu treffen. So zum Beispiel, ob die Hauptfigur zuerst eine Zigarette raucht oder sich via Fernbedienung durch das Fernsehprogramm schaltet.

Das Monster in meinem Haus

Stilstand: Depressionen und Selbstzweifel zum Nachspielen? (4) Quelle: Niila Games Stilstand: Depressionen und Selbstzweifel zum Nachspielen? (4) Besonders beeindruckend ist die Beziehung des Monsters und der Protagonistin. Ida Hartmann beweist enorm viel Fingerspitzengefühl in den abstrusen Konversationen der beiden. Der ulkige Schatten ist nämlich keinesfalls ein Antagonist, ganz im Gegenteil! Das Monster versucht meist, die Protagonistin vor sich selbst zu schützen und wächst mit der Zeit zum eigentlichen Star des Indie-Titels. Ähnlich wie im Bestseller-Roman "Sophia, der Tod und Ich" von Tomte-Sänger und Solokünstler Thees Uhlmann wird eine eigentlich düstere Figur verwendet, um eine einzigartige und interessante Beziehung aufzubauen. Im genannten Roman ist das der Tod, der zum ersten Mal Bier trinkt und langsam die Schönheit des Lebens kennenlernt. In Stilstand hingegen das Monster im Apartment, welches unbedingt Karten spielen möchte, auf Partys gehen will oder sich zu Tode langweilt, während die Protagonistin sich selbst im Bett b <strong>Stilstand:</strong> Sucht, Alleinsein und Selbstzweifel zum Nachspielen? Quelle: Niila Games Stilstand: Sucht, Alleinsein und Selbstzweifel zum Nachspielen? emitleidet.

Es muss wiederholt werden: Stilstand ist nichts für jeden. Die Spielerfahrung ist minimalistisch, der sehr reduzierte Schwarz-Weiß-Stil auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig und die Thematiken manchen Spielern und Spielerinnen sicherlich etwas zu nah am echten Leben oder sogar zu explizit in ihrer abstrusen und komischen Darstellung. Wer jedoch auf einzigartige Spiele steht, sich gerne mit außergewöhnlichen Konzepten mit viel Herzblut auseinandersetzt, dem lege ich das Erstlingswerk des dänischen Studios Niila Games wärmstens ans Herz.

Die Graphic Novel Stilstand erscheint am 27. August 2020 für PC, Android und iOS. Auf Steam kostet euch Stilstand 7,99€.

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    • Kommentare (32)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Worrel Mitglied
        Zitat von solidus246
        Zitat von "LesterPG, post: 10323375, member: 3166135"
        Ein mMn schockierend schlechter Zeichenstil mit fehlender Perspektive.
        Das ist die Sache mit der Kunst. Sie muss und will nicht jedem gefallen.
        Trotzdem kann man aber seine Meinung dazu sagen.

        Wenigstens retten die Animationen das Spiel noch einigermaßen (aus dem ästhetischem Blickwinkel).

        Allerdings: ein ein(!)stündiges Spiel ohne Wiederspielwert?
        Nein danke. Bei der kurzen Spielzeit müßte es schon eine Wiederspielbarkeit einer The Stanley Parable haben
      • Von Worrel Mitglied
        Zitat von solidus246
        Zitat von "LesterPG, post: 10323375, member: 3166135"
        Ein mMn schockierend schlechter Zeichenstil mit fehlender Perspektive.
        Das ist die Sache mit der Kunst. Sie muss und will nicht jedem gefallen.
        Trotzdem kann man aber seine Meinung dazu sagen.

        Wenigstens retten die Animationen das Spiel noch einigermaßen (aus dem ästhetischem Blickwinkel).

        Allerdings: ein ein(!)stündiges Spiel ohne Wiederspielwert?
        Nein danke. Bei der kurzen Spielzeit müßte es schon eine Wiederspielbarkeit einer The Stanley Parable haben
      • Von RedDragon20 Mitglied
        Zitat von sauerlandboy79
        Ich muss Neawoulf hier durchaus recht geben, vor allem: Woher willst DU es denn genauer, geschweige denn besser wissen was ein schwer-depressiver Mensch vertragen kann oder nicht? Mit Vorurteilen hat das Null-Komma-Null zu tun, vielmehr hat er nur ein Vorsichtsgebot ausgesprochen, was ich vollkommen legitim halte.
        Weiß ich nicht. Deswegen sprach ich ja auch von "vielleicht" und "kann ja auch sein". Hab nie behauptet, dass ich es besser wüsste. Depressionen zeigen sich genauso individuell, wie es der Mensch ist. Und genauso individuell ist auch der Umgang damit. Manche ziehen sich komplett zurück, andere setzen sich im Social Network für mehr Verständnis ein. Andere widerum suchen in ihrer Arbeit einen Ausgleich und "Hilfe". Aber genau deswegen kann ich mit seinem pauschalen "Vorsichtsgebot" eben nichts anfangen.

