Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting und ihre Bedeutung für die Spielewelt + Video

11
Special Sascha Lohmüller - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

The Last of Us ist aktuell in aller Munde, doch schon vor Jahrzehnten sorgten Wasteland oder Fallout für düstere Stimmung: Postapokalyptische Welten und Endzeit-Szenarios sind bei Entwicklern und Spielern gleichermaßen beliebt. Doch warum ist das so? Und was bedeutet dieses Setting für die Spiele? Redakteur Sascha Lohmüller sucht in seinem Special die Antworten.

Endzeit, Apokalypse, Weltuntergang - das Ende unserer Zivilisation hat viele Namen. Und bereits seit Schriften überliefert werden, spielt es in den Gedanken der Menschen eine Rolle. In der Bibel mit der Offenbarung des Johannes, in der nordischen Edda mit der Götterdämmerung (Ragnarök) oder in den Schriften des Hinduismus mit dem letzten der vier Zeitalter, dem Kali-Yuga - Variationen desselben Themas finden sich in fast jeder Mythologie, in unzähligen Büchern und Notizen aus allen Teilen der Welt.

Wo derartige Erzählungen jedoch oft einen warnenden Charakter haben, den Menschen als Leitfaden dienen sollten, wie sie sich (passend zur jeweiligen) Religion verhalten sollten, entdeckte vor rund zweihundert Jahren die Menschheit den Weltuntergang auch als Unterhaltungs-Thematik. Den Anfang machte Frankenstein-Erfinderin Mary Shelley mit ihrem Roman "The Last Man" im Jahre 1826. Ihr folgten noch im selben Jahrhundert Ikonen wie Edgar Allan Poe oder H.G. Wells mit seinem Meisterstück "Der Krieg der Welten". Mit dem Aufkommen der Filme im 20. Jahrhundert nahmen die Endzeit-Szenarien dann auch eine visuelle Dimension an. Ob nun das Frühwerk Metropolis von Fritz Lang mit seiner düsteren Zwei-Klassen-Dystopie (1927), der fast schon bösartige Sci-Fi-Film "... Jahr 2022... die überleben wollen", besser bekannt unter seinem Original-Titel "Soylent Green", der gekonnt das Thema Überbevölkerung und Nahrungsmangel aufgreift (1973) oder aber neuere Filme wie I Am Legend, The Book of Eli und der gerade angelaufene World War Z - Endzeit ist schick und Endzeit ist ironischerweise zeitlos.

Warum das so ist? Darüber gibt es viele Theorien. Im Endeffekt ist es aber wohl ein Zusammenspiel aus der Auseinandersetzung unserer eigenen Vergänglichkeit, nicht nur als Person, sondern als Gesamtheit der Spezies, einer gewissen Morbidität und purer Faszination für ein Setting, das so gar nicht in unsere derzeitige, doch recht zivilisierte Welt passen will. In einem apokalyptischen Szenario kommt alles zusammen: Die Menschheit steht am Abgrund, die Welt ist von der unseren auf eine verheerende Weise verschieden und in all dem Leid und Elend ist meist noch ein Fünkchen Hoffnung - normalerweise in Form der Protagonisten - zu finden.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis nach Literatur und Film auch die im direkten Vergleich noch sehr sehr junge Videospiele-Industrie auf diesen Zug aufspringt, das Thema Endzeit für sich entdeckt und seine eigenen (Schreckens-)Visionen des Weltuntergangs auf uns loslässt. Und ja, unterhaltsam sind derartige Spiele trotz ihrer Düsternis - aus eben den oben genannten Gründen.

Auf den folgenden Seiten wollen wir euch daher eine kleine Auswahl an Endzeit-Videospielen präsentieren, manche bekannt, manche weniger bekannt, manche herausragend, manche auch nur Durchschnitt. Sicherlich ließe sich die Liste auch noch fortführen oder erweitern, doch auch so dürfte ein guter Querschnitt durch das Genre gegeben sein. Viel Spaß beim Lesen!

