Der Kleinkrieg zwischen Roberts und Smart - was bisher geschah
Luftschloss oder Meisterwerk: Um Star Citizen ist ein regelrechter Glaubenskrieg entbrannt. Vorläufiger Höhepunkt ist die Schlammschlacht zwischen Chris Roberts und Derek Smart. Letzterer hält das Weltraumspiel in der momentan angekündigten Version für nicht realisierbar und bezichtigt Roberts des Betrugs. Der Game Designer wiederum glaubt spätestens nach dem von Escapist veröffentlichten Enthüllungsbericht an einen boshaften Sabotageakt. Wir fassen das Drama.
Star Citizen. Wohl kaum ein anderes Projekt spaltet die Community derzeit so sehr wie die Weltraum-Simulation von Cloud Imperium Games. Für die einen ist es ein spielgewordenes Paradies mit scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten. Dog Fights mit Raumschiffen, Blaster-Gefechte in First-Person-Perspektive, Erkundung fremder Planeten in einem riesigen Universum - die Liste an versprochenen Features ist lang. Auf der anderen Seite stehen die Zweifler, die der Annahme sind, dass sich Game Designer Chris Roberts mit seiner derzeitigen Vision übernimmt und an einem Luftschloss arbeitet.
In diesem Artikel
Die Kritik eines Spiele-Entwicklers bringt eine Lawine ins Rollen
Star Citizen wird, so wie es angekündigt wurde, niemals fertig. Nie." - Derek Smart im Juli 2015
Eine Schlüsselrolle in diesem Zusammenhang kommt Derek Smart zu. In einem Anfang Juli 2015 veröffentlichten Blog-Eintrag "Interstellar Citizens" stellt er infrage, dass Star Citizen in der momentan angekündigten Version erscheint. Denn dafür sei das Budget von seinerzeit 85 Millionen US-Dollar zu gering. "Es gibt keinen einzigen Publisher oder Entwickler auf diesem Planeten, der dieses Spiel wie angekündigt entwickeln könnte, vor allem nicht für weniger als 150 Millionen US-Dollar", behauptete Smart. Schließlich seien die "technischen Herausforderungen größer als bei GTA 5, geschweige denn von Spielen wie Halo." Er kommt zu dem Schluss: "Das Spiel, so wie es angekündigt wurde, wird niemals fertig. Nie."
Dass die Meinung von Smart auf Gehör stieß und sich wie ein Lauffeuer im Netz verbreitete, liegt wahrscheinlich nicht nur am äußert kritischen Ton, sondern auch an seiner Biografie. Smart begann Ende der Achtziger Jahre seine Karriere als Spiele-Entwickler. Mit Battlecruiser 3.000 AD schuf er ein mit Star Citizen vergleichbares Spiel und kann aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mögliche Fallstricke besser einschätzen als Spieler oder Medien. Hinzu kommt seine persönliche Vorgeschichte im Zusammenhang mit Star Citizen. Er selbst gab an, Star Citizen bei der Ankündigung im Jahr 2012 unterstützt zu haben. Doch in den Jahren danach habe er den Glauben an das Projekt verloren. "Das ursprüngliche Spiel, das ich 2012 selbst unterstützt habe? Ja, das war absolut machbar. Die neue Vision? Keine Chance", schrieb Smart im Juli und verwies auf ähnliche Meinungen, die aus der Community stammen sollen.
Quelle: Cloud Imperium Games
Im Juni 2015 wurde bekannt, dass die Arbeiten am FPS-Modul Star Marine in Stocken gerieten, was (abermals) Zweifel am gesamten Projekt aufwarf.
"Dieses Maß an Offenheit, all die Publicity, die Versprechen, der Hype, die glorreiche Anti-Unternehmenshaltung und Rhetorik etc. - alles davon hat eine sehr schlechte Kehrseite. Und es ist nicht so, als wäre das Donnergrollen nicht da gewesen. Jedes Mal, wenn es neue Meldungen über das Erreichen eines weiteren Meilensteins oder einen weiteren Cash-Grab für ein Schiffskonzept gibt, ist es mit einer nachteiligen Rhetorik verbunden, weil die meisten Unterstützer es bereits satt haben und einfach nur das Spiel wollen, das man ihnen 2012 versprach." Wie Smart Tage später durchblicken lässt, habe er sich durch seinen kontroversen Blog-Eintrag eine Antwort von Chris Roberts erhofft. Da diese jedoch angeblich ausblieb und ihm zwischenzeitlich sein über Kickstarter gespendete Beitrag ungefragt zurückgegeben wurde, startet er einen neuen Versuch.
Der Moment, an dem "die Hölle losbrach"
Smarts zweiter Blog-Eintrag "Interstellar Discourse" schlägt ähnlich hohe Wellen - und zwar auch, weil der Ton schärfer wird. Der Battlecruiser behauptet darin unter anderem, Opfer einer Schmutzkampagne zu sein. Cloud Imperium Games habe gezielt versucht, ihn mundtot zu machen. Seine Annahme macht er nicht nur an dem ihm zurückerstatteten Kickstarter-Beitrag fest. Die Macher von Star Citizen soll auch die Community gegen ihn in Stellung gebracht haben, um ihn als Lügner zu brandmarken - das sei der Moment gewesen, an dem für ihn die "Hölle losbrach". Smart spricht in diesem Zusammenhang wenig zimperlich von einer "Armee von weißen Backer-Rittern" in "kultartiger Bekleidung", "Spinnern" und regelrechten "Kultanhängern".
Quelle: RSI
In mehreren Blog-Beiträgen äußert sich Battlecruiser-Entwickler Derek Smart kritisch über die Weltraum-Simulation Star Citizen.
