Review Bombing: Die Invasion der Wut-Bewertungen
Spiele wie The Elder Scrolls 5: Skyrim, GTA 5 oder Playerunknown's Battlegrounds sind eigentlich echte Publikumslieblinge. Trotzdem wurden diese und andere Steam-Hits in der Vergangenheit bereits mehrfach von einer plötzlichen Flut an Negativ-Bewertungen überrollt. PC Games beleuchtet das Phänomen "Review Bombing", stellt prominente Fälle vor und analysiert, warum das Thema das Potenzial besitzt, in der Entwicklerszene großen Schaden anzurichten - aber gleichzeitig auch viel Gutes bewirken kann.
Chronologisch betrachtet haben "Review Bombings" bereits eine langjährige Tradition und reichen zurück bis in die Xbox-360-Ära. Heraus stich dabei insbesondere ein Termin im Frühjahr 2012: der 6. März 2012. Bioware und Electronic Art hatten gerade das Science-Fiction-Rollenspiel Mass Effect 3 veröffentlicht und wurden von den meisten Fachmedien fast durchweg mit Lob überschüttetet. Die Community hingegen war zwiegespaltener. Denn anders als von Bioware im Vorfeld vollmundig versprochen, bot das Spiel im Auslieferungszustand nicht mehrere, inhaltlich grundverschiedene Endsequenzen, sondern nur einen Epilog mit geringfügigen Abweichungen. Die Reaktionen der enttäuschten Fans ließen nicht lange auf sich warten und äußerten sich zum einen in sehr kreativen Protestaktionen.
Quelle: PC Games
Von Kritikern wurde Mass Effect 3 gefeiert. Das unbefriedigende Ende schmeckte der Community jedoch ganz und gar nicht – was letztendlich auch das massive Review Bombing erklärt. Vor allem bei Metacritic vergaben User oft null von zehn Punkten.
Bei der Initiative "Retake Mass Effect 3" etwa wurden dreimal 134 schmackhafte Cupcakes - jede Farbvariante stellvertretend für eines der drei möglichen Spielenden - an die Entwickler verschickt, während man gleichzeitig vehement ein überarbeitetes Ende einforderte. Zum anderen zeigten aber auch Review Bomber erstmals ihre hässliche Fratze. Allen voran auf metacritic.com, einer Online-Plattform, die Presse- und Nutzerwertungen sammelt und daraus jeweils Durchschnittswerte errechnet. Das Besondere in diesem Fall: Viele Nutzer nahmen das unausgegorene Finale des Spiels zum Anlass, radikal null von zehn Punkten zu vergeben und Mass Effect 3 mit kurzen, aber umso drastischer formulierten Statements öffentlich abzustrafen. Eine klare Botschaft an die Macher von Bioware - die ein neues Spielende bekanntlich einige Zeit später in Form eines kostenlosen DLCs namens Extended Cut nachreichten.
Bezahlte Mods? Nein, Danke!
Die nächste namhafte Review-Bombe explodierte im Frühjahr 2015. Bethesda und Valve hatten beschlossen, zahlreiche einst kostenlose Modifikation für das Mammut-Rollenspiel The Elder Scrolls 5: Skyrim kostenpflichtig anzubieten. Als jedoch binnen kurzer Zeit bekannt wurde, dass gerade einmal 25 Prozent der Einnahmen an die Modder selbst gingen, platzte vielen in der Community der Kragen und die Steam-Bewertungen für das Spiel rasselten schlagartig in den Keller. Zusätzlich angeheizt wurde der Shitstorm durch eine direkt an Gabe Newell (Valve) und Christopher Weaver (ZeniMax Media) gerichtete Petition auf der Internet-Plattform change.org, die in kürzester Zeit mehr als 132.000 Befürworter fand. Die Folge: Schon nach 24 Stunden erklärten Valve und Bethesda die Bezahlhürde für nichtig, deaktivierten das System und erstatteten sämtlichen Mod-Käufern ihr Geld zurück.
Die Ironie der Geschichte: Mit der Einführung des sogenannten Creation Club für Fallout 4 und The Elder Scrolls 5: Skyrim startete Bethesda im September 2017 einen zweiten Anlauf, bezahlte Spielinhalte unters Volk zu bringen - und öffnete Review Bombern damit erneut Tür und Tor. Deren Argumentation diesmal: Trotz neuer Zertifizierungsprozesse bei Bethesda seien die Inhalte überteuert und zudem häufig schon in sehr ähnlicher Form als Gratis-Mod verfügbar.