Wasteland

Wasteland (1) Quelle: youtube.com Wasteland (1) Die Daten:
Entwickler: Interplay; Publisher: Electronic Arts; Release: 1988; Plattformen: PC, C64, Apple II

Worum es geht:
Wir schreiben das Jahr 2087, die Erde ist nach einem nuklearen Krieg 1998 in eine postatomare Wüste verwandelt, das namensgebende Wasteland. Ihr seid Teil eines Teams namens Desert Rangers, ein Überbleibsel der ehemaligen U.S. Army, und sollt eine Handvoll Zwischenfälle im Umkreis der Basis untersuchen. Dass ihr dabei einer Verschwörung von globalem Ausmaße auf die Schliche kommt, macht das Ganze nur noch spannender. In bester Party-Rollenspiel-Tradition schickt ihr in Wasteland nicht nur einen einzigen Helden in die Wüste, sondern ein Team aus mehreren Charakteren. Zu den anfänglich erstellten vier Protagonisten gesellen sich im Verlauf eurer Reise noch bis zu drei weitere Mitglieder.

Die grundsätzlichen Mechaniken orientieren sich dabei an den in den 80er-Jahren äußerst beliebten Pen&Paper-Rollenspielen. Kein Wunder, schließlich waren neben Entwickler-Legende Brian Fargo auch zwei Herren namens Michael Stackpole und Ken St. Andre an Wasteland beteiligt, ihres Zeichens Erfinder der beiden P&P-Rollenspielsysteme Tunnels & Trolls (St. Andre) und dem darauf basierenden Mercenaries, Spies and Private Eyes (Stackpole). Dementsprechend wühlt ihr euch auch in Wasteland durch einen Haufen von Statistiken, Skills und Ausrüstungsgegenständen und Kämpfe werden allein durch ein Gemisch aus Würfelglück, Werten und den effektiven Einsatz eurer Fähigkeiten als durch schnelle Reflexe und Geschicklichkeit entscheiden.

Was Wasteland so besonders macht:
Neben der für damalige Verhältnisse grafischen Top-Aufmachung setzte vor allem das Moral-System von Wasteland neue Maßstäbe. Nicht nur müsst ihr auf eurer Reise durch die postatomare Wüste regelmäßig schwere Entscheidungen treffen, die sich schlecht in "Gut" und "Böse" einteilen lassen, sondern eher in einer ethischen Grauzone angesiedelt sind, sondern auch eure angeheuerten Gefährten verfügen über einen eigenen Moralkodex. So können sie sich beispielsweise weigern, eine Aktion auszuführen, wenn sie mit den Konsequenzen nicht einverstanden sind - für damalige Verhältnisse eine kleine Sensation.
Zudem ist Wasteland eines der ersten Spiele, die eine persistente Welt anbieten. Sprich: Eure Handlungen haben dauerhafte Auswirkungen auf die Spielwelt und lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Wer die Entscheidung trifft, ein Dorf auszuradieren, tilgt es für immer von der Landkarte. Witzig: Da Festplattenplatz zu der Zeit rar und begrenzt war, forderte das Spiel den geneigten Zocker anfangs auf, doch bitte eine Kopie der Spiel-Diskette anzulegen, damit sie fortan als Speichermedium dienen könne.

Wasteland (3) Quelle: Computec Media AG Wasteland (3) Auswirkungen auf die Videospiele-Welt:
Neben der erwähnten Etablierung der persistenten Welt für Rollenspiele und dem technischen Fortschritt, diente Wasteland vor allem als Inspiration für die noch weitaus erfolgreichere Fallout-Franchise (später dazu mehr). Und aktuell wird gar ein direkter Nachfolger von Brian Fargo's Studio inXile Entertainment sowie den Rollenspiel-Profis Obsidian Entertainment entwickelt. Finanziert wurde das Ganze mit großem Erfolg über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter.