Seine verbale Attacke geht noch weiter: "Diese asozialen Blindgänger, von denen die meisten wahrscheinlich noch in Windeln herumliefen und sich ihre mit Kot beschmierten Hände ins Gesicht rieben, als ich meine Brötchen als Hardcore-Internet-Warlord verdiente, wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben. Ich bin diesen Weg schon vor geraumer Zeit gegangen. Dieses Zeug entmutigt mich nicht, noch bringt es mich von meinen Zielen ab." Es bleibt nicht nur bei Anschuldigungen: Smart stellt auch konkrete Forderungen an Cloud Imperium Games und droht den Star Citizen-Entwicklern mit rechtlichen Schritten.
So pocht er unter anderem darauf, dass Chris Roberts und seine Ehefrau Sandra zurücktreten und die Kontrolle über das Unternehmen an einen Interim-Manager übertragen. Kickstarter-Backer, die das wünschen, sollen außerdem ihren Spendenbeitrag zurückerhalten. Außerdem soll Cloud Imperium Games einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer beantragen, um ein Gutachten über die finanzielle Lage und den Projekt-Status zu verfassen. Für den Fall, dass sich Roberts weigert, kündigt der Battlecruiser-Entwickler weitere Enthüllungsgeschichten an.
Weil von Seiten Cloud Imperium Games keine Reaktion erfolgt, schaltet Smart seine Anwälte ein. Im dritten Blog-Eintrag "Interstellar Breach" formuliert er seine Forderungen ein weiteres Mal, lässt dabei aber durchblicken, dass er sich keine Hoffnungen auf ein Einlenken von Roberts macht. Smart sieht sich offenkundig als Anwalt der Community (Zitat: "Mr. Smart hat es auf sich genommen, sich selbst und die verschiedenen Backer/Investoren zu schützen") und erwägt, eine Sammelklage ins Leben zu rufen.
CI Games schlägt zurück
Die Antwort von den Star Citizen-Machern lässt nicht lange auf sich warten: Ende August 2015 tauchte im Internet ein Anwaltsschreiben auf. Darin weist man die Vorwürfe von Smart vehement zurück. Dessen Äußerungen seien "verleumderisch" und nicht auf Grundlage von Fakten entstanden, heißt es dort. Zumal Smart laut Anwaltsschreiben Star Citizen noch nie heruntergeladen und installiert hat. Wenig später, nachdem er über Kickstarter eine Summe von 250 US-Dollar für Star Citizen spendete, habe er sich aus dem E-Mail-Verteiler von Cloud Imperium Games ausgetragen.
Ungeachtet dessen habe sich CI Games in Reaktion auf die Blog-Beiträge an Smart gewandt, um ihn seine finanzielle Unterstützung zurückzugeben. Doch der per Post versendete Scheck kam an den Empfänger zurück, da die von Smart angegebene Adresse nicht existierte. Smart soll darauf entgegnet haben, dass die Versandadresse zwischenzeitlich umbenannt wurde. Recherchen von CI Games hätten jedoch keine Anhaltspunkte in dieser Richtung geliefert. Über die Anwälte lassen die Star Citizen-Macher ausrichten, dass Smart offenbar bewusst versucht hat, die Rückerstattung aktiv zu verhindern.
Im Übrigen müsse Cloud Imperium Games nicht der Forderung von Smart nachkommen. Denn für das Offenlegen der Geschäftsunterlagen gäbe es keine rechtliche Grundlage. Ferner wird die Kompetenz von Smart angezweifelt. Dessen "Karriere" [im Schreiben mit Apostrophen versehen] sei vor dem Hintergrund von Steuerproblemen und einem Konkursverfahren, an dem er beteiligt gewesen sei, infrage zu stellen. Außerdem habe Smart kein "funktionierendes und erfolgreiches" Spiel entwickelt, was die Vorwürfe von ihm laut Schreiben noch unglaubhafter erscheinen lässt.
Das abschließende Urteil: "Im Internet-Zeitalter muss sich jedes erfolgreiche Unternehmen Trollen stellen. Die Online-Kommunikation des Klienten kombiniert haltlose Anschuldigungen mit persönlichen Beleidigungen, während er sich selbst und dessen in der Entstehung befindliche und noch nicht funktionsfähiges Spiel bewirbt - dieser Fakt spricht für sich selbst. Wir sind sicherlich bereit auf jedwede rechtliche Schritte zu reagieren (...)."

Einen Hang zum Trollen haben aber beide.
Aber Smart sollte wirklich überlegen ob er nicht sein Geschäftsmodell auf "Internetwarlord for hire" umstellt. Rent a Smart, um leise, sachliche Kritik durch laute, unsachliche zu ersetzen :D
Seine Filme sind mies (Alone in the Dark mochte ich sogar, lag aber an Slater), aber er weiß sie zu finanzieren und verdient Geld damit. Er mag ein besserer Geldbeschaffer als Regisseur sein, aber er glaubt an das was er macht und liefert alljährlich neues Material. In der Hinsicht wäre er Roberts sogar näher als Smart. ;)
Was fast schon cool war, wie er gegen fünf seine Kritiker in den Boxring gestiegen ist und sie alle besiegte. Einer war sogar Amateurboxer. :D
Das ist ein weiteres Ego von Roberts, welche er ab und zu auspackt um sich selber zu hinterfragen.
oO
Derek Smart
Wohnort:
Bielefeld
Oder was? :-D
Das ist ein weiteres Ego von Roberts, welche er ab und zu auspackt um sich selber zu hinterfragen.
oO