Das war dann mal weg: Verschwundene Spielmechaniken
Spiele waren früher anders. Sie fühlten sich anders an, waren schwieriger und hatten Mechaniken, die heute nicht mehr benutzt werden. Doch warum eigentlich?
Viele Features aus älteren Spielen waren nicht nur genial, sondern auch technisch schlichtweg unverzichtbar. Doch im Laufe der Zeit sind manche von ihnen einfach verschwunden. Oft hat der technische Fortschritt sie überflüssig gemacht, oder sie sind den sich ständig verändernden Designtrends in Videospielen zum Opfer gefallen. Manche Spielmechaniken bemerken wir erst dann als verschwunden, wenn wir genauer darüber nachdenken und feststellen: Dieses Feature habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.
Warum gibt es keine Extraleben mehr?
Game Over - dieser Bildschirm taucht klassischerweise in Videospielen auf, wenn ihr alle Leben verloren habt und das Spiel vorbei ist. Deshalb versucht man natürlich, möglichst nicht zu sterben oder sammelt unzählige Extraleben, um auf der sicheren Seite zu sein. Das wohl bekannteste Symbol für ein Extraleben ist der 1-Up-Pilz aus den Mario-Spielen. Doch diese früher unverzichtbare Spielmechanik findet man in modernen Games kaum noch.
In den frühen Tagen der Videospiele waren ihre Vertreter auf Konsolen und in Arcadehallen oft sehr kurz, aber dafür extrem schwierig. Ohne Speichersystem war das besonders frustrierend. Um zu verhindern, dass Spieler genervt aufgeben, erschufen die Entwickler die Idee von zusätzlichen Versuchen. Dadurch konnten die Spieler nach einem Fehlschlag von einem Checkpoint aus weitermachen, anstatt komplett von vorn zu beginnen.
Seinen Ursprung findet diese Spielmechanik in Arcade-Maschinen, in die man Münzen einwerfen musste, um weiterzuspielen. Man erkaufte sich also die Extraleben mit Geld, oft verbunden mit einem Timer, der herunter tickte, um möglichst schnell Kohle nachzuwerfen, damit man den Spielfortschritt nicht verliert.
Quelle: PC Games + KI
Als Spielekonsolen aufkamen, musste man zwar kein Geld mehr nachwerfen, doch die Mechanik mit den Extraleben blieb weiter bestehen. Frühe Konsolen hatten keine, oder nur sehr begrenzte Möglichkeiten, Spielstände zu speichern, wodurch das Spieldesign der Arcade-Automaten mit ihren kurzen, schwierigen Spielen weiterhin aktuell war.
Mit der Einführung von Speicherkarten, Festplatten und anderen Speichermedien wurde es technisch möglich und praktikabel, den Spielfortschritt zu speichern. Spiele konnten nun komplexer und länger sein, ohne dass die Spieler von vorn beginnen mussten. Das ermöglichte es Entwicklern, das Lebenssystem zugunsten von Checkpoints und automatischen Speicherfunktionen zu entfernen.
Heute kann man es sich kaum noch vorstellen, ohne eine Speicherfunktion zu spielen. Gigantische Spiele, bei denen man für einen Durchlauf locker 100 Stunden und mehr investiert, wären ziemlich frustrierend, wenn man sie nach einer unvorsichtigen Aktion wieder von vorn anfangen müsste. Was nicht bedeutet, dass sich Spieler solchen Herausforderungen nicht freiwillig stellen, was man etwa am Erfolg des Hardcore-Modus in World of Warcraft beobachten kann.
Doch in kommerziellen Spielen sind die klassischen Extraleben mittlerweile bis auf seltene Ausnahmen ausgestorben. Sogar das Mario-Franchise mit seinen ikonischen 1-Up-Pilzen verwendet die Extraleben nur noch sporadisch. In Super Mario Odyssey fehlte diese veraltete Spielmechanik etwa.
Warum gibt es keine Cheats mehr?
Cheatcodes waren in den 80er- und 90er-Jahren ein fester Bestandteil vieler Videospiele. Sie erlaubten Spielern, Vorteile wie Unverwundbarkeit, unendliche Munition oder Levels zu überspringen. Doch mit der Zeit sind diese geheimen Eingaben aus modernen Spielen weitgehend verschwunden. Dafür gibt es technische, designphilosophische und wirtschaftliche Gründe.
In den frühen Tagen der Videospiele waren Schummelcodes oft ein unverzichtbares Werkzeug für Entwickler, um ihre Spiele zu testen. Damals waren Spiele in der Regel schwieriger und linearer. Entwickler nutzten Tricks, um schnell durch verschiedene Spielabschnitte zu springen oder bestimmte Funktionen zu testen. Berühmte Eingaben wie der Konami Code entstanden in dieser Zeit und blieben nach der Testphase oft im Spiel enthalten. Spieler entdeckten sie meist durch Spielemagazine und erleichterten sich das Leben dadurch.
Mit der Weiterentwicklung der Technologie und der zunehmenden Komplexität moderner Spiele wurde es schwieriger, solche Eingaben auf die gleiche Weise zu implementieren. Heutige Spiele bestehen oft aus riesigen, offenen Welten mit zahlreichen Mechaniken, dynamischen Ereignissen und komplexen Skripten. Geheime Codes, die tief in die Mechanik eingreifen, könnten in solchen Systemen unerwartete Probleme und Bugs verursachen, da die Interaktionen zwischen den verschiedenen Spielsystemen unvorhersehbar sind.
Quelle: PC Games + KI
Ein weiterer wichtiger Grund für das Verschwinden von Schummelcodes ist die wachsende Bedeutung von Online- und Multiplayer-Spielen. In diesen Spielen ist Fairness entscheidend, und solche Tricks könnten das Gleichgewicht stören und den Spielspaß ruinieren. Entwickler sorgen deshalb bewusst dafür, dass alle Spieler die gleichen Bedingungen vorfinden und durch im Spiel vorhandene Mechaniken keine Möglichkeit haben, sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen. Das wird allerdings von externen Cheats, die sich Leute installieren können, immer wieder torpediert.