Zeit wird es, denn eigentlich sollten Zocker schon viel eher in den Genuss eines Nachfolgers kommen. Das 1990er PC-Rollenspiel Fountain of Dreams war beispielsweise eigentlich als Wasteland 2 geplant. Kurz vor der Veröffentlichung zog Publisher Electronic Arts allerdings aufgrund der absehbaren Qualität die Reißleine und strich das Wasteland aus dem Titel. Entsprechend der EA'schen Vorahnungen blieb Fountain of Dreams dann auch hinter den Erwartungen zurück und enttäuschte sowohl Fans als auch die Fachpresse auf ganzer Linie. Einer der Gründe: Von den eigentlichen Wasteland-Machern war bei der Entwicklung von Fountain of Dreams niemand mehr an Bord. Stattdessen werkelte man im Hause Interplay am inoffiziellen Wasteland-Sequel Meantime. Auch hier wurde jedoch kurz vor Release die Reißleine gezogen, denn das als 8-Bit-Videospiel für Apple II und C64 konzipierte Meantime hätte nach Meinung von Fargo gegen die immer stärker werdende DOS-Konkurrenz keine Chance gehabt. Eine später geplante PC-Anpassung wurde hingegen wegen des 1992 erschienenen Ultima VII gecancelt, weil man grafisch um Lichtjahre hinterher gehinkt hätte.

Wer Wasteland heutzutage nachholen will, hat Glück: Das Spiel wird mittlerweile nicht mehr von den ursprünglichen Entwicklern und dem Publisher unterstützt und ist daher legal auf diversen Abandonware-Seiten herunterladbar. Ihr braucht lediglich das DOS-Emulationsprogramm DOSBox.

11
  1. Seite 1 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Wasteland
  2. Seite 2 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Final Fantasy VI
  3. Seite 3 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Waterworld
  4. Seite 4 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Resident Evil
  5. Seite 5 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - KKnD
  6. Seite 6 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Fallout
  7. Seite 7 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Resistance: Fall of Man
  8. Seite 8 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - S.T.A.L.K.E.R.
  9. Seite 9 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Left 4 Dead
  10. Seite 10 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Darksiders
  11. Seite 11 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Metro 2033
  12. Seite 12 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Enslaved: Odyssey to the West
  13. Seite 13 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Gears of War 3
  14. Seite 14 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - Rage
  15. Seite 15 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - I Am Alive
  16. Seite 16 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - The Walking Dead
  17. Seite 17 Der Anfang vom Ende: Games mit Endzeit-Setting - DayZ
    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von knarfe1000 Spiele-Kenner/in
        Metro Last Light ist für mich der beste Shooter seit Jahren - äußerst empfehlenswert. Vor allem für Liebhaber von Endzeitgames.
      • Von knarfe1000 Spiele-Kenner/in
        Metro Last Light ist für mich der beste Shooter seit Jahren - äußerst empfehlenswert. Vor allem für Liebhaber von Endzeitgames.
      • Von StephanReis Spiele-Novize/Novizin
        Bis auf Stalker haben mich Spiele zu dem Thema kalt gelassen. Na ja Metro hab ich auch bin aber noch nicht dazu gekommen es anzuspielen. Mal sehen wie es ist.
      • Von Sascha Lohmueller Redaktionsleiter Print
        Zitat von McTrevor
        War das erste erfolgreiche Survival-Horror-Game nicht Alone in the dark?

        Gab neben Alone in the Dark noch ein, zwei weitere vor Resident Evil. Der Begriff "Survival Horror" geht aber von Resi aus.
      • Von Sascha Lohmueller Redaktionsleiter Print
        Zitat von Waupee
        Mhm Stalker hat nie eine "Feuerballwerfende Anomalie gehabt :-)

        Und für Stalker SoC Cracks gibt es seid einigen Tagen die "Solajanka Final 2013 Edition"

        unter : amk-zone.de eine der besten Deutschen SoC Mod´s.

        Comet - The S.T.A.L.K.E.R. Wiki - Shadow of Chernobyl, Clear Sky, Call of Pripyat and more :)
      • Von Sheggo Spiele-Kenner/in
        Zitat von undergrounderX
        Rattentanz und Malevil sind sehr gute Endzeit Bücher. Lese ich immer wieder gerne :)
        Das Buch Blackout zeigt sehr realistisch wie drastisch sich ein anhaltender Stromausfall auswirken würde. Auch sehr intressant zu lesen
        ja danke, werde ich mir mal reintun...

        @McTrevor:
        The Stand kenne ich; sowie fast alle anderen King Bücher auch. Eigentlich sind alle seine Bücher mit dem Schwarzen Turm verbandelt, denn der Schwarze Turm ist ja die grundsätzliche und allumfassende Wahrheit aller Dinge :-D
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk