Faszination Lebenssimulationen: Der ganz normale Gaming-Alltag
Die Sims, Stardew Valley oder doch eine Dating-Sim: Das gespielte Leben übt auf viele einen immer größeren Reiz aus. Was aber definiert dieses ungewöhnliche Genre und wieso entsteht bei Lebenssimulationen eine ganz besondere Faszination?
Lebenssimulation bedeuten also gleichermaßen Freiheit und Kreativität, aber natürlich spielt hier auch Eskapismus - also die Flucht aus der Realität - mit hinein.
Auch die Liebe spielt mit
Aber neben den Individuen und deren Entwicklung steht in Lebenssimulationen auch häufig das gemeinsame Miteinander im Fokus. Beziehungen zwischen den Computermenschen sind noch einmal das Salz in der Lebenssimulation-Suppe. Wieso? Weil sie uns als fühlende Lebewesen einbeziehen und sofort emotionalisieren. Auch hier gilt es natürlich, die Möglichkeiten auszuloten. Wer passt zu unserer Spielfigur? Welche Charaktereigenschaften fügen sich am besten zusammen? Dabei geht es nicht allein um (virtuelle) Liebe, sondern natürlich auch um Freundschaften und darum, Teil einer Gruppe zu werden. Zu Beginn von Stardew Valley (2016) erhalten wir etwa einen Brief unseres verstorbenen Großvaters. Die wichtigste Zeile darin lautet "Ich habe vergessen, was im Leben wirklich wichtig ist. Nämlich die Verbundenheit mit anderen Menschen und der Natur". Auf diesen Einstieg angesprochen, erklärt Eric Barone, der Entwickler hinter der Lebenssimulation, im Interview mit Boing Boing die Intention des Spiels und wieso sich so viele Menschen darin wohl und geborgen fühlen:
"Viele Aspekte des modernen Lebens sind für die Menschen unerfüllend. Das Intro zeigt, was daraus resultiert - wenn auch auf die Spitze getrieben. Stardew Valley bietet eine Welt, die eng mit der Natur verbunden ist und in der man ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Stolzes auf seine Gemeinschaft empfinden kann. Ich denke, das ist für die meisten Menschen attraktiv, ob sie es wissen oder nicht."
Quelle: Paradox Interactive
Crusader King 3
Das Kennenlernen der Menschen ist in Stardew Valley ebenso wichtig wie das Erforschen der Gebiete oder der Ausbau der eigenen Farm. Trotz seiner knuffigen Pixel-Optik bietet das Abenteuer dabei einige enorm düstere Hintergrundschichten, die wir aber erst herausfinden, wenn wir uns mit den Bewohnern beschäftigen. Und auf diesem Wege lernen wir schließlich auch die Optionen für Romanzen kennen.
Aus Lebenssimulationen werden Dating-Sims
Kein Wunder also, dass aus dem Genre der Lebenssimulationen die Unterkategorie der Dating Sims entstanden ist. So erklärt GB von GB Patch Games, Entwickler der Visual Novel Our Life: Beginnings & Always (2020), gegenüber GamesIndustry.biz die Entwicklung dieser Spielart:
"Das Genre etablierte sich immer mehr, daher war vieles zunächst ziemlich einfach gehalten. Im Laufe der Jahre gab es eine Zunahme handlungsbasierter Elemente, umfangreichere Gameplay-Features gepaart mit Dating-Sim-Features und andere Möglichkeiten, wie Entscheidungen die Geschichte beeinflussen. (...)"
Tanya X. Short von Kitfox Games, die 2021 Boyfriend Dungeon veröffentlichten, unterstreicht gegenüber GamesIndustry noch einmal, wie intim und persönlich Dating-Sims sein können. Schließlich hat doch jeder Mensch eine andere Vorstellung von Liebe, Beziehungen, Erotik und auch Sex.
"Ebenso bringen wir alle unseren romantischen Ballast (oder unsere Erwartungen) in ein Produkt ein, das behauptet, eine romantische Fantasie zu vermitteln. Wenn jemand Dating-Sims spielt, können wir erkennen, was uns an dieser Fantasie Spaß macht und warum. Und auch welche Risiken wir in unserem Liebesleben eingehen sollten oder nicht", führt sie weiter aus.

Ne, könnte ich jetzt nicht sagen. Ich würde mir etwas wünschen, bei dem das Spiel am frühesten Punkt der Erinnerungen eines Menschen beginnt. Also praktisch im Kleinkindalter. Figuren bleiben, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, stumm, Tagesaktivitäten lassen sich vorspulen (dafür gibt es dann jedoch nur "neutrale" Erfahrungspunkte), die Welt ist nicht zufallsgeneriert, aber trotzdem groß und gespickt mit Ereignissen: Man kann brav sein, aber auch von zuhause abhauen, mit seinen Freunden spielen oder alleine die Nachbarschaft erkundigen, sich dazu entscheiden, Verbotenes zu tun oder sich stattdessen lieber um sein Haustier kümmern, einem Hobby nachgehen, den ganzen Tag nichts tun (und damit die Eltern traurig machen), einem Verein beitreten (Minispiele!) etc. Wer es bis ins Erwachsenenalter schafft, kann Karriere als Quantenphysiker/Papst/Präsident oder auf einer Bohrinsel machen oder es bleiben lassen und sich eher auf soziale Aspekte konzentrieren, alles zurücklassen und verhungern (oder ein aufregendes Abenteuer erleben) oder einfach Tag für Tag vorspulen, bis der Figur irgendwann die Puste ausgeht. Man kann Klassen für seinen Charakter freischalten, es ist aber kein RPG (eher so etwas wie eine Mischung aus Shenmue und Zelda). Als Grafikstil könnte ich mir etwas Realistisches vorstellen, aber auch etwas im Stile der Katamari-Reihe. %)
Aber ja, Lebenssimulationen haben definitiv etwas an sich. Ich bin eigentlich ein Muffel was Simulationsspiele betrifft (an der Stelle gleich mal sorry, dass ich so unverhohlen als erstes kommentiere), aber ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, Animal Crossing und Viva Piñata hätten mich damals nicht abgeholt. Gar nicht mal unbedingt wegen dem Gameplay. Animal Crossing ist einfach auf seine eigene weirde Art faszinierend und VP hat so unglaublich witzige Soundeffekte. Sehr liebreizend!