        Zitat von sauerlandboy79
        Sorry wenn ICH hier jetzt leicht angefressen klinge, aber anderen Dreistigkeit und Voreingenommenheit vorzuwerfern bei so einem sensiblem Thema, ist schon ein starkes Stück.
        Ist mein subjektives Empfinden. Ich bin, wie (wie nun schon dreimal) gesagt, persönlich und selbst davon betroffen. Und ich empfinde seine eine Aussage ganz einfach als voreingenommen.

        Zitat von sauerlandboy79
        Würdest du einem trockenen Alkoholiker ein Glas Bier vor die Nase halten und felsenfest behaupten dass dieser problemlos widerstehen wird, egal wie aggressiv sein gegenüber ihm damit auf die Pelle rückt?
        Ich würd nicht behaupten, dass das jeder trockene Alkoholiker schafft. Warum auch? Mindestens einen aus meinem engsten Umfeld kenne ich jedoch persönlich, der das ohne weiteres schaffen würde.
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Zitat von RedDragon20
        M
        Damit unterstellst du aber auch pauschal, dass stark despressive Menschen sich das nicht zumuten können. Und das ist, offen gestanden, extrem dreist und voreingenommen. Lehne dich bitte nicht zu weit mit solchen Urteilen aus dem Fenster. Vielleicht ist der ein oder andere ja auch richtig begeistert davon, eben WEIL das Spiel einem das Gefühl vermitteln kann, nicht allein damit zu sein? Kann ja auch sein.
        Mal ganz ehrlich: Was soll denn jetzt dieser Tonfall?!

        Ich muss Neawoulf hier durchaus recht geben, vor allem: Woher willst DU es denn genauer, geschweige denn besser wissen was ein schwer-depressiver Mensch vertragen kann oder nicht? Mit Vorurteilen hat das Null-Komma-Null zu tun, vielmehr hat er nur ein Vorsichtsgebot ausgesprochen, was ich vollkommen legitim halte.

        Man könnte genauso gut mit einem anderen Beispiel kommen:
        Würdest du einem trockenen Alkoholiker ein Glas Bier vor die Nase halten und felsenfest behaupten dass dieser problemlos widerstehen wird, egal wie aggressiv sein gegenüber ihm damit auf die Pelle rückt?

        Aber um zurück zum Thema zu kommen:
        Menschen mit Depressionen haben täglich schwer mit sich zu kämpfen, und sowas weiss ICH aus erster Hand, da ich seit 15 Jahren mit einer Frau zusammenlebe die einige Jahre in ein seelisches Loch gefallen war, und es hat viel Kraft, Geduld, diverse Termine beim Psychiater und Verständnis gekostet um sie da wieder herauszuholen. Mittlerweile ist sie nur noch auf niedrigst-dosierte Antidepressiva angewiesen, und sie hat es durchaus schon versucht gänzlich davon loszukommen, konnte es aber nicht. Und auch heute muss ich sie immer wieder aufbauen wenn ihr irgendwas auf der Seele brennt, wenn sie Selbstzweifel hat oder andere negative Gedanken sie beschäftigt.

        Sorry wenn ICH hier jetzt leicht angefressen klinge, aber anderen Dreistigkeit und Voreingenommenheit vorzuwerfern bei so einem sensiblem Thema, ist schon ein starkes Stück.
      • Von Neawoulf Mitglied
        Du interpretierst Sachen in meine Posts, die ich weder geschrieben, noch gemeint habe, RedDragon20. "Reiß dich mal zusammen" ist kein Rat, sondern Bullshit, da stimme ich dir uneingeschränkt zu. Mit Rat und positiver Message der Entwickler meine ich eher so etwas wie "Wenn es dir schlecht geht, schäme dich nicht dafür. Du bist nicht allein mit so einem Problem. Vertraue dich Menschen an, rede mit ihnen und suche dir Hilfe. Mir ging es einmal wie dir und jetzt geht es mir besser.". Ist zwar auch noch ein recht allgemeiner Rat, aber meiner Meinung nach immer noch besser, als den Spieler am Ende mit dem eigenen Elend UND dem Elend der Protagonistin völlig kommentarlos allein zu lassen. Das muss man natürlich nicht machen, in diesem Fall ist es eben "nur" eine Geschichte, aber ich hätte es eben gut gefunden, wenn man sowas eingebaut hätte.

