PCG auf Spurensuche: Warum eure Lieblingswaffen in Shootern fake sind
Große Shooter wie Call of Duty und Battlefield verzichten zunehmend auf echte Waffennamen, während die Designs immer realistischer werden. Auf der Suche nach dem Grund steigen wir tief in einen rechtlichen und moralischen Kaninchenbau.
Viele Spieleentwickler, und auch einen großen Teil ihrer Kundschaft, treibt seit der Geburt der Videospiele ein Ziel an: Realismus. In vielen Genres sind authentische Umsetzungen des echten Vorbilds das A und O, und das gilt sowohl für Spielsysteme als auch für die Optik.
Es soll sich nicht nur echt anfühlen, sondern auch echt aussehen. Dazu gehört oft, real existierende Menschen und Produkte in die Digitalsphäre zu übertragen.
Bei EA Sports FC laufen bekannte Kicker aus echten Vereinen über den Platz. Der Microsoft Flight Simulator setzt Hobbypiloten in detaillierte Cockpits aller möglichen echten Flugzeuge. Forza und Gran Turismo liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen darum, bei wessen Lizenz-Boliden sich die schönsten Regentropfen über den Lack schlängeln. So weit, so harmlos.
Was aber, wenn es um Spiele und Produkte geht, die nicht ganz so friedlich sind - also zum Beispiel Shooter und die darin verwendeten Waffen? Nun, dann wird die Sache um ein Vielfaches komplizierter.
In diesem Artikel
Wenn ihr gerne virtuell in den Krieg zieht, dann ist euch in den letzten Jahren vielleicht ein Trend aufgefallen: Die Knarren, mit denen euch Call of Duty, Battlefield und Co. ausstatten, sehen immer realistischer aus, aber gleichzeitig werden ihre Namen zunehmend verfremdet.
Warum drücken uns moderne Call of Dutys zum Beispiel eine "Lachmann-MP" oder eine "C9" in die Hand, obwohl jedem halbwegs versierten Shooter-Spieler klar ist, dass es sich dabei um eine MP5 handelt?
Mit dieser eigentlich simplen Frage im Kopf haben wir uns auf Spurensuche begeben. Wir haben Spieleentwickler, Rüstungsunternehmen, Brancheninsider und Anwälte kontaktiert. Dabei wurde schnell klar: Bei diesem Thema an klare Antworten zu kommen, ist alles andere als einfach.
Täuschend echt ...
Vorweg wollen wir einmal klären, welchen Stellenwert Waffen in modernen Shootern haben. Neben Sport- und Simulationsfans bringt es auch für viele Shooter-Spieler einen Immersionsgewinn, wenn sie mit möglichst "echtem Gerät" spielen dürfen, bei dem jedes Detail dem Vorbild entnommen ist.
Auf YouTube erlebt Content zu Videospielwaffen seit Jahren einen regelrechten Boom, was auch mit dem immer höheren Grad an Realismus zusammenhängen dürfte, den moderne Grafik ermöglicht. Millionen Shooter-Spieler wollen wissen, wo ihre Lieblingswaffen herkommen, wie sie funktionieren und wie gut die Designer und Animatoren unter den Entwicklern ihr Handwerk verstehen.
Call of Duty: Modern Warfare von 2019 gilt beispielsweise als Meilenstein, wenn es um die Abbildung von Schusswaffen geht. Das Handling der Ballermänner ist immer noch CoD-typisch arcadig. Modelle, Texturen und Animationen setzten dafür Maßstäbe, die auch in einer waschechten Militärsimulation nicht fehl am Platz wären. Dafür, also für dieses In-Szene-Setzen seiner Waffen, wird das Spiel in Fankreisen bis heute gefeiert, viel mehr als etwa für sein Mapdesign oder seine Spielmodi.
Quelle: PC Games
Das Essex Model 07 aus Black Ops 6 heißt eigentlich Winchester Model 1895. Selbst bei solch uralten Waffen ist Vorsicht geboten - die Firma Winchester hat ihre Unterhebel-Repetiergewehre nämlich nach wie vor im Angebot.
Auch bei Hardcore-Shootern wie Escape from Tarkov oder Ready or Not ist ein realistischer Umgang mit Schusswaffen essenziell, um die Fantasie zu erfüllen, mit der sich die Spiele verkaufen. Das schließt sowohl ihre Designs als auch ihre Funktionsweisen ein.
Es reicht auch schon lange nicht mehr, die Waffe kurz aus dem Bild verschwinden zu lassen, um das Einlegen eines neuen Magazins darzustellen. Es sollen exakt die richtigen Elemente in der richtigen Reihenfolge bedient werden. Die Kompetenz und Coolness des Kämpfers, den wir steuern, müssen in jeden Schritt des Vorgangs fließen.
Bei Call of Duty wird inzwischen etwa nicht nur jeder kleine Knopf und Hebel an den Gewehren animiert, es wird auch penibel darauf geachtet, Teile der Nachladeanimation mit dezentem Bildschirmwackeln auszuschmücken, um die Kraft der Bewegungen zu unterstreichen.
Dazu kommen aufwendige Inspizierungsanimationen, bei denen mit verschiedenen Elementen der Waffe herumgespielt wird und auch mal ein Blick in ihr Innenleben geworfen werden darf. Ganze Teams mit eigenen Animationsdirektoren sind dafür zuständig, dass die Handhabung der Ausrüstung gut und echt aussieht, auch, wenn sie per se keinen großen spielerischen Nutzen hat.