Selbst Rockstar macht einen Rückzieher
Quelle: PC Games
„Hohe Anzahl negativer Reviews festgestellt“: Für Nichteingeweihte kann dieses zusätzliche Informationsfeld zunächst durchaus verwirrend sein. Erst ein Blick auf das Histogramm gibt Klarheit, was genau gemeint ist.
Wie sensibel die Spielerschaft auf Eingriffe in die Mod-Szene reagiert, bekam dieses Jahr auch Take 2 Interactive zu spüren. Der US-Publisher hatte auf rechtlichem Wege versucht, OpenIV, ein überaus populäres Modding-Tool für GTA 5, vom Markt zu nehmen - und entfesselte im Gegenzug ein Review Bombing, wie es Steam bis dato noch nicht erlebt hatte. Innerhalb weniger Tage vergaben mehr als 35.000 Nutzer einen Daumen nach unten. Für Entwickler Rockstar ein ernsthaftes Problem, denn aus der einst positiven Gesamtwertung oben rechts auf der Steam-Shop-Seite von GTA 5 wurde plötzlich ein für viele Kunden eher negativ behaftetes "Ausgeglichen".
Interessante Parallele zum Fall Skyrim: Auch hier startete ein Fan zeitnah eine Petition, die unterm Strich mehr als 81.000 virtuelle Unterschriften anhäufte. Fazit der Story? Ende Juni 2013 ruderten Take 2 und Rockstar Games zurück und gaben Yuriy "Good-NDS" Krivoruchko offiziell grünes Licht, sein Modding-Werkzeug weiterzuentwickeln. Einzige Bedingung: Modifikationen für GTA Online werden weiterhin nicht gedudelt und konsequent geahndet.
Kunden lassen sich nicht für dumm verkaufen
Quelle: PC Games
Über 15.000 Negativ-Bewertungen an einem Tag: Selbst Publikumsliebling PUBG ist nicht gegen Review Bombing gefeit. Auslöser in diesem Fall: Werbeeinblendungen für einen VPN-Client.
Mit knapp 20 Millionen Early-Access-Nutzern in gerade einmal neun Monaten zählt Playerunknown's Battlegrounds (PUBG) zu den Überfliegern des Spielejahres 2017. Gefeit gegen Review Bombings ist der diesjährigen Publikumsliebling damit aber noch lange nicht. So geschehen im Ende September 2017: Zu diesem Zeitpunkt nämlich bekamen PUBG-Spieler aus China ungefragt die Anzeige für einen VPN-Client in ihrer Ingame-Lobby zu sehen. Werbung in einem 30-Dollar-Spiel, bei dem sonst kein anderes Land Lobby-Werbung zu sehen kriegt? Das ging vielen Fans aus Fernost natürlich gehörig gegen den Strich und resultierte in knapp 30.000 Negativ-Bewertungen. Auch deswegen, weil der Internet-Verkehr in China ohne massiv reguliert ist und VPN-Server von chinesischen Spielern häufig eingesetzt werden, um zusammen mit Spielern anderer Weltregionen zu spielen - was dann wiederum in Verbindungsaussetzern für alle anderen resultiert.
Die Kehrseite der Medaille: Persönliche Glaubenskriege
Führt man sich die bis dato geschilderten Fälle vor Augen, ist eine wichtige Gemeinsamkeit zu erkennen. Die skizzierten Review Bombings stehen in direktem Zusammenhang mit begründeter Nutzerkritik am Spiel, an einem neu ergänzten Feature oder einer Publisher-Entscheidung, die einen großen Teil der Community des in die Kritik geratenen Spiels betrifft.