        Und es ist auch nicht generell so, dass ich depressiven Menschen nicht zumute sich mit so einer Geschichte auseinanderzusetzen. Aber ich kann hier eben auch keine generelle Empfehlung aussprechen, weil man eben nie weiß, welche Wirkung die Geschichte in Einzelfällen unter Umständen haben könnte. Und im Zweifel würde ich daher lieber sagen "lass es bleiben", vor allem, wenn die Person suizidgefährdet ist. Nem trockenen Alkoholiker z. B. würde ich ja auch keinen Film über Alkoholismus empfehlen, wenn in diesem Film viel getrunken und gefeiert wird und die Handlung dann mittendrin endet.
      • Von RedDragon20 Mitglied
        Zitat von Neawoulf
        Das Spiel vermittelt meiner Ansicht nach eine sehr subjektive Erfahrung von Depressionen und Einsamkeit. Als Spieler bzw. Leser erfährt man durch das Spiel zwar, wie sich die Betroffene Person fühlt und wie sie denkt, aber vermittelt eben keinerlei objektive Informationen darüber, wie man als Betroffener mit diesen Gedanken und Gefühlen umgehen kann oder wie man evtl. Menschen helfen könnte, die ähnliche Probleme haben.

        Und dass so ein Spiel eine Patentlösung für Depressionen enthalten sollte, hab ich auch nie so gemeint. Ich hätte mir nur gewünscht, dass man als Spieler/Leser am Schluss etwas positiver und evtl. mit einem kleinen Rat und einem guten Gefühl nach dem Motto "die Protagonistin hat es geschafft, vielleicht kann ich es ja auch" zurückgelassen wird. Aber eben dieser Hoffnungsschimmer am Schluss hat mir gefehlt. Einerseits gibt einem das Spiel, wenn man selbst betroffen ist, das Gefühl, dass man zwar irgendwie verstanden wird und nicht der Einzige ist. Auf der anderen Seite lässt einen das Spiel am Ende aber dann auch wieder mit einer meiner Meinung nach nicht abgeschlossenen Handlung allein, ohne dass es einem irgendwie einen hilfreichen Rat mit auf den Weg gibt oder sowas. Und gerade bei Spielen, die sich mit solchen Themen befassen, hätte ich es eben gut gefunden, wenn einem das Spiel, trotz der Thematik, in irgend einer Form mit einem positiven Gefühl verabschiedet. Das ist meiner Ansicht nach aber eben nicht passiert und das finde ich eben schade.
        Muss man objektive Informationen darüber vermitteln? In dem Spiel geht es ja um einen Menschen. Ein Individuum. Es geht nicht darum, dem Spieler die Symptome von Depressionen näher zu bringen, sondern um Sensibilisierung. Und die subjektive Gefühlswelt eines Menschen gehört selbstverständlich dazu. Der Mensch steht hier im Mittelpunkt, nicht die Lehre. Dieses Spiel stellt Ausschnitte aus dem Leben einer Person dar, die eine kranke Seele hat. Es stellt dar. Nicht mehr, nicht weniger. Was man selbst daraus macht, ist eine andere Frage. Oder fragst du bei Skulpturen, die nackte Menschen darstellen, ob es irgendwo ein Leitfaden für die menschliche Anatomie gibt?

        Und ganz ehrlich..."hilfreiche Ratschläge" kriegt man als Mensch mit Depressionen zu genüge. Die meisten sind mit "Reiß dich einfach mal zusammen" zu übersetzen und wenig hilfreich.

        Zitat von Neawoulf
        Der Grund aus dem ich das Spiel unter diesen Umständen nicht empfehle ist schlicht, weil ich der Meinung bin, dass das Spiel evtl. eine depressive Phase triggern KÖNNTE, nicht zwingend wird. Aber das Spiel ist halt, wie oben erwähnt, eine sehr subjektive depressive Erfahrung. Ich bin selbst kein Experte auf dem Gebiet, aber jemandem, der gerade akut in einer Depression steckt oder gar selbstmordgefährdet ist, würde ich das Spiel eben nicht empfehlen, da es meiner Ansicht nach eben keinerlei positive Message enthält und den Spieler möglicherweise nur noch mehr runterzieht und zum Schluss mit dieser trostlosen und hoffnungslosen Stimmung allein lässt.

        Oder um es anders auszudrücken: Wer möglicherweise starke Depressionen hat und suizidgefährdet sein könnte, sollte das Spiel zumindest nicht allein spielen. Wie gesagt: Keine Expertenmeinung, nur mein persönliches Empfinden zu dem Thema.
        Damit unterstellst du aber auch pauschal, dass stark despressive Menschen sich das nicht zumuten können. Und das ist, offen gestanden, extrem dreist und voreingenommen. Lehne dich bitte nicht zu weit mit solchen Urteilen aus dem Fenster. Vielleicht ist der ein oder andere ja auch richtig begeistert davon, eben WEIL das Spiel einem das Gefühl vermitteln kann, nicht allein damit zu sein? Kann ja auch sein.
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