Quelle: PC Games
Ein anderes Genre, bei dem Herstellervorgaben oft ins Gameplay eingreifen: Rennspiele mit real existierenden Autos. Komplett verschrotten lassen die sich nämlich praktisch nie.
... und doch fiktiv
Diesem Fokus auf Realismus und Details, den sich Spieler offensichtlich wünschen und mit dem sich Entwickler brüsten, steht aber nun die Tatsache gegenüber, dass sich die Namen der Knarren immer weiter von der Realität entfernen.
Zwei der größten Shooter-Franchises, Call of Duty und Battlefield, haben sich in der aktuellen Generation davon verabschiedet, ihre Waffen unter den richtigen Bezeichnungen zu führen. Die "Lachmann-MP" in Modern Warfare 2 von 2022 ist offensichtlich eine MP5, für den Laien nur schwer vom Original zu unterscheiden. Hergestellt wird sie im Spiel aber nicht von der deutschen Firma Heckler & Koch, sondern vom (immerhin deutsch klingenden) Fantasie-Fabrikanten Lachmann & Meer.
Quelle: PC Games
Die aktuelle Inkarnation der MP5 im Modern-Warfare-Universum ist die Lachmann-MP von der Firma Lachmann & Meer - offenbar ein Schweizer Konzern.
Der produziert in "CoDeutschland" auch das Holger 556, in der Realität bekannt als die Ordonnanzwaffe der Bundeswehr, das G36. Mit der Kompaktvariante des Sturmgewehrs konnte auch schon in diversen Battlefields geschossen werden, seit BF 2042 heißt es dort aber "GEW-46". Vermutlich steht das für "Gewehr-46". Ganz weglassen kann man die deutsche Herkunft wohl doch nicht, wenn man ein solches Shooter-Evergreen in seinem Spiel anbieten will.
Früher war das noch anders. Battlefield 3 und 4 führen das G36C unter seinem echten Namen, aber ohne den Hersteller zu nennen. In EAs Medal of Honor: Warfighter von 2012 prangt dagegen sogar das echte Logo von Heckler & Koch auf den vielen Waffen der Firma, die es ins Spiel geschafft haben.
Auch Call of Duty nahm es mit seinen Schießeisen schon einmal genauer. Das ACR 6.8 aus Modern Warfare 3 sah qualitativ lange nicht so gut aus wie sein fiktives Pendant aus dem Reboot von 2023. Dafür war es aber das Originalmodell, mitsamt dem Logo der mittlerweile bankrottgegangenen US-Firma Remington Arms. Im Reboot wird das Gewehr von der Firma Rattle Back gebaut und nennt sich "Sidewinder".
Quelle: PC Games
Wer in Modern Warfare 3 (2011) mit dem ACR 6.8 spielt, hat permanent das Logo des Herstellers auf dem Bildschirm.
Die aktuelle Situation erinnert an die Zeiten vor dem großen Militär-Shooter-Boom, als Counter-Strike-Spieler mit der "K&M Submachine Gun" und der virtuelle James Bond mit der "D5K Deutsche" loszogen, obwohl sie beide offensichtlich eine MP5 in den Händen hielten.
Videospielwaffen scheinen einen gewissen Wandel durchgemacht zu haben, aber herauszufinden, warum genau, ist alles andere als einfach. Hier geht es immerhin um große Konzerne und deren Anwälte, die nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit miteinander sprechen.
Die eine Seite stellt Unterhaltungsprodukte her. Die andere Seite produziert Werkzeuge, mit denen Menschen beschützt, aber eben auch eingeschüchtert, verletzt und getötet werden. Da verwundert es nicht, dass sich beide Parteien im Zweifelsfall lieber bedeckt halten, wenn man nach potenziellen Verbindungen fragt. Auf der nächsten Seite versuchen wir, mit den beteiligten Parteien zu sprechen - ein Vorhaben, das sich als äußerst schwierig herausstellt.

Ich finde es immer ein wenig doof, wenn keine originalen Namen verwendet werden. Wenn die Spiele in einem sonst authentischen Setting angesiedelt sind, dann passt das mMn nicht sonderlich dazu.
In Way of the Hunter z.B. gibt es originale Lizenzen.. das finde ich viel stimmiger, als Call of the Wild.
Ein Spiel sollte aber halt auch ein Spiel bleiben - egal ob mit oder ohne echte Marken.
Bei Waffen ist es mir relativ egal, solange das Design grob ins Setting passt: Mir sind da Dinge wie Worlddesign, Atmosphäre usw. wichtiger. Bin aber auch alles andere, als ein Waffennarr (hab nie eine in der Hand gehabt und werde das hoffentlich auch nie müssen), für mich sind die Waffen in Spielen einfach Werkzeuge um zu überleben.
In der aktuellen politischen Lage ist mir das ganze Thema Militärshooter sowieso sehr unangenehm geworden, auch wenn ich früher mal eine Weile gerne Operation Flashpoint und ArmA 2 gezockt habe. Generell zocke ich nahezu auch keine "realistischen" Militärshooter mehr, sondern bevorzuge fiktive Settings (z. B. Stalker Reihe, Into the Radius, Tomb Raider, Bioshock, Control etc.).
Mein letztes Call of Duty war das originale Modern Warfare 2 (das mit der Flughafenmission). Fand ich absolut geschmacklos, auch wenn in der deutschen Version schießen optional war. Das kann man auch nicht mehr mit Humor/Satire a la GTA oder Postal 2 schönreden.