Allerdings gibt es auch Review Bombings, bei denen der Auslöser weitaus diffuser, seltsamer und damit in den Augen vieler ungerechtfertigter erscheint. Prominentestes Beispiel hierfür ist zweifelsohne das Indie-Adventure Firewatch. Zur Erinnerung: Als das Spiel am 9. Februar 2016 für PC, PS4 und Xbox One erschien, erntete es weltweit wohlwollende Kritiken. PC Games war ebenfalls ziemlich angetan und lobte den Mystery-Trip durch die Wildnis Wyomings für seine gelungene Atmosphäre, den wunderschönen Grafikstil und die clever geschriebenen Dialoge. Ein ganz ähnliches Bild auf Steam - hier haben die positiven Bewertungen ebenfalls zunächst eindeutig die Nase vorn. Naja, zumindest bis zum 12. September 2017 - der Tag an dem die Kritik-Bombe detonierte.
Was war passiert? Ganz einfach: Der weltbekannte Let's Player PewDiePie (ca. 57,8 Millionen YouTube-Abonnenten) hatte jemanden in einem via Twitch übertragenen PUBG-Match als "Nigger" beschimpft. Der Medienaufschrei ließ nicht lange auf sich warten. Firewatch-Entwickler Campo Santo - obwohl in keiner Weise im Video genannt - fand die rassistische Bemerkungen ebenfalls überhaupt nicht witzig und zwang PewDiePie, mittels Urheberrechtsklage (DMCA Takedown) sämtliche Firewatch-Let's Plays von seinem Kanal zu entfernen. Was Campo Santo nicht ahnte: Genau diese Meinungsunterdrückung schmeckte wiederum unzähligen PewDiePie-Anhängern nicht, woraufhin diese Firewatch auf Steam an nur einem Tag mit mehr als 900 Negativ-Reviews abstraften.
In eine ganz ähnliche Richtung schlägt der Fall Titan Souls. Hier kam es in den sozialen Medien ebenfalls zu einem verbalen Kleinkrieg zwischen Andrew Gleesen, dem Künstler des Action-Rollenspiels, und dem britischen, vor allem in PC-Spieler-Kreisen bekannten YouTube-Star John Bain alias TotalBiscuit. "Titan Souls ist absolut nichts für mich. Die Idee eines Boss-Rush-Spiels, wo der einzige Fortschritt darin besteht, noch mehr Bosse freizuschalten, spricht mich nicht an", gab TotalBiscuit im April 2015 via Twitter zu verstehen. Gleesen wiederum empfand diese Aussage als persönliche Beleidigung und antwortete sarkastisch: "Toiletbiscuit [Anm. d. Red.: man beachte die Schreibweise des Namens!] mag TS nicht. DIES IST DER BESTE TAG." Die Eskalation folgte, als TotalBiscuit ankündigte, nicht länger über das Spiel zu berichten, denn der Entwickler könne ihn ganz offensichtlich nicht leiden und das wiederum würde zu einer gewissen Voreingenommenheit führen.
Zitat des YouTubers, der schon damals mehr als zwei Millionen Abonnenten um sich scharte: "Ich kann mich mit dem Spiel nicht wirklich auseinandersetzen, da Gleeson ein gewisses Element von Befangenheit in meinen Geist injiziert hat. Das Spiel, mit dem er zu tun hat, kann ich daher nicht fair beurteilen." Was all das mit Review Bombing zu tun hat? Nun, auch hier dauerte es nicht lange, bis der Zank im Netz die Runde machte und Befürworter von TotalBiscuits Position dazu bewog, ihrem Ärger in Form von negativen Titan Souls-Kurztests auf Steam Luft zu machen.
Organisierter Protest, dort wo es weh tut
Quelle: PC Games
Bizarrer Zusammenhang: Dota 2 wurde Opfer eines Review Bombings, weil Half-Life 2: Episode 3 (ebenfalls von Valve) noch immer nicht erschienen ist.
Womit wir wiederum bei der Dota 2 wären. Speziell am Beispiel des MOBA-Hits von Valve zeigt sich, welche unscheinbare Ereignisse heutzutage die Mechanismen einer Review Bomb in Gang setzen können. Zur Erinnerung: Am 8. August 2017 kündigte der im Lauf der letzten Jahre ständig gewachsene Games-Entwickler und Steam-Betreiber Valve seinen neuen Titel Artifact an - ein Sammelkartenspiel im Dota-Universum. Die Community aber - seit Jahren erpicht darauf, endlich etwas über ein neu entwickeltes Half-Life zu erfahren - ging sofort auf die Barrikaden und wertete den Ankündigungstrailer mit 70.000 "Mag ich nicht"-Angaben in Grund und Boden. Zeitnah zur Artifact-Ankündigung schoss außerdem die Zahl der Negativ-Kritiken zu Dota 2 rasant nach oben.
Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte das Wertungsmassaker allerdings erst zweieinhalb Wochen später. Auch hier lässt sich der Auslöser sehr genau identifizieren. Denn am 25. August 2017 hatte Marc Laidlaw, seines Zeichens Autor sämtlicher Half-Life-Spiele und seit 2016 nicht mehr bei Valve angestellt, einen sehr emotionalen Eintrag auf seinem privaten Blog veröffentlicht. Auf den ersten Blick etwas kryptisch formuliert, stellte sich schnell heraus, dass mit "Epistle 3" natürlich das nie erschienene Half-Life: Episode 3 gemeint war und Laidlaw dem Besucher seiner privaten Webseite letztendlich eine Art Zusammenfassung der damals geplanten Geschichte präsentierte. Beide Ereignisse in Kombination brachten das Fass schließlich zum Überlaufen - und bescherten Dota 2 auf Steam im August 2017 insgesamt 7826 Daumen-Runter-Einträge. Rekordverdächtig für Dota 2-Verhältnisse!
Das Problem: Egal, ob nun Titan Souls, Firewatch oder Dota 2 - wühlt man sich im Nachhinein durch den Berg an Kritiken zum Zeitpunkt des Review Bombings, findet eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Produkt häufig gar nicht statt. Im Gegenteil: Ganz ohne Rücksicht auf Verluste lassen viele Nutzer ihrer Wut über ein nur vage mit dem Spiel zusammenhängendes Ereignis freien Lauf. Ebenfalls auffällig: Um ihrem Protest zusätzlich Nachdruck zu verleihen, bewerten sie die "Nicht empfohlen"-Einträge von Gleichgesinnten als "hilfreich", wodurch diese wiederum in der Liste der hilfreichsten Reviews nach oben rutschen und zuerst angezeigt werden. Die Negativ-Spirale nimmt ihren Lauf - und kann meist dann erst durchbrochen werden, wenn zwischendurch auch mal wieder jemand mäßigende Töne anklingen lässt.
Valve zieht die Notbremse
Quelle: PC Games
Typisches Phänomen bei Review Bombings: Einem Nutzer missfällt das Verhalten eines Entwicklers, woraufhin dieser das Spiel des Entwicklers (in diesem Fall Firewatch) negativ bewertetet. Inhaltliche Aspekte kommen bei solchen Nutzerkritiken in der Regel nicht vor.
Doch was tun gegen Review Bombings? In Anbetracht der sich häufenden Vorfälle hat sich allen voran Valve in den letzten Monaten intensiv den Kopf darüber zerbrochen und am 19. September 2017 eine erste Gegenmaßnahme präsentiert. Gemeint ist ein zunächst unscheinbares Aktionsfeld namens "Graph anzeigen". Klickt man drauf, erscheint das sogenannte Histogramm. Dieses zeigt alle bisher veröffentlichten positiven und negativen Nutzer-Bewertungen auf einer Zeitachse grafisch an. Wurde ein Spiel also beispielsweise über einen langen Zeitraum vorwiegend positiv bewertet, dann jedoch zu einem Zeitpunkt X mit vielen Negativbewertungen abgestraft, lässt sich dies mit Hilfe der Grafik auf einen Blick erkennen. Nettes Komfortmerkmal in diesem Zusammenhang: Klickt man innerhalb des Histogramms auf einen beliebigen Balken, werden die einzelnen Bewertungen dieses Zeitraums umgehend unter der Grafik aufgeführt. Zusätzlich zum Histogramm weist Steam in einem beigefarbenen Kasten außerdem darauf hin, in welchem Zeitraum zuletzt eine ungewöhnlich hohe Anzahl negativer Bewertungen festgestellt wurde.
Wenig sinnvolle Alternativen
Geht's nach Alden Kroll, Interface-Designer bei Valve, hatte das Unternehmen übrigens auch alternative Lösungen in petto. Die erste sah beispielsweise vor, die Bewertungs-Zusammenfassung oben rechts auf der Produktseite komplett zu entfernen. Letztendlich entpuppte sich dieser Weg aber als wenig sinnvoll - immerhin hatten die Nutzer genau diese Funktion ja ursprünglich vehement eingefordert.
Quelle: PC Games
Am 28. April 2017 ging bei Square Enix’ Nier: Automata die Review-Bombe hoch. Drahtzieher waren vor allem Spieler aus Asien, die vehement eine chinesische Übersetzung des Spiels einforderten.
Des Weiteren zog Steam in Betracht, die Bewertungsfunktion temporär zu sperren. Kroll schreibt dazu: "Basierend auf der Theorie, dass die Review Bombs nur eine temporäre Veränderung sind, können wir die Review-Funktion für eine bestimmte Zeit einschränken, sobald wir eine massive Veränderung in den Einreichungen erkennen. (...) Letztendlich hat uns diese Option [aber] nicht gefallen, da wir Spielern nicht die Fähigkeit entziehen möchten, ihre Meinungen zu äußern. Wir möchten auch nicht, dass die Community aufhört, Diskussionen über verschiedene Probleme zu führen, auch wenn es wahrscheinlich bessere Optionen gibt, als die Steam Reviews dafür zu nutzen."
Last but not least diskutierte Valve intern einen Eingriff in den eigentlichen Bewertungsalgorithmus. Und zwar dahingehend, dass in die Bewertungs-Zusammenfassung nur noch aktuelle Nutzerbewertungen einfließen. Laut Steam hätte dies gleichwohl die größten Schwankungen im Bewertungssystem hervorgerufen, die Präzision der Bewertungen stark eingeschränkt und am Ende des Tages tatsächlich niemandem geholfen - weshalb auch dieser Ansatz schnell wieder vom Tisch war.
Mitdenken ausdrücklich erwünscht
Im Direktvergleich mit den eben genannten Alternativen erscheint das Histogramm also in der Tat als die aktuell sinnvollste Lösung. Denn es schränkt die Meinungsfreiheit der Nutzer nicht ein, gibt ihnen aber gleichzeitig die Möglichkeit, unregelmäßige Bewertungen zu erkennen - sofern sie denn bereit sind, sich aktiv mit den Bewertungen im Problemzeitraum auseinander zu setzen. Hinzu kommt, dass man vergleichsweise gut erkennen kann, wie sich die öffentliche Meinung zu einem Spiel chronologisch betrachtet entwickelt hat. Verbessert sich die Meinung zu Spiel XY beispielsweise über einen Zeitraum von mehreren Monaten kontinuierlich, dann kann dies durchaus als Hinweis darauf gewertet werden, dass sich ein Entwickler intensiv mit dem Feedback der Community auseinandersetzt und Produktfehler konsequent ausmerzt. Schlägt das Histogramm dagegen langsam, aber beständig in eine negative Richtung aus, ist nicht auszuschließen, dass ein Spiel mit der Zeit verschlimmbessert wurde.
Quelle: PC Games
Verklagt: Dieser Twitter-Post von Campo-Santo-Co-Gründer Sean Vanaman war der Auslöser für das kurz darauffolgende Review-Bombing des bekannten First-Person-Adventures Firewatch.
Keine Frage, das Histogramm ist ein guter Anfang. Kritiker jedoch behaupten, Valve würde das eigentliche Problem damit nur sehr bedingt in den Griff kriegen. Einerseits, weil das Histogramm nicht von vorn herein auf der Produktseite eines Spiels zu sehen ist, sondern erst einmal aktiv aufgerufen werden muss. Andererseits, weil man dem Otto-Normal-User zu viel Eigeninitiative und zeitintensive Recherchearbeit abverlangt. Denn zugegeben, um eine Review Bomb korrekt zu erkennen, ist es a) zwingend notwendig, eine komplexe Grafik richtig zu interpretieren. Und b) wichtig, zumindest einige Minuten stichprobenartige in verschiedene Bewertungen hineinzulesen - Zeit, die viele vermutlich nicht gewillt sind, aufzubringen.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele Bewertungen nun mal auf Englisch formuliert sind. Wer der Sprache nicht mächtig ist, muss entweder ein Übersetzungs-Tool bemühen, jemanden um Hilfe bitten oder in die Röhre gucken. Noch mehr Sorgen bereit den Zweiflern allerdings der Nachahmer-Effekt. Frei nach dem Motto: Hat die tobende Meute erst einmal realisiert, dass ihr Aufbegehren große Wellen verursachte und sogar in einem Histogramm verewigt wurde, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie ausreichend motiviert ist, es erneut zu versuchen. Hört man sich bei Entwickler um, ist die Resonanz ebenfalls häufig verhalten. James Spafford, Community Manager bei Double Fine Productions etwa twitterte noch am 19. September 2017: "Das Ganze wirkt wie eine faule Ausrede. Man überlässt dem neuen Kunden die Beweispflicht, damit der herausfinden kann, ob der Mob wütend spammt oder nicht."
Ausblick
Quelle: PC Games
Das Pixel-Abenteuer Titan Souls: Ein Twitter-Schlagabtausch zwischen dem YouTuber TotalBiscuit und dem Entwickler des Spiels brachte im April 2015 eine Flut an Negativ-Reviews ins Rollen.
Zugegeben, Review Bombings können viel Positives bewirken. Das gilt insbesondere dann, wenn ein Entwickler den Blick für die Belange und Wünsche der Community aus den Augen verloren hat und in einer kollektiven Aktion wachgerüttelt werden soll. Beispiele wie Firewatch, Titan Souls und Dota 2 zeigen jedoch auch, dass enttäuschte Nutzer ihren Frust über das Handeln eines Entwicklers gerne mal dort abladen, wo er streng genommen gar nichts mit dem eigentlichen Produkt zu tun hat. Und auf diese Weise eine Negativ-Spirale lostreten, die auch Wochen später noch nachwirken kann. Große Publisher wie Bethesda, Valve und Co. können und müssen so etwas verkraften. Für kleine Studios hingegen können solche, aufgrund von Social-Media-Zoff und anderen, nicht spielrelevanten Gründen losgetretenen Review Bombings schnell zur ernsthaften, teilweise sogar wirtschaften Bedrohung werden. Umso wichtiger ist es, dass Nutzer sich intensiver mit der Thematik auseinandersetzen und Portal-Anbieter wie Steam, Metacritic und Co. nicht aufhören, die Bewertungs-Funktionen ihrer Plattformen zu hinterfragen und - unter Berücksichtigung der Wünsche aller Beteiligten - optimieren. Gleichzeitig sollten sich Fans und Käufer als auch Entwickler und Publisher dringend mit den oft tiefer sitzenden Ursachen (zum Beispiel Lootboxen, Mikrotransaktionen etc.) befassen und neue Lösungsansätze diskutieren. Lässt die Branche diese Baustellen dagegen schleifen, ist nicht auszuschließen, dass Review Bombings schon bald eine ganze neue, ungeahnte Dimension erreichen.

wie vermisse ich die Zeiten als Games noch ein Hobby für Nerds war und die Proleten sich bei RTL2 oder DSDS aufhielten.
Nein ich werde sogar soweit gehen und sagen dass die 1-Zeiler konstruktiver sind als die 1000 Wörter Aufsätze. Stichwörter kann man noch auffassen wenn man drüber fliegt, da können sich Entwickler noch ein Bild über die allgemeine Meinung machen, Aufsätze werden sicherlich ignoriert außer es sind die 10-20 best bewerteten.
Aber ich glaube die meisten hier vertreten nur den ethisch und sozial richtigen Standpunkt. Ich tendiere bei Reviews auch zu einem objektiven und ausschweifenden Stil. Aber pragmatisch gesehen glaube ich dass es nicht besonders effektiv ist. Shitstorms und blödes Geschrei mag zu Recht verpönt sein, aber Leute, es funktioniert, obs uns schmeckt oder nicht. So ziemlich überall und in allen Belangen auf der Welt.
Ach übrigens, die Bewertung müsstest du dir gar nicht weiter durchlesen. Sie wäre zu Ende. Das ist das herrlich wunderbar ironische, groteske und effektive an Polemik, sie ist kurz, knapp und du kannst ihr nicht entkommen.
Ist es wirklich ok etwas extrem schlecht zu bewerten nur...
... weil man entweder einem Gerücht glaubt was jemand anderes auf die Welt gesetzt hat? (ohne eigene Erfahrung)
...dadurch dass der Lieferdienst mal wieder versagt hat? (Was gar nichts mit dem eigentlichen Produkt zu tun hat)
... weil man einen Begleiter im Spiel nicht mag obwohl man den Rest doch gut fand?
...weil der Lieblingsyoutuber gesperrt wird und das Spiel nur auf Grund dessen gewertet wird? (bzw das Wertungssystem auf Grund um ein Statement zu setzen missbraucht wird)
... oder Umgekehrt man volle Punktzahlen gibt, nur weil es ein anderer(Youtuber, Tester, Spieler) sagt das es gut ist?
Das sind für mich alles radikale Entscheidungen die wirklich kein Wertungssystem braucht und die ich niemals gut heißen werde.
Der tiefere Sinn eines Wertungssystems ist ein Spiel (oder im Allgemein Produkt) zu empfehlen, wo kann so ein Mensch der nach solchen radikalen Mustern bewertet irgent eine Empfehlung schreiben? Ich würde mal sagen Ziel verfehlt!
PS: kann man durchaus nur mit wenig Sätzen viel positiven oder negativen Eindrücke vermitteln.
Ein Beispiel:
Xenoblade Chronicles 2 ein Fest für jeden der Rollenspiele mag und sich nicht zu sehr an Anime stört. Ein geniale Story die vor allem durch viele Cutscenes gut erzählt/inszeniert wird. Einen wirklich guten Soundtrack der einen mitreißen kann. Das Gameplay ist durchdacht, fordernt und nichts für Einsteiger. Lediglich die schlechte Performance der Switch und viele Laufburschenquest könnten mir hin und wieder die Stimmung trüben. Trodem für mich ein Headliner des Jahres wo man sich 150 Stunden verlieren kann. 5/5 Sternen @ Amazonwertung.
PPS:
Kling einwenig hoch @ Wertung aber bei PC Games würde ich 92% geben, in den 5 Sternesystem sind das gerundet eben 5 Sterne ^^.
Man muss auch nicht meiner Meinung sein, sondern es so bewerten welche Erfahrungen man selber in diesen Spiel gemacht hat. - Geschmäcker sind eben verschieden. (und das ist auch gut so!)
Nein ich werde sogar soweit gehen und sagen dass die 1-Zeiler konstruktiver sind als die 1000 Wörter Aufsätze. Stichwörter kann man noch auffassen wenn man drüber fliegt, da können sich Entwickler noch ein Bild über die allgemeine Meinung machen, Aufsätze werden sicherlich ignoriert außer es sind die 10-20 best bewerteten.
Aber ich glaube die meisten hier vertreten nur den ethisch und sozial richtigen Standpunkt. Ich tendiere bei Reviews auch zu einem objektiven und ausschweifenden Stil. Aber pragmatisch gesehen glaube ich dass es nicht besonders effektiv ist. Shitstorms und blödes Geschrei mag zu Recht verpönt sein, aber Leute, es funktioniert, obs uns schmeckt oder nicht. So ziemlich überall und in allen Belangen auf der Welt.
Ach übrigens, die Bewertung müsstest du dir gar nicht weiter durchlesen. Sie wäre zu Ende. Das ist das herrlich wunderbar ironische, groteske und effektive an Polemik, sie ist kurz, knapp und du kannst ihr nicht entkommen.
Ersteres klingt für mich nach einem Ubisoft-Hate. Sowas hilft mir als potentieller Käufer gar nicht. Mir sagt das nur: Ok, der Kerl mag Ubisoft nicht. Das andere ist für mich konstruktivere Kritik, mit der man auch was anfangen kann. Zumindest ein bisschen. Vor allem aber lese ich mir konstruktive Kritik einfach lieber durch, weil es angenehmer zu lesen ist. Aber auch in letzterem Fall würde ich fragen: Was ist denn noch alles in dem Spiel gegeben? Gibt's auch Pro-Argumente? usw.
Wäre ich ein Entwickler, ob Indie oder unter einem Publisher, würde ich mir schon die Mühe machen, zumindest mal unter den Steam-Reviews durch zuklicken und hilfreiche Reviews raus zufiltern. Denn ein schlichtes "Das Spiel ist scheiße!!!einseinself" oder Daumen runter hilft nicht weiter. Da stelle ich mir die Frage: Ja, was ist denn daran so scheiße? Was genau gefällt dem Spieler denn daran nicht?
Daher hab ich mir immer die umfangreicheren User-Tests hier auf PCGames.de gelobt und hab die Möglichkeit auch oft genug selbst in Anspruch genommen. Leider gibt es die Möglichkeit, soweit ich das mitbekommen habe, nicht mehr.
Ein Beispiel was mir gerade einfällt, Bloodborne. Da konnte man nicht von einer Lantern(Leuchtfeuer) zu einem anderen reisen. Man musst immer zurück in die Hub-Welt und dann von dort weiter zu einem anderen Leuchtfeuer. Gepaart mit den miesen Ladezeiten der Ps4 kein Spaß. Oder dass die Blood Vials (Healthtranks) Sammelgegenstände waren. dass heißt biss man sich gerade an einem Boss die Zähne gerade aus musste man nach ein paar mal wo man die Tränke aufbrauchte, wieder weg um Mobs nach den Blood Vials zu farmen.
Wie oft wird sowas in den professionellen und sachlichen Reviews erwähnt? Ich glaube ich habe es fast nirgends gelesen, nur Yahtzee erwähnte dass mit den Blood Vials in seinem Zero Punctuation Video. Ist auch kein Wunder. Professionelle Reviewer konzentrieren sich so sehr auf das Gesamtbild und das Spiel als ganzes wenn sie ein Review schreiben dass solche Details oft untergehen. Wenn es das Gegenteil des Sprichwortes "Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht!" gebe dann wäre er hier genau passend.
User aber sterben zum 10x an den selben Boss und müssen schon wieder Blood Vials farmen gehen und verfassen dann in Rage einen Review. Für den hat das Feature das Spiel zerstört, er spielt deswegen nicht mehr weiter. Wieso ist es so falsch wenn sein Review jetzt nur diesen einen Punkt kritisiert und nicht das Spiel als ganzes? Wieso wollt ihr unbedingt mehr von den selben, immer gleich strukturierten Reviews? Davon gibt es doch schon genug, lest doch wenigstens die Reviews von denen die dafür gezahlt werden, durch euren Klick verlieren sie vielleicht ihren Job nicht :ugly: .
Aber hier geht's einfach um konstruktive Kritik an sich. Und "Das Spiel ist doof" ist nunmal einfach nicht hilfreich. ;)
Ein Beispiel was mir gerade einfällt, Bloodborne. Da konnte man nicht von einer Lantern(Leuchtfeuer) zu einem anderen reisen. Man musst immer zurück in die Hub-Welt und dann von dort weiter zu einem anderen Leuchtfeuer. Gepaart mit den miesen Ladezeiten der Ps4 kein Spaß. Oder dass die Blood Vials (Healthtranks) Sammelgegenstände waren. dass heißt biss man sich gerade an einem Boss die Zähne gerade aus musste man nach ein paar mal wo man die Tränke aufbrauchte, wieder weg um Mobs nach den Blood Vials zu farmen.
Wie oft wird sowas in den professionellen und sachlichen Reviews erwähnt? Ich glaube ich habe es fast nirgends gelesen, nur Yahtzee erwähnte dass mit den Blood Vials in seinem Zero Punctuation Video. Ist auch kein Wunder. Professionelle Reviewer konzentrieren sich so sehr auf das Gesamtbild und das Spiel als ganzes wenn sie ein Review schreiben dass solche Details oft untergehen. Wenn es das Gegenteil des Sprichwortes "Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht!" gebe dann wäre er hier genau passend.
User aber sterben zum 10x an den selben Boss und müssen schon wieder Blood Vials farmen gehen und verfassen dann in Rage einen Review. Für den hat das Feature das Spiel zerstört, er spielt deswegen nicht mehr weiter. Wieso ist es so falsch wenn sein Review jetzt nur diesen einen Punkt kritisiert und nicht das Spiel als ganzes? Wieso wollt ihr unbedingt mehr von den selben, immer gleich strukturierten Reviews? Davon gibt es doch schon genug, lest doch wenigstens die Reviews von denen die dafür gezahlt werden, durch euren Klick verlieren sie vielleicht ihren Job nicht :ugly: .